Montag, 31. Oktober 2016

Die besten Songs... für Halloween!

Buh! Nicht erschreckt? Naja, war klar. Aber hey, ist ja auch noch hell - gruselig wird es erst heute Nacht! Ich hab euch hier mal die typischen Halloween-Klassiker mitgebracht, die auf jeder guten Gruselparty laufen sollte! Viel Spaß - ähm, Spuk!


Backstreet Boys - Everybody (Backstreet's Back) (90s-Pop)
Wer erinnert sich nicht an dieses herrlich kitschige Grusel-Video in einem Schloss. Herumhüpfende Adoleszierende, Monster - und ein Song, den jeder bis heute mitsingen kann. Genau so was braucht eine Party doch! Und mit dem originalen Werwolf-Heulen kommt der Gruselfaktor auch für die Ohren mit. 
Teenie-Mucke, Klassiker, gute Laune

https://www.youtube.com/watch?v=6M6samPEMpM

Thriller - Michael Jackson (80s-Pop)
Es gibt keine Choreographie, die so viele mittanzen können wie Thriller. Und sei es nur das zombiehafte nach rechts und links hüpfen. Denn obwohl ich von Michael Jackson menschlich nicht allzu viel halte, hat er musikalisch einen echten Ohrwurm geschaffen! Perfekt, um mal wieder den Zombie-Move auszupacken.
Tanzig, gruselig, abspaßen

https://www.youtube.com/watch?v=sOnqjkJTMaA

Ghostbusters - Walk The Moon (Rock)
Für wen die klassische Version von Ray Parker Jr. zu langweilig ist, der höre sich die neue Version, passend zum in diesem Jahr veröffentlichten Film an und schwelge in Erinnerungen. Nicht nur, dass das ein grandiose Film war - sowohl die beiden früheren als auch der Aktuelle - nein, sie sind auch noch lustig-gruselig. Passt ja auch irgendwie zu Halloween!
Klassiker, gute Laune, Mitsing-Garantie

 https://www.youtube.com/watch?v=qMUf1QDQZl0#

Heathens - Twenty One Pilot
Gruselig ging es auch bei der Suicide Squad zu. Schließlich ging es hier auch um die Boshaftigkeit in mehreren Personen und Verrückte. Twenty One Pilots greift diese Stimmung wunderbar in ihrem Song auf und lässt groovig gruseln. 
PS: Man achte auf den Frosch.
Monoton, groovig, ungewöhnlich

https://www.youtube.com/watch?v=UprcpdwuwCg

Yeah Yeah Yeahs - Heads will roll
Wir hatten es ja schon von Verrückten, Knastis, Monstern, Geistern - fehlen noch die Mörder. Die gehören als Protagonisten etlicher Horrorfilme zu Halloween ja auch irgendwie dazu. Das Thema greift indirekt die Band um Karen O auf und zeigt, wie man groovig köpft. Da macht Tanzen fast Spaß...
PS: Wer etwas härter feiern will, sollte sich den A-Track Remix reinziehen. 
Abgefahrener Text, laut, cool

https://www.youtube.com/watch?v=auzfTPp4moA

Meine 5 Minuten gehen diese Woche ans... Studium!

Es gibt Momente, in denen man ganz erschrocken inne hält und sich fragt - wo läuft die Zeit hin? Jaja, die Leute, die mich gut kennen, rollen jetzt sicher mit den Augen und denken: Kommt jetzt wieder ein "Ich werde alt"? Nein, diesmal nicht, keine Sorge. Aber mal ehrlich, manchmal rast die Zeit nur so an einem vorbei. Dummerweise rasen gerade die guten Zeiten. Um mal wieder aufs Thema zu kommen: Mein Studium - die letzten drei Jahre meines Lebens - sind wirklich nur so vorbei gerauscht. Drei grandiose, unvergessliche Jahre. Und die sind jetzt leider vorbei. Manchmal sitze ich wirklich mit meinen Freunden zusammen und wir wundern uns entsetzt, wie das so schnell gehen konnte.

Dabei bin ich mir sicher, dass wir alle nicht mehr dieselben sind wie vorher und auch alle tatsächlich gereift sind. Wenn ich an mein 19-jähriges Erst-Semester-Ich denke, möchte ich die Möglichkeit bekommen, ihr einen Brief zu schreiben. In dem steht, dass alles besser wird - und dass ich endlich mal cool werden sollte, statt verzweifelt so zu tun. Denn ich weiß noch sehr genau, wie ich an meinem ersten Tag in die Uni gefahren bin. Ich wusste nichts über das Studentenleben, wollte unbedingt Leute kennen lernen und hatte panische Angst, dass das nichts wird - nur wollte ich mir genau das nicht anmerken lassen. Deshalb bin ich extra zu allen Einführungsveranstaltungen gegangen und hab sogar an der Campus Rallye unserer Fachschaft teilgenommen. Was beides nur eine semi-gute Entscheidung war. Die Einführungsveranstaltungen waren nämlich relativ informationsleer und das Mädchen, das ich dort kennen lernte, entpuppte sich als nicht dauerhaft kompatibel. Bei der Campus Rallye hingegen lernte ich wirklich nette, liebe Mädels kennen, allerdings blieben wir mit zehn Leuten im (neu gebauten) Fahrstuhl stecken. Ein Ereignis, das traumatisierte und unweigerlich zusammen schweißt.

Damals war ich auch noch so naiv - und von der Bahn und dem Pendeln abhängig - dass ich mir im ersten Semester alle Seminare rund um die eine Vorlesung legte. Womit ich mittwochs von 12 bis 20 Uhr an der Uni saß. Mal mit 45-Minuten-, mal aber nur mit 15-Minuten-Pausen. Obwohl ich zu der Zeit vier Wochentage frei hatte, hasste ich dieses Semester, denn das dauerhafte Berieseltwerden war enorm anstrengend. In den darauffolgenden Semestern verteilte ich alles ein bisschen besser, aber weil das Schicksal es ab dato nicht mehr allzu gut mit mir meinte was die Stundenplanung betraf, hatte ich bis zum sechsten Semester durchweg freitags morgens um acht Uhr ein Seminar. Und das ist ähnlich bescheuert wie alles auf einen Tag zu planen, weil Donnerstags die Studentenpartys sind. Vor allem die Söf (eine bessere Abkürzung kann es für die Semestereröffnungsfete nicht geben). Gerade hier stürzen Studenten gerne ab. Ich konnte mir im Gegensatz nicht mal zwei Bier gönnen, weil ich am nächsten Morgen um halb sieben aufstehen musste. Daran hab ich mich natürlich nicht immer gehalten - und das ein oder andere Freitagsseminar mehr durchlitten als andere.


