Donnerstag, 15. Juni 2017

Meine Ode an... Gewitter!

oder: Was für ein Horror!?

Wenn es von nachtdunkel taghell wird, dann mucksmäuschenstill und anschließend laut knallt, weiß man: Aha, mal wieder Gewitter. Eigentlich ein ganz normales Wetterphänomen. Aber – vermutlich, weil es einfach laut ist und selten – hat sich in der Menschheit eine tiefgreifende Angst davor manifestiert. Und das verstehe ich auch. Mir wird auch immer ein bisschen bange, wenn der Himmel sich zuzieht und die grauen Wolken irgendwie nach Unheil aussehen.

Vor allem gibt es so viele Gerüchte! Wo ist man sicher? Im Haus? Nein, natürlich nicht! Im Auto, weil Faraday’scher Käfig. Weil ich das auch mal so in der Schule gelernt hab, zieht es mich unterbewusst immer in meinen Wagen. Der steht zwar zwei Straßen weiter und ich müsste erst einmal hinlaufen – aber für dieses Sicherheitsgefühl ist es mir wert. Diffus. Wenn ich in der Wohnung bin, stehe ich bei Gewittern aber trotzdem am Fenster. Ich will den Feind im Auge behalten können. Auch wenn ich vor lauter Schiss bei jedem Donner zusammenzucke – irgendwas anderes machen als raus gucken ist emotional schwierig.

Ich sehe nämlich bei Gewittern eine gewisse Ähnlichkeit zu manchen Horrorfilmen. Nehmen wir mal den weißen Hai: Es liegt etwas in der Luft. Alle spüren, das geht nicht gut aus, aber die Angst ist nicht fassbar. Am Himmel ziehen erste Wolken auf (man stelle sich die leise Haimusik vor, die langsam lauter wird). Die Wolken sind dunkel und sehen bedrohlich aus. Aber sind sie das wirklich? Man weiß es nicht. Dadamdadamdadam. Sie kommen näher, sind über einem. Ein kühler Wind zieht mit, immer stärker, die Gefahr wächst, alle spüren es, keiner benennt es – es blitzt. Panik. Donner. Zucken. Vor Schreck, nicht vor Strom.
 
Falk Blümel  / pixelio.de
Und dann diese Hintergrundgeräusche. Es rauscht überall als würden Schnellzüge vorbeifahren, Außendeko klappert laut vor sich hin. Dazwischen: Stille. Gar nichts. Als wäre die Akustik gestorben. Besonders nachts kommt es mir oft so vor, als wären aus Gewittern die besten Ideen für Geisterfilme entstanden.

Jetzt stellt euch mal vor, so ein Wetter zieht auf und ihr seid draußen. Kein Faraday’scher Käfig, sondern nur Flachland und Bäume. Scheiße, oder? Hatte ich auch letztens. Meine Familie um mich herum, die mich beschwichtigen, während ich immer weiter in den Busch wachse, der hinter mir steht. „Wenn der Blitz einschlägt, dann dort hinten“, sagte mein Bruder und deutete auf einen Bauernhof 100 Meter weiter. Ja, okay. Aber schlägt das nicht Funken? Und wieso laufen wir gerade auf dieses Haus zu, um vor dem Regen Schutz zu suchen? Außen, unterm Dach? Mir war mehr als mulmig, als wir unter dem Vorschlag standen und darauf warteten, dass das Gewitter ein wenig abzieht. Sage und schreibe 60 Minuten hat der Spuk gedauert. Ehrlich, das war besser als so manche Achterbahnfahrt. Adrenalin pur. Survivaltraining at its best!


Gerade gewittert es draußen auch. In den letzten Tagen stand die Luft richtig schwül, man hätte sie durchschneiden können. Jetzt zieht frischer Wind auf – auch wenn gefühlt gerade schon die Geisterstunde losbricht, dabei ist es erst viertel vor zwölf. Die sollen sich auch mal an ihre Zeiten halten. Ich hadere die ganze Zeit, meinen Laptopstecker aus der Steckdose zu ziehen. Falls es knallt, dann richtig. Und dann überlegt von der Technik letzten Endes wenig. Aber was ist dann mit Netfl-

Dienstag, 13. Juni 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche ans... Bodyshaming!

...oder: Warum es nicht reicht, die wenigen guten Beispiele loszupreisen!

Vor einigen Jahren war ich Teil einer Showtanzgruppe. Wir hatten verschiedene Mottos, aber eins ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Burlesque.  Wir  kauften den Soundtrack des gleichnamigen Kinofilms, ließen uns Korsagen in den USA maßschneidern und kauften Netzstrumpfhosen, Spitzenshorts und Federn fürs Haar. Weil unsere Trainerin sich einige Showeffekte überlegt hatte, musste eine von uns den Tanz eröffnen. Alleine, im Scheinwerferlicht. Viele trauten sich nicht, also entschied unsere Trainerin, dass ich es machen sollte. Weil ich selbstbewusst bin und mich im Training bewiesen hatte. Bei der Premiere lud ich Freunde, Familie und Bekannte ein, ich fühlte mich so wohl, obwohl das Outfit ziemlich viel Haut zeigte. Auch das Feedback im Anschluss war großartig.

Ein Jahr später, kurz vor meiner schriftlichen Abiturprüfung, hatte ich plötzlich eine Nachricht in meinem Facebook-Account. Ein Mitschüler von mir, der diesen Auftritt damals gesehen - und gelobt - hatte, beleidigte mich aus heiterem Himmel aufs schärfste. Unter anderem fiel  der Satz: "So eine Fettqualle wie du sollte sich schämen, in so einem Outfit vor Menschen aufzutreten." Das saß. Damals haute mich das total aus der Bahn.

Heute, vier Jahre später, sehe ich das völlig anders. Zum einen wiege ich inzwischen fast 20 Kilo mehr als früher und weiß, dass ich damals absolut keine 'Fettqualle' war! Ich war zwar nicht dürr wie eine Bohnenstange, aber ich war schlank. Aber das tut eigentlich nichts zur Sache, denn ich habe bis noch zwei Dinge mehr dazu gelernt: Zum einen weiß ich, dass dieser Typ der größte Idiot war (und es fällt mir schwer, ihn hier nicht namentlich zu nennen, weil so jemand die Bloßstellung eigentlich verdient!), ein Problem mit mir entwickelt hat und mich lediglich davon abbringen wollte, ein gutes Abitur zu schreiben. Was er absolut nicht geschafft hat. Zum anderen - und das ist viel wichtiger: Jeder Mensch, der einen anderen wegen dessen Figur kritisiert und fertig macht, hat weder Aufmerksamkeit noch ein offenes Ohr verdient. Solche Menschen sind charakterlich einfach nur arm.

Das Problem an der ganzen Sache, unabhängig von diesen Idioten, ist: Unsere Gesellschaft ist indirekt darauf gepolt, übergewichtige Menschen auszugrenzen. Insbesondere Frauen bekommen regelmäßig zu spüren, dass sie das Optimum anzustreben haben - und wenn nicht, fallen sie raus, müssen sich demütigen lassen. Das fängt mit Blicken an, die ihnen zugeworfen werden, geht über Jobabsagen bis hin zu Fotos von korpulenten Menschen in Bikinis, die teilweise auf Social-Media-Plattformen gelöscht werden, weil sie angeblich unästhetisch sind. Keiner dieser Kanäle würde das jemals zugeben, weil die Menschen wissen, dass das runtermachen Übergewichtiger verwerflich ist. Aber es herrscht auch Stillschweigen darüber, dass es nicht zu großem Aufsehen sorgt, wenn es doch passiert. Und dieses Verhalten ist heimtückisch.

Vor allem zeichnet sich momentan ein Trend ab, den ich mehr als besorgniserregend finde: Es gibt einige positive Beispiele, die immer wieder in der Öffentlichkeit Erwähnung finden. Aber dahinter steckt eine Spirale, die das ganze nach verschärft.

Hier erst einmal die positiven Bespiele, die mir auffallen:
  • Der aktuellste Anlass: Wenn öffentlich Bodyshaming betrieben wird, ist der Aufschrei erst mal groß - Shitstorms inklusive. Beispiel: Der neue Schneewittchenfilm, dessen Werbeplakat eine korpulente Version der Märchenschönheit zeigt - mit dem Spruch: Was wäre, wenn Schneewittchen nicht länger schön wäre...". Der Eklat war riesig und hält sich seit zwei Wochen in den Medien. 
  • Manche Geschäfte haben inzwischen die regulären Größen erweitert. Esprit beispielsweise. Dort gibt es Klamotten bis Größe 44/XL zu kaufen. 
  • Plus-Size-Models sind im kommen. Auf Laufstegen und in Kampagnen treten immer mehr Frauen auf, die jenseits Size Zero sind. 
  • Spezielle Modelinien haben sich darauf spezialisiert, Kleidung für alle Typen von Frauen herzustellen. Von Größe 34 bis 50 gibt es dieselben Klamotten. Das Ziel: Niemanden mehr auszuschließend und für jeden etwas anzubieten. 
Genau die positiven Beispiele sind in erster Linie natürlich ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings verhalten sich die Medien, als wäre alles revolutioniert. Dabei stecken hinter diesen "Vorreitern" auch ihre Tücken
  • Selbst wenn Geschäfte Größe 44 und mehr anbieten, heißt das nicht zwingend etwas. Ich war vor einem Jahr bei einem dieser Läden und wollte mir für das Bewerbungsgespräch einen schönen neuen Blazer kaufen. Bis dato hatte ich Größe 38, aber weil ich ja zugenommen habe, wusste ich, dass ich es besser mit Größe 40/42 probieren sollte. Das Ergebnis: Selbst Größe 44 hat mir in diesem Geschäft nicht gepasst, obwohl ich Zuhause nach wie vor in Größe-40-Kleidung passe. 
  • Plussize-Models gelten zwar als revolutionär, aber in Interviews kam schon oft genug raus: Plus-Size bedeutet größtenteils Größe 38/40, maximal. Das bedeutet, diese "Übergrößen-Frauen" haben eigentlich eine ganz normale Figur, sind nicht übergewichtig. Sie werden nur von den Medien so dargestellt, was eine riesen Sauerei ist, wenn man es genau nimmt. Denn das zeigt wieder: Normalgewichtige Frauen gelten in unserer Gesellschaft als dick. Eine normale Figur ist also nicht erstrebenswert.
  • Generell: Plus-Size. Alleine die Bezeichnung. Das heißt doch nichts anderes als dass Frauen, die in dieses Schema fallen, keine normalen Größen haben. Dabei sind diese Frauen doch genauso normal wie gertenschlanke, oder?
  • Und: Übergrößen sind nicht im üblichen Sortiment. Sie sind in einer eigenen Abteilung, ähnlich wie Schwangerschaftsmoden. Also: Von der Norm ausquartiert. Und die Auswahl in dieser Abteilung ist lächerlich. Es gibt zehn Oberteile, fünf Hosen und drei Kleider, während Frauen mit üblichen Größen sich vor lauter Kleidervielfalt kaum retten können. 
  • Kleidermarken, die gelobt werden, weil sie ihren gesamten Fundus in nahezu allen Größen produzieren, sind unerschwinglich. Letztens habe ich etwas über eine Bademarke gelesen, die genau diese Linie fährt. Aber das günstigste Teil dieser Marke kostet 100 Euro. Wer kann sich das ganz regulär leisten? 
Ihr seht also: Die positiven Beispiele hinken teilweise enorm. Ja, ein erster Schritt ist gemacht, aber das reicht noch lange nicht. Was aber noch viel mehr stinkt: Durch die Lobpreisung dieser kleinen guten Entwicklung gehen die ganzen Missstände verloren. Und davon gibt es noch genug. So hat sich unter anderem letztens eine Frau auf Facebook beschwert, die nicht gerade schlank sind und sich öffentlich  über das Größenproblem mokieren. Zum Beispiel hat eine Frau mit normaler Figur letztens ein Foto aus einer Umkleidekabine gepostet und darunter geschrieben: Sie hat normalerweise Größe 40, passt dort aber kaum in Größe 44 hinein. Solche Frauen fordern Modeketten dazu auf, ihre Größenpolitik zu ändern.

