Sonntag, 29. Mai 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Theaterausfälle!

Letzten Montag war ich mal wieder im Staatstheater. Macht man ja viel zu selten, es ist ja schließlich hochkulturell und für Studenten auch noch kostenlos. Das Stück hieß "Traurige Zauberer", angeblich ein stummes Stück, das tatsächlich für unser Staatstheater inszeniert wurde. So was macht mich neugierig.

Gerhard Hermes  / pixelio.de 

Der erste Eindruck war auch super: Das Stück spielt andersrum. Heißt, man sitzt am hinteren Ende der Bühne mit Blick auf die Zuschauerränge. Das ist ziemlich cool! In den Rängen standen drei Projektoren, auf der Bühne lediglich ein Keyboard und ein paar Requisiten am Rand, die aber auch von anderen Stücken hätten sein können. Stimmung: Freudig gespannt. 

Dann geht es los. Das Licht wird etwas gedimmt, durch die Zuschauerränge läuft ein Mensch und stellt nacheinander die Projektoren an. Man hört ein Klackern, ein Lachen, Applaudieren. Der Mensch kommt auf die Bühne und spielt Klavier. Alleine dieser Prozess dauerte 15 Minuten. Danach kommen verschiedene Personen auf die Bühne, die während des Klavierspiels unterschiedliche Dinge tun, die aber allesamt keinen richtigen Sinn ergeben. Jedenfalls reden sie. Es ist nicht stumm. Zwischendrin läuft immer wieder dieselbe Schauspielerin über die Bühne und zeigt imaginären Gästen die Räumlichkeiten. Stimmung: Neugierig irritiert.

Irgendwann wechselt die Szene, es wird getanzt, gesungen, aber sehr emotions- und sinnlos. Ein Schauspieler benutzt ständig ins einer Rolle als Zauberer eine Dampfmaschine, der andere brabbelt in nuscheligem Schottisch vor sich hin. Eine der Frauen steht immer wieder völlig überrascht mitten auf der Bühne, die Gruppenführerin landet aufgrund ihrer Nervigkeit in einem Käfig. Stimmung: Verständnislos amüsiert.

Szenenwechsel: Wenn es nicht vorher schon absurd war, ist es das jetzt. Die Figuren agieren mit der Luft, nicht miteinander. Sie reden fast durchgehend komisches Zeug, zwei Pianisten laufen durch den Raum und spielen ebenfalls durchweg eins der fünf Klaviere, die aufgetaucht sind. Kurz wird von einem der Pianisten die Rahmengeschichte erläutert (zwei Zauberer - ein Lehrer und ein Lehrling - der Lehrling spannt dem Lehrer die Frau aus, es entsteht erbitterte Konkurrenz, alle sterben während einer Kreuzfahrt). Danach sitzen alle vor erleuchteten Spiegeln und reden mit ihrem Spiegelbild. Dafür das alles? Stimmung: Genervt/gelangweilt.

Es geht endlich dem Ende entgegen. Die Schauspieler sitzen vor dem Publikum, kommentieren das Stück. "Viel schönes dabei." "Das hatte zwar keinen Sinn - aber die Musik war gut." Ich fühle mich ehrlich verarscht. Sie verbeugen sich in Richtung der Zuschauerränge und gehen raus. Das war's. Stimmung: Erleichtert enttäuscht. 

Schon währenddessen muss ich unweigerlich an die How-I-Met-Your-Mother-Folge denken, in der Barney Lily beweisen möchte, dass man im Theater eben nicht alles erträgt. Dazu nutzt er unter anderem eine Wasserpistole (wer die Folge kennt, weiß genau, was ich meine). So kam ich mir bei diesem Stück vor: Wie weit können wir gehen, ohne dass das Publikum geht? Ich schämte mich regelrecht. Für die Schauspieler, die das Stück spielen mussten. Für den Autoren, der auf eine so dämliche Idee kam. Und nicht zuletzt für das Publikum, das sage und schreibe acht Mal applaudierte, um die Schauspieler erneut auf die Bühne zu holen Acht (!) Mal! Vielleicht aus Mitleid, weil das erst die Premiere war und sie noch viele beschissene Vorstellungen spielen mussten. 

