Freitag, 23. Dezember 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Weihnachtsstress!

Oder: Warum Besinnlichkeit manchmal harte Arbeit ist

Zwei Tage vor Heiligabend. Ich saß im Zug von Bayern in meine Heimat und er ist voll. Wirklich, bis auf den letzten Platz. Was einen vor Weihnachten nicht wundert, ist normalerweise absolut verwunderlich, denn wann ist ein Zug schon so ausgebucht? Mir fällt außer der Weihnachtszeit nichts ein. Und ich finde, an diesem Punkt erkennt man ziemlich gut, was Weihnachten neben Besinnlichkeit, Ruhe und Familiarität noch bedeutet: Stress.

Das merke ich auch immer wieder, wenn ich mit meinen Freunden oder auch Fremden über das Fest rede. Zwar steht im Vordergrund, wie sehr man sich darauf freut – auf die Lichter, den Duft, das Festessen, die Verwandten, den Tannenbaum und nicht zuletzt auch die Bescherung – aber im Nachhinein oder sogar schon im Nachsatz hört man immer wieder, dass noch etwas Anderes mitschwingt. Die Leute sind eben auch froh, wenn es vorbei ist und der Alltag zurückkehrt.

Aber was macht Weihnachten so stressig, dass man froh ist, wenn wieder im üblichen Trott ist statt zu feiern? Zum einen natürlich das Geschenke kaufen. Das muss man nämlich zusätzlich zum Alltag in der Adventszeit gemeistert bekommen. Was gar nicht mal leicht ist, weil die Innenstädte vor Weihnachtsmärkten und entsprechend Menschen überquellen. Gerade diejenigen, die erst auf den letzten Drücker Geschenke shoppen, haben meist schlechte Karten. Nicht nur, was die besten Geschenke betrifft – die sind dann oft schon weg – viel schlimmer ist, dass die Geschäfte aus allen Nähten platzen, weil gefühlt ganz Deutschland auf der Suche nach hübschen Sachen ist. Man muss sich durchdrängeln und die Schlangen sind so lang, dass man sich vorkommt wie im Freizeitpark in der Warteschlange vor der coolsten Achterbahn. (Hier empfiehlt sich tatsächlich Online-Shopping. So viel entspannter!)

Doch nicht nur die Geschenke werden wie wild gejagt, auch Lebensmittel sind vor Weihnachten hoch im Kurs. Schließlich haben die Geschäfte sage und schreibe zweieinhalb Tage (!) zu. Da rennt man selbstverständlich einen Tag vor Heiligabend noch mal in den Supermarkt und kauft, was das Zeug hält. Dumm nur, wenn das jeder macht, denn dann bleibt nicht mehr viel übrig. Und so artet auch das übliche Einkaufen in fürchterlichen Stress aus (vor allem wenn es um Raclette-Käse geht).  

Ein Stressfaktor, den man nicht unterschätzen sollte, ist auch die Familie. Das fängt schon im November (oder sogar noch früher) an, wenn es darum geht, bei wem jetzt wie gefeiert wird. Bei meiner Familie? Bei der Familie meines Freundes? Wer an welchem Tag? Einmal waren wir sogar so wahnsinnig, an Heiligabend beide Familien – eine im Saarland, eine inmitten von Rheinland-Pfalz – unter einen Hut bekommen zu wollen. So viel Stress hatte ich zuvor in meinem Leben selten erlebt.

Dann muss man anreisen. Das geht entweder, so wie ich es mache, im vollen Zug. Oder auf der vollen Straße mit dem Auto, wo man unter Umständen stundenlang im Stau steht, weil jeder das Auto nimmt. Die Züge sind ja schließlich ausgebucht. Wer bis zum 23.12. arbeiten muss, hat auch die leidliche Situation, dass er oder sie durch dieses Verkehrschaos muss und es nicht umgehen kann. Ich fahre nicht umsonst zwei Tage vor Weihnachten. Das ist zwar auch stressig, aber ertragbar.