Was unsere Gesellschaft braucht, ist nicht die Gegenbewegung! Heißt: Nur noch korpulente Frauen in Magazinen abzubilden und Dünne zu kritisieren, bringt keine Lösung. Erst Recht nicht, wenn körperliche Mäkel weiterhin retuschiert werden, denn das bestärkt ja noch das Bild, dass Frauen perfekt sein müssen - nur eben andersrum als bisher. Im Gegenteil: Wir brauchen Authentizität. Zwei Beispiele gefällig? Es gibt eine Modekampagne, bei der nicht mit Photoshop nachgeholfen wurde. Ja, da sieht man Dellen an den Oberschenkeln. Ja, auch die kleinen Speckröllchen der Frau sind sichtbar. Aber: Gut so! Wichtig ist schließlich nicht, ein Optimum festzulegen, sondern allen - und wirklich ausnahmslos allen - Frauen zu vermitteln, dass sie gut sind, wie sie sind. Was mir aber noch besser gefällt - und schon länger existiert - ist die Dove-Kampagne. Knapp zehn Frauen in allen erdenklichen Hautfarben, Figurtypen und natürlich Problemzonen stehen in Unterwäsche da. Genau an diesem Punkt möchte ich auch unsere Gesellschaft sehen: Frauen sollen sich einfach wohlfühlen, wie sie wollen. 

Freitag, 26. Mai 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche ans... Berufsanfänger sein!

...oder: Was ich in den ersten fünf Monaten gelernt habe

Jedem von uns steht oder stand es einmal bevor: Der Start in den Job. Das Dumme daran: Niemand weiß so richtig, worauf er achten muss und glaubt, schon klar zu kommen. Dass es nicht so leicht ist, habe ich vor fünf Monaten gemerkt. Damals fing ich meinen Job im Allgäu an. Was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe und euch mit an die Hand geben kann, lest ihr hier:

Rainer Sturm  / pixelio.de

1. Bereitet euch vor!
Das mag jetzt erst einmal komisch klingen, denn: Wie soll man sich auf die neue Stelle, die erste Stelle vorbereiten? Aber es geht - und es ist wichtig. Ich hatte damals so viel mit Umzugsstress, Weihnachten und Silvester um die Ohren, dass ich wirklich ins kalte Wasser fiel und gar nicht mit den vielen Eindrücken umzugehen wusste. Besser ist: Sich mal mit den eigenen Erwartungen, Hoffnungen, Ängsten auseinander zu setzen. Was will ich von dem Job? Was sollte nicht passieren? Wie möchte ich auftreten? Dann wisst ihr schon mal, wie ihr selbst damit umgehen möchtet. Es hilft zum Beispiel auch, eine Woche vorher mal hinzufahren und sich den Kollegen vorzustellen, falls ihr das noch nicht beim Vorstellungsgespräch gemacht habt. Denn so bekommt ihr schon mal einen Eindruck, was euch erwartet und die Kollegen kennen euch auch schon. Fragt dabei übrigens unbedingt nach einem Dresscode - sonst wird's peinlich. Und zu wissen, wo ihr parken könnt, hilft auch und nimmt euch den Stress am ersten Tag.

2. Seid ihr selbst - in einer Lightversion!
Das mag jetzt hart klingen, aber eure Kollegen kennen euch nicht - und umgekehrt. Nett sein ist schon mal hilfreich, aber Zurückhaltung schadet auch nicht. Beschnuppert euch erstmal, bevor ihr wirklich Kontakte knüpft. Man muss ja erst einmal feststellen, ob Sympathie vorhanden ist. Ich bin damals völlig unbedacht in die Vollen gegangen, war offen und ehrlich - und damit ein bisschen auf die Schnute gefallen. Deshalb testet an den neuen Menschen um euch herum zuerst die Betaversion, um zu testen: Was kommt gut an, was lass ich lieber. Heißt nicht (!), dass ihr euch verstellen sollt. Aber eben zurückhalten, bis ihr merkt, dass ihr im Team ankommt. Dann könnt ihr langsam immer noch die Alphaversion rauslassen.

3. Habt Geduld!
Das Problem mit jeder neuen Stelle, nicht nur der ersten, ist, dass ihr die Neuen seid. Eure Kollegen kennen euch nicht und umgekehrt. Nur weil sie eben schon eingespielt sind, habt ihr das Nachsehen. Auch wenn ihr wisst, dass ihr gut seid in eurem Job und was ihr nicht alles vorab schon gemacht und gelernt habt - euer Team weiß das nicht. Für die seid ihr ein unbeschriebenes Blatt. Und das kränkt das Ego, schließlich bekommen wir dadurch anfangs nur kleine Aufgaben und müssen uns erst beweisen. Was nicht Wochen, sondern Monate dauert! Macht euch in dieser Situation keinen Druck, sondern habt Geduld. Früher oder später seid ihr ein Teil des Teams und eure Arbeit wird Wertschätzung bekommen. Aber das dauert eben.

4. Vernetzt euch!
Nichts ist wichtiger, als Kontakte zu knüpfen. Auch wenn es euch anfangs so vorkommt, dass ihr eine feste Clique vor euch habt, in die ihr nie reinkommt (ähnlich wie in der Schule), hat jeder seine Macken und seine Art zu arbeiten. Manche sind Teamplayer, andere Einzelgänger. Der eine kommt mit dem anderen nicht klar, es gibt im einen Büro wirklich eine Clique, im anderen nicht. Das ist völlig unterschiedlich! Deshalb sprecht mit den Leuten - auch abteilungsübergreifend. So kommt ihr schnell unter Menschen und findet euren Platz. Ich gehe zum Beispiel gerne mit den Sekretärinnen unserer Redaktion oder einer Mediengestalterin in die Mittagspause. So redet man nicht nur über die Arbeit (jeder hat schließlich andere) und der Kopf wird frei.

5. Fragen, nicht verzagen!
Ihr seid Berufsanfänger, also wisst ihr vieles nicht - auch wenn ihr das glaubt (siehe Punkt 3). Deshalb ist es eigentlich völlig korrekt, dass ihr viele Fragen stellt. Lieber einmal zu viel als einen miesen Patzer begehen. Klar, den Nachbarort, den Geschäftsführer oder ähnlichen Kleinkram kann man googeln, aber wichtige Dinge, die euren Arbeitsalltag ausmachen, müsst ihr erfragen. Das steht euch zu und gute Arbeitnehmer freuen sich darüber, wenn ihr euch einbringt, wissbegierig seid und Fragen stellt. Deshalb: Traut euch!

6. Richtet euch ein!
Niemand, wirklich niemand wird dafür sorgen, dass ihr euch wohlfühlt - das könnt nur ihr selbst. Nutzt also die Chance und richtet euren Schreibtisch so ein, wie ihr wollt. Er ist schließlich von euch besetzt und das vermutlich lange (außer natürlich ihr seid Springer oder so). Hängt Postkarten auf, Post-Its oder stellt Fotos hin. Bringt Blumen mit, Porzellanschwäne, was auch immer. Tut auf jeden Fall alles, damit euch euer Arbeitsplatz gefällt, denn dort werdet ihr einen Großteil eurer Zeit verbringen.

7. Nutzt die Pause!
Das mag jetzt seltsam klingen, aber Pausen sind verdammt wertvoll. Viele verbringen sie im Büro, auch ich manchmal. Ich esse dann was, lese ein Buch oder daddel am Handy rum. Aber wirklich erholsam und somit aktivierend ist das nicht. Besser: Geht raus! Spaziert um den Block, holt euch was für unterwegs, quatscht mit Arbeitskollegen. Alles besser als wieder vorm Bildschirm zu sitzen. Denn eine Mittagspause (genau wie ein Wochenende) ist wahnsinnig wertvoll - beides ist kurz. Nutzt es sinnvoll, damit ihr einen freien Kopf bekommt und dadurch gute Arbeit leistet.

8. Feierabend? Abschalten!
Wer arbeitet, verbringt acht Stunden, mit Mittagspause sogar neun Stunden hinterm Schreibtisch. Die wenigen Stunden, die für die Freizeit bleiben - die sich unter der Woche wirklich auf ein Minimum reduziert, gerade für Pendler - solltet ihr ganz für euch nutzen. Das heißt: Füße hoch erlaubt! Aber Vorsicht, denn...

9. Stay social!
...wer wirklich jeden Tag Netflix & Chill betreibt, vernachlässigt irgendwann sein Sozialnetz. Das merke ich auch schon: Manchmal finde ich es einfach anstrengend, mit meinen Freunden zu telefonieren, obwohl es wieder an der Zeit dafür ist. Aber einige Arbeitstage haben es nun mal in sich. Geht trotzdem mindestens einmal in der Woche raus, macht Sport, ruft eben eure Freunde an, trefft euch mit ihnen. Bleibt einfach in Kontakt und erlebt noch etwas! Klingt anstrengend, ist aber hilfreich und gesund.

10. Party Hard? Wohl kaum...
Früher im Studium war feiern gehen nichts außergewöhnliches. Sogar in der Woche hatte ich dafür Energie, denn mein Lebensrhythmus war ein anderer. Ich habe zwar auch gearbeitet und war mit Vorlesungen und Prüfungen betraut, aber das Unregelmäßige daran gibt Energie. Wer jeden Tag acht Stunden vorm PC sitzt oder sich über diese Zeit konzentrieren muss, verliert wahnsinnig viel Energie. Die Pläne, am Wochenende richtig steil zu gehen, klingen auf einmal anstrengend. Vor allem werden die Launen so unberechenbar: Während ich mich Mittwoch noch total aufs Feiern freue, will ich wenige Stunden vorher nur noch meine Ruhe haben. Oder umgekehrt: Ich trinke Freitag ein Glas Wein, quatsche mit Freunden und könnte sofort weiter ziehen. Plant diese Launigkeit für die nächste Party mit ein und verzeiht euch - und euren Freunden - wenn spontan doch die Energie fehlt.

11. Gewöhnt euch einen Biorhythmus an!
So, der letzte Punkt wird spießig klingen, ist aber enorm wichtig: Gewöhnt euch einen Biorhythmus an. Das bedeutet: Immer zur selben Zeit ins Bett, immer zur selben Zeit raus. Ja, richtig, auch am Wochenende. Denn das schenkt euch richtig viel Energie. Geht ihr am Wochenende erst nachts um vier ins Bett (Respekt, wer das als Arbeitnehmer durchhält) und steht am nächsten Tag um zwölf Uhr mittags auf, habt ihr Montag ein Problem. Denn Sonntagabend werdet ihr nicht schlafen können und in der neuen Woche nicht aus dem Bett kommen. Dann lieber am Wochenende auch früher raus (es muss ja nicht sieben Uhr sein wie sonst - acht oder neun Uhr ist schon besser als zwölf, versprochen!).

Dienstag, 23. Mai 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... das ESC-Debakel!

...oder: Das Experiment.

Am Wochenende hat uns meine Mutter besucht und weil wir früher oft zusammen den Eurovision Song Contest geschaut haben, stand Samstagabend genau das auf dem Programm. Damit das ganze nicht allzu langweilig wird, haben wir jedem Auftritt Punkte gegeben - und daraus hat sich ein ganz nettes Experiment entwickelt. Lest nach:

Der Aufbau:
Man nehme 26 Probanden verschiedener Länder, drei Prüfer unterschiedlicher Altersstufen (23, 32, 56) und fünf Stunden Zeit. Die Prüfer bekommen einen Stift und einen Zettel.

Der Ablauf: Die Prüfer sollen jeden Probanden mit einer Punktzahl von 1 (schlecht) bis 10 (gut) bewerten. Ziel ist, einen Gemeinschaftsfavoriten herauszufinden sowie einen Favoriten für jeden einzelnen Prüfer. Anschließend werden die Favoriten ausgewertet und mit den Gesamtergebnissen des ESC ausgewertet.

