Freitag, 30. September 2016

Reisecheck! Die Costa Daurada...

...oder Mein Plädoyer für... die Kunst, sich treiben zu lassen!

Dieser Beitrag umfasst aufgrund von Schreibabstinenz zwei Beiträge und ist deshalb entsprechend lang.
Lohnt sich aber, hab ich gehört... ;-)

Eigentlich bin ich ein strukturierter Mensch. Ich hasse es, wenn Pläne nicht funktionieren und es chaotisch wird. Ich habe zwei Terminplaner: Einer im Smartphone und einen physikalischen, in den ich Termine noch schriftlich eintrage. Das Ding ist meistens voll getextet. Und ich finde Spontaneität anstrengend (der ein oder andere meiner Freunde wird jetzt hektisch und befriedigt nicken). 

Auch die Urlaubsplanung mit meinem Freund läuft deshalb normalerweise sehr geplant. Ein knappes Jahr vorher wird geschaut, wo es hingehen soll. Ein halbes Jahr vorher werden Flug und oder Hotel gebucht und mindestens vier Wochen vorher wird konkret geschaut: Was machen wir dort. Das hat nicht nur den Vorteil, dass wir meistens relativ günstig reisen, man kann sich auch noch lange darauf freuen, denn man hat den Urlaub immer als Belohnung für Alltagsstrapazen vor Augen.

Dumm nur, dass das dieses Jahr nicht ging. Wegen Jobsuche und Bachelorarbeit war ich nicht flexibel genug, lange vorher zu buchen. Das musste relativ kurzfristig laufen. Glücklicherweise gab es Seiten wie www.urlaubspiraten.de. Wir schauten also zwei Monate vorher: Wohin soll es gehen? Denn so kurz vor knapp ging es hauptsächlich noch um den Faktor "günstig genug" statt "Traumziel". Mallorca, ursprünglich und seit Jahren unser Plan (wirklich wegen der Landschaft, auf keinen Fall wegen dem Ballermann!), fiel wegen der Kosten ins Wasser. Am Ende blieben noch Rhodos, das italienische Inland und die spanische Küste übrig. Wir mussten aussortieren. Rhodos, unser Favorit, fiel ins Wasser, weil das Hotel schlecht aussah und bewertet war. Italien hatte in dem Fall keine Küste zu bieten. Blieb also nur noch Spanien. Die Costa Daurada. Wir buchten, wegen der Onlineempfehlung kam etwas später auch ein Mietwagen dazu und dann hieß es wieder: Jobsuche und Bachelorarbeit. Erst eine Woche vorher überlegen wir überhaupt, wie die Reise laufen soll. Und zwar die groben Fakten wie Anreise und Lage. Da war noch kein Plan gemacht bezüglich Unternehmungen. Ich wurde langsam nervös. 
Blick auf Frankreich aus 8000 Metern Höhe

Erst im Flugzeug fing das Urlaubsgefühl an. Auch wenn das durch akute Flugangst etwas unterging (siehe: http://inthemiddleoftwenty.blogspot.de/2016/09/meine-5-minuten-gehen-diese-woche-ans.html). Aber irgendwie klappte trotzdem alles. Unser Mietwagen stand bereit, wir hatten keine Zusatzkosten und insgesamt war die Stimmung und das Wetter in Spanien extrem entspannt. Das schlug sich auch auf uns nieder. Vom "lass uns in den nächsten acht Tagen genau das und das machen" wurde schnell ein "lass uns gucken, worauf wir im Moment Lust haben". Denn keiner von uns kannte die Region dort. Wir hatten zwar einen Reiseführer aus den 80ern dabei, ein Mitgebsel der Mutter meines Freundes, aber der sagte auch nur etwas über die Städte aus, wenig über die Umgebung selbst. Also beschlossen wir, am ersten Tag mit unserem Mietwagen die Gegend zu erkunden. Was letzten Endes zu einem kleinen Roadtrip am Mittelmeer wurde. Es stellte sich schnell raus, dass wir uns treiben lassen wollten. Gefiel uns ein Ort, hielten wir an und wenn uns eine Straße neugierig machte, bogen wir ab. Wir hatten kein Ziel, aber sahen auf diese Art und Weise enorm viel mehr (und Meer), weil man einfach genauer hingucken muss. 

Ein Strand im Cambrils





Mein erster Eindruck?
Sonnig, mediterran, verschlafen, küstig und gleichzeitig bergig. Insgesamt wunderschön für einen Urlaub. Am schönsten war aber die Erklärung, woher der Name Costa Daurada kommt: Das Meer und der Sand glitzern dort nämlich. Steigt man ins Wasser, kommt man danach als Märchenfee (oder Hollywoodvampir) wieder raus. 








Der Freizeitpark PortAventura
Beim Umsehen merkten wir schnell, dass die Gegend glücklicherweise einiges zu bieten hatte . Wir besuchten zum Beispiel am zweiten Tag den Freizeitpark PortAventura, der zweitgrößte Freizeitpark Europas und der größte Spaniens mit etlichen Achterbahnen und Wasserattraktionen. Der Park lag nur 10 Fußminuten von unserem Hotel entfernt, ähnlich wie die Stadt Salou und das Meer. Dort konnten wir ein bisschen Action mitnehmen, Kontrastprogramm zum sonstigen Meeresfeeling. Der Themenpark dort ist unheimlich schön gestaltet, erinnert insgesamt an den Europapark. Es gibt einige Achterbahnrekorde (die schnellste Abschussachterbahn und die höchste mit dem größten Fall Europas) und das mit dem nass werden auf Wasserbahnen nehmen die Spanier auch sehr ernst. Unsere erste Fahrt war eine Wildwasserbahn mit drei Abfahrten, nach denen wir von oben bis unten vor Wasser trieften. Lohnt sich aber, man muss es nur wissen.