Vor Ort tauchen wieder ganz andere Probleme auf. Es wird alles festlich vorbreitet, was Spaß macht und wirklich ein bisschen Besinnlichkeit bringt, aber die Vorbereitung des Festessens artet meistens wieder in Stress aus. Sei es für die gesamte Familie oder nur für den Kochenden, der seinen Ärger an allen anderen auslässt.
Seht ihr, wir sind gerade mal bei Heiligabend angekommen und die Stressfaktoren sind jetzt schon enorm!

Heiligabend selbst birgt wenige Risiken. Außer das mit dem Kochen natürlich. Und vielleicht noch die Geschenkübergabe, bei der ein Patzer direkt für schlechte Laune sorgen kann. Aber wenn sich alle ein bisschen zusammenreißen, wird es trotzdem schön. Schlimmer wird es am zweiten Weihnachtsfeiertag, wo man sich schon mehrere Tage nicht aus dem Weg gehen kann. Nicht selten höre ich von meinen Freunden nach Weihnachten: „War zwar toll, aber irgendwann geht man sich doch auf den Keks.“ Stimmt. Denn um Weihnachten hat man wirklich wenige Ausweichmöglichkeiten. Man hockt sich auf der Pelle, mehrere Tage. Nur um abschließend festzustellen, dass es sich zwar gelohnt hat, aber man auch froh ist, dass es bis um nächsten Weihnachten wieder ein Jahr dauert.


gänseblümchen  / pixelio.de
Wer jetzt denkt, dass ich hier ganz schön meckrig und pessimistisch daher schreibe, der sollte weiterlesen (und sich mal an die eigene Nase fassen, denn ein bisschen kennt das Phänomen Weihnachtsstress doch jeder). Weihnachten ist nicht nur Stress. Wäre das so, würde man es nicht mehr feiern. Alle würden diesen Tag alleine Zuhause verbringen und der Feiertag wäre längst abgeschafft, aus Burnout-Gründen. Nein, Weihnachten hat natürlich auch seine schönen, grandiosen, wunderbaren Seiten. Man sieht zum Beispiel die Heimat oder zumindest die Familie wieder. Und ist nett zueinander. Man vergisst, dass man eigentlich Kalorien zählt. Man kann Menschen mit Geschenken beglücken und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und man kann nicht zuletzt auch einige Tage aus dem Alltagstrott fliehen. Klingt ja erstmal verlockend. Genau das sollte man genießen, bis der Stress doch wieder überhand nimmt. Und sich immer wieder daran erinnern. 

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Rezeptealarm! Paprikaschnitzel mit besonderer Panade, Bratkartoffeln und Süßsalat

Es ist mal wieder typisch ich - eigentlich hab ich etwas ganz anderes zu tun, nämlich den Umzug fertig wuppen - aber wenn mich der Hunger packt, wird trotzdem gekocht. Sogar ziemlich aufwendig, wenn man bedenkt, dass es eigentlich Resteverwertung sein sollte. Jedenfalls wurde aus einem geplanten gewöhnlichen Paprikaschnitzel mit gewöhnlichen Bratkartoffeln und gewöhnlichem Salat etwas ziemlich abgefahren Ungewöhnliches. Und weil das so lecker war, möchte ich es euch natürlich nicht vorenthalten.

So sieht es fertig aus! Echt lecker!
Man nehme (für zwei Personen): 
200 Gramm Hähnchenbrustfilet im Stück
80 Gramm Mehl
1 Ei
2 Hände voll Haferflocken
1 Paprikaschote (am besten rot, weil am intensivsten)
2 Zwiebeln
5 mittelgroße Kartoffeln
1 Tasse Milch
Gemischter Wintersalat (200 Gramm)
5 Cherrytomaten
1 Salatgurke
1 Dose Mandarinenstücke (oder frische Mandarinen, die müssen aber geschält werden)
150 Gramm Butter
1 Teelöffel Essigessenz
1 Esslöffel Sesamöl (alternativ auch normales Olivenöl)
1 Esslöffel Honigbalsam
1 Teelöffel Zucker
1 große Pfanne
1 kleine Pfanne
1 kleinen Topf
Salz, Pfeffer