Noch schlimmer war das allerdings bei "Demut vor deinen Taten, Baby". Das Stück war nämlich nicht von Grund auf sinnlos, sondern grandios: Drei sich völlig fremde Frauen erleben einen vermeintlichen Terroranschlag und empfinden danach eine so starke Euphorie, dass sie dieses Gefühl teilen wollen. Also inszenieren sie ähnliche "Fake-Anschläge", was solchen Anklang findet, dass die Regierung die Idee aufkauft. Während das eigentliche Stück damit endet, dass sie SPOILER vor lauter Wahn nicht aufhören können und sich gegenseitig niedermetzeln, endete das Stück in Mainz damit, dass das Stück nach einem angeblichen Sturz einer Schauspielerin wieder von vorne gespielt wird. Und mittendrin aufhört. Ohne Pointe, ohne Witz. Einfach leer. Da hatte ich nicht nur Fragezeichen im Gesicht, sondern war tierisch wütend. Weil jeder Sinn durch diese Neuinszenierung verloren gegangen ist.

Glücklicherweise ist das ja nicht immer so. Neuinszenierungen können auch gut gelingen und Frische rein bringen. Aber die Quintessenz muss erhalten bleiben! 

Alles in allem bin ich jedenfalls erleichtert, für diesen Mist kein Geld gezahlt zu haben. Denn dann hätte ich mich wirklich in Grund und Boden geärgert.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Mein Plädoyer für... stilvolleres Feiern!

Ich weiß, dieser Blogeintrag wird spießig. Das passt eigentlich nicht, denn ich bin Anfang 20 und somit ziemlich jung. Aber wenn ich mir die Feierkultur meiner Generation anschaue, habe ich das Gefühl, sehr schnell zu altern und nicht reinzupassen. Schon alleine das Trendhopping funktioniert nur, wenn man jedes Wochenende auf der Piste ist. Sonst kommt einem automatisch die Frage in den Sinn, woher die Idee für diese Party kam. Und man erkennt die Songs nicht, was einem schon mal den Spaß verderben kann.

So oder so ähnlich ging es mir jedenfalls gestern Nacht. Meine letzte Party ist schon ein gutes Weilchen her und gestern hat es endlich mal wieder gepasst. Also habe ich mit meinen Freunden vorgeglüht, wir sind ein wenig versackt und waren um ein Uhr unterwegs in Richtung Club. Dort war die Schlange schon ziemlich lang. 30 Meter mindestens. Entsprechend dachte ich mir schon, wie es drinnen aussehen muss, gerade vor einem Feiertag, wo sich vermutlich viele denken, dass Feiern eine gute Option ist. Aber wo wir schon da waren, wollten wir auch rein, also haben wir knapp 30 Minuten angestanden. Dabei konnten wir sehen, dass vorne gut aussortiert wurde - nach "nüchtern genug" und "zu betrunken". Grundsätzlich ist das ja gut, nur dass die Auslegung davon gefühlt etwas willkürlich war. Vor allem, wenn man sich drinnen einmal umgeschaut hat.

Jedenfalls kostete der Eintritt, der normalerweise wegen des Studentenmittwochs kostenlos war, 7 Euro, mit Garderobe 8. Das schreckte nur keinen ab. Genauso wenig wie die Getränkepreise (ab 7 Euro für Longdrinks, 0,2 Liter). Es war so brechend voll unten, dass ich mich fragte, warum oben noch Menschen rein gelassen wurden. Selbst im Chill-Out-Bereich musste man sich seinen Platz erkämpfen. Und auch das Tanzen war - was mich am meisten gestört hat - nur mit Ellenbogen
Tim Reckmann  / pixelio.de
ausgestreckt möglich. Nicht nur, weil so wenig Platz war. Sondern weil die Leute sich selbst so viel Platz einräumten wollten, dass sie ihn vehement mit Hüften und Ellenbogen verteidigten.