Die Statue der katalanischen Menschentürme

El Vergel
Pilzrisotto im El Vergel
Ein weiterer Topspot ist die historische Stadt Tarragona, etwa 10 Kilometer von Salou entfernt. Dort hatten die Römer großen Einfluss, es gibt viele römische Bauwerke, unter anderem ein Aquädukt und ein Amphitheater unmittelbar am Meer Tatsächlich fand zufälligerweise an dem Wochenende, an dem wir dort waren, das Santa-Tecla-Fest statt. Wir beschlossen spontan, uns das anzusehen und trafen auf die obligatorischen tarragonischen Menschentürme und auf einen Feuerwerksumzug, bei dem nachts mitten in der Einkaufsmeile Feuerwerk gezündet wird und zwar nicht in der Höhe, sondern unterhalb der Baumwipfel oberhalb der Köpfe der Menschen. Was ziemlich beeindruckend, aber auch beängstigend war. Absolut sehenswert war es auf jeden Fall! Außerdem haben wir dort beim vorbeigehen ein veganes Restaurant entdeckt, das El Vergel. Hier gibt es ein günstiges Drei-Gänge-Menü ohne tierische Produkte und alles sah super und kreativ aus und hat auch so geschmeckt! Tolle Entdeckung! 

Panorama des tarragonischen Amphitheaters
Die Super-8-Raumschiff-Kirche
An einem Tag hat es ziemlich geregnet, sodass wir wirklich nicht wussten, was wir anstellen sollten. Also haben wir uns wieder ins Auto gesetzt und sind einfach mal los gefahren. Wir kamen in Valls an, einem schön gepriesenen aber sehr hässlichen Ort. Auf dem Rückweg haben wir wieder unsere Treiben-lassen-Methode angewandt und sind auf eine ungewöhnliche Kirche gestoßen, die aussah, als wäre sie ein Raumschiff, das die Kreatur aus dem Film Super 8 nach Hause bringen soll. Interessant, sehenswert und am letzten Zipfel von Spanien. Und auf dem Rückweg haben wir im Auto noch ein total schönes Sommergewitter erlebt, das an der Küste noch ein bisschen extremer ist als im Land. 

Der Königsplatz in Barcelona
Die Sagrida Família
Empfehlenswert ist außerdem ein Trip nach
Barcelona.
Von Salou aus fährt stündlich ein Zug. Wir haben uns mal wieder nicht informiert und Panik bekommen, als es am Bahnhof keinen Ticketschalter gab. Aber Tickets holt man dort im Zug. Nur so als Tipp. In Barcelona haben wir uns grob eine sehenswerte Route raus gesucht und sind drauf los marschiert. Dazu gehört der Yachthafen, die Kathedrale, die kleinen Gässchen der Altstadt und die Sagrada Família, eine Kirche, die seit 200 Jahren gebaut wird. Zwischendrin haben wir eine Tapas-Pause gemacht (man findet in Barcelona hunderte dieser Tapasläden) und später auch noch Churros schnabuliert. Pausen wurden eben dann gemacht, wenn wir Lust darauf hatten.

Der illuminierte Brunnen in Salou







Nicht zuletzt waren wir natürlich auch im Meer. An einem Strand, der uns gefallen hat, weil wir vorbei gefahren sind. So einfach ist das. Einzig und alleine Salou hat uns nichts gegeben, der Ort ist zu touristisch und überladen, ohne viele schöne Ecken zu haben. Lediglich am Strand sollte man mal lang flanieren, denn der illuminierte Brunnen ist traumhaft schön. 







Was habe ich also aus acht Tagen treiben lassen an der Costa Daurada gelernt? Dass planlos sein manchmal gut tut. Man erwartet nichts, wird aber positiv überrascht. Und man hat nun mal in sich ein Gespür, was gefällt und was nicht. Deshalb ist dieses Planen manchmal überflüssig. Aber es darf auch nicht übertrieben werden, denn sonst macht man am Ende gar nichts. 

Was könnt ihr aus unseren acht Tagen Costa Daurada mitnehmen? Dass die Küste dort unheimlich sehenswert ist, zentral liegt und keine Langweile aufkommt. Acht Tage sind deshalb der perfekte Zeitraum. Vor allem kann man dort zwischen Action, Sightseeing und Entspannen super abwechseln. 


Sangria to go! Prost!








Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Touristen!

Tourist sein war und ist eigentlich etwas ganz Normales. Man ist im Ausland oder einer fremden Stadt, man ist dort also selbst fremd, man will diesen Ort aber entdecken und sieht sich deshalb auch die Sehenswürdigkeiten an. Ist nicht ungewöhnlich. Daran hat und wird sich nichts ändern.

Was sich allerdings geändert hat, ist die Einstellung Touristen gegenüber. Die sind inzwischen nämlich unbeliebt. Wer Tourist ist, könnte einem schließlich die Lieblingsbar "wegnehmen", der könnte den Ort, an dem man wohnt, überfüllen und einem den Parkplatz klauen. Deshalb werden Touristen oft von Einheimischen bei Weitem nicht mehr freundlich behandelt. Stattdessen fliegen giftige Blicke und man wird so richtig wie ein Fremder behandelt. Nur nicht gerade gastfreundlich.
Dabei war jeder von uns schon mal Tourist und weiß, dass es sich mies anfühlt, wenn man nicht erwünscht ist.


Annamartha  / pixelio.de
Das ist auch der Grund, warum mir Tourist sein peinlich geworden ist. Das heißt nicht, dass ich Reisen meide, sondern bloß, dass ich mir Mühe gebe, nicht als Tourist aufzufallen. Wobei das meistens gar nicht so leicht ist. Gerade wenn man sich Sehenswürdigkeiten anschaut, wird schnell klar, dass ich dort nicht wohne. Aber in der Stadt beim Bummeln oder in Bars versuche ich nicht, wie ein Neuankömmling alles cool und besonders zu finden. Ich gebe mir enorm mühe, lässig zu wirken. Damit die Einheimischen denken: Jup, die gehört zu uns, die lebt hier schon drei Jahre (mindestens).

