Freitag, 23. Dezember 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Weihnachtsstress!

Oder: Warum Besinnlichkeit manchmal harte Arbeit ist

Zwei Tage vor Heiligabend. Ich saß im Zug von Bayern in meine Heimat und er ist voll. Wirklich, bis auf den letzten Platz. Was einen vor Weihnachten nicht wundert, ist normalerweise absolut verwunderlich, denn wann ist ein Zug schon so ausgebucht? Mir fällt außer der Weihnachtszeit nichts ein. Und ich finde, an diesem Punkt erkennt man ziemlich gut, was Weihnachten neben Besinnlichkeit, Ruhe und Familiarität noch bedeutet: Stress.

Das merke ich auch immer wieder, wenn ich mit meinen Freunden oder auch Fremden über das Fest rede. Zwar steht im Vordergrund, wie sehr man sich darauf freut – auf die Lichter, den Duft, das Festessen, die Verwandten, den Tannenbaum und nicht zuletzt auch die Bescherung – aber im Nachhinein oder sogar schon im Nachsatz hört man immer wieder, dass noch etwas Anderes mitschwingt. Die Leute sind eben auch froh, wenn es vorbei ist und der Alltag zurückkehrt.

Aber was macht Weihnachten so stressig, dass man froh ist, wenn wieder im üblichen Trott ist statt zu feiern? Zum einen natürlich das Geschenke kaufen. Das muss man nämlich zusätzlich zum Alltag in der Adventszeit gemeistert bekommen. Was gar nicht mal leicht ist, weil die Innenstädte vor Weihnachtsmärkten und entsprechend Menschen überquellen. Gerade diejenigen, die erst auf den letzten Drücker Geschenke shoppen, haben meist schlechte Karten. Nicht nur, was die besten Geschenke betrifft – die sind dann oft schon weg – viel schlimmer ist, dass die Geschäfte aus allen Nähten platzen, weil gefühlt ganz Deutschland auf der Suche nach hübschen Sachen ist. Man muss sich durchdrängeln und die Schlangen sind so lang, dass man sich vorkommt wie im Freizeitpark in der Warteschlange vor der coolsten Achterbahn. (Hier empfiehlt sich tatsächlich Online-Shopping. So viel entspannter!)

Doch nicht nur die Geschenke werden wie wild gejagt, auch Lebensmittel sind vor Weihnachten hoch im Kurs. Schließlich haben die Geschäfte sage und schreibe zweieinhalb Tage (!) zu. Da rennt man selbstverständlich einen Tag vor Heiligabend noch mal in den Supermarkt und kauft, was das Zeug hält. Dumm nur, wenn das jeder macht, denn dann bleibt nicht mehr viel übrig. Und so artet auch das übliche Einkaufen in fürchterlichen Stress aus (vor allem wenn es um Raclette-Käse geht).  

Ein Stressfaktor, den man nicht unterschätzen sollte, ist auch die Familie. Das fängt schon im November (oder sogar noch früher) an, wenn es darum geht, bei wem jetzt wie gefeiert wird. Bei meiner Familie? Bei der Familie meines Freundes? Wer an welchem Tag? Einmal waren wir sogar so wahnsinnig, an Heiligabend beide Familien – eine im Saarland, eine inmitten von Rheinland-Pfalz – unter einen Hut bekommen zu wollen. So viel Stress hatte ich zuvor in meinem Leben selten erlebt.

Dann muss man anreisen. Das geht entweder, so wie ich es mache, im vollen Zug. Oder auf der vollen Straße mit dem Auto, wo man unter Umständen stundenlang im Stau steht, weil jeder das Auto nimmt. Die Züge sind ja schließlich ausgebucht. Wer bis zum 23.12. arbeiten muss, hat auch die leidliche Situation, dass er oder sie durch dieses Verkehrschaos muss und es nicht umgehen kann. Ich fahre nicht umsonst zwei Tage vor Weihnachten. Das ist zwar auch stressig, aber ertragbar.

Vor Ort tauchen wieder ganz andere Probleme auf. Es wird alles festlich vorbreitet, was Spaß macht und wirklich ein bisschen Besinnlichkeit bringt, aber die Vorbereitung des Festessens artet meistens wieder in Stress aus. Sei es für die gesamte Familie oder nur für den Kochenden, der seinen Ärger an allen anderen auslässt.
Seht ihr, wir sind gerade mal bei Heiligabend angekommen und die Stressfaktoren sind jetzt schon enorm!