Was mir bei Partys auch wichtig ist, ist die Musik. Im Prinzip steht und fällt alles mit der Musik. Bei diesem Studentenmittwoch sollte eigentlich ein Chartmix kommen, darauf kann man immer ganz gut tanzen. Nur weil ja dieser spezielle Mittwoch vor dem Feiertag lag, stimmte das Motto nicht. Zwar kamen immer wieder Chart-Songs, die aber vom DJ so schnell niedergemixt wurden, dass man am Ende doch nur zu einem monotonen Elektro- oder Hip-Hop-Beat wippte. Weil mich die Musik deshalb langweilte, konnte ich mich auch ein wenig im Raum umsehen. Dabei erkannte ich: Die Leute tragen regelrecht eine Uniform. Die Jungs in weiter Jeans und einem T-Shirt mit so weitem Ausschnitt, dass man die fehlenden Brusthaare definitiv bemerken muss. Die Mädels enge Jeans mit schwarzen Tops. Was mich irritierte war, dass ich mit meinem dunkelblauen Top und der Jeans fast zu dieser Uniformgemeinde gehörte. Unfreiwillig.

Doch es gab etwas, was mich daran noch mehr nervte: Das Publikum dort war verhältnismäßig aggressiv. Während sich die Frauen aggressiv um ihre Tanzfläche bemühten, indem sie ihre Hüften dermaßen stark kreisen ließen, dass sie einen Hula-Hoop-Reifen problemlos oben halten könnten, drohten einige Männer direkt mit Schlägen, wenn man sie mal aus Versehen anrempelte. Andere hingegen baggerten unglaublich aggressiv. Eine Freundin von mir wurde in den Arm genommen und gefragt, ob sie nicht jetzt sofort massiert werden möchte. Ich wiederum wurde von meinen Mädels irgendwann darauf aufmerksam gemacht, dass ein Typ unmittelbar hinter mir stand und irgendwie gruselig aussah. Tatsächlich: Sobald ich mich umdrehte, hatte ich eine Hand an meiner Taille und die andere am Po. Widerlich!

Um drei Uhr hatte ich dann genug. Es kam ein Bus und den nahm ich auch, inzwischen wieder stocknüchtern. Im Hinterkopf hatte ich schon den Gedanken, einen Blogeintrag darüber machen zu wollen, denn mich haben schließlich einige Dinge ziemlich gestört. Am meisten sticht hervor, dass die Leute einfach so unfreundlich und rücksichtslos geworden sind. Sowohl die Clubbetreiber, die den Club aus Geldgründen so voll machen, dass man keinen Spaß mehr hat und somit provozieren, dass die Feierwütigen mit Gewalt und Penetranz ihr Revier markieren. Nein, danke! Fürs erste bin ich von dem Club abgeschreckt, nächstes Mal geht es ganz woanders hin. Aber bis dahin kann es auch erst einmal eine Weile dauern.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Rezept-Alarm! Indisches Popcorn

Popcorn ist etwas fantastisches! Es gehört nämlich zu den Snacks, die eigentlich nur Vorteile haben: Kalorienarm (50 Gramm haben 180 Kalorien), sättigend und verdammt lecker. Eben keiner dieser Diät-Snacks, die nur gut schmecken, weil sie das Gewissen beruhigen.

Außerdem ist Popcorn mega einfach zu machen. Und nein, ich rede nicht von Mikrowellenpopcorn (das ich übrigens wegen seiner Aluminium-Gifte immer meide). Ist selbstgemacht eh günstiger.
Aus dem Grund gibt es bei mir regelmäßig Popcorn - macht sich bei Filmen und Serien eben echt gut!

Weil mir auf Dauer das klassische Popcorn aber zu langweilig geworden ist, habe ich ein wenig rumprobiert. Und war erstaunlich erfolgreich.

Hier ist mein Rezept für - tadaa! - indisches Popcorn.