To Do: 
Zuerst werden die Kartoffeln geschält und gekocht. Währenddessen können bereits die Zwiebeln, Tomaten, die 1/5 der Gurke und die Paprika geschnibbelt werden und zwar eine Zwiebel in Ringe, eine in kleine Stückchen, die
Gurke in Scheiben und die Paprika in dünne Streifen. Danach wird das Hähnchenbrustfilet in dünne, etwa handflächengroße Scheiben geschnitten und geklopft. Anschließend wird es paniert: Man würzt das Fleisch erst mit Salz und Pfeffer. Anschließend werden drei Teller vorbereitet, in die einmal 50 Gramm Mehl, einmal das Ei und einmal die zwei Hände voll Haferflocken gegeben werden. Jetzt zieht man das Fleisch erst von beiden Seiten durch das Mehl, dann das Ei und abschließend durch die Haferflocken, bis es bedeckt ist. Danach werden die Schnitzel erst einmal ruhen gelassen.

Jetzt dürften die Kartoffeln durch sein. Man schneidet die Kartoffeln in dünne Scheiben, zerlässt einen großen Esslöffel Butter in der größeren Pfanne und brät die Kartoffelscheiben an. Nach etwa fünf Minuten werden die Zwiebelringe dazu gegeben. Immer wieder mal durchschwenken und nach 10 Minuten die Hitze um die Hälfte reduzieren. Man erkennt den Zeitpunkt daran, dass die Kartoffeln braun werden.

Nun wird die Paprikasoße zubereitet. Dafür zerlässt man einen kleinen Esslöffel Butter im Topf und gibt rund 30 Gramm Mehl dazu, wenn die Butter geschmolzen ist. Anschließend werden in die noch flüssige Mehlschwitze die Zwiebelstücke dazu gegeben, kurz durchgerührt und anbraten gelassen, bevor man die Tasse Milch nach und nach dazu gibt. Bitte hier immer umrühren. Anschließend, wenn die Soße schön cremig ist, die Paprikastücke dazu geben, außerdem einen Teelöffel Essigessenz für die Würze, und Salz sowie Pfeffer und einen Teelöffel Zucker. Die Soße wird jetzt zehn Minuten ziehen gelassen, damit die Paprika ihren Geschmack abgibt.

Jetzt werden Schnitzel und Salat parallel zubereitet. Für die Schnitzel einen großen Esslöffel Butter in die kleine Pfanne geben und die Herdplatte richtig heiß stellen. Warten, bis die Butter brutzelt, dann ein Schnitzel hinein geben. Währenddessen den Salat mit den Tomaten, den Mandarinenstücken (5-10) und den Gurkenscheiben auf dem Teller anrichten. Fürs Dressing einen Esslöffel Honigbalsam mit einigen Tropfen Sesamöl mischen, mit Salz und Pfeffer würzen und ein paar getrocknete Kräuter dazu geben. Dressing mit dem Salat mischen und schon mal auf dem Teller anrichten.
Das Schnitzel wenden und einen Blick darauf haben, dass es goldbraun und nicht schwarz wird. Ist das Schnitzel fertig, kann serviert werden.

Insgesamt ist die Mahlzeit gar nicht wirklich aufwendig, etwas exotisch, insbesondere durch die Haferflocken und das Dressing und somit gewöhnlich ungewöhnlich.
Guten Appetit! 

Montag, 19. Dezember 2016

Gehen statt bleiben: Abschiede

Und dann ist da dein Herz und dein Verstand. Und irgendwo dazwischen tut's weh. 
Bosse, Irgendwo dazwischen

Abschiede gehören für mich zu den Dingen, mit denen ich nicht umgehen kann. Das fängt schon damit an, dass ich sie erst einmal in den hintersten Winkel meines Kopfes schiebe und zutiefst verdränge. Selbst am entscheidenden Zeitpunkt will ich Abschiede nicht wahrhaben, weil ich sonst traurig bin, heule und das nicht nur äußerlich, sondern auch wochenlang innerlich. Aber damit bin ich nicht alleine. Viele haben gehörige Probleme mit Abschieden. Eine Weile lang habe ich Menschen bewundert, die damit gut umgehen können. Aber gar keine Sentimentalität fühlt sich auch falsch an. Denn dann hat die Zeit davor auch nicht viel bedeutet. Umgekehrt gibt es auch Menschen, die Abschieden ganz aus dem Weg gehen. Entweder halten sie es kurz und knapp - oder sie verabschieden sich gar nicht und gehen einfach. Eine noch miesere Lösung. 

