Freitag, 25. November 2016

Seriencheck! Die Gilmore Girls

Es gibt Serien, die sorgen jedes Mal beim Gucken für dieses wohlig-warme Bauchgefühl. Als hätte man mal wieder ein lang ersehntes Familientreffen mit seinen Liebsten. Zugegeben, von diesen Serien gibt es nicht viele und nicht jede Serienart beziehungsweise Seriengenre ist dafür geeignet.

Aber die Gilmore Girls gehören dazu. Nicht nur, weil es sie sich um eine Familie dreht und für Familien geeignet ist, sondern weil sie so liebevoll inszeniert wird, dass man sich sofort heimelig und Zuhause fühlt.

https://www.youtube.com/watch?v=kGGNNSmGDpU
Ich habe die Gilmore Girls erst spät für mich entdeckt, nämlich letztes Frühjahr. Mir gingen die Serien aus, die Gilmore Girls kannte ich noch nicht, also schaute ich rein. Eigentlich war mir die Serie schon früher über den Weg gelaufen, in den 2000ern, als sie noch topaktuell auf VOX im Nachmittagsprogramm lief, aber irgendwie war ich zu dem Zeitpunkt weder serieninteressiert noch hielt ich die Gilmore Girls damals für cool. Sie liefen schließlich zum selben Zeitpunkt wie der Denver-Clan.

Doch als ich mich mal ein wenig reingesehen hatte, wuchs mir die Serie sehr schnell ans Herz. Das Mutter-Tochter-Gespann der Lorelais ist schlagfertig, witzig und alles andere als normal. Die Nebencharaktere sind allesamt liebevoll und detailliert erdacht worden und ergeben weit mehr als ein illustres Hintergrundbild. Die Handlungen plätschern zwar teilweise vor sich ihn - aber hey, wenn man seine Familie besucht, passiert da ja auch nicht jedes Mal was spannendes. Manchmal kommt man einfach nur vorbei, um dort zu sein.

Sieben Staffeln hat die Serie insgesamt geschafft - und dabei leider an Qualität eingebußt. Ging es anfangs noch um viele Lebensaspekte, schoss es sich am Ende stark auf das Thema Liebe ein - und zwar nicht auf die romantische, sondern teils auf die nervenaufreibende Art. Beziehungen wurden wegen eines falschen Wortes beendet, andere kamen ewig nicht zustande. Die zwei Frauen, die damals mit ihrem Lebensstil und ihrer Einstellung feministische Vorreiter waren, wurden plötzlich doch stereotypisiert. Doch zu dem Zeitpunkt hatte man Stars Hollow, den Ort, in dem die Serie spielt, schon so ins Herz geschlossen, dass es keinen Weg zurück gab.

Jetzt und zwar ziemlich genau jetzt, nämlich heute, neun Jahre nach dem Serienende, kommen vier neue, spielfilmlange Folgen auf Netflix raus. A Year in Life heißen die vier Teile, die sich allesamt an den Jahreszeiten orientieren. Lange wurde darauf hingefiebert. Nicht nur von mir, sondern von der halben Welt. Ich habe sogar befürchtet, dass sämtliche Server heute Morgen mit der Veröffentlichung abstürzen, weil jeder die Folgen sehen will. Und ich freue mich nicht nur, weil es neue Folgen sind, sondern weil fast der gesamte Cast von damals wieder dabei ist. Die Geschichte geht weiter. Auch ich werde heute Abend irgendwann vor dem Fernseher versinken und so lange Lorelai und Rory zuschauen, bis mir die Augen zufallen. Denn immerhin sind es sechs Stunden. Sechs wundervolle Stunden mit der wundervollsten Serienfamilie der Fernsehwelt.

Donnerstag, 24. November 2016

Mein Plädoyer... für einen besseren Wohnungsmarkt!

...oder warum Träume und die Realität eben doch etwas ganz anderes sind!