I. Rasche  / pixelio.de 
Grundsätzlich werde ich den Studenten-Lifestyle schwer vermissen. Man konnte noch ausschlafen (wobei sich das von 11 Uhr im ersten Semester zu 8 Uhr im sechsten Semester stark verändert hat), in der Woche auf die nicht ganz so vollen Partys mit Gleichgesinnten gehen, man konnten kostenlos Bus und Bahn fahren und manchmal, wenn eine Veranstaltung wirklich unnötig war (ja, so etwas gab es) ausgiebig mit den Mädels übers nächste Wochenende quatschen. Einzig und allein auf die Prüfungsphase hätte ich immer verzichten können, denn das war der pure Stress. Angefangen hat es ohne Prüfungen, denn in meinem Studium sind im ersten Semester keine vorgesehen. Okay, das war natürlich nicht stressig. Aber dann ging es mit zwei Hausarbeiten und einer Klausur weiter - was noch tragbar war. Bis ich im vierten Semester vier Hausarbeiten schreiben durfte und das fordert Organisation, Struktur, Planung mit a whole lot of Disziplin. Ging aber immer gut, keine Ahnung, wie. Ach ja, und die sechswöchigen Pflichtpraktika müssten auch nicht mehr sein. Man verdient dabei ja nichts und die meisten Firmen wollen einen lieber für drei Monate und nicht für so kurze Zeit.

Jetzt gerade sitze ich an der Bachelorarbeit. Beziehungsweise jetzt gerade sitze ich natürlich an meinem Blog und pausiere die Bachelorarbeit. 40 Seiten sind angesetzt, 20 Bücher wurden gelesen und 6 Wochen bleiben übrig. Dann ist mein Studium tatsächlich over and out. Die letzten Seminare liegen schon hinter mir, wobei ich erstaunlich unsentimental aus dem Seminarsaal gegangen bin - vielleicht, weil er einfach nicht besonders ansehnlich, geschweige denn gemütlich war. Aber diese drei wunderbaren Jahre waren natürlich für etwas gut. Wir sind eben alle reifer geworden, leben jetzt selbstständig und nicht mehr im Hotel Mama und ohne diese wunderbaren Menschen, die ich auf dem Weg kennen lernen durfte, wäre mein Leben weit weniger reich. Deshalb, und da bin ich mir sicher, werde ich die Uni und das Studium vermissen, auch wenn ich mir das Weiterstudieren nicht mehr vorstellen kann. War schon 'ne geile Zeit.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Nachbarn!

...oder warum ich Aversionen gegen Jazz und US-Fernsehen entwickelt habe!

Nachbarn könnten eigentlich das non-plus-ultra sein. Sympathisch, aber nicht zu aufdringlich. Hilfreich, aber nie penetrant. So stell ich mir das zumindest vor. In der Praxis sähe das dann so aus: Sie leihen mir Eier oder Mehl, wenn ich sonntags zu wenig Backutensilien Zuhause haben (ja, ich denke dabei unweigerlich an die Känguru-Trilogie). Sie grüßen mich freundlich im Flur und wir unterhalten uns kurz, aber herzlich. Sie passen auf Haustiere auf, wenn es mal nötig wird - und umgekehrt. Wenn ich eine Party feiere, warne ich sie vor und bitte um Verständnis. Und wenn sie besonders nett sind, trifft man sich mal auf ein Gläschen Wein - oder sie feiern direkt mit.

Im Prinzip sind Nachbarn also wie gute Bekannte, die glücklicherweise nebendran wohnen und die nicht zu viel fordern. Diese Vorstellung kommt bei mir nicht von ungefähr. Ich hatte nämlich in der Vergangenheit, was Nachbarn betrifft, immer Glück. Die Nachbarin, die während meiner Kindheit neben uns gewohnt hat, Frau Sofa, war nämlich ein Traum. Ich war ständig dort, habe mit ihr Karten gespielt, Kakao getrunken, Süßigkeiten gegessen und im Sommer manchmal auf der Veranda gesessen und geredet. Frau Sofa war für mich wie eine dritte Oma, so gerne war ich dort. Ich kannte mich in ihrem Haus auch komplett aus, und wenn sie etwas brauchte, aber es wegen ihrer Altersbeschwerden nicht mehr so schnell holen konnte, ging ich für sie. Ich war so oft dort, dass es meiner Mutter richtig peinlich war und sie regelmäßig fragte, ob das wirklich okay sei für Frau Sofa. Die wiederum fand das ganz gut. So war sie weniger alleine und wir verstanden uns ja immer super. Und wenn ihre Enkel mal dort waren, was nicht oft geschah, war ich total eifersüchtig. Schließlich sah ich Frau Sofa deutlich öfter als sie. Frau Sofa war eben meine Drittoma-Nachbarin.

Aber auch die Nachbarn auf der anderen Seite meines Elternhauses waren und sind super! Sie wohnen zwar erst seit fünf, sechs Jahren dort - vorher war an der Stelle ein großes Rapsfeld - aber auch sie haben sich gut eingelebt inzwischen. Es handelt sich um eine Baptistenfamilie, was man im Alltag selten merkt, außer dass sie sonntags oft stundenlang in der Kirche sind und neun Kinder haben. Sie bringen regelmäßig Kuchen vorbei, unterhalten sich ausgiebig mit meinen Eltern und man hilft sich gegenseitig, wo es geht.

Mit dieser Vorstellung bin ich also in die Welt gezogen. Naiv, aber optimistisch. Und so wurde ich auch auf den Boden der Tatsachen geholt. Das fing schon am ersten Abend in unserer jetzigen Wohnung an. Wir hatten gestrichen, kein einziges Möbelstück stand in den vier Wänden, außer einer Matratze, auf der wir schlafen wollten. Es war halb zehn, wir waren hundemüde - als auf einmal Jazz ertönte. Eine angenehme Art Jazz, ich mag (beziehungsweise mochte) Jazz nämlich. Nach fünf Minuten irritiertem Sortieren fanden wir den Ursprung: unsere Nachbarn. Die den Jazz so laut aufgedreht hatten, dass wir im anderen Ende unserer Wohnung, weit weg von ihnen, mit Hilfe von Shazam den Künstler hätten herausfinden können. Wir waren völlig entnervt. Um halb elf schliefen wir trotz Lärm endlich ein. Bis ich nachts um halb eins wieder wach wurde, weil die Musik noch immer so laut war.

Warum ich mich nicht beschwert habe? Weil ich nicht spießig rüber kommen wollte und wir uns nicht einmal kannten. Außerdem, dachte ich, gehen sie vielleicht davon aus, dass die Wohnung noch leer steht. Wäre ja möglich. Aber das war erst der Anfang.

