Mittwoch, 25. Januar 2017

Städtecheck! Mainz

Mein Mainz. Eine kleine Stadt mit großem Herz. Hauptstadt von Rheinland-Pfalz und Weinhauptstadt von Rheinhessen. Studentenstadt. Damit könnte ich jetzt ewig weiter machen, denn Mainz kann viel! Deshalb möchte ich euch diese Stadt einmal genauer vorstellen.
PS: Wer einen ganz normalen Städtecheck erwartet, muss enttäuscht werden. Der hier wird besser.

Ein morgendlicher Blick auf den Schillerplatz

Hörensagen: Daran kann ich mich, ehrlich gesagt, kaum noch erinnern. Denn irgendwie bin ich mit Mainz ganz in der Nähe groß geworden. Aber ich erinnere mich, dass man Mainz als römische Stadt kennt, die am Rhein liegt, ganz nah an Hessen und Wiesbaden. So, und damit verschwimmen meine Erinnerungen.

1. Eindruck: Vielseitig. Von der hippen Neustadt zur historischen Altstadt, von der zentralen Oberstadt über das studentische Bretzenheim und das familiäre Gonsenheim bis hin zu den Außenposten Finthen, Lerchenberg, Hechtsheim und den Dörfern, die eigentlich gar nicht mehr dazu gehören dürften: Drais und Ebersheim. Mainz ist wirklich groß und je nach Stadtteil völlig anders. Da erlebt man von Szenebars bis Kuhmist ziemlich viel. Und das sorgt dafür, dass es nie langweilig wird!

2. Eindruck: Die Stadt ist ziemlich jung. Gerade im Vergleich zu Wiesbaden, die (zu Recht) den Ruf als Rentnerstadt genießt. In Mainz gibt es viel Natur (nur muss man die erst einmal finden) und wer nachts um die Häuser ziehen will, wird auch mehr als fündig. Insgesamt ist die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt, trotz seiner Größe von nur 210.000 Einwohnern, eine Stadt mit allen Möglichkeiten!

Wetter: Man glaubt es kaum, aber die Mainzer Ecke gehört zu den wärmeren, stabileren Regionen Deutschlands. Je nach Wetterphase regnet es da auch mal eine Woche am Stück, aber selten länger. Und die Sonne ist fester Bestandteil des Lebens in Mainz. Außerdem ein riesiger Vorteil: Die Winter sind mild und die Sommer nicht allzu krass. Von durchschnittlich 0-35 Grad geht in etwa das Jahresspektrum.

Cafés: Wer auf guten Kuchen, Flohmarktatmosphäre und Verspieltheit steht, sollte unbedingt mal einen Blick in die Anna:Batterie am Gartenfeldplatz werfen. Bezaubernde Torten, immer auch etwas veganes und alles mit Liebe selbst gemacht. Etwas minimalistischer und skandinavischer geht es im Hygge in der Rhabanusstraße zu. Blau trifft auf Weiß, der Kuchen ist nicht ganz so süß, aber nichtsdestotrotz wundervoll! Den mit Abstand besten Kuchen hat die Neustadtapotheke am Frauenlobplatz. Im Sommer gibt es sogar Eistorten. Wer mehr Wert auf Kaffee legt, schaut mal in der kleinen Coffee Bay am Schillerplatz rein. Etliche Kaffeesorten, der Duft von frisch gerösteten Bohnen und schöne dunkle Holzmöbel warten auf euch!
Aber Vorsicht: Es ist gerne mal sehr voll! Und zwar ziemlich überall in Mainz.

Das Höfchen
Bars: Kult-Status hat das Domsgickel in der Grebenstraße. Das ist eine gemütliche Kneipe mit Kicker und günstigen Getränken. Hier zieht es gefühlt alle Mainzer mindestens einmal - oder sogar öfter - hin. Etwas irischer wird es im Porter House in der Großen Langgasse. Guiness und Gemütlichkeit stehen hier im Vordergrund. Einen tollen Blick auf das Höfchen, den Stadtkern der Mainzer Altstadt, bekommt ihr im Sommer auf dem Stadtbalkon in der Ludwigstraße. Die Cocktails sind auch lecker, nur das Essen ist sehr gewöhnlich. Aber achtet drauf: Die Außenplätze sind für maximal drei Personen gedacht. Einen ähnlich tollen Ausblick habt ihr im Big Easy am Rhein. Lohnt sich auch, am besten an Sommerabenden.

Essen: In Mainz kann man grundsätzlich gut essen. Da kommt es auf die eigenen Bedürfnisse an. In Weinstuben (davon gibt es viele!) könnt ihr Handkäs mit Musik probieren (was ich ja ziemlich eklig finde), doch auch bei internationaler Küche ist Mainz richtig gut aufgestellt: Einen Kurztripp ins Elsass bietet der Kamin in der Kapuzinerstraße. Rund fünfzehn Flammkuchen (und zwar nur Flammkuchen), Wein, Apfelwein und sogar Flammkuchen als Nachtisch. Ich hab selten etwas besseres gegessen! Wer mal afrikanisch testen mag, sollte sich mal das Madiba Afrika an der Rheinallee anschauen. Da wird mit der Hand gegessen und zwar ursprüngliche, afrikanische Küche. Interessant und sogar ein bisschen romantisch, wenn sich die Hände in der Schüssel berühren! Spanische Tapas gibt es im Barrio Alto in der Gaustraße. Besonders der Hinterhof ist im Sommer wunderschön. Da bekommt man direkt das Urlaubsfeeling. Einen schnellen Snack kann ich euch aber auch empfehlen, falls ihr mal wenig Zeit habt: Schaut mal am Gartenfeldplatz in den Schrebergarten rein! Deren Spezialität ist Kumpir, gematschte Ofenkartoffeln mit Füllung. Alles vegetarisch, alles gut!