Jedenfalls hasse ich Abschiede. Denn obwohl sie nicht immer endgültig sind, schwingt jedes Mal genau dieses Endgültige mit. Danach ist doch alles anders, auch wenn man es nicht wahr haben will. Der Verabschiedete verschwindet schließlich, sei es vom Arbeitsplatz, von der Uni oder sogar aus der Stadt. Das Aufrechterhalten des vorherigen Zustands kostet auf einmal Anstrengung. Man muss anrufen oder mailen oder simsen. Dieses automatische Wir-sehen-uns-Morgen hört eben auf. Deshalb hat es mich auch nicht gewundert, dass von den Menschen, mit denen ich Abitur gemacht habe, eigentlich keiner mehr wirklich an meinem Leben teil nimmt. Und das ist nicht einmal ungewöhnlich, sondern der Lauf der Dinge. 

Umso schwerer fällt mir der Abschied, der mit letztem Wochenende begonnen hat. Mein Umzug nach Bayern. Weil ich weiß, dass von dem was war, nicht mehr viel bleiben wird. Natürlich sind da meine Freunde, die ich weiterhin sehen, aber letztlich doch mehr hören werde. Die Leichtigkeit fällt nämlich weg. Man kann plötzlich nicht mehr spontan auf einen Kaffee vorbei gehen oder sich auf ein Bier in der Stadt treffen. Plötzlich trennen uns 380 Kilometer oder sogar noch mehr. Vier Stunden Auto- und Zugfahrt. Das ist eine Menge. Treffen sind ab jetzt mit Planung und viel mehr Aufwand verbunden. Ganz abgesehen davon, dass ich auch weniger Zeit haben werde, schließlich arbeite ich ab Januar Vollzeit. 

Genauso geht es mir mit meiner Familie. Wir haben zwar regelmäßig telefoniert, aber uns auch regelmäßig gesehen. Das wird jetzt sehr viel seltener sein. Und da ich die erste in meiner Familie bin, die den Ortsverbund verlässt, ist es umso schwerer. 

Insgesamt habe ich diesen Abschied lange vor mir her geschoben. Ich hab zwar drüber geredet, aber mit einer gewissen Distanz, als läge das alles nicht unmittelbar vor mir, sondern wäre bloß ein Plan in ferner Zukunft. Bis meine Kollegen mir auf der Arbeit einen offiziellen Abschied bereiteten. Mit Geschenk und vielen lieben Worten. Da wurde mir enorm schwer ums Herz. Oder als meine liebsten Mainzer Freundinnen am Freitag, mitten im Umzug, noch mal vorbei kamen und wir zusammen Wein tranken, einfach weil wir uns noch einmal sehen wollten. Spätestens als bei ihnen die Tränen kullerten, wurde mir noch schwerer ums Herz. Und zwischendrin ploppte immer wieder die Frage auf: Will ich das wirklich? Kann ich nicht noch einen Rückzieher machen? 

Was mich die ganze Zeit davon abgehalten hat sind zwei Dinge: Einmal muss man sich im klaren sein, dass das Leben aller Menschen weiter geht. Dass ich, zusammen mit einer anderen Freundin die erste bin, die den Ort und die Lebenssituation so gravierend verändert, war Zufall, aber es hätte auch jeder andere in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sein können. Warum also aus Nostalgiegründen stehen bleiben? Außerdem soll man seine Chancen ergreifen - und das hab ich getan. Auch wenn diese Chance mit einem kompletten Neustart einher geht. 

