Freitag, 30. September 2016

Reisecheck! Die Costa Daurada...

...oder Mein Plädoyer für... die Kunst, sich treiben zu lassen!

Dieser Beitrag umfasst aufgrund von Schreibabstinenz zwei Beiträge und ist deshalb entsprechend lang.
Lohnt sich aber, hab ich gehört... ;-)

Eigentlich bin ich ein strukturierter Mensch. Ich hasse es, wenn Pläne nicht funktionieren und es chaotisch wird. Ich habe zwei Terminplaner: Einer im Smartphone und einen physikalischen, in den ich Termine noch schriftlich eintrage. Das Ding ist meistens voll getextet. Und ich finde Spontaneität anstrengend (der ein oder andere meiner Freunde wird jetzt hektisch und befriedigt nicken). 

Auch die Urlaubsplanung mit meinem Freund läuft deshalb normalerweise sehr geplant. Ein knappes Jahr vorher wird geschaut, wo es hingehen soll. Ein halbes Jahr vorher werden Flug und oder Hotel gebucht und mindestens vier Wochen vorher wird konkret geschaut: Was machen wir dort. Das hat nicht nur den Vorteil, dass wir meistens relativ günstig reisen, man kann sich auch noch lange darauf freuen, denn man hat den Urlaub immer als Belohnung für Alltagsstrapazen vor Augen.

Dumm nur, dass das dieses Jahr nicht ging. Wegen Jobsuche und Bachelorarbeit war ich nicht flexibel genug, lange vorher zu buchen. Das musste relativ kurzfristig laufen. Glücklicherweise gab es Seiten wie www.urlaubspiraten.de. Wir schauten also zwei Monate vorher: Wohin soll es gehen? Denn so kurz vor knapp ging es hauptsächlich noch um den Faktor "günstig genug" statt "Traumziel". Mallorca, ursprünglich und seit Jahren unser Plan (wirklich wegen der Landschaft, auf keinen Fall wegen dem Ballermann!), fiel wegen der Kosten ins Wasser. Am Ende blieben noch Rhodos, das italienische Inland und die spanische Küste übrig. Wir mussten aussortieren. Rhodos, unser Favorit, fiel ins Wasser, weil das Hotel schlecht aussah und bewertet war. Italien hatte in dem Fall keine Küste zu bieten. Blieb also nur noch Spanien. Die Costa Daurada. Wir buchten, wegen der Onlineempfehlung kam etwas später auch ein Mietwagen dazu und dann hieß es wieder: Jobsuche und Bachelorarbeit. Erst eine Woche vorher überlegen wir überhaupt, wie die Reise laufen soll. Und zwar die groben Fakten wie Anreise und Lage. Da war noch kein Plan gemacht bezüglich Unternehmungen. Ich wurde langsam nervös. 
Blick auf Frankreich aus 8000 Metern Höhe

Erst im Flugzeug fing das Urlaubsgefühl an. Auch wenn das durch akute Flugangst etwas unterging (siehe: http://inthemiddleoftwenty.blogspot.de/2016/09/meine-5-minuten-gehen-diese-woche-ans.html). Aber irgendwie klappte trotzdem alles. Unser Mietwagen stand bereit, wir hatten keine Zusatzkosten und insgesamt war die Stimmung und das Wetter in Spanien extrem entspannt. Das schlug sich auch auf uns nieder. Vom "lass uns in den nächsten acht Tagen genau das und das machen" wurde schnell ein "lass uns gucken, worauf wir im Moment Lust haben". Denn keiner von uns kannte die Region dort. Wir hatten zwar einen Reiseführer aus den 80ern dabei, ein Mitgebsel der Mutter meines Freundes, aber der sagte auch nur etwas über die Städte aus, wenig über die Umgebung selbst. Also beschlossen wir, am ersten Tag mit unserem Mietwagen die Gegend zu erkunden. Was letzten Endes zu einem kleinen Roadtrip am Mittelmeer wurde. Es stellte sich schnell raus, dass wir uns treiben lassen wollten. Gefiel uns ein Ort, hielten wir an und wenn uns eine Straße neugierig machte, bogen wir ab. Wir hatten kein Ziel, aber sahen auf diese Art und Weise enorm viel mehr (und Meer), weil man einfach genauer hingucken muss. 

Ein Strand im Cambrils





Mein erster Eindruck?
Sonnig, mediterran, verschlafen, küstig und gleichzeitig bergig. Insgesamt wunderschön für einen Urlaub. Am schönsten war aber die Erklärung, woher der Name Costa Daurada kommt: Das Meer und der Sand glitzern dort nämlich. Steigt man ins Wasser, kommt man danach als Märchenfee (oder Hollywoodvampir) wieder raus. 