Frühstücken: Wenn ihr euch etwas gönnen wollt, geht am Wochenende ins Lomo am Ballplatz. Da erwartet euch ein Frühstücksbuffet, das frischer und besser nicht sein könnte. Abgefahren geht es im Krokodil am Sömmerringplatz zu. Von orientalischem bis australischem Frühstück könnt ihr euch durchprobieren. Lohnt sich!

Schlafen: Da ich Hotels in Mainz nie ausprobiert hab und es nicht musste, kann ich euch da wenig empfehlen. Aber sämtliche Hotels am Rhein (das Hilton oder das Hyatt) haben eine schöne Lage und sind bezahlbar. Highlight ist aber das Favorite am Volkspark. Grüner geht es in Mainz einfach nicht!

Der Winterhafen im Sommer
Grünes: Also erst einmal muss ich euch von zwei Dingen abraten: Dem Stadt- und dem Volkspark. Beide Anlagen sind zwar riesig, gepflegt und im Sommer fährt sogar für Kinder eine kleine Eisenbahn auf Schienen, aber wenn es mal warm ist, wird es dort so richtig unangenehm voll und außer vielen Grünflächen und dem kleinen Rosengarten gibt es dort nichts zu sehen. Deshalb empfehle ich euch folgendes: Geht an den Rhein. Da gibt es derart viel grün und es ist so schön und ruhig, dass man super ausspannen kann. Je nach Bedürfnis gibt es dort verschiedene Zonen: Sucht ihr den klassischen Rhein und euch stören die Menschen nicht, dann solltet ihr auf Höhe des Landtags (Große Bleiche) zum Wasser. An der Stelle ist es am Grünsten, aber eben manchmal auch voll. Ruhiger ist es auf Höhe der Neustadt in der Nähe des Zollhafens. Wer grillen möchte, ist in Mainz fast völlig falsch, denn Grillen ist das fast überall verboten. Ja, genau, fast, denn am Winterhafen unterhalb des Stadtparks darf man. Den Weg findet ihr, wenn ihr am Citrus/Fort Malakoff-Passage zum Rhein geht, euch rechts haltet und über die Brücke stiefelt. Auf der kleinen Halbinsel darf gegrillt werden!
Die Neustadt mit Blick auf den Gartenfeldplatz

Mein-super-duper-Grünes-Geheimtipp: Es gibt einen Flecken in Mainz, den kennt kaum jemand, aber er ist so schön, dass ich ihn euch nicht vorenthalten möchte. Die grüne Brücke. Ihr findet sie an der Ecke Rheinallee/Josefstraße. Auf breiter Fläche könnt ihr verschlungenen Wegen auf die Brücke folgen, euch dort verschiedenste Pflanzen anschauen, die die Stadt dort pflanzt und sogar einen Brunnen und im Sommer einen Wasserfall beobachten. Einer meiner Lieblingsorte in Mainz.

Das schöne KUZ 2015

Feierei: Wer in Mainz momentan feiern will, sollte keine Platzangst haben. Denn die meisten Clubs sind wirklich klein. Da ist einmal das Red Cat, ein Gewölbekeller in der Emmerich-Josef-Straße direkt am Schillerplatz. Die 90er-Partys sind richtig gut, ansonsten läuft oft Hip Hop. Ab 0 Uhr wird es dort richtig voll, deshalb entweder früh kommen hartnäckig sein. Ähnlich ist es im Schon Schön in der Großen Bleiche. Hier kann auf alles getanzt werden. Von Indie über Hip Hop bis Elektro ist alles mal dran. Sogar Livebands. Aber auch hier ist es eng, weil nicht unendlich Platz zur Verfügung steht. Der Vorteil: Das Publikum ist lässig und gemischt (eben ein wahrer Studentenclub, mit Fritz-Cola) und wenn ihr nachts mal Hunger bekommt, steht euch das Café Blumen direkt davor zur Verfügung. Elektronischer geht es im Gebäude 27 in der Rheinallee zu. Der noch wirklich neue Club in der Nähe des Zollhafens liegt etwas außerhalb, aber hat jetzt gewissermaßen schon Kultstatus. Die Anlage ist im Industriegebiet und man erkennt ihn nur am Wummern des Basses. Innen ist er minimalistisch beleuchtet und neben Stamm-DJs kommen auch mal echte Stars vorbei. Lohnt sich! Was sich aber immer am meisten gelohnt hat, ist das KUlturZentrum. Das hat 2015 geschlossen, wird aber 2018 nach Umbau wieder öffnen. Wenn das Programm wieder wie früher gefahren wird, sollte man sich die legendären 90er-Partys nicht entgehen lassen.

Shoppen: Kann man und zwar rund ums Höfchen. Die Highlights liegen aber woanders. Da ist zum Beispiel Janablume in der Scharngasse, die coole Vintageklamotten vertreibt. Oder das Svendsen in der Bretzelstraße, wo es Bio- und Skaterklamotten gibt. Und nicht zuletzt die Boutique Serendipity in der Neubrunenstraße, die etwas teurere, aber sehr coole Sachen hat!