Grundrezept
(eigentlich geheim, denn die Zubereitung ist echt tricky, aber jetzt teil ich es doch mit euch)

Man nehme:
Popcornmais
Sonnenblumen- oder Rapsöl
Einen mittelgroßen Topf + Deckel!
Salz oder Zucker, je nach Belieben

Als erstes füllt ihr in den Topf das Öl. Es sollte genau so viel drin sein, dass der Boden komplett bedeckt ist, allerdings nur hauchdünn. Dann ist es perfekt. Danach streut ihr so viel Popcornmais rein, dass der Topfboden mit genau einer Schicht Mais abgedeckt ist. Das ist wichtig, denn wenn ihr mehr rein macht, ploppen die oben liegenden Körner nicht auf. Habt ihr das geschafft, stellt ihr den Herd auf die höchste Stufe - und wartet. Aber schön in der Nähe bleiben, denn sobald das Popcorn zu ploppen anfängt, stellt ihr den Herd aus. Die Resthitze der Herdplatte sorgt dafür, dass das gesamte Popcorn aufgeht, aber eben nicht anbrennt (und das geht sehr schnell!). Ploppt das Popcorn nicht mehr, könnt ihr den Deckel öffnen, das Popcorn in eine Schüssel füllen und würzen. Grundsätzlich nimmt man dafür Salz oder Zucker und würzt in zwei Schichten. Also man füllt die Hälfte des Popcorns in die Schüssel, würzt, kippt den Rest dazu und würzt nach. So wird jedes einzelne Popcornteil lecker!

Indisches Popcorn

Man nehme zusätzlich: 

Kurkuma
Cayennepfeffer
Garam Marsala

Wenn ihr euer Popcorn wie oben beschrieben gewürzt habt (bitte mit Salz!), gebt ihr ein wenig von jedem der drei Gewürze in die Schüssel. Wichtig: Es darf wirklich nicht zu viel sein. Dann schüttelt ihr alles ein bisschen durch und schon sollte es schmecken!

Mein Tipp: Perfekt für Bollywood-Filmabende! :-)


Lasst es euch schmecken! 


Montag, 16. Mai 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... das Eurovision-Song-Desaster!

Und jährlich grüßt das Murmeltier. Mal ehrlich, so ist es doch inzwischen beim Eurovision Song Contest. Es treten 20 Länder gegeneinander an, die Performance ähnelt sich ganz stark und am Ende gewinnt ein Künstler, bei dem die Hälfte der Zuschauer frustriert den Kopf schüttelt. 

Okay, vielleicht nicht ganz so. Vielleicht spricht auch ein wenig der Frust aus mir, den der ESC nahezu jedes Jahr auslöst. Zugegeben, in diesem Jahr gab es keine überproportional unverständliche Entscheidung durch eine unbekannte Jury. Es gab endlich mal die Punktevergabe der Zuschauer. Und es ist auch nicht so, dass die Gewinner grundsätzlich für Unverständnis bei den Zuschauern sorgen.

Aber fangen wir mal bei uns selbst an: Jamie-Lee Kriewitz, deren Nachnamen ich erst mal googeln muss, um ihn richtig zu schreiben. Die mit ihren 17 Jahren The Voice of Germany letzten Herbst gewonnen hat und mit ungewöhnlichen Manga-Outfits die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der Song, "Ghost", ist auch noch ziemlich eingängig, da kann man schon verstehen, dass die deutsche Bevölkerung so jemandem Chancen beim großen Grand Prix de Eurovision zutraut. Hat Lena ja auch mal geschafft, mit ähnlichen Voraussetzungen.

Spätestens bei diesem Gedanken muss ich mich aber selbst unterbrechen, denn: Halt, stopp, das ist irgendwie ganz anders! Schon beim Schnelldurchlauf fiel auf, dass fast alle Künstler in einem ganz schönen Einheitsbrei verschwammen. Nur zwei, drei Künstler fielen raus. Einmal Dänemark (glaub ich) mit einem netten Folk-Song und Jamie-Lee. Die war allerdings im Gegensatz zu allen anderen verdammt blass und ausdruckslos. Sie fiel also irgendwie negativ auf. Außerdem wirkte das Manga-Outfit nicht nur absurd, sondern im Zusammenhang mit ihrem Song völlig unpassend. Bestimmt saßen etliche ältere Zuschauer (und vermutlich auch einige jüngere) vor dem Fernseher und fragten sich laut, was das denn solle. Eine Antwort haben sie nie erhalten. Woher auch? Außerdem machte ihr Auftritt nichts her. Keine große Show, ein bisschen auf der Bühne hin und her. Das war's.
Klar, hier hört man auch wieder ein defensives: Das hat Lena auch gemacht! 
Und wieder muss ich sagen: Ja, aber. Lena war nicht unscheinbar. Sie hatte, obwohl sie nur in einem kleinen Schwarzen auf eine recht leere Bühne ging, eine solche Ausstrahlung - und einen ganz zauberhaft beschwingten Song - dass die Zuschauer hin und weg sein mussten. Vergleicht man das mit Jamie-Lee könnte der Unterschied nicht gravierender sein, wenn auch erst auf den zweiten Blick.