Zwei Wochen später haben wir uns dann mal vorgestellt. Die Möbel standen endlich, nur noch wenige Kisten waren nicht ausgepackt, die Einweihungsparty sollte stattfinden. Und um eine gute Nachbarschaft einzuläuten, wollten wir unsere Nachbarn einladen. Wir klingelten und ein etwas verpeiltes, aber sehr freundlich wirkendes Pärchen machte auf. Hipster, definitiv. Es passte alterstechnisch echt gut. In mir keimte automatisch die Hoffnung auf, ein paar neue potentielle Freunde kennen zu lernen. Wir stellten uns vor, sie stellten sich vor und wir luden sie zum kommenden Wochenenende ein. Sie sagten zu. Wer kam an der Einweihungsparty natürlich nicht? Richtig, unsere Nachbarn. Und damit nahm eine ungemütliche Nachbarschaft ihren Lauf und meine Hoffnung verflüchtigte sich ins Nichts.


DieBibliothekarin  / pixelio.de
Regelmäßig, mindestens drei Mal pro Woche, schauen unsere Nachbarn nämlich US-Fernsehen. Es klingt absurd, aber nach allem, was wir in unserer Wohnung verstehen, muss es so etwas sein. Denn sie schauen den Kanal nicht auf Raumlautstärke, sondern so, als würde dort eine Omi Anfang 80 leben, die trotz Hörgerät kaum noch was versteht. Außerdem saugen sie gerne. So etwa täglich. Am liebsten nach neun Uhr abends und dann drei Stunden am Stück. Als hätte die imaginäre Omi auch noch einen Putzfimmel.

Die neuste Angewohnheit der beiden ist, den Müll in den Flur zu stellen. Den stinkenden, siffenden Müll. Da unsere Türen direkt nebeneinander liegen und wir, um zum Treppenhaus zu gelangen, direkt an ihrer Tür vorbei müssen, stinkt es natürlich alles voll und das ganze Treppenhaus müffelt. Da der Müll wohl auch tropft, finden sich über die kompletten Treppenstufen verteilt natürlich auch hässliche Müllflecken. Nur dass unsere Nachbarn sie nicht entfernen. Aber ich wollte mich noch immer nicht beschweren. Warum? Keine Ahnung. Angst vor Konfrontation vielleicht.

Doch die Messischaft unserer Nachbarn sollte einen Höhepunkt finden - und damit meinen guten Willen beenden. Ich kam aus der Stadt, ging die Treppenstufen hoch, schaute nicht auf den Boden und stolperte über ein riesiges, leeres Paket vor der Tür unserer Nachbarn. Müll. Ich hatte leider keine andere Option als Stolpern, denn das Paket belagerte den gesamten Flur. Mein Geduldsfaden platzte mit einem Knall. Ich lief sinnbildlich rot an, merkte die pulsierenden Adern an meinen Schläfen und: klingelte. Ich war so sauer, dass es raus musste und zwar bei den richtigen. Drinnen war definitiv jemand, das konnte ich hören. Sie redeten miteinander und der bescheuerte Fernseher übertrug mal wieder US-Shows. Aber selbst nach drei Mal klingeln machte keiner auf. Also stürmte ich in unsere Wohnung, holte ein Post-It und schrieb sehr deutlich, dass sich das mit dem Müll jetzt ändern muss. Das nervt. Und überhaupt. Es war wirklich ein richtig schöner Wut-It, den ich mit Tesa und ordentlich Wumms an ihre Tür heftete.

Eine Stunde später war der leere Karton verschwunden. Seitdem steht kein Müll mehr im Flur. Die Musik ist zwar immer mal wieder zu hören, aber nicht mehr so penetrant wie vorher. Und alles andere ist auch ein bisschen besser. Im Nachhinein echt ärgerlich, dass ich den Mund nicht aufgemacht habe, das hätte mir vermutlich Nerven gespart.

Jedenfalls ziehen wir bald eh aus, da macht mir sowohl das Ausrasten als auch das Ertragen weniger aus. Wozu jetzt noch nett bleiben? Das einzige, was mich noch sorgt, sind unsere neuen Nachbarn in der neuen Wohnung. Wer das wohl ist? Ich hoffe ja auf ein nettes, älteres, aber nicht steinaltes Ehepaar. Die immer Mehl und Eier Zuhause haben, freundlich grüßen, weil sie noch Manieren beigebracht bekommen haben, keine krassen Partys mehr feiern und grundsätzlich eine entspannte, rücksichtsvolle Art haben. Hach, wenn man so drüber nachdenkt, können Nachbarn ganz schön toll sein...

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Mein Plädoyer für... stilvolles feiern!

Feiern gehen kann so gut tun! Mal wieder auf der Piste sein, die Nacht zum Tag machen, ekstatisch auf laute Musik tanzen und mit seinen Freunden was erleben. Es gibt Phasen, da ist das bei mir regelrecht ein körperliches Bedürfnis, mal wieder zu clubben. Die Sache ist nur, dass es - wie bei vielen Dingen im Leben - durchaus schief gehen kann, wenn man ein paar Dinge nicht beachtet. Ich hab hier mal aus eigener Erfahrung ein paar Tipps gesammelt, damit die nächste Feierei nicht ausartet.

♀ Speziell für Frauen
♂ Speziell für Männer

1. Man nehme die richtigen Leute!
Das klingt erstmal blöd, aber Feiern macht nur mit den richtigen Leuten Spaß. Das heißt nicht, dass ihr nur mit ausgewählten Leuten eures Freundeskreises losziehen dürft. Aber ihr sollt darauf achten, dass alle wirklich Lust auf das Event haben und die Chemie stimmt. Mit Fremden feiern ist immer ein bisschen befremdlich, weil man überhaupt nicht aufeinander abgestimmt ist. Mit Rockern auf eine Technoparty gehen ist mutig, aber geht meistens schief. Ich war beispielsweise mal mit meinem Freund und dessen Kumpels auf einer 90er-Party. Was mit anderen Leuten witzig geworden wäre, fühlte sich eher so an, als würden wir uns gegenseitig den Abend vermiesen - indem ich sie mitgeschleppt hatte, was ihre Laune senkte, und sie wiederum keinen Spaß daran fanden, was mich enttäuschte. Besser auf die Bedürfnisse aller gucken, dann wird das auch was!

2. Man nehme die richtige Musik!
Wie gesagt, Elektrofans werden auf Hiphop-Partys die Flucht ergreifen und umgekehrt. Besprecht vorher, worauf ihr Lust habt oder viel wichtiger: was gar nicht geht, und trefft dann die Entscheidung, wo es hingehen soll. So sind alle zufrieden und keiner meckert rum. 
PS: Auf Hiphop-Partys hab ich die größten Macker mit den schlechtesten Manieren erlebt, während auf Rock- und Elektropartys die Menschen immer sehr umgänglich waren.