Heiligabend selbst birgt wenige Risiken. Außer das mit dem Kochen natürlich. Und vielleicht noch die Geschenkübergabe, bei der ein Patzer direkt für schlechte Laune sorgen kann. Aber wenn sich alle ein bisschen zusammenreißen, wird es trotzdem schön. Schlimmer wird es am zweiten Weihnachtsfeiertag, wo man sich schon mehrere Tage nicht aus dem Weg gehen kann. Nicht selten höre ich von meinen Freunden nach Weihnachten: „War zwar toll, aber irgendwann geht man sich doch auf den Keks.“ Stimmt. Denn um Weihnachten hat man wirklich wenige Ausweichmöglichkeiten. Man hockt sich auf der Pelle, mehrere Tage. Nur um abschließend festzustellen, dass es sich zwar gelohnt hat, aber man auch froh ist, dass es bis um nächsten Weihnachten wieder ein Jahr dauert.


gänseblümchen  / pixelio.de
Wer jetzt denkt, dass ich hier ganz schön meckrig und pessimistisch daher schreibe, der sollte weiterlesen (und sich mal an die eigene Nase fassen, denn ein bisschen kennt das Phänomen Weihnachtsstress doch jeder). Weihnachten ist nicht nur Stress. Wäre das so, würde man es nicht mehr feiern. Alle würden diesen Tag alleine Zuhause verbringen und der Feiertag wäre längst abgeschafft, aus Burnout-Gründen. Nein, Weihnachten hat natürlich auch seine schönen, grandiosen, wunderbaren Seiten. Man sieht zum Beispiel die Heimat oder zumindest die Familie wieder. Und ist nett zueinander. Man vergisst, dass man eigentlich Kalorien zählt. Man kann Menschen mit Geschenken beglücken und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und man kann nicht zuletzt auch einige Tage aus dem Alltagstrott fliehen. Klingt ja erstmal verlockend. Genau das sollte man genießen, bis der Stress doch wieder überhand nimmt. Und sich immer wieder daran erinnern. 

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Rezeptealarm! Paprikaschnitzel mit besonderer Panade, Bratkartoffeln und Süßsalat

Es ist mal wieder typisch ich - eigentlich hab ich etwas ganz anderes zu tun, nämlich den Umzug fertig wuppen - aber wenn mich der Hunger packt, wird trotzdem gekocht. Sogar ziemlich aufwendig, wenn man bedenkt, dass es eigentlich Resteverwertung sein sollte. Jedenfalls wurde aus einem geplanten gewöhnlichen Paprikaschnitzel mit gewöhnlichen Bratkartoffeln und gewöhnlichem Salat etwas ziemlich abgefahren Ungewöhnliches. Und weil das so lecker war, möchte ich es euch natürlich nicht vorenthalten.

So sieht es fertig aus! Echt lecker!
Man nehme (für zwei Personen): 
200 Gramm Hähnchenbrustfilet im Stück
80 Gramm Mehl
1 Ei
2 Hände voll Haferflocken
1 Paprikaschote (am besten rot, weil am intensivsten)
2 Zwiebeln
5 mittelgroße Kartoffeln
1 Tasse Milch
Gemischter Wintersalat (200 Gramm)
5 Cherrytomaten
1 Salatgurke
1 Dose Mandarinenstücke (oder frische Mandarinen, die müssen aber geschält werden)
150 Gramm Butter
1 Teelöffel Essigessenz
1 Esslöffel Sesamöl (alternativ auch normales Olivenöl)
1 Esslöffel Honigbalsam
1 Teelöffel Zucker
1 große Pfanne
1 kleine Pfanne
1 kleinen Topf
Salz, Pfeffer

To Do: 
Zuerst werden die Kartoffeln geschält und gekocht. Währenddessen können bereits die Zwiebeln, Tomaten, die 1/5 der Gurke und die Paprika geschnibbelt werden und zwar eine Zwiebel in Ringe, eine in kleine Stückchen, die
Gurke in Scheiben und die Paprika in dünne Streifen. Danach wird das Hähnchenbrustfilet in dünne, etwa handflächengroße Scheiben geschnitten und geklopft. Anschließend wird es paniert: Man würzt das Fleisch erst mit Salz und Pfeffer. Anschließend werden drei Teller vorbereitet, in die einmal 50 Gramm Mehl, einmal das Ei und einmal die zwei Hände voll Haferflocken gegeben werden. Jetzt zieht man das Fleisch erst von beiden Seiten durch das Mehl, dann das Ei und abschließend durch die Haferflocken, bis es bedeckt ist. Danach werden die Schnitzel erst einmal ruhen gelassen.