https://www.youtube.com/watch?v=eBJpJj5g99A

Prinzipiell hätte sie ganz gute Chancen gehabt, denn eigentlich präsentiert sie die Mischung dessen, was bei den Zuschauern gut ankommt. Da ist entweder eine sehr schlichte, fast langweilige Performance von einem Künstler, der aus sich selbst heraus überzeugt (siehe Loreen aus Schweden, Emmelie de Forest aus Dänemark oder eben unsere Lena), oder die Künstler sind so schräg, dass sie die Leute durch ihr Auftreten in ihren Bann ziehen (Conchita Wurst aus Österreich oder Lordi aus Finnland). Das vereint Jamie-Lee ziemlich gut: Sie tritt eher schlicht auf, sieht dabei aber ganz schön schräg und auffällig aus. Was aber alle Gewinner gemeinsam haben: Sie überzeugen durch ihre Ausstrahlung und ihren Song. Da könnte noch so wenig Showeffekt drum herum sein, sie würden trotzdem die Massen überzeugen können. Genau das macht einen solchen Gewinner ja auch aus.
Hier versagt Jamie aber. Ihr fehlt es an musikalischer Erfahrung, an Ausstrahlung und noch mal: Was um Himmels Willen soll ein Manga-Outfit in Kombi mit diesem Song bei einer solchen Veranstaltung?! Das einzige, was in diesem Jahr alles noch verschlimmert hätte, wäre Xavier Naidoo. 

Aber woran liegt das? Hat die deutsche Bevölkerung einen so niederen Musikgeschmack, dass Castingshowgewinner zum ESC gehen sollen (oder Musikmissionierer Xavier Naidoo)? Gibt es sonst so wenig Auswahl? Ist ja nicht das erste Mal, dass es schief geht. Alleine die letzten vier Jahre waren wir verdammt punktarm, 2015 und 2016 sogar letzter. Das einzige, was man wirklich dagegen halten kann: Mit Andreas Kümmert hätten wir einen Lena-würdigen Kandidaten gehabt. Dummerweise ist der abgesprungen und Ann-Sophie musste ran. Als zweite Wahl anzutreten und dann auch noch 0 Punkte zu erhalten, ist wirklich bitter.
Möglicherweise nimmt Deutschland die ESC-Teilnahme einfach zu ernst. Wir müssen teilnehmen (oder, etwas geschickter ausgedrückt, dürfen teilnehmen), weil wir zu den fünf größten Geldgebern gehören. Nur ist dieses Privileg vielleicht einfach unverdient. Möglicherweise sollte Deutschland einfach mal aussetzen - und dann wieder richtig antreten. Denn diese Eurovision-Song-Desaster sind nicht nur peinlich, sondern auch frustrierend. Da schaltet man als Zuschauer aus Prinzip nicht mehr ein - wie ist das dann wohl beim Produzenten-Team? Andererseits könnte man die deutsche Musikauswahl auch gutheißen, denn es wurde nicht im Strom mitgeschwommen. Unser Song stach heraus, wenn auch nicht positiv, und ging nicht im ESC-Mainstream unter. Zwar verliert man dann, aber wenigstens mit Würde.

Apropos ESC-Mainstream: Einige Dinge haben sich ja generell geändert. Zum Beispiel der Fokus. Es geht nicht mehr um die Musik, sondern um die Show. Ein Wunder, dass der Song "1944" überhaupt gewonnen hat, schließlich ging es da um Politik und nicht nur um die Effekte. Außerdem ist alles moderner geworden: Justin Timberlake tritt in der Bewertungsphase auf (auch wenn das dem Wettbewerb nicht unbedingt gut getan hat, denn an JT kommt keiner ran), es werden mehrere komödiantische Auftritte absolviert und auch das Wertungsverfahren ist frisch: Die Zuschauer haben mehr Einfluss, bei den Jurypunkten werden nur noch die 12er-Wertungen verkündet, der Rest fließt automatisch ein. Das spart Zeit. Auch die Selbstironie der Moderatoren (unter anderem der Gewinner des Vorjahres, Mans Zelmerlöw) war erfrischend und witzig. Insgesamt war es also wirklich eine gute Show! Nur darf man das Aber dahinter nicht vergessen.