Feste: Es gibt drei Feiern, die man in Mainz nicht niemals nie verpassen sollte. Einmal sind da die Mainzer Weintage. Rund 50 Winter aus der Umgebung bieten grandiosen Wein an und man kann gemütlich bis in die spätestens Abendstunden den Sonnenuntergang bei ein paar Gläschen genießen. Ähnlich schön ist der Weinmarkt im Volkspark. Noch mehr Winter, nur eben im Park. Wer nicht so auf Wein steht, sollte die Bierbörse am Rheinufer probieren. Hier werden ziemlich abgefahrene Sachen angeboten. Und zu guter letzt darf das Johannisfest einfach nicht verpasst werden. In der gesamten Mainzer Altstadt stehen Stände mit Essen, Trinken und sogar Jahrmarkt, Montagabend knallt ein großes Feuerwerk. Weil überall Stände sind, verteilt es sich gut und es ist nirgends brechend voll. Tolles Fest!

Must-Sees: Ich hab das typische Anwohnerproblem. Wer an einem Ort wohnt, sieht sich dort nichts an. Genau so war es. Deshalb kann ich euch hier nicht allzu viele Tipps geben. Aber das Landesmuseum hab ich mir angeguckt, das lohnt sich, wenn man auf Kunst steht. Die Altstadt ist enorm schön, genauso das Höfchen (das zwar alt aussieht, aber teilweise erst in den letzten dreißig Jahren so errichtet wurde wie heute). Die Stadtmauer ist ganz interessant, der Holzturm auch und das Gutenbergmuseum gehört unbedingt dazu, schließlich ist das eins der Dinge, die Mainz ausmachen. Ach ja, und der Dom.

Studieren/Arbeiten: Lohnt sich! Studieren in Mainz macht enorm Spaß, das Angebot der Johannes Gutenberg-Universität ist riesig (rund 150 Studiengänge) mit entsprechend vielen Studenten (rund 42.000) und Mainz als Studentenstadt ist ziemlich nett! Arbeitstechnisch gibt es auch viele Möglichkeiten. Insbesondere werden medienaffine Menschen regelmäßig in die Landeshauptstadt gezogen, weil das ZDF hier seinen Hauptsitz hat.


Wohnen: Teuer. Erstaunlich teuer. Mainz gehört nämlich zur Top 5 der teuersten Städte Deutschlands. Warum auch immer... Aber je nach Viertel sehen die Preise auch wieder ganz anders aus. Am unleistbarsten sind: Altstadt, Bretzenheim, Gonsenheim. Günstiger wird es in der Neustadt oder in Hechtsheim, Finthen, Lerchenberg.

Ein Blick auf die Stadt von der Zitadelle aus
Öffis: Auch teuer. Aber die Anbindung ist gut. Es gibt Straßenbahnen und Busse, wobei mit der Mainzelbahn seit Dezember noch bessere (aber langsamere) Anbindungen zur Verfügung stehen. Fast egal, wo man hin will, man kommt hin. Sogar noch Wiesbaden.

Fazit: Mainz ist mainzigartig. Egal, ob man Ruhe will, Natur, Wein, Feiern oder Kultur, man findet es dort. Man hat alles, was man braucht. Trotzdem ist Mainz ein großes Dorf, obwohl es gleichzeitig eine kleine Metropole ist. Der Rhein lädt im Sommer zum Entspannen ein, im Winter gibt es tolle Cafés, die mit leckeren Torten und Kuchen aufwärmen. Und wer auf Wandern steht, kann sich hier in den Weinbergen auch richtig austoben. Mainz ist grandios und unbedingt, unbedingt, unbedingt einen kurzen - oder längeren - Blick wert!

PPS: Die Bilder habe ich nicht für den Blog aufgenommen, sondern aus Liebe zur Stadt. Copyright ist natürlich bei mir ;-)

PPSS: Hier noch das Video von Mine zu "Hinterher". Ein richtig sehenswerter Rundgang durch Mainz!

https://www.youtube.com/watch?v=VsrOqzM8s6U

Sonntag, 22. Januar 2017

Mein Plädoyer für... journalistisches Selbstbewusstsein!

oder: Warum Selbstbewusstsein lernbar ist!

"So, Mareike, nächste Woche darfst du auf die Gemeinderatssitzung gehen." Während mein Chef mich freundlich anlächelte, als hätte er mir damit den Weg zur nächsten Karrierestufe aufgezeigt, unterdrückte ich eine Panikattacke. Ich war damals 17, ein halbes Jahr freie Mitarbeiterin bei der Zeitung und der Gedanke, mich vor knapp 20 mittelalten Männern behaupten, mich ins Gemeindegeschehen schalten und letztlich darüber schreiben zu müssen, sorgte fast für einen Atemstillstand. So etwas hatte ich noch nie getan! Und es würde wenig hilfreich sein, wenn ich (mit unfassbar jungen 17 Jahren) wie ein Mäuschen in der Ecke saß und mitschrieb.

Aber um keinen schlechten Eindruck zu machen, sagte ich zu. Ganz nach dem Motto: Wird schon werden. Im Nachhinein naiv, denn ich hatte das Selbstbewusstsein eines Mäuschens.