Das Ergebnis: 
Die Teilnehmer: Insgesamt überaus langweilig. Kaum einer ist aus der Masse hervorgestochen. Es gab einheitliche Powerballaden, Popsongs und Bühnenshow. Aufgefallen sind uns lediglich sechs der 26 Kandidaten: Einmal waren da die Niederlande mit ihrem dreistimmigen Familiensong, Moldawien mit ihrem Sax-Lied, Italien mit dem Affentanz, Portugal mit ihrer Jazzballade, Rumänien mit ihrer Jodelei und die Ukraine mit ihrer (an diesem Abend ungewöhnlichen) Rocknummer. Der Rest? Irrelevant. Was aber immer wieder auffiel: Viele Songs ähnelten anderen bekannten Liedern. Eins (Künstler schon vergessen) klang stark nach "Humans" von Rag'n'Bones, das Gewinnerlied erinnerte an "Moon River" von Andy Williams aus den 1970er Jahren.

Unsere Favoriten: Die meisten Punkte (20) holte sich von uns Moldawien, weil ihr Song einfach ins Ohr ging und wirklich charttauglich war. Zu den Einzelfavoriten: Meiner Mutter gefielen mit acht Punkten die Niederlande am besten, weil der Song schön emotional war. Meinem Freund gefiel mit sieben Punkten Italien und die Ukraine, jeweils aufgrund ihrer Ungewöhnlichkeit und mir gefiel mit neun Punkten Moldawien am besten.

Der Gewinner: Für uns eine absolute Überraschung, weil er so gar nicht ins Schema passte. Er wirkte bekifft, fühlte sich offensichtlich unwohl auf dem Contest. Das Lied war sehr leise, fast unscheinbar und erinnerte an "Moon River", wie gesagt. Was natürlich ein Grund für den Sieg sein könnte - unterbewusste Beeinflussung... Wer weiß?

Levina: Völlig unscheinbar. Sowohl der Auftritt, das Kleid, der Song. Ein bisschen wie Helene Fischer auf Englisch. Auf jeden Fall nichts, was im Ohr bleibt (oder im Ohr bleiben soll).

Die Analyse: 
Der Gewinner: Wer weiß schon, warum das Publikum und die Jury Salvador Sobral gewählt hat. Vielleicht aus Protest: "Hey, ihr da, macht mal anständige Musik und nicht immer nur dasselbe, sonst wählen wir jedes Jahr so einen Jazz-Typ!" Vielleicht war es tatsächlich das Besondere, das die Zuschauer wollten. Und besonders war Sobral mit seinem Lied auf jeden Fall! Vielleicht wollten sie den authentischsten Teilnehmer zum Sieger küren und auch das war Sobral definitiv. Möglicherweise, und an die Theorie glaube ich ja ganz sicher, wählt das Publikum auch einfach immer den absurdesten Kandidaten. Der, den niemand wirklich erwartet. Wer weiß das schon. Richtig verstehen kann ich es auf jeden Fall nicht. Das mag aber auch damit zusammen hängen, dass beim ESC mit anderen Maßstäben gemessen wird. Mir kommt es immer so vor, als sei dieser Contest ein Paralleluniversum zu den weltweiten Charts. Als würden die Songs gerade mal so hingeklatscht, dass sie zum ESC passen, aber in den jeweiligen Ländercharts keine Chance haben. Beispiel gefällig? Das belgische Lied (Blanche: City Lights) war okay, aber nicht herausragend. Da fehlte etwas. Und so ging es mir bei vielen Songs. Gerade weil eben zahlreiche Lieder klingen, als hätte es sie schon einmal gegeben, fehlt mir da die Qualität. Mein Eindruck kann aber daher kommen, dass Levina vorher völlig unbekannt war. Wer weiß, wie das bei den anderen Künstlern in deren jeweiligen Ländern ist?

Levina: Wenn meine Theorie an dieser Auswahl stimmt, gehören die Verantwortlichen definitiv ersetzt, nur so viel vorweg. Ich glaube nämlich, das deutsche ESC-Team geht nach dem Motto: "Never change a working system". Heißt: Lena ist als Frau alleine auf der Bühne aufgetreten und hat gewonnen. Wieso sollte es diesmal anders sein? Klingt absurd, aber ich habe Argumente. Wen schickte Deutschland denn im Jahr eins nach Lena zum ESC? Richtig: Lena. Gab Platz elf, nicht erfolgreich genug. Also musste wieder (!) eine Castingshow her, bei der wir einen unbekannten Sänger suchen, der uns weltweit (!) vertritt. Roman Lob. Platz acht. Wieder nicht erfolgreich genug. Also: Nahmen wir wieder eine Frau, nur diesmal machte sie elektronische Musik. Cascada machte einen krassen Fall nach unten im Vergleich zu den vorherigen Teilnehmern - Platz 21. Also Abwechslung: Elaiza, eine Frauengruppe mit Folkmukke. Meiner Meinung nach die beste Idee, die sie je hatten, denn dieses Spezielle sucht der ESC ja. Das Ergebnis: Immerhin Platz 18. Weil das aber wieder nur semierfolgreich war, musste wieder das Ursprungskonzept her: Frau, alleine. Also 2015 Ann-Sophie. Zum ersten Mal null Punkte. Die Schlussfolgerung? Nochmal eine Frau, diesmal flippiger, Song aber ähnlich lahm. Jamie-Lee, das Mangamädchen. Wieder letzter Platz. Also? Nochmal eine Frau. Diesmal wieder lenaiger. Natürlich, lieb, nett, begabt. Aber: Platz 25, umgekehrt Platz zwei von hinten. Wie lange braucht das deutsche Team noch, um zu verstehen, dass unser System keine workendes ist?

Fazit:
Der ESC ist veraltet. Zwar wird die Musik immerhin moderner, aber das System hinkt hinten wie vorne. Die Quote sinkt von Jahr zu Jahr (auch wenn sie weltweit noch enorm hoch ist). Das könnte daran liegen, dass Deutschland jährlich einfach so teilnimmt. Ohne Vorentscheid. Wieso alsdo nicht die Regel wieder ändern?  Wieso zahlt nicht jedes Land einfach einen kleinen Bruchteil (ja, das wäre möglich) und jedes Land kann rausfliegen? Das erhöht den Druck und macht das ganze ernst zu nehmender. Und würde somit auch wieder für mehr Interesse sorgen. Woran es bei der Glaubwürdigkeit aber auch hapert: Es heißt Eurovision, also europäisch. Was hat Australien dort verloren? Bzw. wenn schon Australien teilnehmen darf, wieso nicht auch andere Länder weltweit und wir nennen es zukünftig World Vision Songcontest?
Konkret zu Deutschland: Wenn wir schon teilnehmen, dann bitte richtig. Das System sollten doch jetzt alle verstanden haben: Authentizität kommt gut an und  etwas Außergewöhnliches kommt gut an. Warum nicht mal wieder jemanden schicken wie Guildo Horn. La Brass Banda wäre cool, die bieten beides. Oder wirklich mal Helene Fischer. Wenn's gut läuft, begeistert sie ganz Europa, wenn es schlecht läuft, sind wir sie als erfolgreiche Musikerin los (fänd ich ja auch nicht schlecht). Möglichkeiten gäbe es genug. Aber bitte in Zukunft jemand, hinter dem das Land steht - nicht irgendjemand namens Ann-Sophie oder Levina.

Zum Abschluss noch einmal unser Favorit, Platz 3: Das Sunstroke Projekt mit "Hey Mamma". Damit ihr seht: Es gibt Hoffnung...

https://www.youtube.com/watch?v=mvaLAs9cex4

Donnerstag, 4. Mai 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... die sprechende Mimik!

...oder warum es echt übel sein kann, wenn einem Gedanken im Gesicht stehen!

Liebe Leser und Leserinnen, ich hab es in den letzten Wochen zeitlich einfach nicht geschafft, hier aktiv zu sein - sorry dafür. Seit ich redaktionell arbeite und täglich schreibe, möchte ich abends oft was anderes machen. Aber ich gelobe Besserung - die Themenpalette liegt schon bereit! 

Bürgerversammlung, 22 Uhr, ich als Presse dort: Die Leute kommen gerade zu Wort und weil ich das Prozedere schon kenne, weiß ich, es ist gleich vorbei, wenn keiner mehr eine Frage hat. In meinem Hinterkopf: Die Heimreise, denn die kostet mich immer rund 45 Minuten. Ich bin also länger unterwegs, so spät. Macht mir erstmal nichts aus, aber wenn die Müdigkeit irgendwann kommt, ist jede Minute im Auto richtig übel. Der letzte Bürger meldet sich also, die Frage wird schnell geklärt, da geht der Bürgermeister wieder zu seinem Laptop und beginnt die nächste Powerpoint-Präsi. Es ist also nicht vorbei. Teil 3 beginnt. Und ich denke ehrlicherweise: Oh. Mein. Gott. Bitte. Nicht. Und lächle freundlich in die Runde. Das soll ja keiner merken. Da stößt mich eine Frau von links an, grinst verschwörerisch und sagt: "Ich weiß, ich weiß, das macht er jedes Mal so." Augenblicklich laufe ich puterrot an. Sie hat es gesehen, in meinem Gesicht. Und damit ist klar: Jeder andere hätte es auch sehen können. Shit. Richtig peinlich.

Wo andere Frauen ein Resting Bitch Face haben, also ein Gesicht, das immer griesgrämig aussieht, habe ich ein Talking Face. Man sieht mir meine Gedanken an. Dummerweise ist mir das erst vor kurzem bewusst geworden. Und das führt zu dem ein oder anderen Problem. Denn wenn ich etwas nicht möchte, unzufrieden oder schlecht gelaunt bin, sieht man das. Wie ein kleines Warnschild auf der Stirn: "Attention, ihre Laune ist xy." Das kann katastrophal sein, denn gerade bei wichtigen Terminen ist das ungünstig - siehe oben.


Thommy Weiss  / pixelio.de
Das funktioniert aber auch mit guter Laune. Und beides kann auch ein Vorteil sein. Ich bin dadurch nämlich gut einschätzbar. Bin ich grummelig, merkt mein Umfeld das und kann mir aus dem Weg gehen. Auch wenn ich Menschen kennen lerne oder Leute nicht besonders mag, ist das erkennbar. Was natürlich auch zu ungünstigen Situationen führt. Stellt euch zum Beispiel vor, ihr trefft in der Stadt jemanden, den ihr nur ungerne ertragt, wenn ihr müsst, und dann hält er euch an und macht Smalltalk. Während die meisten anderen das problemlos mindestens fünf Minuten können, sagt meine Mimik schnell: Lass mich gehen! Bitte! Sympathien - oder eben das Gegenteil - muss ich also nicht erst aussprechen, das klärt sich schnell von selbst. Dank meinem Talking Face. Manchmal unangenehm, aber deutlich.

Das Blöde ist, dass ich daran auch nur schlecht arbeiten kann. Ein Pokerface ist einfach sau schwer. Aber hey, sowas macht ja den Charakter aus, hab ich gehört. Und es ist nicht nur negativ. Außerdem bin ich bestimmt nicht die einzige mit ihrem TF.
;-)

Sonntag, 26. März 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... das Heimatgast sein!

Vergangenes Wochenende habe ich es mal wieder geschafft, nach Mainz zu fahren. Mit Freunden quatschen, weggehen, wieder ein Teil von dem sein, was mir so vertraut war. Und anfangs funktionierte das auch gut. Ich freute mich im Zug riesig darauf, in Mainz anzukommen, wusste auch noch genau, welche Straßenbahn und welchen Bus ich nehmen muss, um dorthin zu kommen, wo ich hin will. Selbst im Rewe am Bahnhof, dem ekligsten Geschäft in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, wurde ich richtig sentimental, weil ich dort aus pragmatischen Gründen einkaufen war. 

Doch auf dem Weg zu einer Freundin in der Straßenbahn mischte sich plötzlich ein anderes Gefühl mit rein: Ich fühlte mich auf einmal etwas fremd. Spätestens als ich an unserer alten Wohnung vorbei fuhr, spürte ich das ganz stark. Mainz war nicht mehr mein Zuhause. Und das traf mich, schließlich habe ich fast drei Jahre dort gewohnt. 