Montag, 9. Mai 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Liebe in Zeiten von Tinder!

Liebe wird seit jeher thematisiert. Jede Generation erhält von der Gesellschaft und in der neueren Zeit auch von den Medien ein Bild, wie Liebe zu leben ist und was sie zu bedeuten hat. Nur dass sich die Botschaften gravierend ändern, auch wenn sie in den Generationen selbst relativ konsistent bleiben. So wurde beispielsweise den Frauen in den 1950er Jahren vermittelt, wie sie am besten ihren Ehemann glücklich machen - und dem Mann, wie er am besten seine Familie versorgt. Oder in den 1970ern, dass Liebe freier gelebt werden kann und dass Frauen durchaus emanzipierte Wesen sind, die von ihrem Partner geachtet werden wollen.

Auch heutzutage spielt Liebe eine riesengroße Rolle. Ständig umflattern mich Berichte und Reportagen über Liebe der "Generation Y", wie meine Generation, also die 20- bis 30-jährigen, genannt wird, auch wenn der Begriff bei mir immer ein wenig Bauchweh auslöst. Aber das ist ein anderes Thema.
Was die Medienvermittlung von Liebe der Generation Y angeht, gibt es allerdings nicht wie sonst eine klare Linie, sondern zwei völlig entgegen gesetzte Lager.

Auf der einen Seite steht der Begriff "Beziehungsunfähig". Wir springen von Beziehung zu Beziehung. Wir lieben es verliebt zu sein, aber dauerhafte Liebe lassen wir nicht zu.
Das lässt sich aber auf das ganze Leben übertragen: Statt zu saugen gibt es Saugroboter. Wir shoppen online, lassen uns sogar Lebensmittel liefern. Wir haben Apps für alles auf unseren Smartphones und pflegen Kontakte in sozialen Netzwerken. Der Schritt, die Liebe auch zu vereinfachen, liegt also nahe. Und was ist einfacher, als per Tinder Menschen von links nach rechts oder von rechts nach links zu wischen, um sie kennen zu lernen - oder eben nicht. Das Manko: Tiefer gehen erfordert Zeit und Arbeit. Deshalb ist Tinder sehr oberflächlich. Wer sich drauf einlässt, kann nur in den wenigsten Fällen erwarten, die große Liebe zu treffen. Vielleicht ist deshalb - oder trotzdem - die Suche nach Liebe in den Hintergrund gerückt und das Oberflächliche, in dem Fall Körperliche, in den Vordergrund. Sobald es schwierig wird oder zu weit geht, macht man lieber Schluss.

Brigitte Kreuzwirth  / pixelio.de 

Auf der anderen Seite stehen die Worte "Wahre Liebe". Romantik steht im Fokus, es wird so lange gesucht, bis die große, die richtige Liebe gefunden wurde. Ganz wie in den Hollywood-Filmen, mit Küssen im Regen und großem Happy End. Der Plan ist, dass wir, wenn wir die große Liebe gefunden haben, heiraten und Kinder folgen. Und so weiter und so fort. Nur dass das schwierig ist. Denn wer sagt einem denn: Das hier ist der Richtige! Was ist überhaupt das Richtige für uns? Und was ist, wenn jede Romantik flöten geht, nur weil das wahre Leben eben nicht so wie im Film ist?
Das ist echt schwierig. Vor allem, wenn die Medien dann auch noch Hürden in den Weg stellen, wie den Spruch "Man muss viele Frösche küssen, um den Prinzen zu finden". Noch schlimmer ist folgende Statistik, die ich irgendwann mal gelesen habe: "Durchschnittlich schläft man mit acht Partnern, bevor man den richtigen findet." Denn dieser Satz bringt Verunsicherung. Was ist mit dem Typen, der sich im Studium durch die halbe Innenstadt gevögelt hat? War der/die Richtige schon dabei und er hat es nicht gemerkt? Oder, noch tragischer, was ist mit dem Mädchen, das mit ihrem ersten Freund seit Jahren zusammen ist, ihn eigentlich heiraten will, weil sie glaubt, den Richtigen gefunden zu haben, sich aber nach der Statistik fragt, ob sie nicht viel verpassen wird, wenn sie nur mit einem Mann schläft (wird super im Kinofilm "How to be Single" bearbeitet). Das soll schon so manche Beziehung zerstört haben.

