Donnerstag, 25. August 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Mode!

Mode ist ein Begriff, der für vieles steht. So vieles, dass man es gar nicht alles aufzählen kann. Mode ist beispielsweise: komplex, ständig der Veränderung ausgesetzt, allgegenwärtig, alltäglich, abgefahren, Geschmackssache, oberflächlich und diskussionswürdig. Was man aus all dem aber ganz klar herauslesen kann: Mode ist wichtig. Ich werde euch erklären, als was man Mode wirklich versteht, wie sie funktionieren kann und was momentan Trend ist.

Was ist das? 
Das Wort Mode kommt aus dem französischen und steht für Maß. Sie bezeichnet Trends, die über einen bestimmten Zeitraum gelten. Dabei wird noch einmal unterschieden: Trends, die durch Geschmacksfragen entstehen, Trends, die der Sitte oder Moral entsprechen und den Aspekt, dass diese Trends sich ändern werden. Klassischerweise versteht man unter Mode das Erscheinungsbild, sei es Kleidung, Accessoires, Frisuren oder Make-up. Pro Jahr gibt es zwei Saisons, an denen sich die Mode orientiert. Da ist einmal die Frühjahr-/Sommerkollektion und die Herbst-/Winterkollektion. Die entsprechende Mode wird ein halbes Jahr vorher vorgestellt. Heißt, im Herbst sind die Modenschauen für die Frühjahr-/Sommerkollektion und im Frühjahr die Schauen für die Herbst-/Winterkollektion. Welche Trends sich entwickeln, entscheidet sich auf den Modenschauen der Designer. Je nachdem,
Christian Beuschel  / pixelio.de 
was sich insgesamt häuft, lassen sich erste Tendenzen entwickeln, was in der nächsten Saison kommt - und geht. Man merkt es aber auch im Alltag. Wenn man in den Supermarkt geht und drei Frauen etwas ähnliches tragen, weiß man: Das ist wohl gerade angesagt. Dabei ist die Kleidung, das Make-up und die Aufmachung der Models auf den Schauen immer sehr viel extremer, als sie im Alltag getragen werden kann. Manche Trends überdauern auch länger als eine Saison, das ist aber nicht häufig der Fall. Neben Saisonmode gibt es auch Kleidung, die zeitlos ist, wie ein schlichter Pullover oder - ganz klassisch - das kleine Schwarze. Der Vorteil davon: Man kann nicht ganz so auffällige Sachen super mit Accessoires aufwerten und völlig verändern, ohne dass es viel kostet. Aufheben lohnt sich auch, denn es ist tatsächlich so, dass die Mode wiederkommt. Wer hätte gedacht, dass die 90er inzwischen wieder cool sind - aber so ist es. Sieht man an Girly-Zöpfen oder an einem Choker (auf deutsch: Halsband). Zu guter letzt: Mode ist für jeden wichtig. Auch wenn Männer immer wieder sagen, das stimme gar nicht oder Frauen behaupten, sie kümmern sich nicht um Trends. Denn: Wir alle ziehen morgens etwas an. Im besten Falle etwas, worauf wir Lust haben und uns wohl fühlen. Und genau darum geht es in der Mode. Etwas tragen, worin man sich gut fühlt, das die eigene Persönlichkeit spiegelt und das an die Laune angepasst ist. Mode ist also doch was für jeden.

Wie funktioniert das? 
Da Mode ja auch Geschmacksfrage ist, hängt das immer von der Person ab, die sie trägt. Schließlich geht es (den meisten) nicht darum, jedem Laufstegtrend hinterher zu eifern, sondern diese Trends für sich zu nutzen. Modisch sein heißt also, eine Mischung aus dem zu sein, was gerade in ist und was man selbst ohnehin tragen würde. Es wäre schließlich komisch, gesamte Laufsteg-Looks zu übernehmen. Stattdessen sollte man besser zu einem Teil greifen (kann ja auch von der etwas späteren, billigeren Marke sein) und das mit den Sachen kombinieren, die man schon hat, das sieht authentischer aus. Manche bekommen es auch hin, ihre Kleidung so zu mixen, dass sie von sich aus modisch aussehen, ohne nach den neuesten Designerregeln zu spielen. Statt Saisonkäufe zu machen, empfiehlt es sich aber auch, in zeitlose Mode zu investieren. Also in Kleidung, die niemals out wird. Eine Lederjacke zum Beispiel. Oder ein paar schicke Stiefeletten. An denen hat man nämlich ewig.