Dabei lag es gar nicht daran, dass sich etwas verändert hätte. Mainz war und ist genauso wie vorher (außer der Großbaustelle in der Bahnhofstraße, aber sowas ist dort nichts Neues). Ich kenne mich noch aus, viele meiner Freunde leben noch dort und ich bekomme auch noch viel mit. Aber es ist eben etwas anderes, ob ich an der Entwicklung in Mainz teilhabe oder ob ich alles aus der Ferne beobachte. Denn letzten Endes war ich am Wochenende dort Gast. Nicht mehr und nicht weniger. Auch wenn mir dort noch vieles vertraut ist. 

Die schöne Mainzer Innenstadt, Neubrunnenstraße.
Foto: Mareike Keiper
Das komische daran ist ja nicht nur, dass mir mein letzter Wohnort immer fremder wird, mein neuer ist mir auch noch nicht vertraut. Wahrscheinlich stört mich das am meisten. Dass ich hier wieder die Gegend erkunden muss, mich an jeder Ecke von Neuem wundere und erst wieder vieles entdecke, ich aber noch nicht angekommen bin. Dieser Zwischenzustand, an keinem Ort richtig Zuhause zu sein, ist ungemütlich. 

Komischerweise habe ich dieses Gefühl bei meiner Heimatstadt nicht. Egal, wie lange ich dort nicht bin, ist es mir jedes mal wieder unheimlich vertraut. Klar, in einer Kleinstadt ändert sich ohnehin weniger. Aber grundsätzlich ist dort immer mein Hafen, mein Zuhause, meine Familie. Auch wenn sich dort etwas verändert, beobachte ich das viel mehr mit Neugierde als mit Schrecken. 

Ich bin mal gespannt, wie das weiter geht. Spätestens, wenn mein Studententicket verfällt und ich mir in Mainz Bus- und Bahntickets kaufen muss, wird mir die Stadt noch fremder sein. Und irgendwann sind vermutlich nur noch kleine, süße Erinnerungen übrig, wenn ich mal wieder Freunde besuche. Aber bis dahin ist, Gott sei Dank, noch Zeit. 

Sonntag, 12. März 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... alternde Bands!

oder: Warum Linkin Park mir gerade das Herz bricht!

Musik begleitet uns unser Leben lang. Vor allem die Musiker, die sie machen. Manche Bands kennen wir sogar, seit wir klein sind. Und das ist einerseits schön, andererseits aber gefährlich. Denn nicht nur wir werden älter, auch die Musiker. Sie entwickeln sich weiter, genauso wie ihre Musik. Was dabei raus kommt, kann mutig sein, peinlich oder einfach nur grausig.

Denken wir zum Beispiel an die Rolling Stones. Die haben sich in den letzten fünfzig Jahren nicht wirklich verändert. Was bei über 70-Jährigen langsam Mitleid hervorruft. Niemand will sehen, wie ein Opi noch mal Vater wird, weil er dermaßen die Sau raus lässt. Musikalisch ist das vielleicht ganz nett, aber irgendwann fährt für jeden mal der Zug ab.

Eine der Bands, die das älter werden gut hinbekommen hat, sind die Red Hot Chili Peppers. Ihr Stil hat sich ständig gewandelt, aber verloren haben sich die Kalifornier nie. Auch wenn sie sich neu erfunden haben oder experimentiert. Ich kann sie noch guten Gewissens hören und erkenne sie nicht nur bei alten Songs, was an der ganzen Band liegt, nicht ausschließlich an Sänger Anthony Kiedis.

Doch es kann auch in eine ganz andere Richtung gehen. Statt peinlich oder stilsicher wird es jetzt grausig und - zumindest für mich - traurig. Denn eine Band hat sich dermaßen verändert, dass es mir das Herz bricht: Linkin Park. Damit ihr mich versteht, erkläre ich euch hier ein bisschen den Hintergrund.

1996 gegründet, brachten die sechs Amerikaner 2000 ihr erstes Album, "Hybrid Theory" auf den Markt. Der Stil: Harter Rock gemischt mit aggressivem Rap, Stilrichtung Nu Metal, die die Band mitunter ins Leben rief. Die Themen: Depressionen, schlechte Menschheit, alles scheiße. Oder: Wut. So könnte man es am besten zusammenfassen. Ein Beispiel: "In the End".

https://www.youtube.com/watch?v=eVTXPUF4Oz4

Zwei Jahre später veröffentlichten sie "Meteora". Der Stil ist ähnlich, teils schneller, teils professioneller aufgenommen. Aber insgesamt genauso gut. Aus dem Album stammen Lieder wie "Numb" oder "Faint", die auf jeden Rockparty laufen:

https://www.youtube.com/watch?v=kXYiU_JCYtU

Auch optisch erkennt man, was die Band damals aussagen wollte. Alle sehen locker aus, leger, bodenständig. In ihren Videos treten sie wütend auf, bunt gefärbte Haare, Bart, grimmige Grimassen. Sie lassen in den Songs alles raus - Beziehungen werden verarbeitet, Idioten bekommen ihre Abrechnung, es wird an der Identität gefeilt. Kurzum: Hört man eines der beiden ersten Alben, verarbeitet man automatisch mit. Man lässt alles raus, bis sich der Nebel verzieht und die Sonne wieder scheint.

Ich war in meiner Teeniezeit ein absoluter Fan der Band. Ist etwas Blödes vorgefallen, brachte mich die Musik erst rauf und dann runter. Ich kann, zugegeben etwas peinlich, bis heute alle Texte des ersten und zweiten Albums mitsingen - und rappen. Jeden Song.

Das Zwischenprojekt mit Jay-Z war komisch, aber verzeihbar. Immerhin waren das Songs der Band, die nur mit Hip-Hop aufgemischt wurden. Etwas ähnliches hatten sie selbst schon mit dem Remix-Album "Reanimiation" Jahre zuvor getan. Und Hip-Hop gehört eben zur Band dazu, schließlich rappen sie auch.

Aber weiter in der Geschichte. 2006 erschien ihr drittes Album, "Minutes to Midnight". Kurze Anekdote: Mein Vater fuhr mich in den CD-Laden, damit ich es direkt am Erscheinungstag kaufen konnte. Mit popeligen 14 Jahren. Ich hatte meinen tragbaren CD-Player dabei, um die neuen Songs direkt zu hören. Als ich das Album anmachte und zuhörte, bekam mein Herz einen ersten Knacks. Denn das war nicht mehr mein Linkin Park. Auch wenn manche Songs noch ganz gut waren.
Linkin Park wollte sich nämlich neu erfinden. Statt aggressiven Songs mit Rap-Parts, sang nun auch der Rapper. Der Stil wurde poppiger, die Wut war weg. Zumindest war sie sehr viel weniger geworden. Um euch ein Bild davon zu verleihen, hier der bekannteste Song "What I've Done":

https://www.youtube.com/watch?v=8sgycukafqQ

Von da an nahm mein Interesse an der Band ab. Aber bei jedem neuen Album brach mein Herz ein Stück weiter. Denn was die Band ausgemacht hatte, womit sie erfolgreich geworden war, fiel stetig weg: Wut, Melancholie, Verbitterung. Dinge, die wirklich nicht gut für die Menschen sind, die aber sehr gut tun, wenn man selbst in einer misslichen Situation steckt oder sich mies fühlt. Stattdessen wurde die Gruppe sehr viel erfolgreicher mit Poprock. Mit Musik also, die so viele andere Bands so viel besser können. Beispiel: "Burn it Down".

https://www.youtube.com/watch?v=dxytyRy-O1k

Heute tragen die Männer enge Skinny-Jeans, Lederjacken, sind durchgestylt von oben bis unten. Tokio Hotel aus Amerika in einer älteren Version, so in etwa. Und obwohl die Masse inzwischen die Band kennt, lässt sich zum Beispiel aus Spotify lesen, dass die alten Songs, "Numb" oder "In the End" noch immer am erfolgreichsten sind. Die hören die Leute heute noch. Die Popsongs werden schneller vergessen sein.

Aus dem bisher neuesten Album, "The Hunting Party", kenne ich kein einziges Lied mehr. Obwohl ich viel Radio höre. Dabei rockte die Band wieder mehr. Wozu entschieden sie sich? Noch poppiger werden! Und genau das ist auch der Anlass für diesen Eintrag. Gestern im Radio habe ich ein Lied gehört, das ganz nett klang. Trauriger Pop mit feiner Frauenstimme. Ich schaute nach, von wem der Song war und fiel vom Stuhl: Linkin Park. Die ein Lied machen, das absolut nichts mehr mit Nu Metal zu tun hat. Und deren Feature-Sängerin noch ein Jahr jünger ist als ich, dabei sind die Herren inzwischen Mitte 40! Hier ist das gute Stück "Heavy":

https://www.youtube.com/watch?v=5dmQ3QWpy1Q

Ich weiß, das klingt verbittert und böse - wie die alten Songs der Band. Aber dass sich meine frühere Lieblingsband so verkauft, um Erfolg zu haben, schmerzt. Noch mehr schmerzt, dass der Ursprung, der Kern der Musik völlig verschwunden ist. Was natürlich auch am Alter liegt, um wieder zum eigentlichen Thema zurück zu kommen. Schließlich hatten alle mit einer harten Jugend zu kämpfen, wie jeder von uns. Dass die Wut verschwindet, wenn man eine Familie gründet und dass man ruhiger wird, wenn man altert, verstehe ich auch. Aber sich so von sich selbst weg zu entwickeln? Nee, da hört's auf. 

Ich jedenfalls hab mit Linkin Park abgeschlossen. Und höre lieber die Rolling Stones. Oder die alten Songs. 

Samstag, 4. März 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Smartphones!

Oder: Warum Entzug manchmal ganz gut tut


Erwin Lorenzen  / pixelio.de
Eigentlich habe ich immer behauptet, ich sei nicht smartphonesüchtig. Ich war mir sogar sicher, denn ich bin niemand, der alle fünf Minuten drauf schaut, um zu sehen, was es Neues gibt. Stattdessen habe ich es immer bei mir, gehe ran, wenn jemand anruft, schaue nach, wenn mir jemand schreibt oder checke gelegentlich die Nachrichten. Habe ich mehr Zeit, spiele ich auch mal was. Aber im Großen und Ganzen ist das harmlos. Aber wenn wir ehrlich sind, ist das Quatsch. Jeder, der ein Smartphone besitzt, ist gewissermaßen abhängig. Alleine schon durch die ständige Erreichbarkeit. Auch wenn ich es nicht allzu oft nutze, freue ich mich, jemanden anrufen zu können, falls es nötig wird oder die Nachrichten checken zu können. Und eine regelrechte Automatismushandlung ist, das Handy vor der Arbeit in die Hosentasche zu stecken, damit es dabei ist.

Aber dann kam Tag X - gestern. Der erste Tag, seit ich ein Handy besitze, an dem ich es gnadenlos zu Hause vergaß. Das ist mir noch nie passiert! Die Erklärung liegt sogar nahe: Ich hatte nach langer Zeit mal wieder ein Kleid an. Das keine Taschen hat. Wohin also damit? Normalerweise werfe ich es in meine Handtasche, aber gestern blieb es liegen.

Was folgte war ein Tag, den ich euch nicht vorenthalten will:

8:45 Uhr: Ich bin spät dran, komme aus dem Bad, schlüpfe in meine Stiefel, greife mir hektisch meine Handtasche und mache mich auf den Weg zum Auto.

8:50 Uhr: Ich komme zum Auto, setze mich rein und suche eine gute CD raus, bevor ich losfahre.

9:30 Uhr: Ich suche einen Parkplatz, finde einen, ärgere mich, dass ich so spät bin und laufe zur Redaktion.

9:40 Uhr: Ich stehe vor der Redaktion, an der Eingangstür und mich trifft der Schlag: Mein Handy liegt Zuhause. Das glaube ich zumindest. Der Schock spüre ich bis ins Mark. Ich gehe rein und bin völlig ungläubig. Wie konnte mir das passieren?