Was man aber merkt: Beide Theorien sind sich gar nicht mal unähnlich, nur dass der Gedanke dahinter ein anderer ist. Während die Beziehungsunfähigen angeblich keine Beziehung führen und es sich einfach machen wollen, ganz unverbindlich eben, wechseln die Romantiker ihre Partner in der Hoffnung, irgendwann den Einen, den Perfekten zu finden. Genauso hinken beide Theorien aber auch.

Bei Beziehungsunfähigen zum Beispiel: Spinnt man dieses Konzept weiter, bleibt unsere Generation kinderlos, ist im mittleren Alter noch immer nicht vergeben und vereinsamt im Alter (klingt hart, aber ist gewissermaßen so). Das halte ich für unrealistisch, vor allem weil man sein Lebenskonzept immer wieder ändert. Klar, Mitte zwanzig ist es normal, sich entweder gegen das klassiche Ehekonzept der eigenen Eltern zu wehren oder im Fall von Scheidungskindern Bindungsprobleme zu entwickeln. Genauso normal ist es, sich auszuprobieren und viele Partner zu haben. Andererseits ist es aber auch normal, irgendwann eine feste Bindung zu wollen. Deshalb ist der Stempel "Beziehungsunfähig" vielleicht etwas früh benutzt worden.
Bei den Romantikern ergibt sich ein ganz anderes Problem: Der Gedanke, den einen perfekten Gegenpart zu haben, beginnt dann zu hinken, wenn man feststellt, dass der vielleicht auf einem ganz anderen Kontinent lebt oder möglicherweise schon furchtbar alt oder viel zu jung ist. Daher hebelt sich diese Theorie auch selbst aus: Es muss mehr als eine passende Person für alle geben, sonst würde das System gar nicht funktionieren.

Was beide Theorien allerdings gemeinsam verfehlen, ist die Natur des Menschen. Der ist nämlich kein Einzelgänger, lebt gerne in einer Gemeinschaft. Ich würde sogar noch weiter gehen: Der lebt gerne in einer Beziehung. Er möchte Nähe, Tiefe und Körperlichkeit, die Freunde einem oft gar nicht geben können. Und nur wenig ist anstrengender, als ständig Menschen neu kennen zu lernen, um wieder mit ihnen eine kurze Beziehung einzugehen. Das kostet Kraft und Zeit. Dann doch lieber einen Menschen, den man liebt, der einen liebt und mit dem man diese Nähe und Tiefe auf Dauer erreichen kann.

Deshalb glaube ich auch ganz vehement nicht daran, dass wir, Generation Y, uns über Begriffe wie Romantiker oder Beziehungsunfähige definieren lassen, nur weil einige von uns momentan diese Konzepte leben. Dinge ändern sich, genauso wie manche Dinge gleich bleiben. Auch in der Liebe und erst Recht in unserer Generation.

Meine Ode an... den Schlaf!

Schlafen ist etwas Tolles. Ich mag das Schlafen. Man kann Abschalten, der Körper erholt sich, man kann sich in kuschelige Bettwäsche verkriechen und im besten Falle hat man sogar noch abgefahrene Träume. Schlafen ist also etwas verdammt Großartiges!

Als Teenager habe ich das auch immer voll ausgekostet. Ich hab bis tief in die Nacht ferngesehen, gezockt oder mit Blick auf den Sternenhimmel kreativ gearbeitet, nur um am Ende irgendwann zwischen drei und fünf Uhr todmüde ins Bett zu fallen und mich darauf zu freuen, am nächsten Tag ewig schlafen zu können. Und das hab ich auch gemacht. Entweder hab ich durchgedöst bis in die frühen Mittagsstunden oder so lange im Bett rumgelümmelt, bis meine Mutter zum Mittagessen gerufen hat. Da brauchte es auch gar keinen Kater - ich hab das auch so richtig gerne getan!