Was ist gerade Trend? 
Grundsätzlich: Streifen: Die meist gesehene Kombination diesen Sommer war weiß mit blauen Streifen. Vermutlich wird das auch im Winter wieder gut gehen. Ähnlich ist das mit Samt. Gerade im Winter, wenn es gern mal richtig kalt wird, passt Samt, vor allem auf Schuhen, ziemlich gut und sieht sogar noch edel aus. Auch der Ethnostyle wird sich halten, allerdings etwas rustikaler und weniger verspielt. Mit Boots und Lederjacke sieht das süße Maxikleid auch gleich cooler aus. Weiterhin cool sein werden auch die Printshirts, denn sie sind kombinierfreudig und je nach Botschaft auch nicht kindisch. Und ebenfalls noch recht frisch in der Mode sind Hemdkleider. Sie können super sportlich aussehen, aber auch businessmäßig.

Also dann: Kleidet euch gut! :-)

Mittwoch, 17. August 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Hochzeiten!

Viertel vor drei, irgendwo im Saarland. Vor einer katholischen Kirche haben sich etwa 100 Leute versammelt und warten auf das Brautpaar, das gerade getraut wurde und gleich in Empfang genommen werden will. Was alle gemeinsam haben? Sie sind elegant gekleidet. Was alle unterscheidet? Der Gesichtsausdruck. Denn jeder hat an einer solchen Hochzeit ja andere Erwartungen. 

hochzeitsfotograf  / pixelio.de

Ich war am Wochenende auf einer Hochzeit und ich habe einige spannende Dinge beobachtet. Zwar wird das jetzt ein wenig pauschalisiert, schon alleine um niemanden kenntlich zu machen, aber ein wahrer Kern ruht in jeder These. 

Wir sind also vor der Kirche. Alle starren aufs Portal, aber neben der Erwartung, gleich die Frischvermählten zu beglückwünschen schwingen oft noch andere Erwartungen mit.
Timo Klostermeier  / pixelio.de
Da sind einmal die Singles. Die Menschen, die entweder im klassisch amerikanischen Sinne eine/n +1 dabei haben und diejenigen, die tatsächlich solo auf die Hochzeit gegangen sind - und somit als Singles kenntlich werden. Bei den Begleiteten wird schnell ziemlich deutlich: Entweder kennen sie das Brautpaar und dessen Umfeld nicht gut, brauchen deshalb jemanden, der mitkommt, wollen aber unbedingt auf die Hochzeit gehen, weil sie Hochzeiten so toll finden - oder sie sind schlichtweg sicher, dass man über sie urteilen wird, wenn sie alleine erscheinen. Die völlige Unsicherheit also. Je nach Alter der begleiteten Singles steigt die Unsicherheit natürlich. Den entsprechenden Blick vor der Kirche kann man sich vorstellen: Schüchternes in die Gruppe linsen, um zu sehen, ob jemand merkt, dass man als Single hier ist. Einen Hauch Tragik bekommt die Situation der Begleiteten, wenn sie sich erhoffen, mit ihrer Begleitung, die bislang noch nicht fest ist, etwas Festes aufzubauen. Denn Hochzeiten sind nun mal wirklich keine gute Location für eine erste Verabredung.

Die Singles ohne Begleitung sind die ganz Coolen. Die glauben, alles meistern zu können. Meistens gehören sie zum unmittelbaren Freundeskreis des Paares, denn dort finden sich ähnlich häufig wie Kinder auch Unverpartnerte. Vordergründig freuen sie sich sehr für das Brautpaar, aber nicht alle tun das auch innerlich. Klar, es gibt diejenigen, die das Single-Leben toll finden und deshalb aufrichtig über die Trauung schwärmen, sich selbst aber nicht vorstellen können, selbst mal zu heiraten. Der Blick: Freudig, aber etwas distanziert. Genauso gut kann es sein, dass der Cliquensingle liebend gerne heiraten möchte, es bislang aber keinen richtigen Partner gab. Deshalb erwischen sie sich auch mal mit etwas missgünstigen Gedanken, obwohl sie ihre Freunde lieben. Die Mimik dieser Menschen versucht sich aufrichtig an Freude, aber ein bisschen Traurigkeit blitzt trotzdem durch. 

Eine Stunde später. Sektempfang. Die Gäste verteilen sich in der Partylocation. Wieder kann ich ein paar spannende Dinge erleben. 