Inzwischen habe ich die Abschiede hinter mir. Noch fühle ich mich nicht einsam, verloren oder habe schlimm Sehnsucht nach meiner alten Herzensheimat. Doch es kommt ja zuerst einmal Weihnachten, da bin ich ohnehin Zuhause. Und im Januar beginnt mein neuer Job, auf den ich mich natürlich auch sehr freue und der mir bestimmt ordentlich Trubel bringt. Aber zwischendrin wird es immer wieder Momente geben, in denen mir meine Lieblingsmenschen ganz arg fehlen werden. Glücklicherweise gibt es immerhin noch das gute, alte Telefon. 

Ab kommender Woche startet meine neue Reihe: Welcome to Bavaria! Hier werde ich von meinen Eindrücken und Erlebnissen in Bayern berichten - vor allem natürlich davon wie es ist, als Rheinhessin ins Allgäu zu kommen. Kulturschock? Mal sehen. Lest euch rein!

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Seriencheck! Sex and the City

Attention please: Wer Sex and the City selbst noch schauen will oder das Ende noch nicht kennt, sollte an dieser Stelle gar nicht anfangen zu lesen, denn es wird definitiv einige Spoiler geben. 

https://www.youtube.com/watch?v=g9Mx2OLnoGI

Früher in meiner Jugend habe ich Sex and the City geliebt. Es war die erste Serie, zu der Zugang bekam und die ich Folge für Folge verschlungen habe. Carrie Bradshaw, die Protagonistin, war lange Zeit (traurigerweise) mein Vorbild und hat mich zum Träumen bewegt. Ich wollte auch eine Kolumne haben, teure Schuhe und Kleider kaufen können, ein wunderschönes, kleines Apartment in einer belebten Stadt und Freundinnen haben, mit denen man über Männer, Sex und Krisen reden kann.

Viele Jahre später sieht mein Leben folgendermaßen aus: Ich bin Journalistin, blogge (was ja so ähnlich ist wie eine Kolumne), habe meinen Schuhtick glücklicherweise überwunden, lebe seit Jahren mit meinem Freund zusammen und habe auch großartige Freundinnen und Freunde gefunden. Aber insgesamt ist alles, Gott sei Dank, sehr viel bodenständiger und normaler als bei den vier Frauen.

Denn im Augenblick habe ich wieder mit der Serie begonnen. Zum dritten Mal. Aber zum ersten Mal schaue ich die Serie mit einer gewissen Skepsis. Die kam gar nicht bewusst, sondern mit jeder Folge wuchs sie unweigerlich an. Anscheinend bin ich selbst zu einem Punkt im Leben gekommen, in dem ich die Serie nicht mehr so ernst nehmen kann wie früher. Im Gegenteil, inzwischen stören mich sogar einige Dinge.

Aber worum geht es eigentlich? Sex and the City dreht sich um vier New Yorker Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, die allerdings trotzdem eine tiefe Freundschaft verbindet. Und nicht nur das: Auch die Männergeschichten verbinden sie. Deshalb wird vorzugsweise in jeder Folge viel über Sex und wenig über Liebe gesprochen. Pro Folge steht dabei ein Schwerpunkt im Fokus. Sei es eine erektile Dysfunktion, Treue, das Ménage à Trois oder Muttersöhnchen (und ich bin gerade erst wieder bei Staffel zwei).

Und aus diesen Gründen mochte ich die Serie auch immer. Sie war (gerade für ihren Ursprung in den 90ern) modern, witzig und zeigte Frauenbilder, von denen sich manche Menschen heute noch eine Scheibe abschneiden sollten. Zum Beispiel Samantha, die macht, was sie will und sich von der Gesellschaft nichts vorschreiben lässt. Oder Charlotte, die die Liebe trotz Enttäuschungen nicht aufgibt. Oder Miranda, die Karriere und Kind unter einen Hut bekommt und sich bemüht, trotz aller Anstrengung glücklich zu sein. Aber sie hat eben auch ihre Schwächen.