In Hamburg und in London ist mir das sogar mal so gut gelungen, dass ich von Touristen für eine Einheimische gehalten wurde. In Hamburg wurde ich am Hafen angesprochen, wie man denn am besten zum Michel kommt. Kein Ding, konnte ich erklären. Zählt aber nicht ganz, denn ich bin oft in Hamburg und kenne mich wirklich an vielen Orten aus. Trotzdem war ich stolz wie Oscar. In London war das ungewöhnlicher. Dort wurde ich auch nach dem Weg gefragt und selbst als ich in fließendem, aber nicht britischem Englisch antwortete (nicht ganz ehrlich, aber lässig), dass ich hier in der Gegend nicht so oft bin und nur grob die Richtung sagte (die auch nicht wirklich stimmte...), hielt der Mensch mich weiterhin für eine Londonerin. Das hat gut getan.

Das Tarnen geht aber auch nur so lange, wie man die Sprache beherrscht. In Spanien oder in Rus
sland wäre das nicht drin. Mehr als Englisch und ein paar Brocken anderer Sprachen beherrsche ich nicht. Öffnet man den Mund, fällt man sofort auf. Und das ist mir richtig unangenehm.

Das sollte es aber nicht sein. Denn fürs Tourist sein muss man sich nicht schämen. Und wenn man abgewertet wird, sollte man kontern, statt sich zurück zu ziehen. In Salou, wo wir gerade in Urlaub waren, wurden wir an einer Restaurantmeile angequatscht, ob wir dort essen wollen. Wir haben höflich dankend abgelehnt, woraufhin wir direkt einen Stempel bekamen: "You are German, aren't you?" Klasse. Es klang auch noch richtig abwertend. Das war mir so peinlich, dass ich das deutsch sein leugnete, woraufhin er weiter riet (es wurde nicht besser), bis er sogar beleidigend wurde, weil wir nicht antworteten.

In Zukunft, habe ich beschlossen, bin ich einfach wieder ein stolzer Tourist. Der sich Sehenswürdigkeiten noch und nöcher ansieht, der sich für Sprachfauxpas nicht schämt und der gerne auf Besuch ist.  Denn ich finde das Anpassen und Schämen von uns Deutschen ziemlich devot. Wenn Touristen anderer Länder nach Deutschland kommen, bemühen sich die wenigsten, ein paar Brocken Deutsch zur Verständigung zu lernen. Stattdessen wird erwartet, dass wir uns anpassen und mindestens fließend Englisch beherrschen. Fliegen wir ins Ausland, erwartet man das aber auch. Da sollen wir die Sprache der anderen verstehen und reden können. Und die Kultur kennen, keine Fehler machen, uns unauffällig verhalten. Kein Problem, das krieg ich hin - aber eben ohne gesenkten Kopf.

Montag, 19. September 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... den Herbst!

Heute ist es so weit. Mir ist kalt genug, um wieder in einen Sweater zu schlüpfen. Er ist grau, hat bunte Tropfen aufgemalt und es steht drauf: "Regen ist schön!" Nur, um gleich aufzuklären: Ich mag Regen nicht. Außer Sommerregen, der ist schön warm und frisch und sorgt nicht dafür, dass ich friere. Aber trotzdem trage ich den Sweater. Moodmanagement nennt sich das. Oder Selbsttäuschung. Und genau das mach ich auch mit dem Herbst.

Besonders ärgerlich ist ja, dass es keinen richtigen Sommer gab. Gefühlt eine Woche, in der Realität maximal vier. Der Rest war Spätfrühling oder Frühherbst. Denn zwanzig Grad, Dauerregen und Wind sind für mich kein Sommer. Und ein Jahr ohne Sommer ist Mist. Umso frustrierter bin ich, dass jetzt schon der Herbst da ist. Eine Jahreszeit, die mich deprimiert. Wenn man sieht, dass die Bäume langsam gelbrotbraun werden statt grün zu sein, man immer einen Regenschirm dabei haben sollte, Sonnenstrahlen Seltenheitswert bekommen und man öfter friert als schwitzt.

Manche Leute sehen das noch extremer als ich. Die wollen den Sommer wieder herbei zwingen. Vorhin kam mir ein Mädchen auf dem Rad entgegen. In Hotpants und Lederjacke. Bei 18 Grad. Das war mehr Botschaft als Anpassung. Und gestern stand neben mir an der Bushaltestelle eine Frau mit Sonnenbrille, obwohl der Himmel grau war. Ja, das ist mal Statement.

angieconscious  / pixelio.de
Genauso gibt es Menschen, die sich den Herbst schön reden. Erst vor kurzem habe ich einen Beitrag auf der Seite Edition F gelesen, in dem es um 20 Gründe geht, den Herbst zu lieben. Beim Titel war ich schon skeptisch. Als ich rein gelesen habe, war mir klar, was da läuft: Das ist Selbsttäuschung. Wir reden uns so lange positive Dinge ein, bis wir die Umstände mögen. Klar, man kann wieder ohne
schlechtes Gewissen Bingewatching betreiben. Klar, man hat wieder ein gutes Gefühl, wenn man sich abends einen Kakao oder einen Tee macht. Und natürlich kann man sich wieder einkuscheln ohne zu schwitzen. Schön und gut. Aber sich aufs Mützen tragen freuen? Oder auf den angenehmen Geruch von gewaschenen Mänteln in Bus und Bahn? Und am witzigsten fand ich, dass man sich auf den Herbstblues freuen soll. Deprimiert sein ist ja super, wenn man darf. Ehm - wie bitte?