Jörg Brinckheger  / pixelio.de
Da sind die Pärchen. Teilweise stehen sie in Grüppchen, teilweise haben sie sich etwas zurückgezogen. In den Grüppchen erwischt man Leute, während sie sich gegenseitig vorschlagen, als Nächstes zu heiraten. Dann lachen alle, aber mit einem Fünkchen Angst in den Augen. Das spitzt sich beim Brautstrauß fangen noch zu. Andere wiederum sagen sich, wie schön das alles ist, aber: Wir lassen uns mal noch Zeit. Oder lassen das ganz. Ist nichts für uns. Sie sind eher entspannt. Je nach Länge der Beziehung haben Hochzeiten auch etwas Drängendes. Es ist schließlich deprimierend, wenn das Brautpaar nach einem Jahr vor den Traualtar schreitet, man selbst aber nach sechs Jahren noch immer keinen Antrag bekommen hat, obwohl man gerne möchte. So etwas artet gerne ins vorwurfsvolle bis hin zu Streit auf der Party aus. 

Wenige Pärchen sind auf Hochzeiten längst einen Schritt weiter und schon verlobt. Da das in den meisten Fällen freiwillig war, findet man hier die Adleraugen. Was wollen wir selbst für unsere Hochzeit? Was ist ganz furchtbar? Schau mal da, ein Kind bringt die Ringe, das ist toll! Die Dekoration hier gefällt mir nicht so. Aber dafür ist das Gastgeschenk süß! So oder so ähnlich könnte ein Dialog zwischen zwei Verlobten aussehen. Sie wollen sich inspirieren lassen, Ideen finden und auch im Vergleich zur eigenen Hochzeit etwas lästern. 

Ganz anders ist das bei Verheirateten. Wenn die Hochzeit noch nicht lange zurückliegt, wird in Erinnerungen geschwelgt und fürs Heiraten geschwärmt. Bei der älteren Generation wird das frisch vermählte Paar freudig in den Kreis der Verheirateten aufgenommen. Endlich wieder zwei mehr, die sich getraut haben. Der Kreis der Eheleute wächst. Dumm nur, wenn man selbst nicht glücklich verheiratet ist, eine Scheidung aber aus bestimmten Gründen nicht in Frage kommt. Dann würde man sicherlich am liebsten den gleichgeschlechtlich Heiratenden herauszuziehen, um zu fragen: Wolltest du das wirklich? Bist du übergeschnappt? Ach Kind, jetzt ist eh zu spät. 

Einige Stunden später. Musik läuft, es wird richtig gefeiert. Die Leute rocken das Haus. Eltern mit Kind haben mit knirschenden Zähnen schon den Heimweg angetreten. Aber es gibt weitere Parteien, die nicht glücklich sind. Da wären einmal die Geschiedenen und die Witwer. Beide finden sich entweder an einem ruhigen Plätzchen oder an der Bar. Die Geschiedenen haben die Ehe für sich verteufelt, allein schon wegen der Scheidungskosten, und sind nur da, weil sie das frisch getraute Paar lieben. Aber so richtig feiern wollen sie eine neue Ehe nicht. Witwer haben ihr Glück unfreiwillig verloren. Die neue Ehe erinnert sie nur daran. Auch ihnen ist weniger nach feiern, sondern eher nach trauern. Werden sie zum Tanzen aufgefordert, lehnen sie traurig lächelnd ab. 


hochzeitsfotograf  / pixelio.de
Zu guter letzt gibt es noch ein paar Sonderparteien: Die Eltern des Paares, die Geschwister, die Trauzeugen und die Ex-Partner. Die Eltern sind natürlich stolz. Endlich ist das Kind unter der Haube. Meistens freuen sich, dass es auch noch ein anständiger Partner ist und nicht der Lappen, den das Kind in der zehnten Klasse eine Weile mit nach Hause gebracht hat. Wenn es gut läuft, mischen sie sich unters Volk, trinken mit und halten eine wahnsinnig rührende Rede. Ähnlich ist das mit den Geschwistern. Da freut man sich. Endlich ein neues, tolles Familienmitglied. Und Bruder oder Schwester glücklich zu sehen, ist auch etwas Tolles. Die Trauzeugen sind mindestens genauso glücklich, aber auch froh, wenn die Hochzeit rum ist. Sie haben viel mitzuorganisieren und bekommen erst Ruhe, wenn der offizielle Teil man vorbei ist. Meistens wirken sie hektisch und ziemlich gestresst. Oder erleichtert und betrunken. Zu guter letzt ist da noch der/die Ex. Falls man sie auf die Party eingeladen hat. Wenn ja, stehen die Chancen gut, dass man sich noch mag und man dem anderen sein Glück gönnt. Außer natürlich, es sind noch Gefühle im Spiel und man riskiert, dass der/die Ex die gesamte Hochzeit crasht und mit einem durchbrennen will. Hier ist auf jeden Fall großes Gefahrenpotential. 