3. Informiert euch!
Und zwar über den Dresscode und den Eintritt. Denn nichts ist peinlicher, als vor dem Club zu stehen und wegen falscher Schuhe (ja, das gibt es) nicht rein gelassen zu werden. Schaut deshalb vorher nach, um euch darauf einstellen zu können oder notfalls eine andere Location zu wählen. Außerdem wichtig: Der Eintritt. Der kann je nach Party zwischen kostenlos und 25 Euro schwanken. Informiert euch rechtzeitig, dann passt das Feiern auch zu eurem Budget. 

4. Die Schuhwahl der Damen
So verlockend es auch klingt - eine Nacht in High-Heels ist an sich schon schwer zu verkraften. Wenn man dann auch noch wild tanzen will, brechen einem nach zwei Stunden die Füße weg. Ehrlich, ich hab es ausprobiert. Greift lieber zu schicken Sneakers oder flachen Stiefeletten, das wirkt lässig und trotzdem nicht 0-8-15. Wer wirklich ganz und gar nicht auf Stilettos verzichten möchte, sollte an folgendes denken: Entweder ihr packt euch Wechselballerinas ein, möglichst solche Klappschuhe, die auch gut in kleinere Handtaschen passen (die gibt es sogar mit Glitzer, also auch partytauglich). Dann habt ihr einen Plan B, wenn eure Füße schmerzen und müsst deshalb nicht den Abend abbrechen. Oder ihr zieht High-Heels an, die bequem sind. Heißt: Nicht zu hoch und/oder Blockabsatz. So beugt ihr etwas den Schmerzen vor.
PS: Es sieht meistens ziemlich ungünstig aus, in hohen Schuhen zu tanzen. Als wäre man auf Stelzen unterwegs. Wenn ihr beim Tanzen lässiger wirken wollt, solltet ihr definitiv zu flachen Schuhen greifen. 

5. Der Make-up-Kanister
Es bietet sich beim Feiern immer an, einen Gang zuzulegen was Make-up betrifft. Verständlich, schließlich darf man sich hier mal mehr aufbrezeln als im Alltag, ohne sofort wie ein verrückt gewordener Kanarienvogel aufzufallen. Aber Vorsicht: Auch hier kann weniger mehr sein. Betont nie gleichzeitig Augen und Lippen, sondern setzt Akzente. Rote Lippen? Gern, aber nur mit leichter Wimperntusche. Umgekehrt auf krasse Lippenfarben verzichten, wenn Regenbögen auf dem Lid schimmern. Sonst seht ihr schnell zu abgefahren aus. 

6. Jacke?
Ja und nein. Meistens spielt das keine Rolle, denn es gibt eine Garderobe. Aber geht davon aus, dass ihr ohnehin nicht viel draußen sein werdet und drinnen ist es warm. Also eher eine dünnere Jacke und auf keinen Fall einen Wollpulli oder langärmelig feiern gehen. Lieber ein bisschen zu dünn als zu dick anziehen, denn frieren werdet ihr sehr wahrscheinlich nicht. 

7. Von 0 auf 100?
Vom Bingewatching direkt in den Club? Krasser Stimmungswechsel. Besser und gemütlicher ist, man trifft sich mit den feierwütigen Freunden vorher, trinkt ein bisschen was und kann in Ruhe quatschen, denn das ist im Club nahezu unmöglich, schon alleine wegen der Lautstärke. Außerdem spart ihr so Geld, denn Getränke in der Disko zu kaufen, ist super teuer! Da zahlt man für ein Bier gerne mal um die 4 Euro, für Cocktails 10 Euro. Besser man teilt sich in der Mädelsrunde ein, zwei Flaschen Sekt oder unter den Kerlen zwei Sixpack Bier und verzichtet im Club auf Alkohol. So behaltet ihr einen klareren Kopf und kommt günstiger weg. 

Marco Karch  / pixelio.de
8. Nicht zu früh und nicht zu spät!
Wer denkt: Oh ja, der Club macht um 22 Uhr auf, lasst uns sofort hingehen!, der wird automatisch für einen Stimmungsdämpfer sorgen. Denn wenn ihr dort seid, werdet ihr feststellen: Ihr seid vermutlich die ersten. Oder unter den ersten zehn. Statt wilder Party wird die Tanzfläche gerade erst aus dem alltäglichen Dornröschenschlaf geholt und die Wenigen, die dort sind, stehen und trinken an der Bar. Umgekehrt ist es auch schlecht, nach zwei Uhr nachts aufzubrechen. Zum einen ist das Risiko groß, dass ihr nur noch wenig motiviert seid, den Weg auf euch zu nehmen, weil die Müdigkeit siegt, zum anderen ist es um die Zeit brechend voll und der Alkoholpegel der Gäste kann schnell unangenehm werden. Der perfekte Zeitpunkt, um loszuziehen, ist zwölf Uhr. Denn jetzt beginnt die gute Musik in den Clubs, es wird definitiv getanzt, ist aber noch nicht so voll, dass man das Tanzen auf Zucken runter schrauben muss. 

9. Seid verantwortungsbewusst, aber lasst Freiraum!
Zusammen feiern gehen bringt immer ein bisschen was Soziales mit sich (zusätzlich zum Reden). Man muss ein Auge aufeinander werfen, schauen, dass keiner der Freunde betrunken in einer Ecke liegt, dass keiner von dubiosen Menschen angequatscht oder in eine Schlägerei verwickelt wird. Man hat eben Verantwortung für die Gruppe, schließlich ist man auch zusammen hingegangen. Trotzdem sollte man einander Freiraum lassen. Findet die eine Freundin einen Typen süß und wird angequatscht? Bitte, gerne. Wollen zwei mal auf die andere Tanzfläche gucken? Klar! Trotzdem sollte man immer die anderen im Hinterkopf behalten und nicht irgendwann einfach ganz verschwinden, ohne Bescheid zu sagen. Man sollte eben eine gute Balance wahren zwischen Solo-Ding und Gruppen-Ding. Schließlich ist nichts schlimmer, als nachts ständig nach den Freunden im Club suchen zu müssen. 

10. Besser ein ordentlicher Korb als viele würdelose!
Liebe Singlemänner, ich verstehe, dass ihr auf Partys die Chance seht, Frauen kennen zu lernen. Es sei mal dahingestellt, ob für einmalig oder für längerfristig. Aber es ist einfach demütigend, wenn man merkt, das ihr schon jede andere im Club angesprochen habt und wir Nummer 35 auf eurer Liste sind. Haltet euch lieber an eine, die euch wirklich gefällt und kassiert einen stilvollen Korb, wenn ihr überhaupt einen kassiert. Aber bitte macht keinen Flirt-Marathon draus, sonst werdet ihr ganz schnell abblitzen.