Zum Beispiel die Oberflächlichkeit. Frauen werden abserviert, weil sie mal heiraten wollen. Männer werden abgesägt, weil sie zu nett sind - oder weil sie einen gemeinen Spruch bringen. Grundsätzlich gehen also zarte Liebespflänzchen ein, weil die Menschen sich in dieser Serie nicht drauf einlassen wollen oder können. Das Next-Prinzip eben. Das mag zwar auch gerade in der heutigen Zeit einen Funken Wahrheit beinhalten, aber insgesamt ist das doch sehr überholt. Vor allem wenn das Folge für Folge passiert. Außerdem stört mich sehr, dass die Frauen ihr Leben und ihre Gespräche von Männern und Shopping definieren lassen. Als hätte man keine anderen Probleme.

Aber auch die Realitätsferne stößt mir inzwischen auf. Carrie Bradshaw schreibt eine Kolumne einmal die Woche, tut beruflich sonst nichts und kann es sich leisten, in einem Manhatten-Apartment zu leben, Designwaren zu kaufen und die coolsten Bars und Restaurants zu gehen. Wie bitte soll das gehen? Bei Galeristin Charlotte, Anwältin Miranda oder PR-Beraterin Samantha ist das ja noch vorstellbar, aber als Kolumnistin? Außerdem ist es irgendwie weit hergeholt, dass eine Beziehung mit einem Mann, dessen Namen man nie erfährt und zu dem etliche Beziehungsversuche kläglich gescheitert sind, am Ende doch der eine Mister Big ist, mit dem man vor den Traualtar tritt. Manche Handlungsstränge sind eben doch eher Traum als Realität - schade.

Zu guter letzt aber stört mich inzwischen am meisten Carrie selbst. Ein Charakter, der Hauptcharakter sogar, der sein Leben irgendwie nicht richtig auf die Reihe bekommt, ständig auf die falschen Männer reinfällt, ihre große Liebe trifft und es jedes Mal ordentlich gegen die Wand fährt. Alleine ihre Ausraster, die auf Kleinigkeiten beruhen und durch ein normales Gespräch geklärt werden könnten, nerven enorm. Man möchte sie jedes Mal schütteln und fragen, ob sie weiß, was sie da tut. Deshalb ist es ab Staffel drei spätestens frustrierend zu sehen, wie sie sich jedes Mal verrennt.

Abgesehen davon wird es aber von Folge zu Folge besser. Die Chemie der Frauen ist großartig und es werden Dinge thematisiert, die einem auch heute noch die Röte ins Gesicht treiben. Außerdem ist die Serie zu keinem Zeitpunkt homophob, im Gegenteil. Sexualität wird in allen Facetten beleuchtet, ohne jemals abwertend zu werden. Das ist für die 90er Gold wert. Ihr merkt also: Die vier Frauen hängen mir doch noch ziemlich am Herzen. Und obwohl ich weiß, dass Carrie ihren Big am Ende heiraten wird, ist es jedes Mal eine Freude, in ihre Welt zu schauen. Und ich fiebere auch insgeheim nach wie vor einem dritten Kinofilm entgegen, den ich gucken werde, auch wenn vermutlich ähnlich schlecht ist wie der zweite Kinofilm.

Als kleines Goodie - und weil das Thema es einfach enorm anbietet - habe ich für euch einen Psychotest erstellt. Seid ihr Carrie, Miranda, Charlotte oder Samantha? Auflösung folgt unten. :-)

1. Du wirst auf der Straße angesprochen - wie reagierst du? 
a) Du fühlst dich geschmeichelt, verabredest dich und träumst den ganzen restlichen Tag von eurer gemeinsamen Zukunft
b) Du checkst die Person genau ab, aber wenn sie attraktiv genug ist, verabredest du dich - ohne einen Hehl aus deinem sexuellen Interesse zu machen.
c) Du hast einen zynischen Spruch auf den Lippen, weil du gerade keinen Bock auf Männer hast.
d) Du verabredest dich, wenn der Funke überspringt, und bist offen für alles.

2. Was könnte dir schon mal passiert sein? 
a) Du hast deinen Partner bezüglich Zukunftsplänen schon mal so in die Enge getrieben, dass er dich verlassen hat.
b) Du hast dich mal verliebt - wie beängstigend!
c) Du warst ganz schön barsch - was deinen Partner eingeschüchtert hat.
d) Du hast deinem Partner eine heftige Szene gemacht, weshalb dir dein Partner auch öfter mal dramatisch hinterher rennt.