Wozu ich mich zähle? Eindeutig zu den verpartnerten, die noch ein wenig warten wollen. Bin ja noch jung. Außerdem ist es manchmal viel spannender, eine Hochzeitsgesellschaft zu beobachten statt seine eigene Partnerschaft zu feiern...

Montag, 8. August 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... die Nature One!

Oder: Eine lange Odyssee zur besten Party meines Lebens!

(Achtung: Dieser Artikel könnte nörgelig wirken, hat aber ein Happy End)

Der Open-Air-Floor
Grundsätzlich hasse ich Festivals. Und das hat viele Gründe und eine lange Vorgeschichte.
Angefangen hat alles mit den klassischen Rock-Festivals, auf die ich mit meinen meist männlichen Kumpels gegangen bin. Das Problem dabei war und ist: Die Bands, die die Jungs hören, höre ich nicht und umgekehrt. Heißt: Bei meinen Lieblingsbands hatten sie keinen Spaß und ich nicht bei ihren. Außerdem hatte die Gruppe es immer an sich, ein Pavillon mit auf den Zeltplatz zu bringen und dort die meiste Zeit Bier trinkend zu verbringen. Womit man natürlich einen Teil der Musik verpasst und dauerbetrunken ist. Und um mal einen weiteren, nicht unwesentlichen Punkt anzusprechen: Wer zeltet, muss schleppen. Das heißt: Wir parken das Auto an Punkt A, nehmen in die Arme, was wir tragen können und laufen erstmal drei Kilometer. Eine Strecke. Und das mehrmals. Denn um ausreichend mit Bier versorgt zu sein, hatten wir mindestens drei Kästen Bier dabei. Eher mehr. Trag die mal...

Das House of House während FEDER
Was noch dazu kommt: Zelten. Sagen wir es mal so: Ich habe ein ähnliches Verhältnis zu Zelten wie Katzen zu Wasser. Man stößt einander ab. Auch das hat plausible Gründe. Die Zeltwände sind so dünn, dass man die Menschen im Nachbarzelt lachen, rülpsen und pupsen hören kann. Ohne dass sie das laut tun. Ganz nebenbei ist auf dem Zeltplatz ohnehin immer Party, sodass es frühestens um 5 Uhr Morgens langsam ruhiger wird. Regnet es, wird es im Zelt schnell nass, ist es trocken, ist der Boden steinhart. Nachts wird es, selbst im Hochsommer, eiskalt, sodass man entweder auf der bequemeren Luftmatratze friert, weil Kälte rein zieht, oder mit Rückenschmerzen aufwacht, weil die Isomatte so hart war. Morgens wird man erschlagen. Einmal von der Hitze, die mit der Sonne auf das Zelt knallt und vom dem Geruch, den man selbst mit Zeltpartner absondert. Das einzige, was da hilft (und das verabscheue ich ähnlich wie Zelten) ist Konterbier. Sonst erträgt man sich selbst nicht.
Ihr könnt euch also vorstellen, wie garstig ich nach einer Weile Festival bin. Selbst mein bester Freund hatte nach einem Tag Probleme, mich ohne Zynismus zu ertragen.

Nun habe ich mich selbst gefragt, was mich geritten hat, die Nature One, Deutschlands größtes Electro-Festival, zu besuchen. Zum einen war es das Versprechen, das ich einem Freund schon vor drei Jahren gegeben habe, denn eigentlich mag ich Electro zum Feiern ganz gerne und er war oft genug alleine auf dem Festival. Andererseits war es auch der Nervenkitzel, mal eine solche Größenordnung zu sehen. Was ich bisher kannte, war eher überschaubarer (und trotzdem Stress genug).

Die DJ-Bühne des Open-Air-Floors
Also: Tagesticket gekauft (bloß kein Zelten!), am Freitag in ein Outdoor-Festival-Outfit inklusive kaputter Chucks geschmissen, in den Zug gesetzt und nach Kastellaun aufgebrochen. Die Stimmung war gut, bei meinem Freund, nennen wir ihn mal Sven, und meiner Freundin, nennen wir sie mal Lena, die auch mitgekommen ist, eher euphorisch, bei mir verhalten optimistisch. In Koblenz, wo man in einen Shuttlebus umsteigt, wurde es nicht besser, denn dort wurde uns erst einmal gesagt: Shuttle ist ausverkauft, nehmt ein Taxi. Glücklicherweise war das nicht so. Der Bus hatte noch genug Platz, während der Fahrt (mit einem überaus charmanten Busfahrer) lief laut Techno, zur Einstimmung. Skurril, aber lustig.

