Sonntag, 12. Februar 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Big Data!

...Oder: Warum mir die Zukunft Sorgen macht.

Es ist mir schon öfter passiert, aber diese Woche ist es mir enorm aufgefallen. Ich war auf der Suche nach ein paar Sneakern. Weil ich wenig Zeit habe, in die Läden zu gehen (und mich das auch immer tierisch nervt), habe ich online gesucht. Ich habe drei Portale geöffnet, mich umgesehen und bin auf dem dritten fündig geworden. Schuhe in den Warenkorb, bestellt, fertig.


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Nicht mal einen Tag später, beim Nachrichten lesen auf Zeit.de, bekomme ich Werbung angezeigt. Von genau diesen drei Onlineshops mit genau den Sneakern, die ich mir angesehen habe. Und, wie gesagt, das passiert mir nicht zum ersten Mal. Und auch nicht nur nur mit Onlineeinkäufen.

Genau das und noch viel mehr ist Big Data. Das Prinzip dahinter ist, dass Onlineseiten, darunter die Größen Facebook und Google, Informationen über alle Menschen, die online sind, sammeln. Unsere E-Mail-Adresse, unser Geschlecht, unser Alter, unseren Wohnort. Das, was wir beim Registrieren angeben. Dazu noch, was wir online machen und ansehen (kennt ihr die Meldung, dass Cookies gesammelt werden? Genau damit wird unser Onlineverhalten aufgezeichnet). Das Ergebnis: Uns wird spezifisch genau dasangeboten, was uns interessiert. Ein klassisches, ursprüngliches Beispiel ist Amazon. "Wer das kauft, kauft auch das." Und man bekommt direkt Vorschläge für weitere Käufe. Inzwischen greift das alles noch viel weiter. Zum Beispiel über mehrere Seiten. Facebook schaltet Werbung für eine Seite, die ich mir einmal aus Neugierde angeschaut habe.

Ein Kollege meinte die Woche zu mir, das sei eigentlich cool. Weil man nicht mehr mit einem riesigen Informationsmüll zugeschüttet, sondern gezielt informiert wird.
Stimmt einerseits. Die technische Entwicklung ist enorm und entsprechend beeindruckend.

Aber, wenn ich mir das ganze genauer angucke, ist Big Data gruselig. Und gefährlich.
Warum?

1. Big Data fördert den Konsum
An unserer Gesellschaft werden immer wieder Stimmen laut, die den Kommerz kritisieren. Gerade junge Menschen geben gern Geld aus, statt zu reparieren wird neu investiert. Und neue Werte wie Umweltschutz, Achtsam- und Sparsamkeit kommen als Gegenentwurf auf. Big Data ist aber genau das Gegenteil davon, denn die personalisierte Werbung zeigt uns genau das, was wir wollen. Bekommen wir normale Werbung gezeigt, können wir selbst filtern, was uns interessiert. Hier interessiert uns aber nahezu alles, was uns der Algorithmus nebenbei präsentiert. Wir kaufen also mehr. Wird das ganze in den nächsten Jahren noch auf die Spitze getrieben, zum Beispiel indem wir zu dem gekauften Oberteil die passende Hose präsentiert bekommen, nimmt das sogar noch zu. Und wir geben mehr Geld aus als wir wollten.

2. Unser Informationsfluss wird beschränkt
Gehen wir mal vom einfachsten Beispiel aus: Wir wollen dieses Mal keine langweiligen Sneaker, sondern ein paar ausgefallene Schnürschuhe kaufen. Da wir beim letzten Mal nach Sneakern gesucht haben, werden uns überwiegend Sneaker angezeigt. So denkt der Algorithmus. Er mag keine Überraschungen. Und so finden wir immer wieder das, was wir ohnehin mögen. Die Perspektive wird eingeengt. Doch es wäre ja schön, wenn das nur die Werbung betrifft. Es geht nämlich noch weiter. Auch die Nachrichten werden vorgefiltert. Suchen wir mehrmals für ein Referat nach der Partei FDP, bekommen wir zukünftig eher Nachrichten, die in diese Richtung tendieren. Denn auch da wird uns nur angezeigt, was unseren Vorlieben entspricht. Und das sorgt erschreckenderweise dafür, dass wir nur noch einen Teil der Wirklichkeit präsentiert bekommen - den, den wir sehen möchten.
So etwas führt dann auch mal dazu, dass ein Donald Trump US-Präsident wird.
PS: Es kann helfen, regelmäßig die Cookies zu löschen. Dann werden gespeicherte Angaben auf Onlineseiten wieder gelöscht.

3. Man nehme die Daten...
...und gebe sie in die falschen Hände. Big Data bedeutet, dass Daten über uns gesammelt werden. Da sind harmlose Sachen wie die Info, was wir online eingekauft haben. Aber auch kritische Infos, wie unser Wohnort, wo wir Nachrichten lesen und sonstiger Kram, den eigentlich niemand etwas angeht. Und kommt mir jetzt nicht mit: Ich geb niemals meine Adresse an! Doch, tust du, zum Beispiel zum Shoppen. Die müssen ja das Paket zustellen.
Beobachtet man jedenfalls die Entwicklung, die die Politik und die Gesellschaft gerade macht, dauert es im Worst Case nicht mehr lange, bis wir keine Demokratie mehr haben, sondern wieder eine Diktatur. Und wenn wir kurz an die letzte Diktatur in unserem Land zurückdenken, die DDR, fällt mir zuallererst die Stasi ein. Die Informationen über die Menschen gesammelt hat, um sie festzunageln. Damals lief das noch per Denunziation, heute über Big Data. Das mag im ersten Moment nur halb so wild klingen, aber ist letzten Endes der Horror schlechthin. Je nachdem, welche Minderheiten ausgegrenzt werden, ist man schneller dran, als man denkt. Beispiel gefällig? Du bist Muslim und in einer Muslim-Community. Dann weiß man ziemlich viel über deine Religion. Du bist homosexuell und schaust online Pornos? Das wissen sie dann auch. Oder, ganz harmlos, du bist im Geiste ein Hippie und legst dich auf Facebook regelmäßig mit Nutzern an, die rechtspopulistisch rumpöbeln? Dann wirst du bei einer rechten Diktatur dran sein. Nur anhand der Dinge, die du irgendwann mal online getan hast. Selbst, wenn du und ich jetzt auf unser Onlineverhalten aufpassen würden - der Zug ist längst abgefahren.

Big Data ist also wirklich nicht ohne! Aber letzten Endes ist es ein richtig guter Grund, weiterhin für eine Demokratie zu sein und sich dafür einzusetzen. Damit wir alle weiterhin frei sind. Auch online.