S. Hofschlaeger  / pixelio.de 
Mit wackligen Knien und einem Puls von nahezu 200 ging ich in der kommenden Woche also zur Gemeinderatssitzung. Ich hatte mir nicht zu viel versprochen: Viele Männer, der jüngste Mitte 40, die mit mir erst einmal nichts anfangen konnten. Ich erklärte kurz, wer ich war und warum ich hergekommen bin, um dann meinen Job zu machen. Immerhin musste ich keine dummen Kommentare einstecken. Anschließend schrieb ich den Text runter - ich hatte schon bessere abgegeben, aber er war auch nicht schlecht - und meisterte meine Aufgabe erstaunlich souverän.

Innerlich glühte ich vor Stolz. Inzwischen ist das sechs Jahre her und ich hatte etliche dieser Sitzungen oder ähnliche Termine, bei denen ich mir erst einmal Respekt einfordern musste. Ohne Selbstbewusstsein geht das nicht. Das heißt also: Mein Job fordert von mir, dass ich so etwas mitbringe - oder lerne. Und nicht nur mein Job, Journalistin, fordert das - vielen Menschen geht das in ganz anderen Branchen genauso. Sich präsentieren, behaupten und durchsetzen zu können, ohne vor Scham im Boden zu versinken, ist da ein Muss. Dass das hart sein kann, habe ich im Laufe der Jahre nicht nur einmal erlebt. Aber es gibt Tricks, mit denen ich mir das mit dem Selbstbewusstsein leichter gemacht habe:

Geht nicht, gibt's nicht. 
Manchmal bekommt man Aufgaben, die man sich nicht zutraut. Das kann eine Präsentation sein, ein schwieriges Projekt oder etwas völlig Neues, das man noch nie gemacht hat. Trotzdem: Nein sagen kommt gar nicht in Frage! Besser, man probiert sich aus und lernt dazu, statt es gleich abzulehnen. Denn zum einen sorgt die Einstellung "Ich schaff das" meistens schon von alleine dafür, dass es klappt. Schafft man es, hat man etwas dazu gelernt - und kann stolz auf sich sein! Zum anderen ist der Versuch auch Gold wert, schließlich beweist es, dass man sich Mühe gegeben hat. Außerdem bekommt man durch das Scheitern einen guten Blick für seine eigenen Fähigkeiten. Und wo man vielleicht noch arbeiten kann.

Augen zu und durch
Es gibt Aufgaben, die nicht abschreckender sein können. Gerade solche, in denen man sich behaupten muss. Ein Vortrag, eine Ansprache, das Teilnehmen an einer fremden Runde oder das ganz banale Kennenlernen von fremden Menschen. Ein absolutes No-Go in diesen Situationen: Denken. Denn wenn man sich eine solche Situation genau vorstellt, tauchen auch all die Dinge auf, die schief gehen könnten. Da ist die Panik vorprogrammiert. Stattdessen: Kopf aus, Handeln. Beim Kennenlernen kann man nicht viel falsch machen und bei Vorträgen hat man vorher geübt. Schaltet man seinen Kopf ab, wird schnell klar: So schlimm ist es nicht! Außerdem wirkt man sehr viel selbstsicherer, wenn man nicht hinter seinen Ängsten zurück steht.

Kritik ertragen
Es gibt nichts fieseres als kritisiert zu werden. Je nachdem, in welcher Runde das passiert, kann Kritik sogar richtig demütigend sein. Aber konstruktive Kritik, also die, die einem tatsächlich zeigt, was man verbessern kann, ist tatsächlich mehr als hilfreich. So lernt man aus seinen Fehlern und kann beim nächsten Mal noch mehr aus sich rausholen. Nehmt also konstruktive Kommentare an, sie helfen euch, standfester und sicherer zu werden!

Learning by watching
Es gibt sie, die Menschen, die man grandios findet, wie sie sind. Die immer glänzen, egal, was sie tun und die gefühlt keine Fehler machen. Idole also. Wieso sollte man von ihnen nicht lernen? Zum Beispiel, wie diese Person auftritt, was sie ausmacht, was sie sein lässt. Manchmal sind es nur Nuancen, die aus einer zurückhaltenden eine strahlende Ausstrahlung machen.

Selbstgespräch
Mit Selbstbewusstsein hängt eng das Selbstwertgefühl zusammen. Für viele ist der Unterschied gar nicht klar. Deshalb hier nochmal kurz: Man ist selbstbewusst, wenn man hinter nichts zurück stehen muss, sich präsentieren kann und Ausstrahlung hat. Das Selbstwertgefühl dreht sich hingegen viel mehr darum, wie viel man sich selbst wert ist, dass man sich mag und pflegt und zu schätzen weiß. Selbstbewusstsein geht also nach außen, Selbstwertgefühl nach innen. Optimal ist natürlich, von beidem ausreichend zu haben, aber das ist natürlich nicht immer der Fall. Um beides zu trainieren, hilft es, sich immer wieder vor Augen zu führen, was man gut kann, was liebenswert ist und was man an sich mag. Das verbessert die Beziehung zu sich selbst - und fördert das Selbstbewusstsein!

Bestimmt das Setting
Je wohler man sich fühlt, desto mehr strahlt das auch nach außen. Habt ihr also eine Situation vor euch, in der ihr etwas machen müsst, das euch unangenehm ist, greift zu absoluten Wohlfühlklamotten, dem Lieblingsschmuck, den schönsten Schuhen etc. So müsst ihr euch gedanklich nicht auch noch mit eurem Outfit beschäftigen und könnt ganz konzentriert die Situation überstehen!