Jetzt dürften die Kartoffeln durch sein. Man schneidet die Kartoffeln in dünne Scheiben, zerlässt einen großen Esslöffel Butter in der größeren Pfanne und brät die Kartoffelscheiben an. Nach etwa fünf Minuten werden die Zwiebelringe dazu gegeben. Immer wieder mal durchschwenken und nach 10 Minuten die Hitze um die Hälfte reduzieren. Man erkennt den Zeitpunkt daran, dass die Kartoffeln braun werden.

Nun wird die Paprikasoße zubereitet. Dafür zerlässt man einen kleinen Esslöffel Butter im Topf und gibt rund 30 Gramm Mehl dazu, wenn die Butter geschmolzen ist. Anschließend werden in die noch flüssige Mehlschwitze die Zwiebelstücke dazu gegeben, kurz durchgerührt und anbraten gelassen, bevor man die Tasse Milch nach und nach dazu gibt. Bitte hier immer umrühren. Anschließend, wenn die Soße schön cremig ist, die Paprikastücke dazu geben, außerdem einen Teelöffel Essigessenz für die Würze, und Salz sowie Pfeffer und einen Teelöffel Zucker. Die Soße wird jetzt zehn Minuten ziehen gelassen, damit die Paprika ihren Geschmack abgibt.

Jetzt werden Schnitzel und Salat parallel zubereitet. Für die Schnitzel einen großen Esslöffel Butter in die kleine Pfanne geben und die Herdplatte richtig heiß stellen. Warten, bis die Butter brutzelt, dann ein Schnitzel hinein geben. Währenddessen den Salat mit den Tomaten, den Mandarinenstücken (5-10) und den Gurkenscheiben auf dem Teller anrichten. Fürs Dressing einen Esslöffel Honigbalsam mit einigen Tropfen Sesamöl mischen, mit Salz und Pfeffer würzen und ein paar getrocknete Kräuter dazu geben. Dressing mit dem Salat mischen und schon mal auf dem Teller anrichten.
Das Schnitzel wenden und einen Blick darauf haben, dass es goldbraun und nicht schwarz wird. Ist das Schnitzel fertig, kann serviert werden.

Insgesamt ist die Mahlzeit gar nicht wirklich aufwendig, etwas exotisch, insbesondere durch die Haferflocken und das Dressing und somit gewöhnlich ungewöhnlich.
Guten Appetit! 

Montag, 19. Dezember 2016

Gehen statt bleiben: Abschiede

Und dann ist da dein Herz und dein Verstand. Und irgendwo dazwischen tut's weh. 
Bosse, Irgendwo dazwischen

Abschiede gehören für mich zu den Dingen, mit denen ich nicht umgehen kann. Das fängt schon damit an, dass ich sie erst einmal in den hintersten Winkel meines Kopfes schiebe und zutiefst verdränge. Selbst am entscheidenden Zeitpunkt will ich Abschiede nicht wahrhaben, weil ich sonst traurig bin, heule und das nicht nur äußerlich, sondern auch wochenlang innerlich. Aber damit bin ich nicht alleine. Viele haben gehörige Probleme mit Abschieden. Eine Weile lang habe ich Menschen bewundert, die damit gut umgehen können. Aber gar keine Sentimentalität fühlt sich auch falsch an. Denn dann hat die Zeit davor auch nicht viel bedeutet. Umgekehrt gibt es auch Menschen, die Abschieden ganz aus dem Weg gehen. Entweder halten sie es kurz und knapp - oder sie verabschieden sich gar nicht und gehen einfach. Eine noch miesere Lösung. 

Jedenfalls hasse ich Abschiede. Denn obwohl sie nicht immer endgültig sind, schwingt jedes Mal genau dieses Endgültige mit. Danach ist doch alles anders, auch wenn man es nicht wahr haben will. Der Verabschiedete verschwindet schließlich, sei es vom Arbeitsplatz, von der Uni oder sogar aus der Stadt. Das Aufrechterhalten des vorherigen Zustands kostet auf einmal Anstrengung. Man muss anrufen oder mailen oder simsen. Dieses automatische Wir-sehen-uns-Morgen hört eben auf. Deshalb hat es mich auch nicht gewundert, dass von den Menschen, mit denen ich Abitur gemacht habe, eigentlich keiner mehr wirklich an meinem Leben teil nimmt. Und das ist nicht einmal ungewöhnlich, sondern der Lauf der Dinge. 