11. Schämt euch nicht für euren Tanzstil!
Die coolsten Männer sind die, die nicht verschämt aus der Wäsche gucken, sondern sich einfach bewegen. Jeder haut mal daneben, aber jeder kann auch automatisch ein bisschen was. Und die wenigsten sind wirklich Körperklause. Also legt einfach los, von Kumpel über Freundin bis Frauenwelt wird jeder beeindruckt sein!

12. Nach zwei Uhr nachts passiert nichts Gutes mehr!
Der Spruch, den ich bei How-I-Met-Your-Mother aufgeschnappt habe, klang in meinen Ohren erstmal unrealistisch und fragwürdig. Aber letzten Endes ist er total wahr! Mit steigendem Alkoholkonsum und dem (das klingt jetzt esoterisch, ist aber so) Einlassen auf die Musik kommen gerne mal Gefühle hoch. Und die können ausarten. Drei Anekdoten gefällig? Eine Bekannte hat im Club einen Typen kennen gelernt, der ihr gut gefiel, aber vor lauter Nervosität war sie nicht sehr redselig. Als sie vom Klo kam, war er weg. Sie ging ihn suchen, fand ihn nicht und beauftragte einen Türsteher, den Club zu durchforsten! Er war aber nicht mehr da. Eine andere Geschichte: Fünf Uhr Morgens, ich mit drei Freunden im Club. Wir wollen gerade Heim, als ich sehe, dass das Mädel vor ihrem Freund steht und weint. Es artet in eine riesige Diskussion über Treue aus, die er aufgrund von überhöhtem Alkoholkonsum unnötigerweise angezettelt hatte. Die Diskussion ging fast vier Stunden lang. Letzte Geschichte: Ich war mit meinem Freund und zwei seiner Kumpels weg. Es war viel Alkohol geflossen, insbesondere bei den beiden Kumpels. Drei Uhr nachts, mein Freund geht mit einem der beiden aufs Klo, als der anderen mir gesteht, mich die ganze Zeit schon total gut zu finden und mich zu umarmen. Ob wir jetzt durchbrennen wollen, schnell, bevor die anderen beiden zurück kommen? Nein, danke. Somit war der Abend beendet. Und ganz ehrlich: Solche Stories braucht man nicht. Also lieber die Emotionen etwas zurückfahren, sich nicht auf irgendwas einlassen, was böse enden könnte und einfach mit Freunden tanzen. 

13. Sonnenaufgang versus Energieverlust!
Auf der einen Seite soll man gehen, wenn es am Schönsten ist. Auf der anderen Seite will man ja auch irgendwie die berühmt berüchtigten lila Wolken sehen. Was denn nun? Schaut am besten auf euren Energiehaushalt. Wenn ihr um drei schon merkt, dass sich alles in euch sträubt und ihr nur noch ins Bett wollt, dann wird das mit dem Sonnenaufgang nichts mehr. Wenn eure Laune aber gut ist, müsst ihr euch diese Frage eh nicht stellen und feiert durch, bis ihr eben nicht mehr wollt. Mein Tipp: Nehmt die Sonnenaufgänge im Sommer mit, die sind früher und fühlen sich wegen der Restwärme in der Luft auch viel schöner an. 
PS: Man kann bei den meisten Bäckereien ab sechs Uhr Brötchen kaufen. Kommt bei der WG oder dem Freund oder sich selbst super an, wenn man frische gebackene Brötchen auf den Tisch stellt!


Wenn das mal keine gute nächste Party wird! Viel Spaß beim Feiern!

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Gehen statt bleiben: Umzüge

Wie einige von euch schon wissen, werde ich Ende des Jahres meine Heimat verlassen und ins beschauliche Bayern ziehen (alleine diesen Satz zu lesen, zaubert mir zwar ein Lächeln ins Gesicht, ist aber auch ein Schlag in die Magengrube). Ein Schritt, der mir weit schwerer fällt, als ich eigentlich erwartet hätte und der mich momentan sehr beschäftigt. Um meine Gedanken auch einfach mal runter zu schreiben und euch ein paar kleine Einblicke zu geben, gibt es ein Monatsspecial: Gehen statt bleiben. Und zwar beinhaltet es alle Schritte, die ich machen muss. Abschied nehmen, Umziehen, Neustart, Ankommen.

Da mir der Abschied aber am schwersten fällt, beschäftigt sich der erste Eintrag mit den Umzügen, denn die fielen mir eigentlich immer leicht. Das fing schon in meiner Jugend an. Mindestens einmal im Jahr bin ich umgezogen. Nicht in ein anderes Haus, nein, mein Elternhaus ist noch immer dasselbe wie zu meiner Geburt. Aber ich habe regelmäßig das Zimmer gewechselt. Nachdem mein Bruder ausgezogen war, stand sein Zimmer nämlich auch zur Verfügung. Dummerweise hatten beide ihre Vor- und Nachteile. Mein Kinderzimmer war hell, aber klein. Sein Zimmer war dreimal so groß, aber im Keller und dunkel. Also hab ich jedes Mal meine nötigsten Klamotten und ein bisschen Dekokram geschnappt und bin ich in den Sommermonaten in das kühle, dunkle, große Zimmer gezogen. Im Winter ging es dann wieder in das anderes. Dass ich dabei Kisten schleppen und neu einrichten musste, störte mich überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich liebte es, alles neu zu machen. So sehr, dass ich das Treppensteigen und Schleppen in Kauf nahm.

Entsprechend groß war meine Freude, als ich nach dem Abitur zu meinem Freund ziehen konnte, nach Trier in eine Dreier-WG, in der wir uns ein halbes Jahr lang sein Zimmer teilten. Ich packte wieder die nötigsten Klamotten, ein bisschen Deko, stopfte alles ins Auto und fuhr in die gefühlte Freiheit. Die Umstände dieses Umzugs waren mir damals gar nicht bewusst. Zum Beispiel, dass ich meine Schulfreunde zurück ließ und wir uns erstmal nicht sehen würden. Oder dass ich meine Familie maximal alle vier Wochen besuchen konnte. Das kannte ich bisher nicht. Alles Negative wurde durch das Gefühl der Freiheit und auch durch das Auffangen seiner Freunde getilgt. Außerdem wohnte damals noch meine beste Freundin dort, sodass ich eigentlich nie alleine war.