Nicht zuletzt dürft ihr aber nicht vergessen: So was braucht Übung. Kaum jemand ist beim ersten Mal in einer ungewohnten Situation total lässig. Im Gegenteil. Gebt dem ganzen Zeit, scheut euch nicht - und schon seid ihr bald so selbstbewusst wie nötig!

Donnerstag, 19. Januar 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... den Sonntag!

oder: Warum ich Sonntage suspekt finde

Dieses Gefühl, wenn morgens kein Wecker klingelt, man aufwacht und weiß: 
Ich hab noch einen Tag frei, bevor es Montag ist. 
Igitt, Montag. Und alles wieder von vorne losgeht, wie jede Woche. 
Aber hey, immerhin noch ein ganzer Tag ohne all das. 

Viel mehr war der Sonntag für mich nie. Er lag zwischen dem genialen Samstag und Montag, dem Schrecklichen. Und pendelte irgendwo dazwischen herum. Theoretisch gut, dass es ihn gibt, aber so richtig was damit anzufangen wusste ich trotzdem nicht.

Das hat sich irgendwie schon in meiner Kindheit manifestiert. Da gab es sonntags immer die Familienausflüge. Also wurde ich von meinen Eltern ins Auto gepackt, meistens mit Walk-Man und schlechter Laune, und wir düsten an einen Ort, der ihnen gefiel. Das waren mal Museen, mal ein Wald, oft kleine schöne Städte oder ein Fluss, an dem man spazieren gehen konnte. Wir wanderten, entdeckten, erkundeten dann einige Stunden den Ort, bevor wir Kaffee tranken, Kuchen aßen und wieder nach Hause fuhren. Mein kindliches Ich fand das jedes Mal furchtbar. Vielleicht, weil ich zu der Zeit wenige Interessen mit meinen Eltern teilte, vielleicht aber auch, weil ich mir den Sonntag früher schon gemütlich vorstellte: Lange schlafen, Filme gucken, nichts tun eben. Aber wenn ich mal Ruhe hatte, war es irgendwie auch nicht gut, denn so was ist stinklangweilig.

Jahre später stelle ich fest, dass davon aber einiges haften geblieben ist. Ich mag Ausflüge an Sonntagen, auch wenn ich sie mit meinem Freund nicht allzu oft mache oder schaffe. Wir besuchen auch am Wochenende noch regelmäßig unsere Eltern und das Kuchenritual hat sich eingeschlichen, um zu bleiben. Ohne Sonntagskuchen fehlt etwas.

Trotzdem ist mir der Tag suspekt. Mein Kopf verbindet Sonntage noch immer mit Kirchenbesuchen und geschlossenen Geschäften. Eben der Tag in der Woche, in der alles ruht. Der das krasse Gegenteil des hektischen Alltags inne hat und sich immer anfühlt, als hätte jemand eine Vollbremsung gemacht, nur nicht auf der Autobahn, sondern im Leben.
Eigentlich ist so was sinnvoll, gleichzeitig aber auch langweilig. Ich muss dazu sagen, dass ich ein Mensch bin, der schnell glaubt, etwas zu verpassen. An Sonntagen verpasst die Welt etwas - denn es passiert ja meistens nichts Wichtiges. Alle sind in ihrer eigenen Bubble versunken und gehen Dingen nach, denen sie sonst nicht nachgehen können, aufgrund von Arbeit oder Alltagsstress. In meiner Familie wurde und wird sonntags nicht mal Hausarbeit gemacht. Staubsaugen als Sonntagssünde.

Innerlich macht mich diese aufgezwungene Ruhe aber fuchsig, weil ich, wie meine Mama immer sagt, Action brauche. Ruhe ist kontraproduktiv. Und wenn alle ruhen, auch nichts besonderes mehr. An Samstagen entspannen - gerne. Sonntag, wo ich es gewissermaßen muss, nein danke. Mal ganz davon abgesehen, dass Sonntag der Tag vor Montag ist und somit einen bitteren Beigeschmack bekommt, je weiter er voran schreitet. Schließlich hat man sonntags immer im Hinterkopf, dass das Wochenende ganz schnell vorbei sein wird. Und die Arbeit laut nach einem ruft.

Wozu Sonntage gut geeignet sind, ist das katern. Wenn man Samstag feiern war und ein bisschen was getrunken hat, kann man sonntags einfach mal die Beine lang machen und - nichts tun. Es braucht für den katrigen Zustand nicht mal Alkohol. Wenn ich nüchtern bis morgens um sechs tanze, geht der Sonntag trotzdem zum Erholen drauf. Und obwohl sich das für mich nur semi-gut anfühlt, weil ich ja lieber Dinge tue, ist das zumindest zweckdienlich und somit in Ordnung.

Manchmal genieße ich es auch einfach, mit meinem Freund ausgiebig Bingewatching zu betreiben, dazwischen kleine Unterbrechungen für aufgeschobene Hausarbeit. Wann hat man in der Woche schon Zeit dazu? Höchstens Sonntag! Und da ich mittlerweile auch schon lange nicht mehr Zuhause wohne, wird es auch nicht misstrauisch beäugt.

In diesem Sinne habe ich euch auch noch direkt vier Songs zusammen gestellt, die Sonntagszustände gut auffangen. Wer nichts zu tun hat - hier ist was.