Umso schwerer fällt mir der Abschied, der mit letztem Wochenende begonnen hat. Mein Umzug nach Bayern. Weil ich weiß, dass von dem was war, nicht mehr viel bleiben wird. Natürlich sind da meine Freunde, die ich weiterhin sehen, aber letztlich doch mehr hören werde. Die Leichtigkeit fällt nämlich weg. Man kann plötzlich nicht mehr spontan auf einen Kaffee vorbei gehen oder sich auf ein Bier in der Stadt treffen. Plötzlich trennen uns 380 Kilometer oder sogar noch mehr. Vier Stunden Auto- und Zugfahrt. Das ist eine Menge. Treffen sind ab jetzt mit Planung und viel mehr Aufwand verbunden. Ganz abgesehen davon, dass ich auch weniger Zeit haben werde, schließlich arbeite ich ab Januar Vollzeit. 

Genauso geht es mir mit meiner Familie. Wir haben zwar regelmäßig telefoniert, aber uns auch regelmäßig gesehen. Das wird jetzt sehr viel seltener sein. Und da ich die erste in meiner Familie bin, die den Ortsverbund verlässt, ist es umso schwerer. 

Insgesamt habe ich diesen Abschied lange vor mir her geschoben. Ich hab zwar drüber geredet, aber mit einer gewissen Distanz, als läge das alles nicht unmittelbar vor mir, sondern wäre bloß ein Plan in ferner Zukunft. Bis meine Kollegen mir auf der Arbeit einen offiziellen Abschied bereiteten. Mit Geschenk und vielen lieben Worten. Da wurde mir enorm schwer ums Herz. Oder als meine liebsten Mainzer Freundinnen am Freitag, mitten im Umzug, noch mal vorbei kamen und wir zusammen Wein tranken, einfach weil wir uns noch einmal sehen wollten. Spätestens als bei ihnen die Tränen kullerten, wurde mir noch schwerer ums Herz. Und zwischendrin ploppte immer wieder die Frage auf: Will ich das wirklich? Kann ich nicht noch einen Rückzieher machen? 

Was mich die ganze Zeit davon abgehalten hat sind zwei Dinge: Einmal muss man sich im klaren sein, dass das Leben aller Menschen weiter geht. Dass ich, zusammen mit einer anderen Freundin die erste bin, die den Ort und die Lebenssituation so gravierend verändert, war Zufall, aber es hätte auch jeder andere in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sein können. Warum also aus Nostalgiegründen stehen bleiben? Außerdem soll man seine Chancen ergreifen - und das hab ich getan. Auch wenn diese Chance mit einem kompletten Neustart einher geht. 

Inzwischen habe ich die Abschiede hinter mir. Noch fühle ich mich nicht einsam, verloren oder habe schlimm Sehnsucht nach meiner alten Herzensheimat. Doch es kommt ja zuerst einmal Weihnachten, da bin ich ohnehin Zuhause. Und im Januar beginnt mein neuer Job, auf den ich mich natürlich auch sehr freue und der mir bestimmt ordentlich Trubel bringt. Aber zwischendrin wird es immer wieder Momente geben, in denen mir meine Lieblingsmenschen ganz arg fehlen werden. Glücklicherweise gibt es immerhin noch das gute, alte Telefon. 

Ab kommender Woche startet meine neue Reihe: Welcome to Bavaria! Hier werde ich von meinen Eindrücken und Erlebnissen in Bayern berichten - vor allem natürlich davon wie es ist, als Rheinhessin ins Allgäu zu kommen. Kulturschock? Mal sehen. Lest euch rein!

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Seriencheck! Sex and the City

Attention please: Wer Sex and the City selbst noch schauen will oder das Ende noch nicht kennt, sollte an dieser Stelle gar nicht anfangen zu lesen, denn es wird definitiv einige Spoiler geben. 

https://www.youtube.com/watch?v=g9Mx2OLnoGI

Früher in meiner Jugend habe ich Sex and the City geliebt. Es war die erste Serie, zu der Zugang bekam und die ich Folge für Folge verschlungen habe. Carrie Bradshaw, die Protagonistin, war lange Zeit (traurigerweise) mein Vorbild und hat mich zum Träumen bewegt. Ich wollte auch eine Kolumne haben, teure Schuhe und Kleider kaufen können, ein wunderschönes, kleines Apartment in einer belebten Stadt und Freundinnen haben, mit denen man über Männer, Sex und Krisen reden kann.