Ich bin da ehrlich: Herbst ist einfach Mist. Weniger Mist als Winter, aber da gibt es wenigstens Weihnachten, bunte Lichter und Lebkuchen. Das einzige Lebensmittel, das mich momentan aufheitert, ist der Pumpkin Spice Latte bei Starbucks. Und der würde mich im Frühling genauso froh machen.

Zugegebenermaßen - ich verstehe, warum man sich Gründe suchen soll, etwas gut zu finden. Gerade wenn etwas blöd ist, man es aber nicht ändern kann. Deshalb habe ich beschlossen, auch nach Dingen zu suchen, die - das klingt nicht ganz so euphorisch wie Silvia Fallmanns Beitrag - den Herbst erträglich machen. Kakao und Tee trinken hab ich schon erwähnt, genauso das Einkuscheln. Und es gibt wenig besseres, als durchgefroren in die warme Wohnung zu kommen und zu wissen: Da muss ich heute nicht mehr raus. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich den Herbst mag. Aber wir akzeptieren uns gegenseitig.

PS: Wer Interesse an Silvia Fallmanns Beitrag auf Edition F hat, hier der Link:
https://editionf.com/16-Gruende-warum-der-Herbst-einfach-die-beste-Jahreszeit-ist

Sonntag, 18. September 2016

Rezepte-Check! Crumble

Es ist Sonntagnachmittag und ich hab Lust auf Kuchen. Aber für den Cafébesuch ist nicht immer Geld und Zeit da, Sahnetorten schrecken mich ab und für klassischen Rührkuchen fehlen mir Eier. Mist. Was ein Glück gibt es Crumble, die Lightvariante von Streuselkuchen, die schlicht ohne Boden auskommt. Heißt: Obst rein, Streuselteig drauf, backen, fertig! Crumble ist easy, lecker, frischer und obstiger als normaler Kuchen. Und alleine der Duft davon in der Wohnung - mmh!

Alles, was man dafür braucht, ist ein gutes Timing und ein bisschen Ahnung, was für Obst passt. Aber das lässt sich lernen. Mein Lieblingscrumble dieses Jahr war Rhabarber, aber die Saison ist inzwischen vorbei. Stattdessen fängt langsam die Apfelsaison an. Achtet drauf, dass ihr, wenn ihr Apfelcrumble machen wollt, saure Äpfel nehmt. Süßer Teig und süßes Obst ist nämlich too much. Gut gehen außerdem: Nektarinen, Aprikosen, Waldbeeren und Stachelbeeren. 

Ich hab mich jetzt mal ganz saisontypisch (für Spätsommer) an Brombeer-Nektarinen-Crumble gewagt. 

Man nehme: 
2 Nektarinen
1 Schale Brombeeren
1/2 Zitrone
300 Gramm Mehl
250 Gramm Butter
200 Gramm Zucker
1 Prise Zimt

Und so geht's:
Wascht die Brombeeren und die Nektarinen gut ab. Schneidet die Nektarinen klein. Nehmt eine runde Kuchenform und legt die mit Backpapier aus, sodass auch der komplette Rand mit Backpapier bedeckt ist. Legt die Brombeeren und die Nektarinen wild durcheinander gemischt in die Form. Beträufelt das Obst mit etwas Zitronensaft, das sorgt für mehr Säure und schmeckt am Ende frischer. Schmelzt die Butter in einer Pfanne, bis sie flüssig ist. Währenddessen vermischt ihr Mehl, Zucker und Zimt und gießt die flüssige Butter dazu. Mit einem Löffel gut vermischen, bis es eine sämige Masse gibt. Verteilt die Masse über dem Obst, bis das gesamte Obst bedeckt und von der Streuselmasse nichts mehr übrig ist. Stellt den Ofen auf 180 Grad Umluft ein und lasst das Crumble 20-30 Minuten im Ofen. Ihr merkt, dass euer Crumble gut ist, wenn er oben leicht hart und braun wird. Dann könnt ihr ihn schon servieren, schmeckt sowohl warm als auch kalt toll! Lasst es euch schmecken! :-)


Samstag, 17. September 2016

Ein Lobstern für: Dua Lipa

Hurra, hurra! Eine neue Kategorie! Ich war mal wieder über einen längeren Zeitraum schreibfaul, dafür aber kreativ. Deshalb gibt es jetzt regelmäßig den Lobstern, einen kleinen Artikel über Menschen, die es wert sind, mal erwähnt zu werden, sei es wegen deren Kunst, Musik, Leistung, Engagement oder ähnliches. Lest rein ;-) 

Kennt ihr das? Wenn ihr einen Song gut findet und furchtbar erschreckt, weil euch auffällt, dass der/die Sänger/in jünger ist als ihr? Mein Bruder meinte mal zu mir, dass das irgendwann normal wird. Stimmt. Aber mit Anfang 20? Dua Lipa, eine sehr begabte Londoner Sängerin, ist jedenfalls 21. Ein Jahr jünger als ich. Und sie klingt, als wäre sie zehn Jahre älter, hätte die Lebensweisheit mit Löffeln gefressen und schon viel zu viele Kippen geraucht. So auf die coole Art.

Wem die Gute kein Begriff ist, der denke an die Raffaelo-Werbung.

https://www.youtube.com/watch?v=YhszBOK2DFI

Hier singt Dua Lipa mit einer sehr eindringlichen, aber luftig leichten Stimme den Sommer herbei. Ganz anders ist das auf ihren Nachfolgesongs. Da hört man sie auf einmal sexy und eindringlich. Und ein bisschen kommt auch das junge Mädchen raus, wenn sie in "Blow your Mind (mwah)" Luftküsse verteilt. Aber gerade weil diese Frau, die eben ein Stück jünger ist als ich, mit einer enormen Power, Leidenschaft und Originalität ans Werk geht und dadurch herrlich frisch klingt, ist sie mir ein Lobsternchen wert. Weiter so!

https://www.youtube.com/watch?v=KT6Q86hygrw

Mittwoch, 14. September 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Bewerbungen!