Agora - Bear Hands (Indie)
Kaffee trinken, Kuchen essen, Gemütlichkeit und Quatschen. Sonntag eben. Dazu passt super das chillige Agora von Bear Hands.
Chillig, groovig, gemütlich

https://www.youtube.com/watch?v=Gm4n0QMWi7Y

Vibes - Tove Lo (Pop)
Statt ihrem Ex hinterher zu jammern, singt Tove Lo jetzt sinnlich über Flirts. Die können sprichwörtlich zu einem Wochenende im Bett werden. Und dafür ist Vibes sicherlich der richtige Soundtrack.
Sexy, sinnlich, feminin

https://www.youtube.com/watch?v=8ByEwKngoQQ

Get things done - Little Boots (Elektro-Pop)
Worum geht's? Ach ja, um Arbeit. Ganz doof, am Sonntag. Aber Little Boots singt nicht darüber, was noch getan werden muss, sondern dass man einfach mal entschleunigen soll - und Dinge liegen lassen. Das passt doch wiederum ziemlich gut zu Sonntag, oder?
Tanzig, Anti, Mitsingen

https://www.youtube.com/watch?v=G-jbbXKXxUU

Purple Yellow Red and Blue - Portugal. The Man (Indie)
Die Jungs von Portugal. The Man sind alles, nur nicht langweilig. Und weil sie auch noch den Groove raus haben, sind sie sogar ziemlich unterhaltsam. Für einen chilligen Sonntag bedeutet das: Aufs Sofa, Musik an und diesen entspannten Song bis in die Seele saugen. Respektive Tanzen, das geht auch immer. 
Groovig, cool, entspannt

https://www.youtube.com/watch?v=q5x_YoweEg8


Sonntag, 8. Januar 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Werbung!

...oder: Warum ich mich normalerweise auf Filmtrailer freue!

Jedes Mal, wenn ich ins Kino gehen will, stehe ich wieder vor dem großen Dilemma: Plätze reservieren (was manchmal nötig ist, denn die Kinos sind am Wochenende durchaus voll) und hinnehmen, dass man eine halbe Stunde vor Filmbeginn da sein muss - was bedeutet, dass man eine halbe Stunde Wartezeit und eine halbe Stunde Werbung vor sich hat. Oder auf gut Glück erst eine halbe Stunde nach Filmbeginn ins Kino kommen, hoffen, dass noch gute Plätze da sind und man getrost auf die Werbung vor dem Film verzichten kann. 

Gestern waren wir mal wieder im Kino. Weil wir das Kino nicht kannten, haben wir reserviert, waren also um 19:15 Uhr da und durften das gesamte Warteprozedere geben. Pünktlich um viertel vor acht ging der Vorhang auf und die Werbung los. Nur dass ich diesmal meinen eigenen Augen nicht traute, was hier für Werbung lief. 

Im Vergleich: Die Kinospots in meinen Heimatkinos waren meistens extrem langweilig, selten regional und ergänzten das, was man bereits aus dem Fernsehen kannte. Je nach Uhrzeit schaute man 15 bis 45 Werbung, bevor der Eismensch rumging und anschließend die Filmtrailer liefen. Auf die ich mich ehrlich freute, denn da wurde nichts beworben! Hier ist das alles ein bisschen anders. Es gibt keine Eismenschen und vorher läuft eine halbe Stunde Werbung durch. Und von Regionalem bis Nationalem ist wirklich alles dabei. 

Was mich aber am meisten sprachlos machte, war die Art der Werbung. Denn sie war lustig! Bei jedem Spot dachte ich für mich: Wow, ihr wart aber kreativ! Als hätte sich die jeweilige Marketingabteilung einige Wochen zurückgezogen, Drogen eingeschmissen und dann so richtig losgelegt. 

Hier sind drei Beispiele von Werbung, die kreativ-lustig bis hin zu fremdschämend ist. 

Platz 3: Der Kreisbote
Selten habe ich Werbung von Zeitungen in Kinos, geschweige denn im Fernsehen gesehen. Hier gibt es aber Zeitungswerbung. Und kreativ waren die PR-Leute auch. Wären die Schauspieler einen Ticken besser, wäre es ein wirklich guter Spot!

https://www.youtube.com/watch?v=bqMeZ0Gx6s8

Platz 2: Innogy
Der Energieanbieter hat tatsächlich einen Spot gemacht, der sich nur für eine bestimmte Zielgruppe und darüber hinaus nur für bestimmte Filme eignet: Star Wars! Da wir gestern auch Rogue One gesehen haben, hat der Spot super gepasst - und bringt einen zum Schmunzeln. 

https://www.youtube.com/watch?v=bU0S-27xUSo

Platz 1: Aldi
Unglaublich, aber wahr. Aldi macht jetzt Kinospots. Und deren Leitmotto ist nicht: Einfach. Es ist: Götter. Das Absurde ist, dass man einen Großteil der Werbung nicht versteht, dass es sich um Aldi handeln soll. Und selbst wenn man es versteht, glaubt man es nicht. Schließlich ist das Ding witzig und sogar ziemlich cool. Wenn auch mit kleinem Fremdschämfaktor. Aber mal ehrlich, da hat Aldi mal etwas rausgehauen, das Mehrwert hat. Hat mich sehr überrascht und hätte ich ihnen nie zugetraut!

https://www.youtube.com/watch?v=fQY6OyssCGQ

Jetzt muss man sich vorstellen, dass nur Spots dieser Art gestern im Kino kamen. Zum ersten Mal seit Jahren hatte ich beim Kinowerbung schauen Spaß! Ich werd zwar trotzdem kein innogy-Kunde, aber hey: So was bitte öfter!