Der Freizeitpark PortAventura
Beim Umsehen merkten wir schnell, dass die Gegend glücklicherweise einiges zu bieten hatte . Wir besuchten zum Beispiel am zweiten Tag den Freizeitpark PortAventura, der zweitgrößte Freizeitpark Europas und der größte Spaniens mit etlichen Achterbahnen und Wasserattraktionen. Der Park lag nur 10 Fußminuten von unserem Hotel entfernt, ähnlich wie die Stadt Salou und das Meer. Dort konnten wir ein bisschen Action mitnehmen, Kontrastprogramm zum sonstigen Meeresfeeling. Der Themenpark dort ist unheimlich schön gestaltet, erinnert insgesamt an den Europapark. Es gibt einige Achterbahnrekorde (die schnellste Abschussachterbahn und die höchste mit dem größten Fall Europas) und das mit dem nass werden auf Wasserbahnen nehmen die Spanier auch sehr ernst. Unsere erste Fahrt war eine Wildwasserbahn mit drei Abfahrten, nach denen wir von oben bis unten vor Wasser trieften. Lohnt sich aber, man muss es nur wissen.

Die Statue der katalanischen Menschentürme

El Vergel
Pilzrisotto im El Vergel
Ein weiterer Topspot ist die historische Stadt Tarragona, etwa 10 Kilometer von Salou entfernt. Dort hatten die Römer großen Einfluss, es gibt viele römische Bauwerke, unter anderem ein Aquädukt und ein Amphitheater unmittelbar am Meer Tatsächlich fand zufälligerweise an dem Wochenende, an dem wir dort waren, das Santa-Tecla-Fest statt. Wir beschlossen spontan, uns das anzusehen und trafen auf die obligatorischen tarragonischen Menschentürme und auf einen Feuerwerksumzug, bei dem nachts mitten in der Einkaufsmeile Feuerwerk gezündet wird und zwar nicht in der Höhe, sondern unterhalb der Baumwipfel oberhalb der Köpfe der Menschen. Was ziemlich beeindruckend, aber auch beängstigend war. Absolut sehenswert war es auf jeden Fall! Außerdem haben wir dort beim vorbeigehen ein veganes Restaurant entdeckt, das El Vergel. Hier gibt es ein günstiges Drei-Gänge-Menü ohne tierische Produkte und alles sah super und kreativ aus und hat auch so geschmeckt! Tolle Entdeckung! 

Panorama des tarragonischen Amphitheaters
Die Super-8-Raumschiff-Kirche
An einem Tag hat es ziemlich geregnet, sodass wir wirklich nicht wussten, was wir anstellen sollten. Also haben wir uns wieder ins Auto gesetzt und sind einfach mal los gefahren. Wir kamen in Valls an, einem schön gepriesenen aber sehr hässlichen Ort. Auf dem Rückweg haben wir wieder unsere Treiben-lassen-Methode angewandt und sind auf eine ungewöhnliche Kirche gestoßen, die aussah, als wäre sie ein Raumschiff, das die Kreatur aus dem Film Super 8 nach Hause bringen soll. Interessant, sehenswert und am letzten Zipfel von Spanien. Und auf dem Rückweg haben wir im Auto noch ein total schönes Sommergewitter erlebt, das an der Küste noch ein bisschen extremer ist als im Land. 

Der Königsplatz in Barcelona
Die Sagrida Família
Empfehlenswert ist außerdem ein Trip nach
Barcelona.
Von Salou aus fährt stündlich ein Zug. Wir haben uns mal wieder nicht informiert und Panik bekommen, als es am Bahnhof keinen Ticketschalter gab. Aber Tickets holt man dort im Zug. Nur so als Tipp. In Barcelona haben wir uns grob eine sehenswerte Route raus gesucht und sind drauf los marschiert. Dazu gehört der Yachthafen, die Kathedrale, die kleinen Gässchen der Altstadt und die Sagrada Família, eine Kirche, die seit 200 Jahren gebaut wird. Zwischendrin haben wir eine Tapas-Pause gemacht (man findet in Barcelona hunderte dieser Tapasläden) und später auch noch Churros schnabuliert. Pausen wurden eben dann gemacht, wenn wir Lust darauf hatten.

Der illuminierte Brunnen in Salou







Nicht zuletzt waren wir natürlich auch im Meer. An einem Strand, der uns gefallen hat, weil wir vorbei gefahren sind. So einfach ist das. Einzig und alleine Salou hat uns nichts gegeben, der Ort ist zu touristisch und überladen, ohne viele schöne Ecken zu haben. Lediglich am Strand sollte man mal lang flanieren, denn der illuminierte Brunnen ist traumhaft schön. 







Was habe ich also aus acht Tagen treiben lassen an der Costa Daurada gelernt? Dass planlos sein manchmal gut tut. Man erwartet nichts, wird aber positiv überrascht. Und man hat nun mal in sich ein Gespür, was gefällt und was nicht. Deshalb ist dieses Planen manchmal überflüssig. Aber es darf auch nicht übertrieben werden, denn sonst macht man am Ende gar nichts. 

Was könnt ihr aus unseren acht Tagen Costa Daurada mitnehmen? Dass die Küste dort unheimlich sehenswert ist, zentral liegt und keine Langweile aufkommt. Acht Tage sind deshalb der perfekte Zeitraum. Vor allem kann man dort zwischen Action, Sightseeing und Entspannen super abwechseln. 


Sangria to go! Prost!








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