Eigentlich wollte ich für diesen Blogeintrag meine allererste Bewerbung raussuchen. Für mein Schulpraktikum in der elften Klasse. Warum? Weil sie peinlich war. Zutiefst peinlich. Aber ich finde sie nicht mehr, deshalb muss es auch anders gehen.

Aber mal ganz von vorne. Bewerbungen waren nie meine Stärke. In meiner Jugend habe ich sie sogar gehasst. Sie fordern Zeit, entscheiden über so vieles, sind aber total trocken und aufgesetzt. Im schlimmsten Fall zumindest. Entsprechend sah meine erste Bewerbung aus. Ein zusammen geklatschter Lebenslauf, in dem außer Hobbys und Schule nicht viel drin stand, ein halbherziges Anschreiben, das vermutlich drei Zeilen Text enthielt und mein letztes Schulzeugnis. Fertig war ich.
Überraschend, dass ich das Praktikum trotzdem bekommen habe. Andererseits: Kostenlose Arbeitskräfte lehnt man ungern ab.


I-vista  / pixelio.de
Nur hat mich diese Leichtigkeit - schmierige Bewerbung, trotzdem Stelle bekommen - enorm geprägt. Kurz vor dem Abi, als es um Zukunft und Jobsuche ging, hab ich es ähnlich gemacht. Ich habe Stellen rausgesucht (die ich eigentlich nicht haben wollte, aber fürs Ego probiert man es ja trotzdem, falls Plan A nicht klappt), eine meines Ermessens gute Bewerbung getippt und optimistisch gewartet. Hat bisher auch immer alles funktioniert, warum sollte das jetzt anders sein?

Pustekuchen. Nach drei Wochen hagelte es Absagen. Ich merkte: Das war wohl nichts. Ein Bewerbungsgespräch kam damals dabei rum, aber das wollte ich nicht annehmen, denn wer eine so schlechte Bewerbung als gut empfindet, muss verzweifelt sein.

Glücklicherweise hat Plan A geklappt, ich habe studiert, auch ohne Motivationsschreiben oder ähnliches, und war ganz glücklich. Bis auf einmal das sechste Semester da war, die Bachelorarbeit mir auflauerte und ich auf einmal doch Bewerbungen schreiben musste. Denn weiter studieren kam für mich nicht in Frage.

Also habe ich gegoogelt, geschaut, was man von mir erwartet. Was war es? Kreativität und Authentizität. Super toll. Mach das mal bei einer Bewerbung. Ich hab alte Bewerbungen raus gekramt, umformuliert, ausgefeilt, ergänzt. Meine Freunde konnten mir dabei nicht wirklich helfen, denn entweder wollen sie sich selbstständig machen oder sie studieren noch weiter. Ich war auf mich alleine gestellt. Nach wochenlangem Versinken in Bewerbungen, Stellenausschreibungen und viel, viel vor dem Laptop sitzen, hatte ich alles fertig. 37 Seiten. Und es war alles andere als ein Tipp, tipp, hurra! Eher ein Tipp, tipp, uah! Noch nervenaufreibender als das Schreiben der Bewerbungen war lediglich das Absenden, denn ab da gab es kein Zurück mehr. Den Senden-Button klicken war jedes Mal ein kleiner Herzinfarkt.

Drei Wochen passierte nichts. Jedes Mal, wenn mein Handy vibrierte, zuckte ich zusammen und hatte erneut beinahe einen Nervenkollaps. Erst einmal zurecht, wie sich herausstellte, denn die ersten Antworten waren Absagen. Reihenweise. Das wurde mir zwar vorausgesagt, aber schwarz auf weiß ist das ganz schön deprimierend. Ich suchte neue Stellen raus, optimierte die Bewerbung. Es machte sogar wirklich klick, die Bewerbung war am Ende stimmiger, kreativer, passender. Und es funktionierte: Auf meine neu verfasste Bewerbung kam keine Absage mehr. Ich wurde zu Bewerbungsgesprächen eingeladen. Plötzlich lief es.

Im Nachhinein bin ich erleichtert, erst einmal mindestens zwei Jahre keine Bewerbung mehr schreiben zu müssen. Sowas macht echt keinen Spaß, es ist frustrierend und frisst Zeit. Aber ich hab immerhin gelernt, wie es funktioniert, wie man den Ton trifft und warum es sich auch lohnt, wenn man sie für den richtigen Job schreibt.

Hier noch ein paar Tipps: 


  • Erwähnt im Betreff, woher ihr von der Stelle wisst
  • Schreibt auf keinen Fall euren Lebenslauf im Motivationsschreiben runter! Besser erwähnen, woher eure Leidenschaft für den Job kommt und warum die Stelle zu euch passt
  • Macht ein Deckblatt, auf dem euer Foto ist, das wirkt professioneller
  • Gliedert und formatiert euren Lebenslauf ordentlich
  • Am besten im Anschreiben einen Ansprechpartner erwähnen. Sehr geehrte/r kommt nie gut an, das wirkt, als hätte man sich nicht informiert
  • Seid authentisch - hochstapeln hilft euch am Ende nicht, sondern sorgt nur dafür, dass ihr euch früher oder später selbst bloß stellt
  • Stapelt aber auch nicht tief, sondern stellt selbstbewusst dar, was ihr könnt
  • Erwähnt Praktika oder Jobs besser nur, wenn davon eine Bestätigung vorliegt
  • Traut euch auch, Hobbys und Interessen reinzuschreiben, oft lässt sich zum gewollten Job eine Verbindung herstellen
  • Auf keinen Fall eine Vorlage nehmen, das fällt auf. Lieber selbst Zeit investieren und etwas Ordentliches abgeben


Dienstag, 13. September 2016

Mein Plädoyer... ans Alleine sein!