Ein Blick aus der Open-Air-Pyramide in den Himmel
Nach insgesamt einer Stunde Zug- und einer weiteren Stunde Busfahrt in den Sonnenuntergang kamen wir an. Und stellten fest: Es hat geregnet. Alles Matsch. Übel, vor allem weil sich das Gelände auf einer alten Raketenbasis befindet, die nicht sonderlich gepflegt wird. Kurzum: Die Schuhe waren ziemlich schnell braun. Da das gesamte Gelände sehr hügelig ist, war mein größter Horror, innerhalb der ersten Stunde auszurutschen und komplett im Dreck zu landen, aber da hatte ich Glück. So ziemlich die ganze Nacht lang.

Der Fußweg vom Bus zum Festival dauerte nochmal fast eine Stunde, man umläuft praktisch das gesamte Gelände, nur um vor dem Eingang warten zu müssen, weil alle rein wollten. Spätestens da war mir richtig mulmig. Knapp 60.000 Menschen auf einem Fleck, teilweise besoffen, teilweise drängelnd. Im Hintergrund ein leiser, wummernder Beat und unmittelbar vor uns Flutscheinwerfer. Sehr atmosphärisch... Hust.

Der Tunnel
Wir standen nicht lange an, organisatorisch war alles top, es ging sehr schnell. Um 23 Uhr waren wir auf dem Gelände. Und langsam ging mein mulmiges Gefühl weg. Zuerst war es noch seltsam, unter der Lichtpyramide des Open Air Floors zu tanzen, ich war definitiv nicht warm. Im Tunnel, einem der knapp 25 kleinen Clubs auf dem Gelände, wurde es sogar noch seltsamer, weil man tatsächlich in einem Bunkerdurchgang ist. Die Musik war so laut, dass nicht nur das Herz im Takt geschlagen hat (und es war Hardcore-Techno, also sehr, sehr schnell!), sondern auch die Moleküle um einen herum vibriert haben. Da hat der Spruch Tanz der Moleküle auf einmal reelle Bedeutung.

Der Century Circus mit Chris Liebling





Bei unserem ersten längeren Stop, im House of House, war es spätestens um mich geschehen. Der DJ, HUGEL, den ich vom Hörensagen sogar kannte, legte melodisch auf, sodass ich mich, obwohl ich an dem gesamten Abend erst ein Bier getrunken hatte - wobei es auch bleiben würde - völlig in der Musik verlieren konnte. Je später es wurde, desto mehr nahm einen die Musik mit. Man tanzte sich in die Menge, in die Ekstase. Völlig ohne Drogen, nur man selbst mit seinen Freunde. Das hab ich, wenn ich ehrlich bin, so noch nie erlebt. Was der Höhepunkt der Nacht war, kann ich gar nicht genau sagen. Alles toll. Sander van Doorn auf dem Open-Air-Floor oder später Moguai, nochmal dort? Der französische DJ FEDER im House of House? Die halbe Stunde auf klassischen Trance abgehen? Oder doch der Techno-DJ Chris Liebing im Century Circus? Keine Ahnung. Ich war mitgerissen. Trotz Fußschmerzen vom Tanzen und leichter Rückenschmerzen vom Dauerstehen.

Um 5 Uhr ging es nach Hause, wir waren alle ziemlich fertig, aber glücklich getanzt. Ich habe auch vorher noch nie eine Nacht komplett durchgegroovt. Ansonsten war das eher mit Small-Talk-Pausen verbunden - und oft mit Alkohol. Diesmal nicht und das war unfassbar gut so.

Drei Stunden später fielen wir in unsere Betten, nachdem wir im Zug gefrühstückt haben.
Mein Fazit? Obwohl Freitag keine weltbekannten DJs da waren, war für jeden etwas dabei.
Es war fantastisch, und ich muss dem Motto der Nature Recht geben:
Life is too short for boring parties. 
Gerne wieder :-)

Donnerstag, 4. August 2016

Das erste Mal im Leben...

Beim ersten Mal denken alle: an Sex. Aber wir vergessen alle oft, dass es so viele erste Male im Leben gibt, die viel wichtiger sind! Ich hab euch mal ein paar Dinge zusammengefasst, auf die ich selbst nicht verzichten möchte.