9:50 Uhr: Bin noch immer ungläubig. Ich öffne meine Handtasche und suche sie ab. Tatsächlich, es ist nicht dabei. In meinem Kopf spielt sich folgendes Szenario ab: Handy liegt einsam im Bett und wartet auf Gesellschaft. Zwischendrin vibriert es, aber niemand sieht nach, wer anruft oder schreibt.
Schock Nummer zwei: Was ist, wenn jemand WICHTIGES anruft?! Und ich nicht dran gehen kann? Pulsschlag erhöht sich. Habe Mitgefühl mit meinem einsamen Handy und frage mich, wie ich diesen Tag ohne überstehen soll. Ich versuche mich zu beruhigen, indem ich mir sage, dass ich es sonst auch nicht so häufig nutze. Höchstens in der Mittagspause oder wenn sich jemand Wichtiges meldet. Es hilft.

10:30 Uhr: Redaktionskonferenz ist vorbei. Ich habe viel zu tun, gehe zu meinem Schreibtisch und leg los. Das Smartphone gerät in Vergessenheit.

11:45 Uhr: Ich will einen Blick auf mein Handy werfe, ob es etwas Neues gibt. ABER ES IST NICHT DA! Wieder kurze Panikattacke. Endlich verstehe ich es, warum sich Menschen ohne Handy nackt fühlen. Mir kommt der Gedanke, was mein Freund denkt, wenn ich ihm den ganzen Tag nicht antworte. Es beunruhigt mich. Ich erzähle meinem Kollegen von meinem Missgeschick und er lacht mich aus. Ich komme mir armselig vor.

12:35 Uhr: Mittagspause. Ich lese eine Zeitschrift und esse Obst. Trotz der leeren Zeit vermisse ich das Smartphone gerade nicht. Bin ja beschäftigt.

13:00 Uhr: Wieder genug zu tun. Alles wird gut. Der halbe Tag ohne Handy ist überstanden. Puh.

14:30 Uhr: Bin erleichtert, wie gut ich das wegstecke. Denke an die Heimfahrt und das Wochenende, das auf mich wartet. Auf einmal der Gedanke - mein Puls steigt: Sollte ich einen Unfall haben, kann ich keinen Notruf holen! Und wenn winke, denken andere Autofahrer, ich sei ein krimineller Tramper! Gott sei Dank ist heute Morgen nichts passiert! Puh. Puls normalisiert sich wieder. Aber die Heimfahrt heute Abend! Wenn da was ist!! Ich werde einsam im Straßengraben vor mich hinsiechen. Hundertpro. Puls steigt ins Unermessliche! Ich beschließe, heute Abend mit 50 Stundenkilometern über die Straße zu schleichen. Sicher ist sicher.

15:45 Uhr: Noch immer genug zu tun. Fühle mich leicht gestresst, aber das gibt mir Energie! Ablenkung ist super und die Arbeit macht auch noch richtig Spaß! Die gute Laune kehrt zurück.

16:30 Uhr: Wieder denke ich an mein Handy und suche es gedanklich. Ist es wirklich auf dem Bett? Ich hab es doch wohl nicht unterwegs verloren? Bin ich paranoid? Keine Ahnung. Es wird sich schon finden. Der Vibrationsmodus ist an, ich kann es notfalls anklingeln. Ob mein Freund verstanden hat, dass ich es einfach vergessen habe?

17:30 Uhr: Feierabend! Wochenende! Ich mache mich auf den Weg zum Auto und bin tiefenentspannt. Das mit dem 50-km/h-Schleichen hab ich mir noch mal überlegt. Ich fahr ganz normal, was soll schon anders sein als sonst? Hoffe, mein Freund hat sich keine Sorgen gemacht.

18:10 Uhr: Komme nach Hause. Handy lag auf dem Bett. 14 Nachrichten, ein Anruf, 7 Mails. Gute Bilanz. Greife es mir und antworte (peinlicherweise, bevor ich meinen Freund begrüßt habe - könnte ja wichtig sein). Bin stolz, den Tag gut überstanden zu haben. Trotzdem: Das passiert mir hoffentlich nicht mehr!

Fazit: Klar bin ich süchtig. Nicht nach den Funktionen, sondern nach den Optionen. Denn die Möglichkeit, mal eben zu schreiben, und sei es ein Smiley an den Freund, macht doch viel aus. Und wichtige Anrufe können durchaus auch mal gerade dann kommen, wenn das Handy Zuhause liegt. Aber - und das ist wichtig - wir sollten uns da alle mal ein bisschen entspannen. Denn das Handy ergänzt unser Leben und macht es nicht aus!

Freitag, 3. März 2017

Welcome to Bavaria! Fasching

Oder: Warum Flucht nicht immer die beste Lösung ist!


Ich bin ein Faschingsmuffel. Und das kommt nicht von ungefähr, denn diese Abneigung kam erst. Kein Wunder, wenn man aus einer Region kommt, in der Fasching maßloses Ausrasten bedeutet. Das war auch einer der Gründe, warum ich guten Gewissens nach Bayern gezogen bin. Denn diese paar Tage – Altweiberfasching bis Faschingsdienstag – waren in Mainz nicht zu ertragen. Vor allem Rosenmontag forderte jährlich von mir einen starken Geduldsfaden. Hunderte Menschen, nein, Tausende, pendeln in die Landeshauptstadt, verkleidet und sturzbetrunken (morgens um zehn Uhr) und bevölkern jede Straße. Nirgendwo war man sicher. Vor lauter Musik, Gesinge und zugespeihten Straßen. Wirklich nicht schön. Einkaufen oder normale Aktivitäten konnte man Rosenmontag vergessen. Selbst Zuhause sein und nichts tun war nahezu unmöglich.

Deshalb blieben eigentlich immer genau zwei Optionen: Mitmachen – wofür man einen gewissen Alkoholpegel braucht, sonst fühlt man sich wie ein Alien – oder Flucht. Meistens machte ich mit. Ich verkleidete mich (an den meisten Rosenmontagen war es eiskalt, also mussten unter das Kostüm noch drei Schichten Pulli, Unterhemd und Strumpfhosenleggins, ich sah also nicht nur aus wie ein Rotkäppchen, Cowgirl, Indianer, sondern auch jedes Mal wie das Michelinmännchen). Letzten Endes fror ich trotzdem fürchterlich. Denn auch wenn der Zug offiziell um 11.11 Uhr beginnt, verzögert sich oft alles. Heißt, man kommt um 10 Uhr, um einen guten Platz zu bekommen, wartet aber unweigerlich bis mindestens 12 Uhr, bis der Umzug an einem vorbeizieht. Und dann geht dieser Umzug auch noch vier Stunden. Also bis 16 Uhr Minimum. In der Zwischenzeit hat man natürlich den mitgebrachten Alkohol vernichtet und pegelt vor sich hin. Wie gesagt, alles andere ist nahezu unmöglich, denn man erträgt Wahnsinn nur durch mindestens genauso viel Wahnsinn. Anschließend zog es alle in Richtung Höfchen oder Schillerplatz, denn dort findet die Rosenmondnacht statt. Zu lauter Musik – von Charts bis Schlager (ja, auch „An Rosenmontag bin ich geboren“ und „Das rote Pferd“ sind dabei) – feiert die betrunkene Horde bis tief in die Nacht. Im Kostüm.

Vor zwei Jahren sind wir nach Hause geflohen. Was nötig war. Denn mit wenig Alkohol nervt einen irgendwann die Rücksichtslosigkeit der Narren. Aber auch da keine Ruhe. Stattdessen wummerte in der Dönerbude unter dem Haus der fette Elektrobass, bis tief in die Nacht hinein. Seitdem ist mir klar: Ich hasse Fasching. Ich möchte wirklich meine Ruhe. Keine Sauforgien, keine betrunkenen Irren, die sich verkleiden, und keine laute Schunkelmusik.

gänseblümchen  / pixelio.de

Deshalb mein Hoffnungsfunke: In Bayern gibt es das nicht! Ha! Da hab ich tatsächlich Ruhe, kann arbeiten gehen. Ein ganz normaler Tag! Juhu! Aber ganz so leicht ist es dann doch nicht. Denn es gibt auch hier den Fasching. Kleine Umzüge, vorwiegend am „glumpigen Donnerstag“ oder am Faschingsdienstag. Außerdem Faschingsbälle, aber nur vereinzelt Kappesitzungen (die ich immer noch am besten fand).

Und der Höhepunkt: Da ich aus Mainz komme, muss ich mitmachen. Ich darf Rathausstürmungen und Faschingsumzüge ansehen und schreiben. Ich war sogar auf dem Faschingsumzug in meinem Arbeitsort eingeplant worden, denn unsere Redaktion ging mit. Noch besser: Ich wurde abgelichtet und bin auf der lokalen Seite 1 auf einem Foto zu sehen. Bei einem Faschingsumzug. In Bayern.

Aber es gibt auch etwas Schönes daran. Wir hatten sommerliche 18 Grad und der Umzug ging bloß eine halbe Stunde. Und jetzt ist Fasching zum Glück erst einmal vorbei. Auch in Bayern.


PS: Als ich Dienstag auf einem kleinen Umzug stand, das muss ich jetzt noch zugeben, und ihn mir ansah, um darüber zu schreiben, wurde mir auch plötzlich ganz schwer ums Herz. Denn dieses war das erste Jahr, an dem ich nicht in meiner Heimat war, an dem ich mich nicht über die Mainzer Narren ärgerte oder mit in der Menge stand. Da hatte ich schon ein bisschen Pippi in den Augen. 

Sonntag, 12. Februar 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Big Data!

...Oder: Warum mir die Zukunft Sorgen macht.

Es ist mir schon öfter passiert, aber diese Woche ist es mir enorm aufgefallen. Ich war auf der Suche nach ein paar Sneakern. Weil ich wenig Zeit habe, in die Läden zu gehen (und mich das auch immer tierisch nervt), habe ich online gesucht. Ich habe drei Portale geöffnet, mich umgesehen und bin auf dem dritten fündig geworden. Schuhe in den Warenkorb, bestellt, fertig.


setcookie  / pixelio.de
Nicht mal einen Tag später, beim Nachrichten lesen auf Zeit.de, bekomme ich Werbung angezeigt. Von genau diesen drei Onlineshops mit genau den Sneakern, die ich mir angesehen habe. Und, wie gesagt, das passiert mir nicht zum ersten Mal. Und auch nicht nur nur mit Onlineeinkäufen.

Genau das und noch viel mehr ist Big Data. Das Prinzip dahinter ist, dass Onlineseiten, darunter die Größen Facebook und Google, Informationen über alle Menschen, die online sind, sammeln. Unsere E-Mail-Adresse, unser Geschlecht, unser Alter, unseren Wohnort. Das, was wir beim Registrieren angeben. Dazu noch, was wir online machen und ansehen (kennt ihr die Meldung, dass Cookies gesammelt werden? Genau damit wird unser Onlineverhalten aufgezeichnet). Das Ergebnis: Uns wird spezifisch genau dasangeboten, was uns interessiert. Ein klassisches, ursprüngliches Beispiel ist Amazon. "Wer das kauft, kauft auch das." Und man bekommt direkt Vorschläge für weitere Käufe. Inzwischen greift das alles noch viel weiter. Zum Beispiel über mehrere Seiten. Facebook schaltet Werbung für eine Seite, die ich mir einmal aus Neugierde angeschaut habe.

Ein Kollege meinte die Woche zu mir, das sei eigentlich cool. Weil man nicht mehr mit einem riesigen Informationsmüll zugeschüttet, sondern gezielt informiert wird.
Stimmt einerseits. Die technische Entwicklung ist enorm und entsprechend beeindruckend.

Aber, wenn ich mir das ganze genauer angucke, ist Big Data gruselig. Und gefährlich.
Warum?

