Donnerstag, 15. Juni 2017

Meine Ode an... Gewitter!

oder: Was für ein Horror!?

Wenn es von nachtdunkel taghell wird, dann mucksmäuschenstill und anschließend laut knallt, weiß man: Aha, mal wieder Gewitter. Eigentlich ein ganz normales Wetterphänomen. Aber – vermutlich, weil es einfach laut ist und selten – hat sich in der Menschheit eine tiefgreifende Angst davor manifestiert. Und das verstehe ich auch. Mir wird auch immer ein bisschen bange, wenn der Himmel sich zuzieht und die grauen Wolken irgendwie nach Unheil aussehen.

Vor allem gibt es so viele Gerüchte! Wo ist man sicher? Im Haus? Nein, natürlich nicht! Im Auto, weil Faraday’scher Käfig. Weil ich das auch mal so in der Schule gelernt hab, zieht es mich unterbewusst immer in meinen Wagen. Der steht zwar zwei Straßen weiter und ich müsste erst einmal hinlaufen – aber für dieses Sicherheitsgefühl ist es mir wert. Diffus. Wenn ich in der Wohnung bin, stehe ich bei Gewittern aber trotzdem am Fenster. Ich will den Feind im Auge behalten können. Auch wenn ich vor lauter Schiss bei jedem Donner zusammenzucke – irgendwas anderes machen als raus gucken ist emotional schwierig.

Ich sehe nämlich bei Gewittern eine gewisse Ähnlichkeit zu manchen Horrorfilmen. Nehmen wir mal den weißen Hai: Es liegt etwas in der Luft. Alle spüren, das geht nicht gut aus, aber die Angst ist nicht fassbar. Am Himmel ziehen erste Wolken auf (man stelle sich die leise Haimusik vor, die langsam lauter wird). Die Wolken sind dunkel und sehen bedrohlich aus. Aber sind sie das wirklich? Man weiß es nicht. Dadamdadamdadam. Sie kommen näher, sind über einem. Ein kühler Wind zieht mit, immer stärker, die Gefahr wächst, alle spüren es, keiner benennt es – es blitzt. Panik. Donner. Zucken. Vor Schreck, nicht vor Strom.
 
Falk Blümel  / pixelio.de
Und dann diese Hintergrundgeräusche. Es rauscht überall als würden Schnellzüge vorbeifahren, Außendeko klappert laut vor sich hin. Dazwischen: Stille. Gar nichts. Als wäre die Akustik gestorben. Besonders nachts kommt es mir oft so vor, als wären aus Gewittern die besten Ideen für Geisterfilme entstanden.

Jetzt stellt euch mal vor, so ein Wetter zieht auf und ihr seid draußen. Kein Faraday’scher Käfig, sondern nur Flachland und Bäume. Scheiße, oder? Hatte ich auch letztens. Meine Familie um mich herum, die mich beschwichtigen, während ich immer weiter in den Busch wachse, der hinter mir steht. „Wenn der Blitz einschlägt, dann dort hinten“, sagte mein Bruder und deutete auf einen Bauernhof 100 Meter weiter. Ja, okay. Aber schlägt das nicht Funken? Und wieso laufen wir gerade auf dieses Haus zu, um vor dem Regen Schutz zu suchen? Außen, unterm Dach? Mir war mehr als mulmig, als wir unter dem Vorschlag standen und darauf warteten, dass das Gewitter ein wenig abzieht. Sage und schreibe 60 Minuten hat der Spuk gedauert. Ehrlich, das war besser als so manche Achterbahnfahrt. Adrenalin pur. Survivaltraining at its best!


Gerade gewittert es draußen auch. In den letzten Tagen stand die Luft richtig schwül, man hätte sie durchschneiden können. Jetzt zieht frischer Wind auf – auch wenn gefühlt gerade schon die Geisterstunde losbricht, dabei ist es erst viertel vor zwölf. Die sollen sich auch mal an ihre Zeiten halten. Ich hadere die ganze Zeit, meinen Laptopstecker aus der Steckdose zu ziehen. Falls es knallt, dann richtig. Und dann überlegt von der Technik letzten Endes wenig. Aber was ist dann mit Netfl-

Dienstag, 13. Juni 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche ans... Bodyshaming!

...oder: Warum es nicht reicht, die wenigen guten Beispiele loszupreisen!