Es gab Zeiten, da hab ich mich immer wieder auf Immobilienseiten wie Immoscout erwischt. Voller Neugier und Träume. Nie auf der Suche, aber immer voller Wünsche und Möglichkeiten. Ich habe mir Wohnungen angesehen, die überhaupt nicht in meiner Preisklasse lagen, mit Dachterrassen, tollem Blick auf die ganze Stadt, bodenlangen Fenstern, Parkett, Fußbodenheizung und immer mit der Vorstellung im Hinterkopf, wie ich diese Wohnungen einrichten würde. Erstaunlicherweise waren zu diesen Zeitpunkten hunderte Wohnungen inseriert, viele, die sogar realistisch in Frage gekommen wären.
Michael Grabscheit  / pixelio.de

Aber auf die Träume und Wünsche folgt irgendwann die harte Realität. Die Umzugsrealität. Der Zeitpunkt, an dem ein Umzug ansteht, anstehen muss und an dem man diese Seiten nicht mehr verträumt, sondern verzweifelt öffnet. Zeiten, in denen man diese Seiten, die Makler, die Vermieter und auch alle anderen Menschen, die irgendwie mit dem Wohnungsmarkt in Berührung stehen, verflucht.

Meine Realität ploppte im September auf. Wir mussten eine Wohnung suchen. Voller Optimismus und Vorfreude öffnete ich die Immobilienseiten, weil ich wusste, dass ich sie mag. Bis ich genauer hinsah. Wir ziehen in keine Großstadt, eher eine normale Stadt. 70.000 Einwohner. Man sollte meinen, dass es dort genügend Wohnungen gibt. Pustekuchen. Insgesamt waren 15 Wohnungen inseriert, davon fünf nicht mal ansatzweise leistbar, drei für beeinträchtigte Menschen, drei, die schon seit einem halben Jahr inseriert waren und zwei, die ich niemals von innen sehen möchte - es blieben also sage und schreibe zwei Wohnungen übrig, die irgendwie in Frage kamen. Zwei. Und ich habe nicht nur auf einer Online-Seite nachgesehen. Also habe ich Anfragen geschickt. Eine wurde mir beantwortet. Ich betone: Eine. Und die sollten wir am nächsten Tag besichtigen kommen. Flexibilität ohne Grenzen. Klar. Auf einmal war mir dieser ganze Wohnungsmarkt nur noch zuwider.

Ich suchte weiter. Mitte Oktober. Nur noch elf Wohnungen inseriert. Drei waren in Ordnung, von einer kam wieder keine Rückmeldung. Eine andere Wohnung sollten wir besichtigen, wann immer wir wollen. Wir planten alles entsprechend, wollten am nächsten Tag in die Stadt fahren, da kam per SMS die Nachricht, dass die Wohnung bereits vergeben sei. Die Verzweiflung keimte auf, schließlich lag der Umzug gar nicht mehr weit in der Zukunft. Ich beschloss, ein Zeitungsinserat aufzugeben, auch in den Kleinanzeigen setzte ich etwas rein. Eine Anfrage kam. Das war's.

Währenddessen waren in meiner Heimatstadt plötzlich 122 Inserate online. Ironisch.

Anfang November ging alles dann ganz schnell. Es gab kurzfristig noch einige Anzeigen, wir hörten auf, unsere Suche auf diese Stadt zu beschränken und schauten uns auch in den umliegenden Dörfern um. Neun Besichtigungen kamen zustande. Und damit ging das Elend weiter. Denn auf die Realität vor Ort ist hart. Denn man muss um Sympathie buhlen, überzeugen, sich verkaufen können. Pro Wohnung gibt es grob zehn Anwärter. Der Makler und der Vermieter suchen aus. Hat nur einer von beiden einen Arbeitsvertrag, wird das schon mal nichts. Da können wir die Wohnung noch so toll finden - wir wurden vertröstet. Das fand ich daran am witzigsten: Am besten soll man am nächsten Tag kommen, auch wenn man eigentlich arbeiten und noch stundenlang fahren muss, also am besten soll man freiberuflich oder arbeitslos sein. Auf der anderen Seite soll man aber bitte so viel verdienen, dass einem das Geld aus den Ohren quillt.