1. Big Data fördert den Konsum
An unserer Gesellschaft werden immer wieder Stimmen laut, die den Kommerz kritisieren. Gerade junge Menschen geben gern Geld aus, statt zu reparieren wird neu investiert. Und neue Werte wie Umweltschutz, Achtsam- und Sparsamkeit kommen als Gegenentwurf auf. Big Data ist aber genau das Gegenteil davon, denn die personalisierte Werbung zeigt uns genau das, was wir wollen. Bekommen wir normale Werbung gezeigt, können wir selbst filtern, was uns interessiert. Hier interessiert uns aber nahezu alles, was uns der Algorithmus nebenbei präsentiert. Wir kaufen also mehr. Wird das ganze in den nächsten Jahren noch auf die Spitze getrieben, zum Beispiel indem wir zu dem gekauften Oberteil die passende Hose präsentiert bekommen, nimmt das sogar noch zu. Und wir geben mehr Geld aus als wir wollten.

2. Unser Informationsfluss wird beschränkt
Gehen wir mal vom einfachsten Beispiel aus: Wir wollen dieses Mal keine langweiligen Sneaker, sondern ein paar ausgefallene Schnürschuhe kaufen. Da wir beim letzten Mal nach Sneakern gesucht haben, werden uns überwiegend Sneaker angezeigt. So denkt der Algorithmus. Er mag keine Überraschungen. Und so finden wir immer wieder das, was wir ohnehin mögen. Die Perspektive wird eingeengt. Doch es wäre ja schön, wenn das nur die Werbung betrifft. Es geht nämlich noch weiter. Auch die Nachrichten werden vorgefiltert. Suchen wir mehrmals für ein Referat nach der Partei FDP, bekommen wir zukünftig eher Nachrichten, die in diese Richtung tendieren. Denn auch da wird uns nur angezeigt, was unseren Vorlieben entspricht. Und das sorgt erschreckenderweise dafür, dass wir nur noch einen Teil der Wirklichkeit präsentiert bekommen - den, den wir sehen möchten.
So etwas führt dann auch mal dazu, dass ein Donald Trump US-Präsident wird.
PS: Es kann helfen, regelmäßig die Cookies zu löschen. Dann werden gespeicherte Angaben auf Onlineseiten wieder gelöscht.

3. Man nehme die Daten...
...und gebe sie in die falschen Hände. Big Data bedeutet, dass Daten über uns gesammelt werden. Da sind harmlose Sachen wie die Info, was wir online eingekauft haben. Aber auch kritische Infos, wie unser Wohnort, wo wir Nachrichten lesen und sonstiger Kram, den eigentlich niemand etwas angeht. Und kommt mir jetzt nicht mit: Ich geb niemals meine Adresse an! Doch, tust du, zum Beispiel zum Shoppen. Die müssen ja das Paket zustellen.
Beobachtet man jedenfalls die Entwicklung, die die Politik und die Gesellschaft gerade macht, dauert es im Worst Case nicht mehr lange, bis wir keine Demokratie mehr haben, sondern wieder eine Diktatur. Und wenn wir kurz an die letzte Diktatur in unserem Land zurückdenken, die DDR, fällt mir zuallererst die Stasi ein. Die Informationen über die Menschen gesammelt hat, um sie festzunageln. Damals lief das noch per Denunziation, heute über Big Data. Das mag im ersten Moment nur halb so wild klingen, aber ist letzten Endes der Horror schlechthin. Je nachdem, welche Minderheiten ausgegrenzt werden, ist man schneller dran, als man denkt. Beispiel gefällig? Du bist Muslim und in einer Muslim-Community. Dann weiß man ziemlich viel über deine Religion. Du bist homosexuell und schaust online Pornos? Das wissen sie dann auch. Oder, ganz harmlos, du bist im Geiste ein Hippie und legst dich auf Facebook regelmäßig mit Nutzern an, die rechtspopulistisch rumpöbeln? Dann wirst du bei einer rechten Diktatur dran sein. Nur anhand der Dinge, die du irgendwann mal online getan hast. Selbst, wenn du und ich jetzt auf unser Onlineverhalten aufpassen würden - der Zug ist längst abgefahren.

Big Data ist also wirklich nicht ohne! Aber letzten Endes ist es ein richtig guter Grund, weiterhin für eine Demokratie zu sein und sich dafür einzusetzen. Damit wir alle weiterhin frei sind. Auch online. 

Mittwoch, 25. Januar 2017

Städtecheck! Mainz

Mein Mainz. Eine kleine Stadt mit großem Herz. Hauptstadt von Rheinland-Pfalz und Weinhauptstadt von Rheinhessen. Studentenstadt. Damit könnte ich jetzt ewig weiter machen, denn Mainz kann viel! Deshalb möchte ich euch diese Stadt einmal genauer vorstellen.
PS: Wer einen ganz normalen Städtecheck erwartet, muss enttäuscht werden. Der hier wird besser.

Ein morgendlicher Blick auf den Schillerplatz

Hörensagen: Daran kann ich mich, ehrlich gesagt, kaum noch erinnern. Denn irgendwie bin ich mit Mainz ganz in der Nähe groß geworden. Aber ich erinnere mich, dass man Mainz als römische Stadt kennt, die am Rhein liegt, ganz nah an Hessen und Wiesbaden. So, und damit verschwimmen meine Erinnerungen.

1. Eindruck: Vielseitig. Von der hippen Neustadt zur historischen Altstadt, von der zentralen Oberstadt über das studentische Bretzenheim und das familiäre Gonsenheim bis hin zu den Außenposten Finthen, Lerchenberg, Hechtsheim und den Dörfern, die eigentlich gar nicht mehr dazu gehören dürften: Drais und Ebersheim. Mainz ist wirklich groß und je nach Stadtteil völlig anders. Da erlebt man von Szenebars bis Kuhmist ziemlich viel. Und das sorgt dafür, dass es nie langweilig wird!

2. Eindruck: Die Stadt ist ziemlich jung. Gerade im Vergleich zu Wiesbaden, die (zu Recht) den Ruf als Rentnerstadt genießt. In Mainz gibt es viel Natur (nur muss man die erst einmal finden) und wer nachts um die Häuser ziehen will, wird auch mehr als fündig. Insgesamt ist die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt, trotz seiner Größe von nur 210.000 Einwohnern, eine Stadt mit allen Möglichkeiten!

Wetter: Man glaubt es kaum, aber die Mainzer Ecke gehört zu den wärmeren, stabileren Regionen Deutschlands. Je nach Wetterphase regnet es da auch mal eine Woche am Stück, aber selten länger. Und die Sonne ist fester Bestandteil des Lebens in Mainz. Außerdem ein riesiger Vorteil: Die Winter sind mild und die Sommer nicht allzu krass. Von durchschnittlich 0-35 Grad geht in etwa das Jahresspektrum.

Cafés: Wer auf guten Kuchen, Flohmarktatmosphäre und Verspieltheit steht, sollte unbedingt mal einen Blick in die Anna:Batterie am Gartenfeldplatz werfen. Bezaubernde Torten, immer auch etwas veganes und alles mit Liebe selbst gemacht. Etwas minimalistischer und skandinavischer geht es im Hygge in der Rhabanusstraße zu. Blau trifft auf Weiß, der Kuchen ist nicht ganz so süß, aber nichtsdestotrotz wundervoll! Den mit Abstand besten Kuchen hat die Neustadtapotheke am Frauenlobplatz. Im Sommer gibt es sogar Eistorten. Wer mehr Wert auf Kaffee legt, schaut mal in der kleinen Coffee Bay am Schillerplatz rein. Etliche Kaffeesorten, der Duft von frisch gerösteten Bohnen und schöne dunkle Holzmöbel warten auf euch!
Aber Vorsicht: Es ist gerne mal sehr voll! Und zwar ziemlich überall in Mainz.

Das Höfchen
Bars: Kult-Status hat das Domsgickel in der Grebenstraße. Das ist eine gemütliche Kneipe mit Kicker und günstigen Getränken. Hier zieht es gefühlt alle Mainzer mindestens einmal - oder sogar öfter - hin. Etwas irischer wird es im Porter House in der Großen Langgasse. Guiness und Gemütlichkeit stehen hier im Vordergrund. Einen tollen Blick auf das Höfchen, den Stadtkern der Mainzer Altstadt, bekommt ihr im Sommer auf dem Stadtbalkon in der Ludwigstraße. Die Cocktails sind auch lecker, nur das Essen ist sehr gewöhnlich. Aber achtet drauf: Die Außenplätze sind für maximal drei Personen gedacht. Einen ähnlich tollen Ausblick habt ihr im Big Easy am Rhein. Lohnt sich auch, am besten an Sommerabenden.

Essen: In Mainz kann man grundsätzlich gut essen. Da kommt es auf die eigenen Bedürfnisse an. In Weinstuben (davon gibt es viele!) könnt ihr Handkäs mit Musik probieren (was ich ja ziemlich eklig finde), doch auch bei internationaler Küche ist Mainz richtig gut aufgestellt: Einen Kurztripp ins Elsass bietet der Kamin in der Kapuzinerstraße. Rund fünfzehn Flammkuchen (und zwar nur Flammkuchen), Wein, Apfelwein und sogar Flammkuchen als Nachtisch. Ich hab selten etwas besseres gegessen! Wer mal afrikanisch testen mag, sollte sich mal das Madiba Afrika an der Rheinallee anschauen. Da wird mit der Hand gegessen und zwar ursprüngliche, afrikanische Küche. Interessant und sogar ein bisschen romantisch, wenn sich die Hände in der Schüssel berühren! Spanische Tapas gibt es im Barrio Alto in der Gaustraße. Besonders der Hinterhof ist im Sommer wunderschön. Da bekommt man direkt das Urlaubsfeeling. Einen schnellen Snack kann ich euch aber auch empfehlen, falls ihr mal wenig Zeit habt: Schaut mal am Gartenfeldplatz in den Schrebergarten rein! Deren Spezialität ist Kumpir, gematschte Ofenkartoffeln mit Füllung. Alles vegetarisch, alles gut!

Frühstücken: Wenn ihr euch etwas gönnen wollt, geht am Wochenende ins Lomo am Ballplatz. Da erwartet euch ein Frühstücksbuffet, das frischer und besser nicht sein könnte. Abgefahren geht es im Krokodil am Sömmerringplatz zu. Von orientalischem bis australischem Frühstück könnt ihr euch durchprobieren. Lohnt sich!

Schlafen: Da ich Hotels in Mainz nie ausprobiert hab und es nicht musste, kann ich euch da wenig empfehlen. Aber sämtliche Hotels am Rhein (das Hilton oder das Hyatt) haben eine schöne Lage und sind bezahlbar. Highlight ist aber das Favorite am Volkspark. Grüner geht es in Mainz einfach nicht!

Der Winterhafen im Sommer
Grünes: Also erst einmal muss ich euch von zwei Dingen abraten: Dem Stadt- und dem Volkspark. Beide Anlagen sind zwar riesig, gepflegt und im Sommer fährt sogar für Kinder eine kleine Eisenbahn auf Schienen, aber wenn es mal warm ist, wird es dort so richtig unangenehm voll und außer vielen Grünflächen und dem kleinen Rosengarten gibt es dort nichts zu sehen. Deshalb empfehle ich euch folgendes: Geht an den Rhein. Da gibt es derart viel grün und es ist so schön und ruhig, dass man super ausspannen kann. Je nach Bedürfnis gibt es dort verschiedene Zonen: Sucht ihr den klassischen Rhein und euch stören die Menschen nicht, dann solltet ihr auf Höhe des Landtags (Große Bleiche) zum Wasser. An der Stelle ist es am Grünsten, aber eben manchmal auch voll. Ruhiger ist es auf Höhe der Neustadt in der Nähe des Zollhafens. Wer grillen möchte, ist in Mainz fast völlig falsch, denn Grillen ist das fast überall verboten. Ja, genau, fast, denn am Winterhafen unterhalb des Stadtparks darf man. Den Weg findet ihr, wenn ihr am Citrus/Fort Malakoff-Passage zum Rhein geht, euch rechts haltet und über die Brücke stiefelt. Auf der kleinen Halbinsel darf gegrillt werden!
Die Neustadt mit Blick auf den Gartenfeldplatz

Mein-super-duper-Grünes-Geheimtipp: Es gibt einen Flecken in Mainz, den kennt kaum jemand, aber er ist so schön, dass ich ihn euch nicht vorenthalten möchte. Die grüne Brücke. Ihr findet sie an der Ecke Rheinallee/Josefstraße. Auf breiter Fläche könnt ihr verschlungenen Wegen auf die Brücke folgen, euch dort verschiedenste Pflanzen anschauen, die die Stadt dort pflanzt und sogar einen Brunnen und im Sommer einen Wasserfall beobachten. Einer meiner Lieblingsorte in Mainz.