Vor einigen Jahren war ich Teil einer Showtanzgruppe. Wir hatten verschiedene Mottos, aber eins ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Burlesque.  Wir  kauften den Soundtrack des gleichnamigen Kinofilms, ließen uns Korsagen in den USA maßschneidern und kauften Netzstrumpfhosen, Spitzenshorts und Federn fürs Haar. Weil unsere Trainerin sich einige Showeffekte überlegt hatte, musste eine von uns den Tanz eröffnen. Alleine, im Scheinwerferlicht. Viele trauten sich nicht, also entschied unsere Trainerin, dass ich es machen sollte. Weil ich selbstbewusst bin und mich im Training bewiesen hatte. Bei der Premiere lud ich Freunde, Familie und Bekannte ein, ich fühlte mich so wohl, obwohl das Outfit ziemlich viel Haut zeigte. Auch das Feedback im Anschluss war großartig.

Ein Jahr später, kurz vor meiner schriftlichen Abiturprüfung, hatte ich plötzlich eine Nachricht in meinem Facebook-Account. Ein Mitschüler von mir, der diesen Auftritt damals gesehen - und gelobt - hatte, beleidigte mich aus heiterem Himmel aufs schärfste. Unter anderem fiel  der Satz: "So eine Fettqualle wie du sollte sich schämen, in so einem Outfit vor Menschen aufzutreten." Das saß. Damals haute mich das total aus der Bahn.

Heute, vier Jahre später, sehe ich das völlig anders. Zum einen wiege ich inzwischen fast 20 Kilo mehr als früher und weiß, dass ich damals absolut keine 'Fettqualle' war! Ich war zwar nicht dürr wie eine Bohnenstange, aber ich war schlank. Aber das tut eigentlich nichts zur Sache, denn ich habe bis noch zwei Dinge mehr dazu gelernt: Zum einen weiß ich, dass dieser Typ der größte Idiot war (und es fällt mir schwer, ihn hier nicht namentlich zu nennen, weil so jemand die Bloßstellung eigentlich verdient!), ein Problem mit mir entwickelt hat und mich lediglich davon abbringen wollte, ein gutes Abitur zu schreiben. Was er absolut nicht geschafft hat. Zum anderen - und das ist viel wichtiger: Jeder Mensch, der einen anderen wegen dessen Figur kritisiert und fertig macht, hat weder Aufmerksamkeit noch ein offenes Ohr verdient. Solche Menschen sind charakterlich einfach nur arm.

Das Problem an der ganzen Sache, unabhängig von diesen Idioten, ist: Unsere Gesellschaft ist indirekt darauf gepolt, übergewichtige Menschen auszugrenzen. Insbesondere Frauen bekommen regelmäßig zu spüren, dass sie das Optimum anzustreben haben - und wenn nicht, fallen sie raus, müssen sich demütigen lassen. Das fängt mit Blicken an, die ihnen zugeworfen werden, geht über Jobabsagen bis hin zu Fotos von korpulenten Menschen in Bikinis, die teilweise auf Social-Media-Plattformen gelöscht werden, weil sie angeblich unästhetisch sind. Keiner dieser Kanäle würde das jemals zugeben, weil die Menschen wissen, dass das runtermachen Übergewichtiger verwerflich ist. Aber es herrscht auch Stillschweigen darüber, dass es nicht zu großem Aufsehen sorgt, wenn es doch passiert. Und dieses Verhalten ist heimtückisch.

Vor allem zeichnet sich momentan ein Trend ab, den ich mehr als besorgniserregend finde: Es gibt einige positive Beispiele, die immer wieder in der Öffentlichkeit Erwähnung finden. Aber dahinter steckt eine Spirale, die das ganze nach verschärft.