Mittwochnachmittag, kurz vor vier. Alle stehen kurz vor ihrem Feierabend, es wird über das nach-der-Arbeit gesprochen. Meine Kollegin, nennen wir sie mal Mimi, trifft sich noch mit anderen Kollegen, geht zum Weinstand und dann mal schauen, was passiert. Was tue ich? Stehe blinzelnd daneben und kann mich absolut nicht in ihre Lage - also in ihre Unternehmungslust - hineinversetzen. Stattdessen freue ich mich, selig nach Hause zu fahren - alleine - mir Zuhause einen Tee zu machen - alleine - und meine Lieblingsserie weiter zu sehen. Wie? Natürlich alleine. Das ist nicht jeden Tag so. Meistens verbringe ich den Abend mit meinem Freund, manchmal mit Freunden. Aber es gibt sie eben: Die Momente, in denen ich keine Gesellschaft will, weil ich mir selbst als Gesellschaft genüge. 

Noch gravierender ist das bei Festivals oder Gruppenurlauben. Eine Weile lang mit Leuten, die ich mag, abzuhängen, ist super! Aber spätestens am zweiten Tag brauch ich Zeit für mich. Um etwas zu machen, auf das ich Lust habe. Kein Kompromiss, keine Abwechslung. Da reicht mir auch schon, eine halbe Stunde durchzuatmen beim Spazieren oder ein Buch zu schmökern. Hauptsache, ich kann mich dafür entscheiden und habe eine Zeit lang meine Ruhe. 

Andreas Dengs, www.photofreaks.ws  / pixelio.de
Erstaunlich finde ich immer wieder, wenn Menschen das nicht verstehen. Es gab Abende, an denen ich fest mit Freunden verabredet war, an denen ich aber gemerkt habe, dass es heute einfach nicht geht. Zu viel Stress gehabt, jeden Tag irgendwo herumgewuselt, immer was zu tun. Da zieht meine Psyche irgendwann die Reißleine und verlangt Ruhe. Doch deshalb hatte ich auch schon Ärger, weil es tatsächlich Menschen zu geben scheint, die das nicht brauchen. Die sagen: Warum alleine sein, wenn ich Zeit mit Leuten verbringen kann, die ich mag? Klar, schöne Vorstellung, aber manchmal sind mir selbst die tollsten Menschen auf der Welt zu viel. Sogar mein Freund. Da bräuchte ich eine Isolierkammer mit schönem Licht, meinen Laptop/ein Buch/einen Fernseher und bin total glücklich! 

Umso ärgerlicher finde ich, dass alleine sein von der Gesellschaft nur semi-akzeptiert wird. Man wird dazu gedrängt, möglichst schnell einen möglichst festen Partner zu finden, denn wenn man mit Mitte 30 noch Single, also alleine ist, ist man komisch. Und das ist nur die globale Sicht. Schaut man genauer hin, fängt es ja schon beim Restaurantbesuch an. Wer alleine sitzt, wird neugierig angeschaut. Kaum jemand findet das normal. Noch absurder wird es, wenn man in eine Bar geht und einen Cocktail alleine bestellt. Man wird regelrecht abgewertet, wirkt verzweifelt. Und wer denkt, ich rede hier ganz schön selbstgerecht daher, den kann ich beruhigen. Ich denke oft auch so. 

Deshalb habe ich jetzt auch mal einen Selbstest gewagt. Ich war alleine im Kino. Etwas, das ich immer tun wollte, mich aber nie getraut habe. Denn auch alleine ins Kino gehen ist komisch. Aber ich wollte den Film diesmal gerne sehen, mein Freund nicht, also bin ich nach der Arbeit ins Kino. Zum einen war es ungewohnt, am späteten Nachmittag ins menschenleere Kino zu kommen. Zum anderen wird man immer wieder mit Reaktionen konfrontiert, die einen unsicher machen. Beispielsweise als der Kartenverkäufer mich fragt: "Sind Sie alleine hier?" Und ich kam mir alleine auch echt gierig vor, als ich mir ein kleines Popcorn und ein Eis geholt hab. Oder als ich vor lauter Popcorn und Eis die Kinokarte kaum aus der Handtasche bekommen hätte. Oder als ich im Saal vor einer Gruppe von Leuten Platz nahm, bei der ich schwören könnte, dass sie sich über mich unterhalten haben. Oder - die krasseste Situation - als im Kino der Strom ausfiel, wir im Dunkeln saßen und ich mit keinem darüber reden geschweige denn kuscheln konnte. Aber nichtsdestotrotz war es auch ziemlich cool! Ich habe den Film gesehen, den ich gern sehen wollte, ohne Absprachen oder Kompromisse, ich hatte Zeit für mich, konnte abschalten, musste nicht reden, wenn ich nicht wollte und hab mich insgesamt verdammt frei und selbstbestimmt gefühlt. 

Trotzdem würde ich es vermutlich nicht mehr machen, denn mit Freunden oder meinem Freund macht Kino mehr Spaß. Alleine die Diskussion nach dem Film fehlte mir ganz schön. Und ob ich als nächstes alleine essen gehe oder sogar in eine Bar, sei auch mal dahin gestellt. Aber das mit dem alleine sein möchte ich beibehalten. Sei es, dass ich mich in unserer Wohnung verschanze, wenn mein Freund auf ein Bier mit Kollegen ist oder dass ich vielleicht sogar mal einen Wochenendtrip ganz alleine mache. Denn die Qualitytime mit sich selbst ist eben auch super wichtig.