Das schöne KUZ 2015

Feierei: Wer in Mainz momentan feiern will, sollte keine Platzangst haben. Denn die meisten Clubs sind wirklich klein. Da ist einmal das Red Cat, ein Gewölbekeller in der Emmerich-Josef-Straße direkt am Schillerplatz. Die 90er-Partys sind richtig gut, ansonsten läuft oft Hip Hop. Ab 0 Uhr wird es dort richtig voll, deshalb entweder früh kommen hartnäckig sein. Ähnlich ist es im Schon Schön in der Großen Bleiche. Hier kann auf alles getanzt werden. Von Indie über Hip Hop bis Elektro ist alles mal dran. Sogar Livebands. Aber auch hier ist es eng, weil nicht unendlich Platz zur Verfügung steht. Der Vorteil: Das Publikum ist lässig und gemischt (eben ein wahrer Studentenclub, mit Fritz-Cola) und wenn ihr nachts mal Hunger bekommt, steht euch das Café Blumen direkt davor zur Verfügung. Elektronischer geht es im Gebäude 27 in der Rheinallee zu. Der noch wirklich neue Club in der Nähe des Zollhafens liegt etwas außerhalb, aber hat jetzt gewissermaßen schon Kultstatus. Die Anlage ist im Industriegebiet und man erkennt ihn nur am Wummern des Basses. Innen ist er minimalistisch beleuchtet und neben Stamm-DJs kommen auch mal echte Stars vorbei. Lohnt sich! Was sich aber immer am meisten gelohnt hat, ist das KUlturZentrum. Das hat 2015 geschlossen, wird aber 2018 nach Umbau wieder öffnen. Wenn das Programm wieder wie früher gefahren wird, sollte man sich die legendären 90er-Partys nicht entgehen lassen.

Shoppen: Kann man und zwar rund ums Höfchen. Die Highlights liegen aber woanders. Da ist zum Beispiel Janablume in der Scharngasse, die coole Vintageklamotten vertreibt. Oder das Svendsen in der Bretzelstraße, wo es Bio- und Skaterklamotten gibt. Und nicht zuletzt die Boutique Serendipity in der Neubrunenstraße, die etwas teurere, aber sehr coole Sachen hat!

Feste: Es gibt drei Feiern, die man in Mainz nicht niemals nie verpassen sollte. Einmal sind da die Mainzer Weintage. Rund 50 Winter aus der Umgebung bieten grandiosen Wein an und man kann gemütlich bis in die spätestens Abendstunden den Sonnenuntergang bei ein paar Gläschen genießen. Ähnlich schön ist der Weinmarkt im Volkspark. Noch mehr Winter, nur eben im Park. Wer nicht so auf Wein steht, sollte die Bierbörse am Rheinufer probieren. Hier werden ziemlich abgefahrene Sachen angeboten. Und zu guter letzt darf das Johannisfest einfach nicht verpasst werden. In der gesamten Mainzer Altstadt stehen Stände mit Essen, Trinken und sogar Jahrmarkt, Montagabend knallt ein großes Feuerwerk. Weil überall Stände sind, verteilt es sich gut und es ist nirgends brechend voll. Tolles Fest!

Must-Sees: Ich hab das typische Anwohnerproblem. Wer an einem Ort wohnt, sieht sich dort nichts an. Genau so war es. Deshalb kann ich euch hier nicht allzu viele Tipps geben. Aber das Landesmuseum hab ich mir angeguckt, das lohnt sich, wenn man auf Kunst steht. Die Altstadt ist enorm schön, genauso das Höfchen (das zwar alt aussieht, aber teilweise erst in den letzten dreißig Jahren so errichtet wurde wie heute). Die Stadtmauer ist ganz interessant, der Holzturm auch und das Gutenbergmuseum gehört unbedingt dazu, schließlich ist das eins der Dinge, die Mainz ausmachen. Ach ja, und der Dom.

Studieren/Arbeiten: Lohnt sich! Studieren in Mainz macht enorm Spaß, das Angebot der Johannes Gutenberg-Universität ist riesig (rund 150 Studiengänge) mit entsprechend vielen Studenten (rund 42.000) und Mainz als Studentenstadt ist ziemlich nett! Arbeitstechnisch gibt es auch viele Möglichkeiten. Insbesondere werden medienaffine Menschen regelmäßig in die Landeshauptstadt gezogen, weil das ZDF hier seinen Hauptsitz hat.


Wohnen: Teuer. Erstaunlich teuer. Mainz gehört nämlich zur Top 5 der teuersten Städte Deutschlands. Warum auch immer... Aber je nach Viertel sehen die Preise auch wieder ganz anders aus. Am unleistbarsten sind: Altstadt, Bretzenheim, Gonsenheim. Günstiger wird es in der Neustadt oder in Hechtsheim, Finthen, Lerchenberg.

Ein Blick auf die Stadt von der Zitadelle aus
Öffis: Auch teuer. Aber die Anbindung ist gut. Es gibt Straßenbahnen und Busse, wobei mit der Mainzelbahn seit Dezember noch bessere (aber langsamere) Anbindungen zur Verfügung stehen. Fast egal, wo man hin will, man kommt hin. Sogar noch Wiesbaden.

Fazit: Mainz ist mainzigartig. Egal, ob man Ruhe will, Natur, Wein, Feiern oder Kultur, man findet es dort. Man hat alles, was man braucht. Trotzdem ist Mainz ein großes Dorf, obwohl es gleichzeitig eine kleine Metropole ist. Der Rhein lädt im Sommer zum Entspannen ein, im Winter gibt es tolle Cafés, die mit leckeren Torten und Kuchen aufwärmen. Und wer auf Wandern steht, kann sich hier in den Weinbergen auch richtig austoben. Mainz ist grandios und unbedingt, unbedingt, unbedingt einen kurzen - oder längeren - Blick wert!

PPS: Die Bilder habe ich nicht für den Blog aufgenommen, sondern aus Liebe zur Stadt. Copyright ist natürlich bei mir ;-)

PPSS: Hier noch das Video von Mine zu "Hinterher". Ein richtig sehenswerter Rundgang durch Mainz!

https://www.youtube.com/watch?v=VsrOqzM8s6U

Sonntag, 22. Januar 2017

Mein Plädoyer für... journalistisches Selbstbewusstsein!

oder: Warum Selbstbewusstsein lernbar ist!

"So, Mareike, nächste Woche darfst du auf die Gemeinderatssitzung gehen." Während mein Chef mich freundlich anlächelte, als hätte er mir damit den Weg zur nächsten Karrierestufe aufgezeigt, unterdrückte ich eine Panikattacke. Ich war damals 17, ein halbes Jahr freie Mitarbeiterin bei der Zeitung und der Gedanke, mich vor knapp 20 mittelalten Männern behaupten, mich ins Gemeindegeschehen schalten und letztlich darüber schreiben zu müssen, sorgte fast für einen Atemstillstand. So etwas hatte ich noch nie getan! Und es würde wenig hilfreich sein, wenn ich (mit unfassbar jungen 17 Jahren) wie ein Mäuschen in der Ecke saß und mitschrieb.

Aber um keinen schlechten Eindruck zu machen, sagte ich zu. Ganz nach dem Motto: Wird schon werden. Im Nachhinein naiv, denn ich hatte das Selbstbewusstsein eines Mäuschens.


S. Hofschlaeger  / pixelio.de 
Mit wackligen Knien und einem Puls von nahezu 200 ging ich in der kommenden Woche also zur Gemeinderatssitzung. Ich hatte mir nicht zu viel versprochen: Viele Männer, der jüngste Mitte 40, die mit mir erst einmal nichts anfangen konnten. Ich erklärte kurz, wer ich war und warum ich hergekommen bin, um dann meinen Job zu machen. Immerhin musste ich keine dummen Kommentare einstecken. Anschließend schrieb ich den Text runter - ich hatte schon bessere abgegeben, aber er war auch nicht schlecht - und meisterte meine Aufgabe erstaunlich souverän.

Innerlich glühte ich vor Stolz. Inzwischen ist das sechs Jahre her und ich hatte etliche dieser Sitzungen oder ähnliche Termine, bei denen ich mir erst einmal Respekt einfordern musste. Ohne Selbstbewusstsein geht das nicht. Das heißt also: Mein Job fordert von mir, dass ich so etwas mitbringe - oder lerne. Und nicht nur mein Job, Journalistin, fordert das - vielen Menschen geht das in ganz anderen Branchen genauso. Sich präsentieren, behaupten und durchsetzen zu können, ohne vor Scham im Boden zu versinken, ist da ein Muss. Dass das hart sein kann, habe ich im Laufe der Jahre nicht nur einmal erlebt. Aber es gibt Tricks, mit denen ich mir das mit dem Selbstbewusstsein leichter gemacht habe:

Geht nicht, gibt's nicht. 
Manchmal bekommt man Aufgaben, die man sich nicht zutraut. Das kann eine Präsentation sein, ein schwieriges Projekt oder etwas völlig Neues, das man noch nie gemacht hat. Trotzdem: Nein sagen kommt gar nicht in Frage! Besser, man probiert sich aus und lernt dazu, statt es gleich abzulehnen. Denn zum einen sorgt die Einstellung "Ich schaff das" meistens schon von alleine dafür, dass es klappt. Schafft man es, hat man etwas dazu gelernt - und kann stolz auf sich sein! Zum anderen ist der Versuch auch Gold wert, schließlich beweist es, dass man sich Mühe gegeben hat. Außerdem bekommt man durch das Scheitern einen guten Blick für seine eigenen Fähigkeiten. Und wo man vielleicht noch arbeiten kann.

Augen zu und durch
Es gibt Aufgaben, die nicht abschreckender sein können. Gerade solche, in denen man sich behaupten muss. Ein Vortrag, eine Ansprache, das Teilnehmen an einer fremden Runde oder das ganz banale Kennenlernen von fremden Menschen. Ein absolutes No-Go in diesen Situationen: Denken. Denn wenn man sich eine solche Situation genau vorstellt, tauchen auch all die Dinge auf, die schief gehen könnten. Da ist die Panik vorprogrammiert. Stattdessen: Kopf aus, Handeln. Beim Kennenlernen kann man nicht viel falsch machen und bei Vorträgen hat man vorher geübt. Schaltet man seinen Kopf ab, wird schnell klar: So schlimm ist es nicht! Außerdem wirkt man sehr viel selbstsicherer, wenn man nicht hinter seinen Ängsten zurück steht.

Kritik ertragen
Es gibt nichts fieseres als kritisiert zu werden. Je nachdem, in welcher Runde das passiert, kann Kritik sogar richtig demütigend sein. Aber konstruktive Kritik, also die, die einem tatsächlich zeigt, was man verbessern kann, ist tatsächlich mehr als hilfreich. So lernt man aus seinen Fehlern und kann beim nächsten Mal noch mehr aus sich rausholen. Nehmt also konstruktive Kommentare an, sie helfen euch, standfester und sicherer zu werden!

Learning by watching
Es gibt sie, die Menschen, die man grandios findet, wie sie sind. Die immer glänzen, egal, was sie tun und die gefühlt keine Fehler machen. Idole also. Wieso sollte man von ihnen nicht lernen? Zum Beispiel, wie diese Person auftritt, was sie ausmacht, was sie sein lässt. Manchmal sind es nur Nuancen, die aus einer zurückhaltenden eine strahlende Ausstrahlung machen.