Freitag, 6. Januar 2017

Welcome to Bavaria: Mein Weg nach Bayern

Sommer 2009. Meine Eltern überredeten mich dazu, mit ihnen einen weiteren Urlaub zu verbringen. Weil mein Vater Berge liebte und meiner Mutter das Wegfahren - und kein konkretes Ziel - am wichtigsten war, sollte es das bayrische Allgäu sein. Ich war begeistert. Nicht. Denn mein Herz schlägt seit jeher fürs Meer (es muss nicht mal das Mittelmeer sein - mir reicht auch die Nord- oder Ostsee) und entsprechend wenig konnte ich mit den Bergen anfangen. Schließlich sind sie das genaue Gegenteil von allem, was die See zu bieten hat. Jedenfalls war ich 15 Jahre alt und weil meine Eltern mich nicht allein Zuhause lassen wollten - vermutlich weil sie dachten, ich stelle irgendeinen Quatsch an - musste ich mit. Wir tuckerten also vier Stunden mit dem Auto von Mittel- nach Süddeutschland und je mehr die Stimmung meiner Eltern stieg, desto mehr sank meine. Wir verbrachten eine Woche lang im Allgäu. Wir wanderten, besuchten Museen und warfen auch einen Blick in die historische Stadt Kempten. Dinge, die mich als Teenager nicht sonderlich interessierten. Zugegeben, ich war voll in der Pubertät, also muffelig, zickig und bocklos. Im Nachhinein bewundere ich meine Eltern regelrecht, dass sie trotz mir Spaß dort hatten. Jedenfalls hatte ich keinen. Und nach sieben Tagen Alpennähe beschloss ich für mich, Bayern den Rest meines Lebens zu meiden.

Sieben Jahre später sitze ich an meinem Schreibtisch, schaue auf die Altstadt von Kempten (ja genau, das Kempten) und überlege, wie ich euch am besten erklären kann, warum ich jetzt in Bayern leben werde. Denn wenn man sich das prägende Urlaubserlebnis weiter oben ansieht, ploppt diese Frage in Kombination mit einem gewissen Unverständnis unweigerlich auf.

Fangen wir von vorne an. Ich komme aus einem kleinen Städtchen an der rheinland-pfälzischen Nahe. Dort gibt es massig Weinberge, etliche Supermärkte und sehr wenig Einzelhandel. Ein guter Ort für eine abwechslungsreiche Kindheit und ein schlechter Ort für eine wilde Jugend. Jedenfalls zog es mich irgendwann dort weg, ich wollte in die Großstadt, feiern, etwas erleben, studieren. All das, was man in meinem Heimatort nicht kann. Also zog ich zuerst nach Trier und später nach Mainz, wo ich die letzten drei Jahre meines Lebens verbracht habe. Nur endet irgendwann das Studium und auf einmal steht die Frage auf dem Plan: Was wird aus mir? Da ich schon ewig als freie Mitarbeiterin bei unserer heimischen Zeitung arbeite, habe ich Blut geleckt und spürte den Wunsch in mir, als Redakteurin fest bei einer Zeitung angestellt zu sein. Nur braucht man dafür ein Volontariat, also eine Redakteursausbildung. Die ist hart umkämpft und die Stellen sind begrenzt. Mir blieben also zwei - und gleichzeitig unendlich viele - Möglichkeiten. Entweder ich blieb in Mainz oder ich ging. Nur wohin? Im Herbst schrieb ich rund 40 Bewerbungen an Zeitungen, die ein Volontariat anboten und die mir auch sympathisch waren, in der Hoffnung, dass die Resonanz gut sein wird und in der Erwartung, dass ich wegen der vielen anderen Bewerber einen harten Stand haben würde. So war es auch zuerst. Es hagelte Absagen. Mein eigentlich ausgeprägtes Selbstbewusstsein krachte in sich zusammen. Bis sich zwei Zeitungen meldeten und mich einluden. Eine in Waiblingen bei Stuttgart und eine in Kempten. Zuerst tendierte ich klar nach Waiblingen. Es liegt sehr nah bei Stuttgart, ist trotzdem groß und nicht allzu weit weg von meiner Heimat. Bis ich das Bewerbungsgespräch hatte. Ich merkte schnell, dass die Chemie nicht stimmt. Das Bauchgefühl sagte klar nein. Blieb noch Kempten.

Also machte ich mich einige Tage später mit dem Auto auf den Weg. Vier Stunden Fahrt. Kurz vor Kempten auf der A7 dann eine große Kurve - und dahinter das Alpenpanorama. Ganz plötzlich. Und auf einmal wusste ich nicht mehr, warum ich das Allgäu damals so bescheuert fand. Jetzt gefiel es mir. Mehr noch, ich bewunderte die Schönheit und die Natur dort. Ich kam pünktlich an, nervös ohne Ende, ging ins Gespräch - und merkte, dass Bayern noch einen Pluspunkt hatte: Die Mentalität. In fünf Minuten war aus dem seriösen Bewerbungsgespräch ein gefühlter Smalltalk geworden, den ich mit einer Leichtigkeit wahrnahm, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Die Stunde verging wie im Flug. Und als der Chef das Gespräch beendete, bot er mir die Stelle an. Mein Bauchgefühl sagte sofort ja. Es passte. Alles passte. Die Entscheidung zu gehen, war schnell gefällt und weitere Gespräche wollte ich gar nicht mehr abwarten.