Gila Hanssen  / pixelio.de
Zum Studium hin musste ich wieder zurück. Weil in meiner Studienstadt allerdings keine bezahlbare Wohnung frei war, zog mein Freund mit mir in meinen alten Heimatort in eine kleine Wohnung nah bei meiner Familie. Diesmal fiel der Abschied schwerer. Mir hatte Trierer gefallen, eine kleine Art Neustart, ohne dieses Bodenlose, was ein Neustart des öfteren mit sich bringt. Aber trotzdem packte ich freudig zusammen, schließlich bezogen wir eine Wohnung, die man nicht mit einem Schuhkarton vergleichen konnte und ich würde wieder bei meinen alten Freunden und meiner Familie sein. Die Gedanken beruhigten mich. Der Tag des Umzugs kam, die Clique meines Freundes half fleißig und dann ging es auch schon los in Richtung neue alte Heimat. Wieder bedachte ich nicht die Konsequenzen. Die fielen mir erst auf, als wir mal ein paar Wochen dort wohnten. Das Verhältnis zu meinen Schulfreunden war in dem halben Jahr abgekühlt, die Nähe zu meiner Familie tat gut, engte mich aber auch ein. Ich sehnte mich nach der Freiheit in Trier zurück. Außerdem bin ich in diesem einen Kaff aufgewachsen. Groß genug, um einen Bahnhof und vier Supermärkte zu haben, aber klein genug, um weder weggehen zu können noch viele Freizeitmöglichkeiten zu haben. Ich knüpfte schnell Beziehungen zu meinen Kommilitonen, aber die wohnten eben in meiner Studienstadt, 70 Kilometer weit weg. Ich war völlig ab vom Schuss und mir fehlte das großstädtische. Ich fühlte mich in meiner Heimat nur noch semi-wohl. 

Als wir mit Glück endlich eine Wohnung in der Studienstadt fanden, freute ich mich also wieder auf den Umzug. Wir organisierten Helfer an beiden Orten, räumten wie die Wilden drauf los, tapezierten und strichen die neue Wohnung, voller Elan. Bis wir tatsächlich einzogen und schnell merkten, dass Umzüge tatsächlich mit enormer Arbeit verbunden sind. Denn wir zogen in die fünfte Etage. Ohne Aufzug. Die Euphorie war also nach einer Viertelstunde wie weggeblasen. Dummerweise erwischten wir auch noch den heißesten Tag des Jahres, womit nicht nur genügend Arbeit, sondern auch Schweiß im Übermaß vorhanden war. Insgesamt dauerte das Elend über 12 Stunden, die wir ohne unsere Freunde nicht überlebt hätten. Aber spätestens ab dem Zeitpunkt war mir klar, dass Umzüge nicht einfach so über die Bühne gehen - erst Recht nicht immer und automatisch.

Umso skeptischer sehe ich dem anstehenden Umzug entgegen, denn ich weiß jetzt schon, dass mir das schwer fallen wird. Nicht nur, wieder Sachen aus dem fünften Stock ins Erdgeschoss zu schleppen, sondern auch das Ausräumen der Wohnung, in der meine Eltern enorm viel mit uns zusammen gemacht haben, um sie schön sein zu lassen. Das Verlassen der Region, in der ich groß geworden bin. Der Abschied von den Freunden, die mich jetzt Jahre - manche viele, manche erst wenige - begleitet haben und die für mich meine zweite Familie geworden sind. Und die Distanz, die dann zwischen meiner Familie und mir liegt, sodass ich sie nur noch alle paar Monate besuchen kann. Das tut weh, auch wenn ich mich freue. Ich erwische mich auch immer wieder bei dem Gedanken: Wie konntest du Umzüge früher nur so geil finden? Nur um mir selbst die Antwort zu geben: Warum tu ich mich damit gerade so schwer?

Insgesamt pendelt es gerade enorm zwischen Vorfreude, Abschied nehmen, Angst vor dem kompletten Neustart, ach ja, und Vorfreude. 

Aber dazu gibt es beim nächsten Gehen statt bleiben-Eintrag mehr. :-)

Montag, 10. Oktober 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... den Terrorismus!

Heute Morgen bin ich schon um halb sechs aufgewacht. Nicht, weil ich wollte, sondern weil ich einen Albtraum hatte. Einen der Art, bei dem man schweißgebadet mit einem Puls von 200 aufwacht und erstmal nicht mehr schlafen kann. Eigentlich habe ich nicht oft Albträume und wenn ich sie habe, dann befinde ich mich in ihnen meistens in einer Art Horrorfilm. Heute war das anders. In meinem Traum ging es um einen Terroranschlag.

Kurz zum Traum: Der Anschlag wurde einige Orte weiter durchgeführt, in einer Stadt, die weder wirtschaftlich noch kulturell relevant ist. Es war in einem viel besuchten Museum, grob 80 Menschen starben. Also der bis dahin größte Anschlag in Deutschland. Ich stand in einer größeren Halle vor Bildschirmen und verfolgte die Breaking News mit vielen weiteren Menschen, alle geschockt. Da stürmen drei vermummte Männer mit Maschinengewehren in die Halle und feuern drauf los. Keine Ahnung, warum ich das im Traum wusste - man weiß ja nie, warum Dinge in Träumen passieren - aber es gab gleichzeitig noch mehr dieser Überfälle. Am Ende starben 450 Leute.

Eigentlich wollte ich über das Thema keinen Blogeintrag machen, denn ich finde, dass man Terrorismus kein Forum geben soll. Aber der Traum hat mir aufgezeigt, dass ich unterbewusst Angst habe und es vielleicht noch mehr Menschen so geht.

Jedenfalls lag ich nach dem Traum wach und meine erste Überlegung war, wie ich heute zur Arbeit kommen soll. Öffentliche Verkehrsmittel waren erstmal völlig ausgeschlossen. Ich war wie gelähmt. Selbst der Gedanke, aus dem Haus zu gehen, lähmte mich. Und das machte mich wütend, denn normalerweise fürchte ich mich nicht vor Anschlägen oder Terrorismus.

Das hat zweierlei Gründe. Zum einen möchte ich nicht, dass diese fürchterlichen Menschen und ihre Gruppierungen gewinnen. Ich möchte nicht mein Leben einschränken, weil sie glauben, dass ich es nicht wert bin, am Leben zu sein, nur weil ich aus einem anderen Kulturkreis komme. Ich möchte Menschen nicht mit Skepsis oder Misstrauen begegnen, nur weil eine kleine Gruppe uns Menschen aus den westlichen Ländern nicht akzeptiert. Und ich möchte mich nicht unsicher fühlen bei Dingen, die mir Spaß machen, weil die eventuelle Möglichkeit besteht, dass diese kleine Gruppe Kämpfer losschickt, die uns nicht nur den Spaß, sondern auch das Leben nehmen wollen.