Das erste Mal Nein sagen. 
Das erste Mal Bauchweh.
Das erste Mal den ersten Frühlingstag spüren. 
Das erste Mal tanzen gehen.
Das erste Mal die Nacht durchmachen. 
Der erste Kuss. 
Die erste ehrliche Umarmung von Freunden. 
Der erste Liebeskummer. 
Das erste Mal richtig verliebt sein. 
Das erste Mal trauern. 
Das erste Mal vor Lachen weinen. 
Das erste Mal vor Wut platzen. 
Das erste Mal schreien. 
Das erste Mal beschwipst sein. 
Das erste Mal erwischt werden. 
Das erste Mal Auto fahren. 
Das erste Mal Todesangst haben.
Das erste Mal richtig krank sein. 
Die erste Prüfung. 
Die erste Schimpfe. 
Die erste Absage. 
Das erste Mal anstrengen müssen.
Das erste Mal enttäuscht werden.
Das erste Mal Schmerz spüren. 
Das erste Mal vor einer Menschenmenge stehen. 
Das erste Mal einsam sein. 
Das erste Mal frieren. 
Das erste Mal schwitzen. 
Das erste Mal ekstatisch feiern. 
Das erste Mal im Flow versinken. 
Das erste Mal Geld ausgeben. 
Das erste Mal eine Ausgabe bereuen. 
Das erste Mal blank sein. 
Das erste Mal Widerstand leisten. 
Das erste Mal unwohl fühlen. 
Der erste Umzug. 
Der erste Job. 
Das erste Gehalt auf dem Konto. 
Das erste Auto. 
Die erste Autofahrt.
Den ersten Schaden am Auto.
Die erste Zugfahrt. 
Der erste Flug. 
Die ersten Turbulenzen. 
Die erste Schifffahrt (ich mag das Wort).
Das erste Mal Schwimmen. 
Das erste Mal die Kontrolle verlieren. 
Der erste Schultag. 
Der erste Tag nach dem Abschluss. 
Die erste Bewerbung. 
Die erste Zigarette. 
Der erste Schluck Alkohol. 
Der erste Absturz (nicht mit dem Flieger!). 
Das erste Mal Langeweile. 
Das erste Buch. 
Der erste Film. 
Das erste PC-Spiel. 
Die erste CD. 
Die erste Internetseite. 
Das erste Festival. 
Die erste Deadline. 
Der erste Streit.
Die erste Versöhnung.
Der erste Urlaub. 
Die erste Nacht nicht Zuhause. 
Die erste Nacht im Zelt.
Das erste Mal im Morgengrauen nach Hause kommen. 
Der erste Korb.
Der erste Leichtsinn. 
Der erste Schwarm. 
Das erste Mal Beziehungsalltag. 
Das erste mal richtig Single. 
Das erste Handy. 
Das erste Mal alleine sein.
Das erste Smartphone.
Der erste Computer/Laptop.
Das erste Mal blamiert werden.
Das erste Mal blamiert sein. 
Der erste Brief. 
Die ersten Selbstzweifel. 
Das erste Geschenk an sich selbst.

Das erste Mal man selbst sein. 

Manche der Erfahrungen waren echt bitter, andere schön, aber alle wichtig. Denn nur durch diese ersten Mal merkt man eben, wer man ist, wo man steht und wie man Dinge sieht. Genießt eure ersten Male, nicht nur im Bett ;-) 

Mein Plädoyer... für mehr Nostalgie und weniger Kommerz!

Der Kinosommer 2016 ist geprägt von Erinnerungen. Oder Déjà-vus. Fast jeden Monat läuft ein Film an, bei dem man gedanklich ins Stolpern kommt. Ganz nach dem Motto: Der ist doch alt?! Oder: Kenn ich den nicht schon? Diese Gedanken sind gar nicht mal so ungewöhnlich, denn etliche Filme sind sogenannte Reboots, also Filme, die noch mal in neu erzählt werden. Oder Elemente ihrer Vorgänger aufgreifen, um etwas semi-neues daraus zu zaubern. Wozu das nötig ist? Vermutlich gar nicht, denn meistens waren die alten Filme gut. Sogar so gut, dass man sie eben neu erzählen möchte. Um der Nostalgie halber. Nur manchmal verschwimmt die Grenze zwischen "ach, wie schön, das kenn ich doch alles" und "für den Mist bin ich ins Kino gegangen!?"

Angefangen hat das Reboot-Jahr sogar schon im Dezember 2015 mit Star Wars - Das Erwachen der Macht. So mancher Kinohasser hatte sich sofort Tickets bestellt, denn die Produzenten versprachen, die letzten drei "neuen" Star-Wars-Filme aus den 90ern bis 2000ern nicht wirklich einzubeziehen (die meisten Fans fanden sie einfach nur schlecht). Also wurde an die Filme der 70er/80er angeknüpft, teilweise spielten sogar die früheren Schauspieler mit, beispielsweise Harrison Ford. Für die Fans war das ein wahres Fest der Nostalgie.