Inzwischen bin ich also hier angekommen. Seit zwei Wochen wohnen wir in unserer hübschen Innenstadtwohnung, die erste Woche im Job ist vorbei und ich muss sagen: Ich bereue es kein bisschen. Die Kollegen sind toll, die Menschen hier herzlich und die Gegend (mit ihrem relativ ausgeprägten Winter) macht auch einiges her. Aus dieser Perspektive heraus könnte ich nicht glücklicher sein.
Auf der anderen Seite wird mir das großstädtische fehlen, denn Kempten umfasst gerade einmal rund 70.000 Einwohner. Und ist damit die größte Stadt des Allgäus. Ich werde meine Freunde und meine Familie vermissen. Außerdem macht mir der Neustart natürlich Bammel. Aber hey, der erste Eindruck von Bayern und speziell vom Allgäu hat eine 180-Grad-Wende gemacht. Ich mag es hier und bin bereit für mein neues Leben.

In den nächsten Wochen und Monaten werde ich euch in der Kategorie "Welcome to Bavaria" meine neuen Eindrücke und Erlebnisse in Bayern schildern. Denn ich glaube nicht nur, dass es ein Kulturschock sein kann, als Nahemädchen nach Bayern zu ziehen, sondern ich auch viel erleben werde. Und mein Horizont ein ganzes Stück weiter wird. 

Donnerstag, 5. Januar 2017

Welcome to Bavaria: Winter in Bayern!

Eigentlich dachte ich, ich kenn den Winter. Er ist kalt, am Ende beziehungsweise Anfang des Jahres angesiedelt und währenddessen wächst draußen nichts, die Bäume sind kahl. Ach ja, und manchmal fällt ein bisschen Schnee. Soweit, so bekannt.

Doch dann kam ich nach Bayern. Meine erste Arbeitswoche ist heute Abend rum und neben vielen Dingen, die ich schon im Job gelernt habe, kam eine große Freizeitweisheit dazu: Winter ist viel mehr als das, was ich kannte. Hier entspricht Winter noch den Bilderbuchgeschichten. Meterhohe Schneehaufen, Glatteis, Schneematsch, klirrende Kälte. Winter ist in Bayern eben so, wie man ihn sich eigentlich vorstellt und wie ihn sich manche wünschen.

Für Wintersportler ist das sicherlich ganz toll. Die Skipisten werden alle langsam geöffnet - Kunstschnee (oder wie ein Leser forderte: Maschnee, weil maschinell erstellt) ade - Schlitten- und Schlittschuh fahren machen Sinn und so lustige Dinge wie Schneeballschlachten könnten theoretisch zum Alltag gehören. Die Bayern kennen das und sind das gewöhnt. Ich nicht.

 Heute Morgen meinte in Allgäuer zu mir:
Das bisschen Schnee da zählt doch gar nicht!
Vor zwei Jahren, da hat's geschneit! So sieht's aus...
Das fängt schon mit dem Gehen an. Lauf mal durch 30 Zentimeter Neuschnee. Man watet unsicher durch das kühle Nass, hofft, dass die Schuhe nicht durchweichen und kommt alle zehn Meter ins Rutschen. So benimmt man sich nun mal, wenn man Schnee kaum noch kennt. In Rheinland-Pfalz schneit es kaum. Zwei Mal im Jahr, wenn es hoch kommt. Die Reaktion darauf: Erst freuen sich alle wie die Kinder, weil "Oh, wie schön!"  und dann bricht das Verkehrschaos aus. Wegen den paar Flöckchen. Und mit Verkehrschaos meine ich Verkehrschaos. Kinder bekommen Schulfrei, weil keine Busse mehr fahren, Menschen legen sich reihenweise ab und Autos schleudern am laufenden Band über Landstraßen.
In Bayern bricht zwar auch das Verkehrschaos aus - aber hier ist es berechtigt! Wenn es schneit, dann nämlich richtig. So stark, dass man kaum noch etwas sehen kann. Erst Recht nicht im Dunkeln. Hier ist es auch so kalt, da bleibt der Schnee eine Weile lang liegen. Taut an, gefriert. Taut an, gefriert. Entsprechend hart ist die unterste Schicht auf Gehwegen und Straßen. Wer in der Stadt oder auf dem Land (also nicht Autobahnen oder Bundesstraßen) den Berg hoch oder runter will, muss starke Nerven haben. Parken ist auch so eine Sache, denn man muss das Auto erst einmal in die Schneehaufen am Straßenrand bugsieren können. Ohne sich festzufahren. Und in den Kurven bete ich immer, dass die Leitplanke oder Hauswand stabil genug sind, sodass sie mich und mein Auto halten, falls ich es nach dem Rutschen nicht wieder in den Griff bekomme. Autofahren dauert jetzt auch länger. Statt der üblichen 35 Minuten zur Arbeit, brauche ich bei Winterwetter locker 50 Minuten. Und das ein oder andere Mal kam ich sogar schon todmüde an, weil der Weg mit all der Konzentration, die man aufbringen muss, total anstrengend war.

Am Wochenende sind jetzt -20 Grad gemeldet. Ja, der Strich vor der 20 ist Absicht. Es wird richtig kalt. Sibirisch kalt. Mal schauen, was der Schnee dann wieder nettes vorhat. Schmelzen wird er auf jeden Fall nicht.