Zum anderen, das muss ich ehrlich gestehen, machen mich die bisherigen Anschläge zwar betroffen, aber sie betrafen mich nie. Ich finde es entsetzlich, dass im nahen Osten ständig Bomben explodieren oder sich Menschen in die Luft sprengen und andere mit sich reißen. Aber was das bedeutet, kann ich nicht beurteilen. Ich habe es nicht erlebt und es ist so weit weg, dass ich mir das Leid nicht vorstellen kann - und vielleicht auch nicht vorstellen möchte, aus Selbstschutz. Die Anschläge in Paris haben mich mehr bewegt, auch wenn es weniger Opfer gab, denn dort war es ein Angriff auf unsere westliche Lebensweise. Ich schäme mich für den Gedanken, aber Paris war näher an meiner Lebenswelt, auch wenn die Anschläge in der Türkei, Syrien oder Pakistan verheerender waren. Aber auch nach Paris wäre es anmaßend zu behaupten, ich wüsste, wie das ist. Ich fühlte mit, war schockiert, doch mein Leben ging weiter. Ähnliches mit Brüssel. Ich habe mein Facebookfoto nicht mit der Landesflagge oder dem Eiffelturm hinterlegt, weil ich in keinster Weise verstehe oder miterlebe, was ein solcher Anschlag mit den Menschen vor Ort macht. Nichts desto trotz schlich und schleicht sich seitdem Angst bei mir ein. Ganz leise, fast unbewusst. Erst Recht bei den Terrorattacken ins Ansbach und in Würzburg.

Glücklicherweise ist Europa bislang von größeren Anschlägen verschont geblieben, vor allem im Vergleich zu den Nahost-Ländern. In Deutschland wurden die Attentäter meistens gestellt oder haben bei ihren Anschlägen niemanden töten können. Aber je öfter man von Fehlversuchen oder Festnahmen hört, desto tiefer geht die Angst. Denn ich bin zwar auf der einen Seite glücklich, dass sich der Terrorismus in Deutschland bisher in Grenzen gehalten hat, aber in meinem Hinterkopf höre ich die Zeitschaltuhr, die tickt. Es ist nämlich keine Frage nach dem Ob, sondern eine Frage nach dem Wann, schließlich kam der Terrorismus näher und man hört auch immer öfter von potentiellen oder kleineren Attacken.

Ich merke, dass diese Gedanken Folgen haben. Ich mache mir nämlich Sorgen. Weniger um mich als um meine Lieben. Außerdem erwische ich mich im Alltag bei Gedanken, für die ich mich schäme. Beispielsweise betrachte ich meine Mitmenschen genauer. Steht jemand im Bahnhof und sieht sich nervös um, wird mir flau im Magen. Finde ich ein verlassenes Gepäckstück, gehe ich schnellstmöglich weg. Fliege ich in Urlaub, frage ich mich, ob sich an Bord eine Bombe befindet. Diese Gedanken dominieren nicht, aber sie sind da. Und ich glaube nicht, dass ich damit alleine bin. Gewissermaßen haben die Terroristen also ihr Ziel erreicht.

Der Unterschied ist bloß, dass ich diese Gedanken nicht gewinnen lassen, sondern sie in den Hinterkopf schiebe. Ich werde nie jemanden aus Prinzip unhöflich oder unfreundlich behandeln, weil er so aussieht, wie uns die Medien Terroristen vermitteln. Ich werde weiterhin auf Konzerte oder Feste gehen oder in Urlaub fliegen. Ich werde weiterhin an Moral und an das Gute im Menschen glauben und ich werde auch weiterhin öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Heute Morgen bin ich übrigens doch Bus gefahren. Und ich hatte keine Angst.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Ernährungstrends!

Ursprünglich fing alles mit einem Buch an. Einem Buch, das ich eigentlich gar nicht haben wollte. Wie das geht? Ich fand im Sommer in meinem alten Kinderzimmer einen Büchergutschein im Wert von 20 Euro. Hatte ich zum Abitur geschenkt bekommen, war also schon ein paar Jährchen alt und ist irgendwo in den Tiefen meiner Schränke von mir verbummelt worden. Ich freute mich über den Gutschein, denn ich lese echt gerne und viel, stellte dann aber mit Entsetzen fest, dass zwei der vier Buchhandlungen, in denen der Gutschein gilt, bereits seit mehreren Wochen beziehungsweise seit wenigen Tagen geschlossen hatten. Das dritte der vier Geschäfte lag viel zu weit entfernt und das vierte sollte in einer Woche zumachen. Ich musste da also hin und zwar möglichst schnell, schließlich wollte ich den Gutschein nicht verfallen lassen.

Das schaffte ich auch: Ich war dort. Nun gab es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Sie machten dort einen großen Ausverkauf, fast alles, was noch im Laden war, wurde günstig verhökert. Die Schlechte: Das, was noch dort war, interessierte mich nicht, denn es handelte sich um alte Klassiker und Fachliteratur, die ich im sechsten Semester nicht mehr anzuschaffen brauchte. Und ich wollte auch kein Buch kaufen, das nur der Deko wegen im Regal steht. Was ich an Büchern kaufe, möchte ich lesen können, ohne mich nach zehn Seiten zu langweilen oder mich dazu gezwungen zu fühlen. Ich wollte schon enttäuscht den Laden verlassen, als mir ein kleiner Tisch vor der Kasse auffiel, der im Gegensatz zum Rest des Geschäfts richtig schön aufbereitet war. Mit Dekoration, interessanter Anrichte, eben ein schönes Verkaufstischchen. Darauf lagen etliche, vergünstigte Kochbücher neben einem besonders großen, das mir sehr bekannt vor kam. "Delicously Ella - Für jeden Tag" stand drauf. Schon mal gehört, da war ich mir sicher. Es war noch neu, nicht heruntergesetzt, Hardcover. Aber ich hatte den Gutschein, ich schien nichts besseres zu finden - also nahm ich es mit. Die Entscheidung wurde sogar noch von den Verkäuferinnen beschwärmt.