Aber sehen wir mal weiter. Ein weiteres klassisches Reboot: Batman vs. Superman im März. Die Geschichte wurde durch etliche Regisseure, unter anderem Tim Burton, bis in die 90er umgesetzt, bevor Christopher Nolan mit seiner Trilogie ein Meisterwerk vollbrachte. Aber nein, Zack Snyder machte wieder etwas Neues draus und so haben wir inzwischen den 11. Batman-Film.

Überspringen wir mal galant die Reboots Victor Frankenstein und X-Men und kommen zur nächsten boomenden Sparte: Kindheitshelden. Da wären dieses Jahr Alice im Wunderland 2: Hinter den Spiegeln, The Jungle Book und natürlich Legend of Tarzan. Alles düsterer als früher, realistischer, beeindruckender. Aber eben immer noch Alice, Mogli und Tarzan. Kennt man schon, sieht nur besser aus heute. Für Kinder und Disney-Fans sicherlich super - aber auch hier sehe ich nur Kommerz. Manches war früher einfach besser.

Die Actionsparte wartet auch noch mit einigen spannenden Reboots auf. Da wäre natürlich einmal Star Trek Beyond, der inzwischen dritte Teil der neuen Saga (die letzten Endes aber sehr der Serie aus den 60ern bis in 90er ähnelt). Neue Schauspieler, alte Charaktere - nix Neues. Macht aber wenigstens optisch etwas her. Independence Day mit Sicherheit auch. Das Original gehörte zu den ersten Alien-Filmen, brachte viele neue filmerische Elemente nach Hollywood und war somit spannend. Das Reboot? Geldmangel der Schauspieler. Oder hat man einen der Originalschauspieler (mal abgesehen von Will Smith natürlich) in anderen Filmen/Serien regelmäßig gesehen? Mmh.

Der Höhepunkt ist aber natürlich Ghostbusters, der heute in den Kinos angelaufen ist. Am meisten im Vorfeld verrissen, völlig anders aufgebaut als das Original und mit Cameo-Auftritten des Original-Casts. Und genau dieser Film gilt als gute Beispiel für gelungen Reboots. Was?!, mag der ein oder andere denken. Aber ich erklär auch gerne, warum. Die Handlung ist anders und neu. Die Schauspieler wurden nicht nur getauscht, sondern haben auch "das Geschlecht gewechselt", wodurch Vergleiche zwischen original und neu schwer werden. Die Stimmung ist eine ganz andere, viel humorvoller, aber trotzdem gibt es Auftritte der alten noch lebenden Schauspieler. Für Nostalgiker ist also genug dabei, für Neulinge auch. Und die Effekte sind wohl das Beste vom Besten.
Noch ein Grund dafür, dass es sich hier nicht nur um Kommerz handeln kann: Bei so viel Gegenwind, den der Film erhalten hat, hätte man auch einfach den Stecker ziehen können. Aber die vier Ladies und Regisseur Paul Feig haben es gnadenlos auf ihre Art und Weise durchgezogen. Chapeau darauf - und auf die nostalgischen Kinomomente!

PS: Es kommen dieses Jahr natürlich noch mehr Reboots ins Kino, wär ja sonst nicht das Reboot-Jahr. Hier eine Liste:

Teenage Mutant Ninja Turtles 2 (11. August)
Ben Hur (1, September)
Die glorreichen Sieben (22. September)
Blair Witch (6. Oktober)

Montag, 1. August 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Frollegen!

Ich erinner mich noch ziemlich genau. Es war letztes Jahr, das Bewerbungsgespräch für den jetzigen Job. Alles lief super, ich bekam die Zusage, mein zukünftiger Chef schüttelte mir die Hand und mir fiel siedend heiß diese Frage ein: "Gibt es auf der Arbeit einen Dresscode?" Er lachte kurz und meinte, nein, den gebe es nicht, ich könne kommen, wie ich mich normal auch anziehe.

Im Ersten Moment war das natürlich eine kleine gute Nachricht, im Vergleich zu der Zusage. Aber dieser positive Gedanke verflog spätestens am Morgen vor meinem ersten Tag. Denn es kamen Zweifel: Was, wenn es zwar keinen offiziellen Dresscode gibt, alle aber trotzdem total schick sind? Ich entschied mich wagemutig gegen dunkle Jeans und Bluse, sondern für eine helle Blue Jeans, ein Printshirt und Chucks. Im Nachhinein total verrückt, aber richtig. Es lief nämlich jeder so herum, wie er mochte. Einige schick mit Pumps und Blazer, andere im Longsleeve und Rock, eine in extravaganten Kleidchen. Ich passte rein.