3. Du trägst am liebsten...
a) verspielte Kleider, edlen Schmuck, süße Pumps.
b) sexy Kleider mit viel Dekolleté, verführerische High-Heels und roten Lippenstift.
c) Hosenanzüge oder sportliche Outfits, dazu auch gerne nicht allzu lange Haare.
d) Komplett zusammengewürfelte Kleidung - von Flohmarkt bis Gucci ist alles dabei.

4. Wie stellst du dir deine Zukunft vor? 
a) Verheiratet mit dem Traummann, zwei Kinder, großes Eigentumswohnung.
b) Zügellose Freiheit und Karriere.
c) Karriere, Kind und Mann, aber bitte nicht in einem Kaff.
d) Die eine große Liebe heiraten.

5. Welche Beschreibung trifft dich am besten? 
a) Verspielt, naiv, romantisch, willensstark, zielstrebig.
b) Selbstständig, selbstbewusst, emotional verschlossen, charmant, offen.
c) Zynisch, pragmatisch, schlagfertig, loyal, ängstlich.
d) Launisch, romantisch, wild, abwechslungsreich, ruhelos.

6. Wie wäre dein Traummann? 
a) Charakter wichtiger als Optik, liebevoll, fürsorglich.
b) Jung, attraktiv, leistungsstark.
c) Witzig, herzlich, offen.
d) Unnahbar, beschützend, charmant.

7. Wie verbringst du am liebsten deinen Abend? 
a) Ich koche oder trinke gerne Cocktails mit meinen Freundinnen und gehe früh schlafen, schließlich muss ich morgens arbeiten.
b) Ich gehe in eine Bar, flirte und schleppe mindestens einen Mann ab.
c) Ich schaue mir über Netflix meine Lieblingsserien an, futtere Chips und schlafe auf der Couch ein.
d) Ich besuche hippe Bars, flirte und ziehe weiter in einen neu eröffneten Club.

Jetzt die Buchstaben zählen. Die meisten Buchstaben führen zur Zuordnung.

Am meisten A: Du bist eindeutig Charlotte am ähnlichsten. Du bist verträumt, glaubst an die große Liebe und findest Wörter wie "ficken" vulgär. Stattdessen wünscht du dir deinen Traummann herbei, wobei die Optik dabei eine viel geringere Rolle spielt als der Charakter. Solange er noch nicht da ist, gibst du aber immerhin jedem Mann die Chance, der richtige zu sein.

Am meisten B: Du hast Ähnlichkeiten mit Samantha. Die freiheitsliebende PR-Agentin tut was sie will und hat Spaß dabei. Insbesondere mit Männern. Aber sie ist auch tolerant, offen und weiß, was sie will. Eine starke Frau eben.

Am meisten C: Du zeigst ähnliche Charakterzüge wie Miranda. Sie ist zynisch, laut, frech - aber wenn man sie erst einmal besser kennt ist sie liebenswert und herzlich. Sie wünscht sich am meisten, dass es ihrer Familie gut geht, sie sich aber trotzdem selbst verwirklichen kann.

Am meisten D: Du bist ein bisschen wie Carrie: Manchmal verrennst du dich im Leben und liebst das Drama, aber immer mit dem lobenswerten Ziel, dich nicht verbiegen lassen zu wollen. Insgesamt ist Carrie verträumt, romantisch, glaubt an die große Liebe, aber nicht, ohne den Spaß auf der Suche zu vernachlässigen.

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Feminismus!

Ich bin Feministin. Ich glaube daran, dass Frauen und Männer gleichberechtigt leben sollte. Ich bin überzeugt, dass nur eine gleiche Bezahlung für dieselbe Arbeit fair ist. Ich finde, Frauen und Männer sollten nie aufgrund ihres Geschlechts in Schubladen gesteckt oder sogar benachteiligt werden. Ich glaube, jeder Mensch hat das Recht, sein Leben zu gestalten, wie er möchte und dass Gleichberechtigung einen entscheidenden Beitrag dazu leistet. Und ich glaube, dass Körperlichkeiten auch eng mit Gleichberechtigung zu tun haben. Genau wie mit Toleranz und Respekt.