Woran haperte es also vor Ort: Die Makler kamen deutlich zu spät, obwohl wir noch andere Termine hatten. Einer hat vergessen, überhaupt mal Bescheid zu geben, dass die Wohnung längst vergeben ist. Und dass wir einen gemeinsamen Termin hatten. Eine Vermieterin war so unerträglich laut und ätzend, dass ich auch freiwillig auf die Wohnung verzichten wollte. In einer Wohnung fand eine Massenbesichtigung statt. Zehn Leute in zehn Minuten. Und die ganze Fahrerei von Wohnung zu Wohnung, von Ort zu Ort machte mich auch wahnsinnig.

Eigentlich dachte ich, mit den Gesetzesänderungen 2015 würde es sich mal zum besseren ändern. Keine Maklerprovision mehr, keine krassen Mietpreiserhöhungen, alles etwas entspannter. Aber Pustekuchen. Stattdessen sind die Chancen, eine Wohnung zu finden, noch weiter gesunken. Viele Wohnungen werden unter der Hand vergeben, damit man sich einen Makler spart. Massenbesichtigugnen oder massig Anwerber sind Regel statt Ausnahme. Wohnungssuche ist also nach wie vor Stress. Wenn nicht sogar noch mehr als früher.

Glücklicherweise sind wir fündig geworden. Auch privat, ohne Makler. Mit einem Riesenglück! Aber der Weg dahin war steinig. Einfach mal so auf den Immobilienseiten verlaufen, um träumen zu können? Nein, danke. Und ich bin heilfroh, dass die nächste Wohnungssuche noch eine ganze Weile in der Zukunft liegt. 

Mittwoch, 23. November 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Stil!

...oder warum sich anziehen manchmal so schwierig ist!

Manchmal laufe ich durch die Stadt und begegne dabei Menschen, die sehen richtig gut aus. Nicht, weil sie makellos schön sind, perfekt geschminkt, schick gekleidet - nein, bei ihnen stimmt einfach alles. Und dabei wirken sie echt. Sie haben ihren Stil gefunden.

Letztens zum Beispiel stieg ein Mädchen zu mir in den Aufzug, das mich von unten bis oben beeindruckte. Sie trug eine weite, zerpflückte Jeans, ein weißes Männershirt, eine khaki Bomberjacke und weiße Sneaker. Eigentlich ein sehr männliches Outfit. Aber durch ihre feminine Figur, ihr zartes Gesicht und ihr Ombre-Haar sah sie grandios aus. Es passte perfekt zu ihr. In solchen Momenten denke ich immer an meinen Kleiderschrank und bin mir sicher, dass ich damit fünf verschiedene Frauen mit fünf verschiedenen Stilen einkleiden könnte - nur mich nicht.

Aber fangen wir mal weiter vorne an. Was ist Stil eigentlich? Da gibt es zwei Definitionen. Zum einen meint Stil, dass man weiß, wie man sich dem Anlass entsprechend kleidet. Man könnte also auch Stilgefühl sagen. Zum anderen meint Stil nämlich, eine Art zu finden, seinen Charakter optisch auszudrücken. Deshalb steht auch nicht jedes Kleidungsstück jedem und deshalb sieht ein Shirt an zwei Menschen teilweise völlig anders aus. Das Problem dabei: Um sich optisch ausdrücken zu können, muss man erstmal wissen, wie es drinnen aussieht. Man sollte sich also kennen und mögen und das geht nicht vom einen auf den anderen Tag. Das braucht Zeit. Deshalb haben auch nur sehr wenige Frauen mit Anfang zwanzig ihren Stil gefunden, dafür aber fast alle Frauen um die siebzig.