Selbstgespräch
Mit Selbstbewusstsein hängt eng das Selbstwertgefühl zusammen. Für viele ist der Unterschied gar nicht klar. Deshalb hier nochmal kurz: Man ist selbstbewusst, wenn man hinter nichts zurück stehen muss, sich präsentieren kann und Ausstrahlung hat. Das Selbstwertgefühl dreht sich hingegen viel mehr darum, wie viel man sich selbst wert ist, dass man sich mag und pflegt und zu schätzen weiß. Selbstbewusstsein geht also nach außen, Selbstwertgefühl nach innen. Optimal ist natürlich, von beidem ausreichend zu haben, aber das ist natürlich nicht immer der Fall. Um beides zu trainieren, hilft es, sich immer wieder vor Augen zu führen, was man gut kann, was liebenswert ist und was man an sich mag. Das verbessert die Beziehung zu sich selbst - und fördert das Selbstbewusstsein!

Bestimmt das Setting
Je wohler man sich fühlt, desto mehr strahlt das auch nach außen. Habt ihr also eine Situation vor euch, in der ihr etwas machen müsst, das euch unangenehm ist, greift zu absoluten Wohlfühlklamotten, dem Lieblingsschmuck, den schönsten Schuhen etc. So müsst ihr euch gedanklich nicht auch noch mit eurem Outfit beschäftigen und könnt ganz konzentriert die Situation überstehen!

Nicht zuletzt dürft ihr aber nicht vergessen: So was braucht Übung. Kaum jemand ist beim ersten Mal in einer ungewohnten Situation total lässig. Im Gegenteil. Gebt dem ganzen Zeit, scheut euch nicht - und schon seid ihr bald so selbstbewusst wie nötig!

Donnerstag, 19. Januar 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... den Sonntag!

oder: Warum ich Sonntage suspekt finde

Dieses Gefühl, wenn morgens kein Wecker klingelt, man aufwacht und weiß: 
Ich hab noch einen Tag frei, bevor es Montag ist. 
Igitt, Montag. Und alles wieder von vorne losgeht, wie jede Woche. 
Aber hey, immerhin noch ein ganzer Tag ohne all das. 

Viel mehr war der Sonntag für mich nie. Er lag zwischen dem genialen Samstag und Montag, dem Schrecklichen. Und pendelte irgendwo dazwischen herum. Theoretisch gut, dass es ihn gibt, aber so richtig was damit anzufangen wusste ich trotzdem nicht.

Das hat sich irgendwie schon in meiner Kindheit manifestiert. Da gab es sonntags immer die Familienausflüge. Also wurde ich von meinen Eltern ins Auto gepackt, meistens mit Walk-Man und schlechter Laune, und wir düsten an einen Ort, der ihnen gefiel. Das waren mal Museen, mal ein Wald, oft kleine schöne Städte oder ein Fluss, an dem man spazieren gehen konnte. Wir wanderten, entdeckten, erkundeten dann einige Stunden den Ort, bevor wir Kaffee tranken, Kuchen aßen und wieder nach Hause fuhren. Mein kindliches Ich fand das jedes Mal furchtbar. Vielleicht, weil ich zu der Zeit wenige Interessen mit meinen Eltern teilte, vielleicht aber auch, weil ich mir den Sonntag früher schon gemütlich vorstellte: Lange schlafen, Filme gucken, nichts tun eben. Aber wenn ich mal Ruhe hatte, war es irgendwie auch nicht gut, denn so was ist stinklangweilig.

Jahre später stelle ich fest, dass davon aber einiges haften geblieben ist. Ich mag Ausflüge an Sonntagen, auch wenn ich sie mit meinem Freund nicht allzu oft mache oder schaffe. Wir besuchen auch am Wochenende noch regelmäßig unsere Eltern und das Kuchenritual hat sich eingeschlichen, um zu bleiben. Ohne Sonntagskuchen fehlt etwas.

Trotzdem ist mir der Tag suspekt. Mein Kopf verbindet Sonntage noch immer mit Kirchenbesuchen und geschlossenen Geschäften. Eben der Tag in der Woche, in der alles ruht. Der das krasse Gegenteil des hektischen Alltags inne hat und sich immer anfühlt, als hätte jemand eine Vollbremsung gemacht, nur nicht auf der Autobahn, sondern im Leben.
Eigentlich ist so was sinnvoll, gleichzeitig aber auch langweilig. Ich muss dazu sagen, dass ich ein Mensch bin, der schnell glaubt, etwas zu verpassen. An Sonntagen verpasst die Welt etwas - denn es passiert ja meistens nichts Wichtiges. Alle sind in ihrer eigenen Bubble versunken und gehen Dingen nach, denen sie sonst nicht nachgehen können, aufgrund von Arbeit oder Alltagsstress. In meiner Familie wurde und wird sonntags nicht mal Hausarbeit gemacht. Staubsaugen als Sonntagssünde.

Innerlich macht mich diese aufgezwungene Ruhe aber fuchsig, weil ich, wie meine Mama immer sagt, Action brauche. Ruhe ist kontraproduktiv. Und wenn alle ruhen, auch nichts besonderes mehr. An Samstagen entspannen - gerne. Sonntag, wo ich es gewissermaßen muss, nein danke. Mal ganz davon abgesehen, dass Sonntag der Tag vor Montag ist und somit einen bitteren Beigeschmack bekommt, je weiter er voran schreitet. Schließlich hat man sonntags immer im Hinterkopf, dass das Wochenende ganz schnell vorbei sein wird. Und die Arbeit laut nach einem ruft.

Wozu Sonntage gut geeignet sind, ist das katern. Wenn man Samstag feiern war und ein bisschen was getrunken hat, kann man sonntags einfach mal die Beine lang machen und - nichts tun. Es braucht für den katrigen Zustand nicht mal Alkohol. Wenn ich nüchtern bis morgens um sechs tanze, geht der Sonntag trotzdem zum Erholen drauf. Und obwohl sich das für mich nur semi-gut anfühlt, weil ich ja lieber Dinge tue, ist das zumindest zweckdienlich und somit in Ordnung.

Manchmal genieße ich es auch einfach, mit meinem Freund ausgiebig Bingewatching zu betreiben, dazwischen kleine Unterbrechungen für aufgeschobene Hausarbeit. Wann hat man in der Woche schon Zeit dazu? Höchstens Sonntag! Und da ich mittlerweile auch schon lange nicht mehr Zuhause wohne, wird es auch nicht misstrauisch beäugt.

In diesem Sinne habe ich euch auch noch direkt vier Songs zusammen gestellt, die Sonntagszustände gut auffangen. Wer nichts zu tun hat - hier ist was.

Agora - Bear Hands (Indie)
Kaffee trinken, Kuchen essen, Gemütlichkeit und Quatschen. Sonntag eben. Dazu passt super das chillige Agora von Bear Hands.
Chillig, groovig, gemütlich

https://www.youtube.com/watch?v=Gm4n0QMWi7Y

Vibes - Tove Lo (Pop)
Statt ihrem Ex hinterher zu jammern, singt Tove Lo jetzt sinnlich über Flirts. Die können sprichwörtlich zu einem Wochenende im Bett werden. Und dafür ist Vibes sicherlich der richtige Soundtrack.
Sexy, sinnlich, feminin

https://www.youtube.com/watch?v=8ByEwKngoQQ

Get things done - Little Boots (Elektro-Pop)
Worum geht's? Ach ja, um Arbeit. Ganz doof, am Sonntag. Aber Little Boots singt nicht darüber, was noch getan werden muss, sondern dass man einfach mal entschleunigen soll - und Dinge liegen lassen. Das passt doch wiederum ziemlich gut zu Sonntag, oder?
Tanzig, Anti, Mitsingen

https://www.youtube.com/watch?v=G-jbbXKXxUU

Purple Yellow Red and Blue - Portugal. The Man (Indie)
Die Jungs von Portugal. The Man sind alles, nur nicht langweilig. Und weil sie auch noch den Groove raus haben, sind sie sogar ziemlich unterhaltsam. Für einen chilligen Sonntag bedeutet das: Aufs Sofa, Musik an und diesen entspannten Song bis in die Seele saugen. Respektive Tanzen, das geht auch immer. 
Groovig, cool, entspannt

https://www.youtube.com/watch?v=q5x_YoweEg8


Sonntag, 8. Januar 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Werbung!

...oder: Warum ich mich normalerweise auf Filmtrailer freue!

Jedes Mal, wenn ich ins Kino gehen will, stehe ich wieder vor dem großen Dilemma: Plätze reservieren (was manchmal nötig ist, denn die Kinos sind am Wochenende durchaus voll) und hinnehmen, dass man eine halbe Stunde vor Filmbeginn da sein muss - was bedeutet, dass man eine halbe Stunde Wartezeit und eine halbe Stunde Werbung vor sich hat. Oder auf gut Glück erst eine halbe Stunde nach Filmbeginn ins Kino kommen, hoffen, dass noch gute Plätze da sind und man getrost auf die Werbung vor dem Film verzichten kann. 

Gestern waren wir mal wieder im Kino. Weil wir das Kino nicht kannten, haben wir reserviert, waren also um 19:15 Uhr da und durften das gesamte Warteprozedere geben. Pünktlich um viertel vor acht ging der Vorhang auf und die Werbung los. Nur dass ich diesmal meinen eigenen Augen nicht traute, was hier für Werbung lief. 

Im Vergleich: Die Kinospots in meinen Heimatkinos waren meistens extrem langweilig, selten regional und ergänzten das, was man bereits aus dem Fernsehen kannte. Je nach Uhrzeit schaute man 15 bis 45 Werbung, bevor der Eismensch rumging und anschließend die Filmtrailer liefen. Auf die ich mich ehrlich freute, denn da wurde nichts beworben! Hier ist das alles ein bisschen anders. Es gibt keine Eismenschen und vorher läuft eine halbe Stunde Werbung durch. Und von Regionalem bis Nationalem ist wirklich alles dabei. 

Was mich aber am meisten sprachlos machte, war die Art der Werbung. Denn sie war lustig! Bei jedem Spot dachte ich für mich: Wow, ihr wart aber kreativ! Als hätte sich die jeweilige Marketingabteilung einige Wochen zurückgezogen, Drogen eingeschmissen und dann so richtig losgelegt. 

Hier sind drei Beispiele von Werbung, die kreativ-lustig bis hin zu fremdschämend ist. 

Platz 3: Der Kreisbote
Selten habe ich Werbung von Zeitungen in Kinos, geschweige denn im Fernsehen gesehen. Hier gibt es aber Zeitungswerbung. Und kreativ waren die PR-Leute auch. Wären die Schauspieler einen Ticken besser, wäre es ein wirklich guter Spot!

https://www.youtube.com/watch?v=bqMeZ0Gx6s8

Platz 2: Innogy
Der Energieanbieter hat tatsächlich einen Spot gemacht, der sich nur für eine bestimmte Zielgruppe und darüber hinaus nur für bestimmte Filme eignet: Star Wars! Da wir gestern auch Rogue One gesehen haben, hat der Spot super gepasst - und bringt einen zum Schmunzeln. 

https://www.youtube.com/watch?v=bU0S-27xUSo

Platz 1: Aldi
Unglaublich, aber wahr. Aldi macht jetzt Kinospots. Und deren Leitmotto ist nicht: Einfach. Es ist: Götter. Das Absurde ist, dass man einen Großteil der Werbung nicht versteht, dass es sich um Aldi handeln soll. Und selbst wenn man es versteht, glaubt man es nicht. Schließlich ist das Ding witzig und sogar ziemlich cool. Wenn auch mit kleinem Fremdschämfaktor. Aber mal ehrlich, da hat Aldi mal etwas rausgehauen, das Mehrwert hat. Hat mich sehr überrascht und hätte ich ihnen nie zugetraut!

https://www.youtube.com/watch?v=fQY6OyssCGQ

Jetzt muss man sich vorstellen, dass nur Spots dieser Art gestern im Kino kamen. Zum ersten Mal seit Jahren hatte ich beim Kinowerbung schauen Spaß! Ich werd zwar trotzdem kein innogy-Kunde, aber hey: So was bitte öfter!