Zwei Tage später. Ich hatte endlich die Gelegenheit, mal in das Buch rein zu lesen. Die Autorin, Ella Woodward, erklärt detailliert, warum sie ihre Ernährung umgestellt hatte und jetzt Clean Eaterin war. Der Begriff war mir zu gut bekannt, ich finde nämlich, das ist ein gutes Ernährungskonzept. Statt Fertigwaren kauft man nur noch frische Produkte und kocht beziehungsweises bereitet daraus selbst Mahlzeiten vor. Ist mit Sicherheit gesund und nur wenig aufwendig als Fertigkram zu machen.
Nur je länger ich in Woodwards Buch rein las, desto mehr wuchs das Stirnrunzeln. Sie stellte beispielsweise vor jedes große Kapitel ("Suppen", "Snacks", "Desserts") eine Einkaufsliste und eine Liste mit Dingen, die nötig sind. Grobes Zitat: Es wird zwar teuer und aufwendig sein, aber es lohnt sich. Übersetzt: Ihr begebt euch auf eine schwierige, beschwerliche Reise, aber am Ziel angekommen werdet ihr euch freuen. Ehm ja. Was sich auf den Listen befand? Tamarin, Macapulver, Puy-Linsen, Kurzkorn-Vollkornreis. Unter anderem. Jeder, der jetzt verständnislos guckt und sich fragt: Mareike, kennst du das etwa nicht?, sollte kurz sein Leben überdenken - oder mir Tipps geben, woher, um Himmels Willen, man so was bekommt! Denn nicht nur, dass das ungewöhnlich klingt, so etwas gibt es im normalen Supermarkt nicht. Da muss man schon Spezialläden oder Amazon aufsuchen und selbst da sucht man sich einen Ast ab. Ähnlich ist das mit den Küchengeräten. Man braucht zum Beispiel so einen Gemüseschäler, der aus Zucchini Spaghetti machen kann. Oder einen Mixer, der Cashewkerne so klein kriegt, dass sie cremig werden. Oder einen Dampfgarer (von denen ich gehört habe, dass sie gefährlich sind! - Übrigens: Jedes dieser ungewöhnlichen Worte wird von blogspot rot unterstrichen, das will auch schon was heißen!).

Erwin Lorenzen  / pixelio.de
Was sich jedenfalls herausstellte: Delicously Ella behauptet, köstliche, einfache Rezepte für ein gesundes Leben gefunden zu haben. Die stellt sie im Buch vor. Allerdings bezieht sie sich nicht aufs reine Clean Eating, sondern auch noch auf Veganismus und Glutenfreiheit. Im Prinzip isst sie also nur noch Gemüse und diesen ungewöhnlichen Kram. Das hat mich skeptisch gemacht, denn mal ganz davon abgesehen, dass eine einschränkte Ernährung aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen völlig legitim und mit Sicherheit auch gut und verkraftbar ist, muss eine Ernährung, wie sie Woodward lebt, doch zu maßlosen Mangelerscheinungen führen! Egal, ich hab es ausprobiert. Letztes Wochenende, nach viel Überwindung und vor allem Rezeptesuche, denn bei weitem nicht alles lacht mich an (oder ist realisierbar). Es sollte einmal Rosenkohl mit Kartoffelecken, Nüssen und Granatapfel werden und Spaghetti Carbonara (ohne Ei, Speck oder Parmesan, also im Prinzip ohne alles, was eine Carbonara eigentlich ausmacht). Stattdessen kam Kürbis rein, cremig gemixte Cashewkerne und Gemüse. Soweit, so unspektakulär. Ich kaufte auf dem Markt (um es wirklich clean und korrekt zu machen) ein und wagte mich an die Rezepte. Der Rosenkohl ist tatsächlich relativ schnell gemacht, mal abgesehen vom typischen Vorbereiten. Das Rezept ist sogar gar keine schlechte Idee, aber insgesamt auf ihre Zubereitungsart recht geschmacksneutral. Die Carbonara war aufwändiger. Kürbis schälen, schneiden, kochen, Cashewkerne parallel einweichen, alles mixen, Nudeln kochen, Gemüse braten, würzen, alles mischen. Was anfangs richtig gut aussah, war am Ende eine Pampe aus Spaghetti mit Nüssen und Gemüse. Das Beste war das Gemüse. Normale Carbonara ist leckerer. Von köstlichen Rezepten kann also leider nicht die Rede sein, einfach war es nur bedingt. Höchstens der Faktor "gesund" könnte zutreffen. 

Das Problem ist, dass Ernährungstrends, gerade was diese Faktoren betrifft, mit den Menschen spielen. Grundsätzlich sind Diätrezepte inzwischen "köstlich und gesund", sie sind vollwertig und nahrhaft. Und die Leute glauben das, bis sie es mal probieren. Wie gesagt, kleine Einschränkungen sind für eine gesunde Ernährung notwendig. Es macht Sinn, wenig Fleisch zu essen (oder sogar ganz darauf zu verzichten, Ersatzstoffe kriegt man tatsächlich woanders her und man verzichtet auf die Hormone und das Antibiotika im Fleisch), Kohlenhydrate in einem gewissen Ausmaß zu sparen oder Süßigkeiten wegzulassen. Das Wichtige dabei ist das Oder. Denn wenn man sich komplett einschränkt und sich nur noch von einer bestimmten Art Essen ernährt, fehlt einem früher oder weniger alles andere. Das zeigt sich entweder durch extreme Fressattacken, weil der Körper mehr oder weniger auf Entzug ist, oder, noch schlimmer, durch Mangelerscheinungen wie Haarausfall, brüchige Fingernägel, schlechte Haut. Außerdem schmeckt Diätnahrung oftmals tatsächlich nicht besonders gut, was wiederum auf Dauer ziemlich ätzend ist. Man will doch nichts essen, was man nur widerwillig runter bekommt. Leere Kalorien nenne ich das. Dann lieber etwas kochen, was man liebt und gerne isst und das schlichtweg von der Menge reduzieren. Statt zwei Tellern einen, den aber genießen. So einfach kann es sein. Denn dann folgt keine Sehnsucht nach dem Leibgericht. Man bekommt es ja schließlich regelmäßig. Ähnlich ist das mit Süßigkeiten. Reduzieren macht Sinn, weglassen sorgt aber dafür, dass man es unbedingt will und früher oder später "Rückfälle" hat.

Deshalb halte ich insgesamt von diesen Ernährungstrends echt wenig. Die Leute und Verläge, oder hier konkret Ella Woodward, sagen einem zwar: Ich esse so, deshalb bin ich total gesund und fühle mich, als könnte ich Bäume ausreißen (unabhängig vom Wunsch, weniger zu wiegen, spielt mittlerweile nämlich vor allem das gut fühlen und die Achtsamkeit eine große Rolle, übrigens auch so ein Trend). Aber nur weil das Marketing der Firmen oder Personen gut funktioniert - oder sie sich möglicherweise wirklich besser fühlen - heißt das noch lange nicht, dass das auf dich, lieber Leser, oder mich auch zutrifft. Sinnvoll ist, herauszufinden, was man gerne mag, was davon gesund ist und das Gesunde öfter zu kochen, während man das Ungesunde öfter weg lässt. Daraus ergibt sich ein ganz persönlicher, eigener Ernährungstrend, der einem aber auch gut tut. Und bei dem man vielleicht auch keinen Dampfgarer braucht. :-)