Klaus Steves  / pixelio.de








Und was macht Stil aus?
Dass man sich mit seiner Kleidung identifiziert, sich darin wohl fühlt und nicht erst stundenlang im Kleiderschrank wühlen muss, um ein geeignetes Teil zu finden. Man ist, und da kommt die erste Definition doch wieder ins Spiel, zu jedem Anlass richtig gekleidet, nie over- oder underdressed, bekommt auch ein Gefühl für solche Dresscodes und sieht dabei auch jedes Mal nach sich selbst aus. Denn das ist eigentlich das Wichtigste: Stil hat ein Gesicht. Deins. Deshalb wirkt es auch immer skurril, wenn irgendwelche Promis Laufstegmode vorführen. Das ist Copy und Paste, ohne Persönlichkeit. Und genau die ist bei Stil so wichtig!

Woher weiß man denn, dass ich Stil habe? 
Du weißt einfach, dass zu dieser Laune genau dieses Teil das richtige ist. Du hast keine einzelnen Lieblingsklamotten mehr, sondern einen ganzen Schrank voll davon. Du findest im Shop nicht hundert tolle Teile, sondern ausgewählte, wenige. Und du hast Lieblingsshops. Außerdem, ganz wichtig, fühlst du dich in deinen Klamotten immer wohl, nie verkleidet oder falsch.

Die Frage ist jetzt also: Wie bekomme ich Stil? 
Erst einmal: Gib dir Zeit. Zu sich selbst zu finden und sich gut zu kennen, dauert nun mal. Was ich dir sagen kann: Die meiste Identitätsfindung hast du mit der Kindheit und Jugend schon hinter dir! Momentan wird aber auch noch an dir geschliffen, deshalb genieß es und lass es zu, nur so findest du dich und deinen Stil. Probier dich aus. Geh zum Friseur und lass das machen, worauf du Lust hast! Kauf dir abgefahrene Klamotten oder Schuhe, Schmink dich bunt! Klingt nach allem, nur nicht nach Stil? Stimmt! Aber das Experimentieren ist dafür total wichtig, denn nur so findet man heraus, was einem steht, was einem gefällt und was nicht. Wichtig dabei: Den Horizont erweitern. Ich habe früher zum Beispiel wirklich immer nur grob dasselbe gekauft, aber dadurch, dass man auch etwas anprobiert, von dem man sicher ist, es steht einem nicht, tun sich ganz neue Möglichkeiten auf und man wird inspiriert oder findet sogar neue Lieblingskleider. Es gehört auch dazu, dass man bei bestimmten Anlässen völlig daneben greift. Aber aus Fehlern lernt man und Stil ist in diesem Aspekt ein Trial-And-Error-Ding. Alles Weitere ergibt sich.

Und jetzt noch ein paar Tipps
(die ich anwende, obwohl mein Stil erst noch in den Kinderschuhen steckt):

1. Der Grundstock
Es gibt eine kleine Zutatenliste, die sehr hilfreich ist, wenn es um Stilgefühl geht. Denn manche Kleidung braucht man öfter. Dazu gehören: Ein Blazer, schwarze Pumps, Ballerinas, ein Blusenkleid, eine Bluse, eine mittel- bis dunkelblaue Jeans, ein kleines Schwarzes, ein Cocktail- und ein leichtes Sommerkleid. Bis auf Sommer-, Cocktail- und Blusenkleid sollte alles einfarbig sein, die Farbe könnt ihr natürlich eurem Stil entsprechend auswählen. Die meisten Anlässe sind damit abgedeckt und ihr tappt nicht mehr in Fettnäpfchen. Zumindest nicht optisch.

2. Orientiert euch an den anderen - aber bleibt individuell
Bei Hochzeiten tragen alle lange Kleider? Dann macht das auch. Bei dem Meeting sind Kostüme erwünscht? Haltet euch dran. Manchmal hilft es, mit anderen Menschen über die Anlässe und deren Kleidung zu sprechen, denn so kann man gemeinsam nichts falsch machen. Schließlich ist nichts peinlicher als das Faschings-Szenario: Wenn der Gastgeber alle fordert, verkleidet zu kommen, man selbst nichts davon weiß und als einziger normale Klamotten trägt.
Wichtig ist dabei nur, dass ihr trotzdem individuell bleibt, keine gemeinsamen Klamotten mit Freundinnen kauft und uniformiert zur Veranstaltung geht.
P.S.: Früher oder später braucht ihr den Austausch gar nicht mehr und findet ein Gefühl dafür, was angemessen ist.