Das Blöde: Heute kann ich das nicht mehr, es ist eher umgekehrt. Abends werde ich schon um zehn Uhr müde und falle spätestens um Mitternacht in die Federn, außer natürlich, ich bin irgendwo unterwegs. Morgens werde ich dann zwischen acht und neun Uhr wach - und nichts, wirklich nichts geht mehr. Dann muss ich aufstehen. Selbst das Rumlümmeln nervt mich irgendwann. Ich kann dann nicht mehr liegen. Oder, noch schlimmer, ich schlafe noch einmal ein, werde am späten Morgen nach etwa zehn Stunden Schlaf wach und habe das Gefühl, völlig verdreht zu sein. Dann ist auch der ganze Tag vermiest. Als ich diesen Gedanken letztens hatte, erschrak ich richtig: Werde ich jetzt alt?!

Vermutlich liegt das in erster Linie natürlich am Lebensrhythmus. Wenn ich in der Woche regelmäßig früh aufstehe - und für die Arbeit tut man das natürlich - dann behält man dieses Zeitgefühl auch am Wochenende oder an freien Tagen und wird früher müde und entsprechend am nächsten Tag früher wach.

Auch krank sein ist inzwischen ein Worst-Case-Szenario. Nicht, weil es mir schlecht geht, sondern weil ich den ganzen Tag gezwungen bin, im Bett oder auf der Couch zu liegen und: zu schlafen. 

Rainer Sturm  / pixelio.de 

Zusätzlich gibt es noch einige Schlaftheorien, die auch ihren Beitrag leisten.
Die erste Theorie besagt, dass man mindestens sechs, besser noch sieben oder acht Stunden Schlaf pro Nacht bekommen sollte, um fit zu sein. Wahrscheinlich war die Aussage "sechs Stunden" nur eine Beschwichtigung der Menschheit gegenüber, denn wer schafft es schon, in der Woche acht Stunden Schlaf zu finden? Verrückt! Dann müsste man ja um elf oder sogar noch früher ins Bett! Dann lieber kompromittable sechs Stunden anbieten, das ist wenigstens realistisch.

Die zweite Theorie geht davon aus, dass man, wenn man regelmäßig mehr als neun Stunden pro Nacht schläft, an Lebensjahren verliert. Viel Schlaf ist also ungesund. Womit es schwierig wird: Zu wenig Schlaf (weniger als sechs Stunden) und zu viel Schlaf (mehr als neun Stunden) ist auf Dauer nicht gut für uns, auch wenn es sich gut anfühlt.

Die dritte Theorie hat einen ganz anderen Ansatz: Der Mensch hat Tief- und Wachschlafphasen, die sich im 90-Minuten-Takt durchspielen. Stellt man den Wecker nach diesem Takt, wird man in der Wachschlafphase wach und fühlt sich deutlich fitter als in der Tiefschlafphase. Egal, ob man drei oder zwölf Stunden schläft.

Nimmt man alle Theorien  zusammen, könnte man daraus schließen, dass sechs, siebenkommafünf und neun Stunden gut für den Körper sind.
Nur dass es nicht nur auf solche Theorien ankommt. Was ist denn zum Beispiel, wenn man durch Alkoholkonsum einen sehr leichten Schlaf hat? Oder wenn einen das Kind nachts ständig weckt? Oder wenn in aller Frühe die Müllabfuhr klingelt und man sich danach nochmal ins Bett zurückzieht? Das stört den Rhythmus und somit jede Regel. Schlafen ist also doch eher individuell.

Alles in allem trauere ich meiner Teenagerzeit in dieser Hinsicht ein wenig hinterher. Vor allem wenn ich im Bett liege und egal, wie sehr ich mich bemühe, nicht mehr weiter dort rumhängen kann.

Aber wer weiß: Vielleicht kommt die alte Phase ja wieder zurück. Auch wenn es dann nur am Wochenende so ist...