Montag, 5. September 2016

Seriencheck: Brooklyn Nine-Nine

Mit wem ich mich schon mal über Serien unterhalten habe, der weiß, dass ich ein absoluter Fan von Parks & Recreations bin. Übersetzt heißt das Grünflächenamt. Klingt langweilig, ich weiß. Aber das Gegenteil davon ist der Fall. Ich mag den teilweise subtilen, teilweise aber auch sehr derben Humor der US-Mockumentary mit der fabelhaften Comedienne Amy Poehler. Nun gibt es aber ein Problem: Seit Staffel 5 herrscht ein Stillstand, Staffel 6 wurde in Deutschland nicht veröffentlicht.

Günter Havlena  / pixelio.de
Also musste etwas Neues her. Und das war Brooklyn Nine-Nine, geschrieben vom selben Drehbuchautor wie P&R, Michael Schur. Anfangs war ich skeptisch, weil alles ein wenig übertrieben wirkte. Aber - die Serie ist genial. Es geht um das 99. New Yorker Polizeirevier, wo der überengagierte Jake Peralta, die strebsame Amy Santiago, die knurrige Rosa Diaz, der naive Charles Boyle, der ängstliche Officer Terry Jeffords und der kühle Captain Ray Holt arbeiten. Weil Schur einfach ein Gespür für
Charaktere hat, ist jeder einzelne von ihnen toll und authentisch, wenn auch sehr extrovertiert geschrieben. Nichtsdestotrotz können die Schauspieler genau das grandios umsetzen. Die Mischung aus Hau drauf und genau hinhören ist nicht nur lustig, sondern auch abwechslungsreich.

Mein Tipp für die nächsten Abende: Brooklyn Nine-Nine.
Momentan zu sehen auf Netflix, 2 Staffeln. 

Die Sache mit den... Comebacks!

Manchmal, wenn ich in meinem Teeniekram herumstöbere, stoße ich auf alte CDs. Die CDs, die ich in meiner Kindheit und Jugend hoch und runter gehört habe. Da ist Britney Spears, die Backstreet Boys, der deutsche Sänger Ben, Christina Aguilera, Blur und TLC. Bei den meisten schmeiße ich die CD auch gerne wieder in den Player und singe laut und wild "Oops, I did it again" mit. Aber ich stelle auch jedes Mal mit Entsetzen fest, dass die Musiker inzwischen im Nirgendwo verschwunden sind, noch immer denselben Kram vor sich hinplätschern - oder sich zum dritten Mal an einem Comeback versuchen. Dabei sind die Sänger und Sängerinnen teilweise wirklich nicht mehr die Jüngsten.

Bei Miss Spears (wie oft war sie schon eine Mrs.?) läuft mir sogar immer ein eiskalter Schauer über den Rücken. Nicht nur, dass wir ihre ganze versexte Jugend auf der Bühne miterleben durften, wir mussten auch ihren Fall sehen. Eine Glatze, etliche Ausraster und ein kaputtes Leben. Der erste Comeback-Versuch? Ein völlig wirrer Auftritt bei den MTV Video Music Awards 2007, bei dem die damals noch Mittzwanzigerin über die Bühne stolperte, als hätte sie die Orientierung verloren mit einer Frisur, die einen die Glatze zurückwünschen ließ. Völlig daneben. Dieses Jahr hat sie es bei den VMAs wieder probiert. Kein bisschen kaputt. Aber nicht gerade zeitgemäß. Zu ihrer Ballade "You Make Me" rutschte sie in einem engen, gelben und vor allem nackten Suit über die Bühne, grabschte sich an ihren Gesangspartner und zeigte nicht nur, dass sie kein Gefühl für ihre Songs und das Showbusiness hat, sondern auch, dass sie altmodisch geworden ist. Ein unnötiges Comeback.

Ganz anders machten es die Backstreet Boys oder auch Take That. Man trennte sich am Ende der Jugend, hatte Zeit, erwachsen zu werden und kam dann als gestandene Männertruppe - und eben nicht mehr als Boyband - zurück. Während manche Frauen die Wandlung hin zu reif und sexy betrauerten, fanden die Männer eine ganz andere Zielgruppe: Die der Musikliebhaber. Denn im Vergleich zum lustig lockeren "Everybody" wirkte der Comebacksong der Backstreet Jungens "Incomplete" auf einmal ernst und bedacht. Ähnlich ist das bei Take That. Die Songs sind zwar immer noch Pop, aber vom feinsten. Wobei er im Prinzip die Sparte der Frauen bedient, die er früher auch bedient hat. Nur dass die Frauen inzwischen, wie die Band, 20 Jahre älter sind.

Optisch und akustisch grausam war das Comeback von Wolle Petry. Der Mann, der sein Karriereende groß verkündete, auf Abschiedstournee ging, nur um ein Jahr später mit seinem Comebackalbum in den Läden vertreten zu sein. Wenn ein Karriereende nur als Marketingstrategie dient, sollte der/die Musiker/in wirklich mal über sein Verhältnis zum Beruf nachdenken. Oder über seinen Umgang mit Geld.

Ein Comeback, das sich wirklich als Paradebeispiel feiern lässt, sind die Beginner, früher mal die Absoluten Beginner. Vor 25 Jahren gegründet, mit 14 popeligen Jahren, sind die Kerle inzwischen 40, krasser Oldschool-Hip-Hop geht nicht mehr ganz so leicht von den Lippen wie mit Anfang 20. Was haben die Jungs gemacht? Was ganz Neues probiert. Eine Mischung aus Lässigkeit, Reife, guter Laune und "fetten Lines", wie sie sagen. Klingt tatsächlich frisch, aber eben auch völlig anders als früher. Und funktioniert wahnsinnig gut. Hier würde ich sagen: Comeback gelungen. Sollen sich die anderen Musikfuzzies mal ein Stück von abschneiden. So.