Ich finde, dieses Thema ist einerseits völlig über seinem Zenit und viel zu oft diskutiert worden, andererseits hat das alles die Gleichberechtigung nach wie vor nicht weiter gebracht. Wenn ich mir anhören muss, dass inzwischen Vergewaltigungen eventuell irgendwie strafbar sind, die Menschen angeblich viel zu politisch korrekt agieren und eine Frauenquote eingeführt wurde, platzt mir die Hutschnur. Denn das ist Pseudofeminismus. Viel Gerede, wenig Handlung. Alles, um das Bild zu wahren, die Situation sei im Griff.

Dabei ist es eigentlich in unserer heutigen Zeit lächerlich, dass Frauen noch immer benachteiligt werden. Viele Entwicklungen auf der Welt sind so fortschrittlich - nur die Rechte der Frauen nicht.

Nun könnte man ja mokieren, dass doch fast alles zwischen den Geschlechtern angepasst wurde. Frauen und Männer haben die gleichen Freiheiten, die gleichen Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten und niemand verlangt mehr, dass wir am Herd stehen und für die Kinder kochen. Ja, aber. Trotz der vielen Freiheiten verdienen wir in vielen Jobs weniger als ein Mann, der dasselbe macht. In manchen Branchen haben wir gar keine Chance, Karriere zu machen, weil man dort nur mit Schlips und Anzug erwünscht ist. Aber das ist nur der große Stil. Der Kleine ist noch viel schlimmer. Ständig wird man mit Klischees konfrontiert, die teils lustig, teils aber einfach nur erschreckend sind. Letztens wurde ich von einem Typen gefragt, ob ich wirklich die Larsson-Reihe gelesen hätte. Die müsse doch von meinem Freund sein. Hat man mir wohl als Frau nicht zugetraut. Und mir wurden auch schon kaputte Gegenstände aus der Hand gerissen, schließlich könne ich so was ja gar nicht reparieren. Weil ich eine Frau bin. 

Aber das ist noch vergleichsweise harmlos, wenn man mal den Sexismus betrachtet. Frauen wird einfach an den Po gegriffen, weil Mann glaubt, er darf das. Frauen werden mit Spitznamen bedacht, durch die Gegend geschickt und aufs derbste schikaniert. Und, schlimmstenfalls, werden Frauen sogar vergewaltigt, weil sie sich so offenherzig gekleidet haben. All das passiert, weil es Frauen sind. Und sich in manchen männlichen Köpfen manifestiert hat, dass sie das Erbrecht hätten, so mit Frauen umzugehen. Deshalb wird mir jedes Mal übel, wenn ich einem solchen Chauvinisten begegne. Und in solchen Momenten verstehe ich auch Frauen, die einen derart großen Hass gegen Männer entwickelt haben, dass sie ihnen am liebsten ebenfalls die Rechte entziehen wollen.

Nur geht mir das um längen zu weit. Manche Frauen bezeichnen sich nämlich als Feministinnen, obwohl sie eigentlich nur einen Rollentausch wollen: Frauen haben die Vormachtstellung, Männer hinken hinterher. Für mich sind das auch keine Feministinnen mehr, sondern Chauvinistinnen. Denn wie das Wort Gleichberechtigung schon sagt, geht es um gleiche Rechte. Da wird niemand abgewertet, sondern eher aufgewertet. Eben auf ein Niveau. Ich möchte nun mal auch keine Welt, in der Männer verpönt werden, wenn sie Labello tragen oder Elternzeit einlegen. Jeder sollte einfach das tun dürfen, was er möchte - ohne dabei ins Leben anderer einzugreifen.

Genau deshalb braucht es heute noch immer - oder schon wieder - Feminismus. Und das ist auch der Grund, warum ich Feministin bin. 

PS: Als Goodie am Schluss fürs fleißige Lesen der neue Song von Jennifer Rostock: "Hengstin".
PPS: Geht übrigens auch um Feminismus.

https://www.youtube.com/watch?v=aKf5jqfoxIE