Obwohl diese Kleiderordnung so nichtig und winzig erscheint, war sie im Nachhinein etwas Riesiges. Ich durfte so kommen, wie ich auch außerhalb der Arbeit war. Kein Verstellen, kein Verkleiden. Genau das geht über den Dresscode hinaus, ist sogar ein Grundsatz, der sich auf die ganze Firma bezieht. Sei, wie du bist.

Dazu zählt auch das Verhalten. Ich musste keine bestimmte Etikette wahren. Ich konnte mit den Kollegen belanglos quatschen, ich konnte meine Arbeitszeit nach belieben einteilen und mir jederzeit Kaffee holen. Mir wurde direkt das Du von meiner gesamten Belegschaft angeboten. Alles relativ locker eben. Damit sind auch die sozialen Beziehungen gemeint. In der Kaffeepause fängt man an, über Privates zu reden, man geht mal auf ein Feierabendbier. Schließlich lernen sie mich so kennen, wie ich bin - und umgekehrt. Die Distanz, die man in Anzug oder Kostüm künstlich wahrt, fällt weg.

Genau darin sieht Angelina Slavik, Autorin bei der Süddeutschen, ein Problem. Die Grenzen zwischen Privat und Beruflich verschwimmen zu sehr. Man trennt nicht mehr. Die Gründe, die sie dafür nennt: Man hat durch den Job zu wenig Zeit für die "echten Freunde", verwechselt Kollegenschaft mit Freundschaft. Und das Problem, das sie sieht: Man reibt sich zu wenig beruflich, begegnet sich mit so viel Nähe, dass die Produktivität wegfällt. Außerdem, klarer Punkt, ermöglicht man der Firma dadurch, auch privat erreichbar zu werden. Die Arbeit kapert das Private. Genauso umgekehrt. Statt zu Arbeiten redet man über private Probleme. Das nimmt Einfluss. Oder?

Martin Moritz  / pixelio.de
Mir ist das zu radikal. Was spricht dagegen, mit Kollegen ein gutes Verhältnis zu pflegen? Dass automatisch jeder zu einem Freund wird, ist ein ganz anderer Punkt. Intimität und emotionale Nähe enstehen trotz ständig geteilter Zeit nicht zwischen jedem, das braucht schon mehr als ein Du und eine Jeans, die man statt Bleistiftrock trägt. Freundschaften finden ist zusätzlich gerade an neuen Orten echt schwer. Wer eine 40-Stunden-Woche hat, wird nur schwer Zeit finden, sich Hobbys zu suchen, um neue Leute zu treffen. Wieso nicht einige der Kollegen mal auf ein Bier treffen. Sind auch nur Menschen, manchmal sogar nette, und wer sich normalerweise auch verstehen würde, sollte die Arbeit nicht als künstliches Hindernis aufbauschen. Dass Privates Einfluss auf die Leistung hat, steht außer Frage. Aber eher insofern, als dass man mal traurig oder wütend und so ohnehin beeinflusst ist. Hat man jemanden, bei dem man mal kurz emotional sein kann, hilft das manchmal ungemein. Außerdem kann man Themen und Zeitpunkte steuern. Im Büro mal eben das Gespräch zu suche, ist sicherlich keine Lösung. Bei der Mittagspause - warum nicht? Das letzte Argument, das Slavik nennt, nämlich die Erreichbarkeit, lässt sich auch klar regeln. Urlaub ist Urlaub, Freizeit ist Freizeit. Wenn man über Berufliches reden möchte - bitte. Kann man mit den Kollegen beim Bier. Will man nicht, sagt man das. Kommunikation ist alles. Und der Chef hat, auch wenn man sich mag, nicht das Recht, im Urlaub Ratschläge zu verlangen. Alles eine Sache der Grenzen, die man selbst zieht.

Nach eineinhalb Jahren im Job bin ich froh, dass das alles dort sehr locker ist. Die Grenzen machen zwar manchmal Sinn, oft aber nicht. Ich mag einige Kollegen sehr, einen davon hab ich tatsächlich ins Herz geschlossen. Aber eben nur einen und nicht die gesamte Belegschaft. Und vor meinem Chef habe ich, trotz Jeans, Printshirt und Chucks, noch Respekt.