3. Lieber zu wenig als zu viel
Das gilt für alles: Kleidung, Schmuck, Make-up. Ein Highlight wirkt stilsicher, viele Highlights bewirken das Gegent
eil. Deshalb bei Make-up entweder Augen oder Lippen betonen. Bei Schmuck Kette oder Ohrringe. Ring oder Armband. Bei Klamotten eine Leuchtfarbe und wenn es schon der Minirock sein muss, dann wenigstens obenrum hoch geschlossen. Und mit dem Leomuster würde ich ganz vorsichtig umgehen. Maximal ein Teil und der Rest super schlicht, sogar das Make-up.

Und als Highlight on the Bottom: Das stilvolle Video zu Taylor Swifts "Style": 


https://www.youtube.com/watch?v=-CmadmM5cOk

Mittwoch, 16. November 2016

Gehen statt bleiben: Neuanfänge!

Neuanfang. Ein Wort, bei dem irgendwie sofort das Kopfkino losgeht. Man sieht: Die weite Welt. Mutige Menschen, die abenteuerlustig in die Zukunft schauen. Nervenkitzel. Optimismus. Und man hat Respekt. So geht es mir zumindest. Wenn Menschen aus meinem Umfeld einen Neuanfang wagen, ziehe ich jedes Mal anerkennend meinen Hut. Ich empfinde für so etwas Bewunderung. Allerdings nur, solange ich selbst nicht neu anfangen muss.

Und wo steh ich heute? Vor einem riesigen Umzug in eine komplett neue Gegend, in der ich nur sehr wenige Menschen sehr flüchtig kenne, die mir überhaupt nicht vertraut ist und in der lauter neue Herausforderungen warten. Um es zusammen zu fassen: Jetzt bin ich diejenige aus meinem Freundeskreis, die den krassesten Neuanfang wagt. 

Interessanterweise haben meine beiden liebsten Musiker Clueso und Bosse erst kürzlich jeweils ein Lied über Neuanfänge veröffentlicht. Und zwar mit völlig anderen Sichtweisen. Cluesos Lied heißt, naheliegend, "Neuanfang", Bosses Lied "Wir nehmen uns mit". 

Hört es euch am besten mal an.

Clueso - Neuanfang
https://www.youtube.com/watch?v=dp5p8gMpBTg

Bosse - Wir nehmen uns mit
https://www.youtube.com/watch?v=3gPgt4gUjaY

So, weiter im Text. Beide Songs sind eigentlich ganz positiv. Nur eben auch ganz anders. Clueso freut sich über den Neuanfang und fiebert ihm entgegen. "Herzlich willkommen, Neufang." Kein Wunder, denn für sein neues Album hat er sich von Band und Manager getrennt, um etwas völlig Neues zu starten. Da sollte man Neuanfängen gegenüber aufgeschlossen sein. Wobei er vielleicht ja auch erst nachträglich gemerkt hat, dass so etwas schön sein kann. 

Bosse klingt zwar auch fröhlich, sagt aber das Gegenteil. Neuanfangen heißt Weglaufen. Nur dass das nicht funktioniert, denn wir bleiben immer noch derselbe Mensch mit unseren Päckchen, schleppen unsere Probleme auch woanders mit uns rum und sollten uns lieber mit uns selbst beschäftigen als woanders hinzugehen.

Ich stehe da standpunkttechnisch in der Mitte. Auf der einen Seite finde ich Neuanfänge spannend, mutig, interessant. Nur eben besonders dann, wenn andere es wagen. Eine Freundin machte ein Auslandssemester in Spanien, ein anderer Freund lebte sogar fast ein ganzes Jahr lang in Schottland. Das bewundere ich und ich flog auch gerne hin, um sie zu besuchen. Einen noch ungewöhnlicheren Weg hat eine andere Bekannte gewählt: Sie hat ihren Freund nach einem halben Jahr geheiratet, um mit ihm in die USA gehen zu können und dort für immer zu leben. Auch das bewundere und respektiere ich, aber mir selbst wird bei dem Gedanken, etwas ähnliches zu tun, ganz bange. Das ist nämlich die andere Seite: Aus der Ferne ist das aufregend, aber tauschen wollen würde ich nicht.  