Hier erst einmal die positiven Bespiele, die mir auffallen:
  • Der aktuellste Anlass: Wenn öffentlich Bodyshaming betrieben wird, ist der Aufschrei erst mal groß - Shitstorms inklusive. Beispiel: Der neue Schneewittchenfilm, dessen Werbeplakat eine korpulente Version der Märchenschönheit zeigt - mit dem Spruch: Was wäre, wenn Schneewittchen nicht länger schön wäre...". Der Eklat war riesig und hält sich seit zwei Wochen in den Medien. 
  • Manche Geschäfte haben inzwischen die regulären Größen erweitert. Esprit beispielsweise. Dort gibt es Klamotten bis Größe 44/XL zu kaufen. 
  • Plus-Size-Models sind im kommen. Auf Laufstegen und in Kampagnen treten immer mehr Frauen auf, die jenseits Size Zero sind. 
  • Spezielle Modelinien haben sich darauf spezialisiert, Kleidung für alle Typen von Frauen herzustellen. Von Größe 34 bis 50 gibt es dieselben Klamotten. Das Ziel: Niemanden mehr auszuschließend und für jeden etwas anzubieten. 
Genau die positiven Beispiele sind in erster Linie natürlich ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings verhalten sich die Medien, als wäre alles revolutioniert. Dabei stecken hinter diesen "Vorreitern" auch ihre Tücken
  • Selbst wenn Geschäfte Größe 44 und mehr anbieten, heißt das nicht zwingend etwas. Ich war vor einem Jahr bei einem dieser Läden und wollte mir für das Bewerbungsgespräch einen schönen neuen Blazer kaufen. Bis dato hatte ich Größe 38, aber weil ich ja zugenommen habe, wusste ich, dass ich es besser mit Größe 40/42 probieren sollte. Das Ergebnis: Selbst Größe 44 hat mir in diesem Geschäft nicht gepasst, obwohl ich Zuhause nach wie vor in Größe-40-Kleidung passe. 
  • Plussize-Models gelten zwar als revolutionär, aber in Interviews kam schon oft genug raus: Plus-Size bedeutet größtenteils Größe 38/40, maximal. Das bedeutet, diese "Übergrößen-Frauen" haben eigentlich eine ganz normale Figur, sind nicht übergewichtig. Sie werden nur von den Medien so dargestellt, was eine riesen Sauerei ist, wenn man es genau nimmt. Denn das zeigt wieder: Normalgewichtige Frauen gelten in unserer Gesellschaft als dick. Eine normale Figur ist also nicht erstrebenswert.
  • Generell: Plus-Size. Alleine die Bezeichnung. Das heißt doch nichts anderes als dass Frauen, die in dieses Schema fallen, keine normalen Größen haben. Dabei sind diese Frauen doch genauso normal wie gertenschlanke, oder?
  • Und: Übergrößen sind nicht im üblichen Sortiment. Sie sind in einer eigenen Abteilung, ähnlich wie Schwangerschaftsmoden. Also: Von der Norm ausquartiert. Und die Auswahl in dieser Abteilung ist lächerlich. Es gibt zehn Oberteile, fünf Hosen und drei Kleider, während Frauen mit üblichen Größen sich vor lauter Kleidervielfalt kaum retten können. 
  • Kleidermarken, die gelobt werden, weil sie ihren gesamten Fundus in nahezu allen Größen produzieren, sind unerschwinglich. Letztens habe ich etwas über eine Bademarke gelesen, die genau diese Linie fährt. Aber das günstigste Teil dieser Marke kostet 100 Euro. Wer kann sich das ganz regulär leisten? 
Ihr seht also: Die positiven Beispiele hinken teilweise enorm. Ja, ein erster Schritt ist gemacht, aber das reicht noch lange nicht. Was aber noch viel mehr stinkt: Durch die Lobpreisung dieser kleinen guten Entwicklung gehen die ganzen Missstände verloren. Und davon gibt es noch genug. So hat sich unter anderem letztens eine Frau auf Facebook beschwert, die nicht gerade schlank sind und sich öffentlich  über das Größenproblem mokieren. Zum Beispiel hat eine Frau mit normaler Figur letztens ein Foto aus einer Umkleidekabine gepostet und darunter geschrieben: Sie hat normalerweise Größe 40, passt dort aber kaum in Größe 44 hinein. Solche Frauen fordern Modeketten dazu auf, ihre Größenpolitik zu ändern.

Was unsere Gesellschaft braucht, ist nicht die Gegenbewegung! Heißt: Nur noch korpulente Frauen in Magazinen abzubilden und Dünne zu kritisieren, bringt keine Lösung. Erst Recht nicht, wenn körperliche Mäkel weiterhin retuschiert werden, denn das bestärkt ja noch das Bild, dass Frauen perfekt sein müssen - nur eben andersrum als bisher. Im Gegenteil: Wir brauchen Authentizität. Zwei Beispiele gefällig? Es gibt eine Modekampagne, bei der nicht mit Photoshop nachgeholfen wurde. Ja, da sieht man Dellen an den Oberschenkeln. Ja, auch die kleinen Speckröllchen der Frau sind sichtbar. Aber: Gut so! Wichtig ist schließlich nicht, ein Optimum festzulegen, sondern allen - und wirklich ausnahmslos allen - Frauen zu vermitteln, dass sie gut sind, wie sie sind. Was mir aber noch besser gefällt - und schon länger existiert - ist die Dove-Kampagne. Knapp zehn Frauen in allen erdenklichen Hautfarben, Figurtypen und natürlich Problemzonen stehen in Unterwäsche da. Genau an diesem Punkt möchte ich auch unsere Gesellschaft sehen: Frauen sollen sich einfach wohlfühlen, wie sie wollen.