Sonntag, 4. September 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche ans... Fliegen!

Grundsätzlich reise ich unheimlich gerne. Ich mag es, mir Gegenden anzusehen, die ich bis dato noch nicht kannte. In andere Kulturen einzutauchen, fremde Mahlzeiten zu essen, andere Sprachen zu lernen - also einfach woanders zu sein. Das Problem dabei: Wenn ich mich nicht gerade mit Blattdeutsch und der etwas exotischen ostfriesischen oder bayrischen Kultur zufrieden geben will, dann muss ich Fliegen. Und ich hasse Fliegen.

Die Ursache brauche ich auch nicht lange suchen: Meine Eltern sind mit mir als Kind nie geflogen. Urlaube fanden eigentlich immer in unterschiedlichen Teilen Deutschlands statt, dabei überwiegend die Berge und selten das Meer. Das abgefahrenste war ein Urlaub in Südtirol, verbunden mit zehn Stunden Autofahrt. Ihre Flugaversion kommt auch nicht von ungefähr - mein Vater hat Flugangst. Und meine Mutter hat das hingenommen.

Wenn ich also mal raus aus Deutschland will, muss ich ins Flugzeug steigen. Oder eine sehr, sehr lange Auto- bzw. Busreise auf mich nehmen. Nur spricht das für mich gegen Entspannung: Ich muss erstmal etliche Stunden fahren, um anzukommen, habe also danach nur noch mehr Erholung nötig. Wenn ich abreise, geht die Entspannung auch sofort flöten, denn ich muss die Strecke wieder zurück fahren. Inklusive Stau, Konzentration und Monotonie. Nein, danke.

Sandro Almir Immanuel  / pixelio.de
Deshalb kam es für mich auch nicht in Frage, meinen ersten Auslandstrip nach London mit Auto oder Bus zu machen. Gerade für ein Wochenende lohnt es sich erst recht nicht. Außerdem war ich mit Freunden dort, die kein Problem mit Fliegen hatten - da wollte ich nicht als das Weichei dastehen. Und günstiger war der Flug auch. Also haben meine Eltern meinen Freund und mich morgens um vier Uhr an den Flughafen gebracht, wo wir gefrühstückt haben. Er zumindest. Denn ich habe nicht viel runter bekommen. Der Check-in hingegen machte mich weniger nervös, schließlich hatte ich da noch meine Füße auf festem Boden. Und je länger es dort dauerte, desto später flogen wir los. Es dauerte aber nicht lange. Alles lief pünktlich.

Wir wählten unsere Plätze, wobei ich darauf bestand, zwei Menschen neben mir zu haben, die Händchen halten konnten, vor allem für Start und Landung. Denn, das habe ich oft genug gehört, dabei passieren die meisten Unglücke. Als das Flugzeug auf die Startbahn fuhr, hatte ich schon einen ähnlichen Puls wie ein Sprinter. Nur ungesund höher. Der Gedanke: Jetzt gleich heben wir ab. Jetzt. Gleich. Oh, sofort, machte mich panisch. Ich zerquetschte die Hand meiner Mitflieger, war schweiß gebadet und die Hoffnung, wenn wir erstmal in der Luft sind, würde es besser werden, löste sich schnell auf. Auch oben über den Wolken war mir noch Bange. Deshalb durfte mein Freund am Fensterplatz auch die Jalousie nicht hoch ziehen, obwohl er fliegen, vor allem in den Sonnenaufgang, liebt. Ich bestand auch drauf, weiter die Hände zerquetschen zu dürfen. Die erste kleine Entspannungswelle kam erst, als der Pilot mit uns sprach und uns zum Flug begrüßte. Denn: Wenn der Mann lässig mit uns reden kann, ist kein Notfalls eingetreten. Alles läuft nach Plan.

Die nächste Panikattacke ließ aber nicht lange auf sich warten. Als das Flugzeug nach einer zwanzig Minuten stetig sank, dachte ich: Jetzt ist es vorbei. Wir werden sterben. Schließlich sollten wir ursprünglich erst nach fünfzig Minuten landen. Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, dass immer mehr Flugzeit eingeplant wird und wir mit Rückenwind einfach etwas schneller unterwegs waren. Puh, Gott sei Dank.

Kaum waren wir am Terminal angekommen, war ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Mein Freund deutete das natürlich falsch. Er grinste mich an und sagte überzeugt: "Na, siehst du? War doch halb so schlimm." Meine Laune kippte sofort. "Klar war das schlimm! Ich freu mich nur, dass ich noch lebe!"

Nach diesem Flug folgten noch weitere vier. Und es stimmt schon: Jedes Mal wurde ich entspannter. Ich freue mich in Flugzeugen zum Beispiel immer, wenn ich die Flugstrecke verfolgen kann. Das beruhigt mich (hat aber auch schon für Panik gesorgt, als wir eine Schleife fliegen mussten und auf einmal ganz woanders waren). Aus dem Fenster gucken kann ich inzwischen auch, ist ein ziemlich schöner Anblick, vor allem bei Sonnenaufgang und -untergang. Entspannt bin ich aber noch lange nicht. Ich muss zwar keine Hand mehr halten, aber man sieht mir die Erleichterung immer an, wenn sich der Pilot meldet. Lesen geht auch, aber verkrampft. Und bei Unwetter starten und Landen ist der Horror. Vor allem wenn der Pilot nichts sehen kann und nur nach Radar fliegt. Ich vertraue den Leuten zwar blind, aber das mulmige Gefühlt fliegt mit. Das Schönste ist aber immer noch, wenn das Flugzeug wirklich gelandet ist. Wenn ich wieder eine Kultur entdecken kann, auf die ich mich lange gefreut habe und erstmal eine Weile Urlaub machen kann. Der Gedanke an den Rückflug kommt noch früh genug...