Witzig, denn jetzt mache ich genau das. Ich wandere zwar nicht in die USA aus, aber ich breche auch die Zelte ab und gehe vom schönen Rheinland-Pfalz ins weit entfernte Bayern. Etwas, das für mich lange völlig unvorstellbar war. Ich mag meine Heimat, habe hier lange gelebt und habe unser Bundesland nie verlassen. Die maximale Umzugsstrecke lag bei 100 Kilometern. Und Bayern war mir bisher auch immer eins der unsympathischsten Bundesländer. Viele Dörfer, wenig Großstadt, eine mir fremde Mentalität und Berge. Dabei bin ich ja eher der Meertyp. 

Aber mein Leben ist oft vor sich hingedümpelt, ich habe Entscheidungen bezüglich Job oder Wohnung getroffen, weil sie mir zugeflogen sind oder sie bequem waren. Damit bin ich zwar glücklich gewesen, nur kann das nicht alles sein. Chancen soll man ergreifen und das hab ich getan. In Bezug zu Bosse: Ich laufe nicht weg - ich gehe ganz bewusst und mit gebrochenem Herzen, weil mir meine Heimat fehlen wird und ich sie mit all ihren tollen Menschen geliebt habe. Aber, wie meine Freunde so schön sagen, wenn ich wieder rumjammere: Das sollte kein Grund sein zu bleiben. Und innerhalb des letzten Monats, in dem ich öfters dort unten war, ist mir Bayern richtig ans Herz gewachsen. Liebe Menschen, ein wundervoller Job, eine traumhafte Wohnung und eine Natur, die so saftig und schön ist, dass man seinen Augen nicht traut. Mal sehen, wie ich dort klar kommen werde.

Jetzt sind es noch eineinhalb Monate, die ich bleibe. Dann gehe ich, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Und obwohl Clueso mir ein bisschen zu optimistisch ist, muss ich ihm in dem Fall zustimmen: Herzlich willkommen, Neuanfang!

Montag, 14. November 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Achtsamkeit!

...oder warum ich erst einmal mit Yoga warm werden musste!

Achtsamkeit ist das Ding. Nicht nur für unsere Generation, sondern im Prinzip für alle. Das merkt man schon daran, dass man mit Wellness, Feel-Good-Produkten und Lifestyle umspült wird. Googelt mal Lifestyle-Blogs. Oder Trendsportarten. Oder Ernährung. Das ist keine Tages-, sondern eine Wochenbeschäftigung.

Dass das so ist, wundert mich nicht. Schließlich war der vorherige und sehr langwierige Trend: Perfektionismus, Überstunden schieben, Überfliegen und Aufopfern. Business first also. Da liegt die Schlussfolgerung nahe, dass die Leute irgendwann protestieren. Und zwar mit der Work-Life-Balance. Also wird über eine 35-Stunden-Woche diskutiert, Yoga ist der Shit und gesunde Ernährung wird zum neuen Mantra.

Klingt erstmal nicht unbedingt positiv. Genauso stand ich dem Ganzen auch anfangs gegenüber. Yoga beispielsweise. Vor drei Jahren gab es in meinem alten Turnverein einen Schnupperkurs, der für die Trainer und ihre Kids angeboten wurde. Ich nahm mit meiner Gruppe daran teil - mit gehöriger Skepsis - und musste mir spätestens beim herabschauenden Hund das Lachen verkneifen. Denn mal ehrlich: Gut aussehen ist anders. Im Gegenteil - ich kam mir vor, als würden wir uns alle in der Clownschule befinden. Doch umso überraschter war ich, als es mir nach dem Yoga seelisch wie körperlich besser ging. Ich fühlte mich ausgeglichener, schließlich hatten wir nicht nur Sport, sondern auch Entspannungsübungen gemacht.

Also ging ich regelmäßig zum Yoga. Ich belegte sogar einen Kurs und zahlte Geld dafür. Denn ich spürte richtig, wie mein Körper wieder beweglicher und ich insgesamt ausgeglichener wurde. Auch in stressigen Situationen. Grundsätzlich merke ich, dass Sport und eine gesunde, ausgewogene Ernährung Sinn machen. Der Körper ist nicht darauf ausgelegt, 40 Stunden pro Woche im Büro zu sitzen. Das macht sich bemerkbar. Ich werde dann irgendwann unruhig, bin dauermüde und unmotiviert.

Doch das ist ja nur ein Aspekt von Achtsamkeit. Ein weiterer ist der Umgang mit sich selbst. Die einen würden es Selbstliebe nennen, die anderen Intuition: Das Gefühl, mit sich selbst im Reinen zu sein, sich gut zu kennen und sich zu hegen und zu pflegen. Diese Thema greifen auch einige Zeitschriften auf. Zum Beispiel die Ma Vie, die Happinez oder die Flow. Vor allem die Flow. Mit der konnte ich lange gar nichts anfangen, ich kannte sie nicht einmal, bis zwei Kolleginnen meinten, ich solle mal einen Blick hinein werfen. Lohnt sich. Also lieh ich sie mir aus und las mich rein. Hauptthema: Achtsamkeit. In allen Lebensbereichen. Angefangen bei Beziehungen, Wohlbefinden, Lifestyle bis hin zur die klassischen Work-Life-Balance. Geschmückt mit hübschem Papier, Bastelideen und spannenden Titelthemen. Jetzt muss ich aber sagen, dass die Zeitschrift mir ein wenig zu einseitig ist. Jeden Monat für sieben Euro Tipps zur Achtsamkeit? Bräuchte ich nicht unbedingt. Was ich aber brauche - wie jeder andere auch -, ist eine gute Beziehung zu sich selbst. Und da setzt die Flow sowie Konsorten richtig an.


Rike  / pixelio.de
Generell ist das die Essenz, die mir Achtsamkeit schmackhaft gemacht hat: Der Gedanke, dass man selbst im Mittelpunkt steht. Nein, das ist nicht egoistisch gemeint und bedeutet auch nicht, dass alle Gedanken nur um sich selbst drehen. Aber das heißt, dass man aufhören soll, sein Leben für andere zu leben. Wichtig ist, das zu tun, was glücklich macht. Kein Rumquälen, kein Zähne zusammen beißen, kein ja, wenn man nein meint. Auch das Aufopfern für die Arbeit hat aufgehört. Im Fokus steht das eigene Wohlbefinden. Das heißt natürlich nicht, dass man andere vernachlässigen soll. Aber das heißt auf jeden Fall, dass man etwas, der einen unglücklich macht, nicht tun sollte, wenn man nicht muss. Dass man statt einem Beruf eine Berufung suchen sollte und genau das tun, was einen erfüllt. Dass man sich für Unangenehmes Belohnen soll. Für Sport zum Beispiel (mit einer heißen, wunderbaren Dusche und tollem Duschgel) oder für das Rocken der Steuererklärung. Beziehungen, die einem nicht gut tun, sollte man loslassen und einfach mehr Menschen treffen, die man liebt. Und natürlich sollte man immer mehr von den Dingen tun, die man liebt. Das Leben ist schließlich oft genug mies, da ist es unerlässlich, ein Auge auf sich selbst zu werfen, denn das stärkt ja auch.

Deshalb finde ich Achtsamkeit zwar immer noch in seiner heutigen Ausprägung übertrieben, aber sinnvoll ist sie auf jeden Fall! Denn sie macht das Leben lebenswerter. 

Freitag, 4. November 2016

Meine Ode an... gute Freunde!

Es gibt sie, die wenigen Menschen, die uns näher stehen als alle anderen. Warum das so ist? Unterschiedlich. Einige von ihnen kennt man schon seit vielen Jahren, sodass eine gewisse Beziehungstiefe nicht zu vermeiden war. Bei anderen hat die Chemie sofort gestimmt. So oder so - diese Herzensmenschen sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Deshalb habe ich hier ein paar Dinge gesammelt, die ich mit meinen Herzensmenschen schon erlebt habe und die für mich eine solche Freundschaft ausmachen. Eine Ode an euch:
PS: Natürlich hab ich nicht mit jedem alles erlebt, das wäre Wahnsinn! Aber einige erkennen sich sicherlich wieder.

Gute Freunde.../Mit guten Freunden...

...kennen auch die Macken, mögen einen aber trotzdem.
...kannst du schweigen. 
...haben einen auch schon weinen gesehen.
...könntest du auch drei Tage am Stück verbringen, 
ohne danach die Freundschaft anzuzweifeln. 
...wissen, wie du deinen Kaffee trinkst - falls du Kaffee magst.
...haben mindestens ein peinliches Foto von euch auf dem Handy,
das sie für den richtigen Moment und als Erinnerung unter Verschluss halten.
...ist der Tonfall manchmal rauer, aber nie böse. 
...haben dir betrunken schon mal ihre Liebe gestanden - natürlich rein freundschaftlich.
 ...beginnen Abende oft mit den Worten "heute aber nicht so lange"und enden weit nach Mitternacht.
...sind schon mit dir Auto gefahren.
...ist sogar einfach quatschen und Kaffee trinken spannend. 
...haben schon mal dein Auto gefahren (auch wenn das oft mit Angst und Widerwillen beider Seiten verbunden war).
...kannst du alles machen, weil alles mit ihnen Spaß macht! 
...mögen deine Couch.
...wird der mieseste Tag manchmal zum besten!
...kennen deine Haustiere, wenn es welche gibt.
...kannst du wild herum philosophieren - oder einfach nur Quatsch reden. 
...kennen mindestens eine peinliche Geschichte von und mit dir, die sie nie erzählen würden. Außer du hast es explizit erlaubt oder verdient.
...kannst du zutiefst streiten, ohne direkt die Beziehung zu gefährden.
...kennen mindestens ein Geheimnis von dir, das sie niemals erzählen würden.
...hängst du auch mal im Pyjama und ungeschminkt ab, 
obwohl du das normalerweise nur  alleine machst.
...wissen über deine Ernährungsmacken Bescheid.
...redest du über alles - von banalen Kleinigkeiten 
bis hin zu den existenziellen Sorgen.
...haben dich schon mal betrunken erlebt.
...wird es gerne mal peinlich, aber das stört dich überhaupt nicht.
...haben sich nicht oder nur wenig über deinen Tanzstil lustig gemacht.
...hast du schon mal wild gefeiert.
...kennen deine/n Freund/in.
...bemühen sich, deine/n Freund/in zu mögen 
oder sind zumindest nett zu ihm/ihr.
...hast du schon mal Tränen gelacht.
...unterstützen dich, wenn sie merken, dass du etwas willst.
...waschen dir auch mal den Kopf, wenn du dich verrennst. 
Aber nur, wenn sie wirklich sicher sind.
...kommen dich auch in Buxtehude besuchen - oder in den USA.
...haben dich schon schlafen gesehen.
Ohne Fotos davon zu machen oder dich anzumalen.
...respektieren deine Grenzen.
...machen dir auch mal ein Kompliment, zwar eher selten, dann aber richtig.
...sagen dir auch unbequeme Wahrheiten.
...kannst du nachts um drei in der größten Krise anrufen und sie würden rangehen.
...sorgen bei dir für ein wohlig warmes Bauchgefühl.
...haben bei dir immer den Anspruch auf ein
Stündchen Zeit, mindestens.
...wissen, wie du wo wohnst.
...haben schon einmal deine Eltern kennen gelernt.

Immer schön zu wissen, dass es euch gibt! :-)
Danke!