Viele Jahre später sieht mein Leben folgendermaßen aus: Ich bin Journalistin, blogge (was ja so ähnlich ist wie eine Kolumne), habe meinen Schuhtick glücklicherweise überwunden, lebe seit Jahren mit meinem Freund zusammen und habe auch großartige Freundinnen und Freunde gefunden. Aber insgesamt ist alles, Gott sei Dank, sehr viel bodenständiger und normaler als bei den vier Frauen.

Denn im Augenblick habe ich wieder mit der Serie begonnen. Zum dritten Mal. Aber zum ersten Mal schaue ich die Serie mit einer gewissen Skepsis. Die kam gar nicht bewusst, sondern mit jeder Folge wuchs sie unweigerlich an. Anscheinend bin ich selbst zu einem Punkt im Leben gekommen, in dem ich die Serie nicht mehr so ernst nehmen kann wie früher. Im Gegenteil, inzwischen stören mich sogar einige Dinge.

Aber worum geht es eigentlich? Sex and the City dreht sich um vier New Yorker Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, die allerdings trotzdem eine tiefe Freundschaft verbindet. Und nicht nur das: Auch die Männergeschichten verbinden sie. Deshalb wird vorzugsweise in jeder Folge viel über Sex und wenig über Liebe gesprochen. Pro Folge steht dabei ein Schwerpunkt im Fokus. Sei es eine erektile Dysfunktion, Treue, das Ménage à Trois oder Muttersöhnchen (und ich bin gerade erst wieder bei Staffel zwei).

Und aus diesen Gründen mochte ich die Serie auch immer. Sie war (gerade für ihren Ursprung in den 90ern) modern, witzig und zeigte Frauenbilder, von denen sich manche Menschen heute noch eine Scheibe abschneiden sollten. Zum Beispiel Samantha, die macht, was sie will und sich von der Gesellschaft nichts vorschreiben lässt. Oder Charlotte, die die Liebe trotz Enttäuschungen nicht aufgibt. Oder Miranda, die Karriere und Kind unter einen Hut bekommt und sich bemüht, trotz aller Anstrengung glücklich zu sein. Aber sie hat eben auch ihre Schwächen.

Zum Beispiel die Oberflächlichkeit. Frauen werden abserviert, weil sie mal heiraten wollen. Männer werden abgesägt, weil sie zu nett sind - oder weil sie einen gemeinen Spruch bringen. Grundsätzlich gehen also zarte Liebespflänzchen ein, weil die Menschen sich in dieser Serie nicht drauf einlassen wollen oder können. Das Next-Prinzip eben. Das mag zwar auch gerade in der heutigen Zeit einen Funken Wahrheit beinhalten, aber insgesamt ist das doch sehr überholt. Vor allem wenn das Folge für Folge passiert. Außerdem stört mich sehr, dass die Frauen ihr Leben und ihre Gespräche von Männern und Shopping definieren lassen. Als hätte man keine anderen Probleme.

Aber auch die Realitätsferne stößt mir inzwischen auf. Carrie Bradshaw schreibt eine Kolumne einmal die Woche, tut beruflich sonst nichts und kann es sich leisten, in einem Manhatten-Apartment zu leben, Designwaren zu kaufen und die coolsten Bars und Restaurants zu gehen. Wie bitte soll das gehen? Bei Galeristin Charlotte, Anwältin Miranda oder PR-Beraterin Samantha ist das ja noch vorstellbar, aber als Kolumnistin? Außerdem ist es irgendwie weit hergeholt, dass eine Beziehung mit einem Mann, dessen Namen man nie erfährt und zu dem etliche Beziehungsversuche kläglich gescheitert sind, am Ende doch der eine Mister Big ist, mit dem man vor den Traualtar tritt. Manche Handlungsstränge sind eben doch eher Traum als Realität - schade.

Zu guter letzt aber stört mich inzwischen am meisten Carrie selbst. Ein Charakter, der Hauptcharakter sogar, der sein Leben irgendwie nicht richtig auf die Reihe bekommt, ständig auf die falschen Männer reinfällt, ihre große Liebe trifft und es jedes Mal ordentlich gegen die Wand fährt. Alleine ihre Ausraster, die auf Kleinigkeiten beruhen und durch ein normales Gespräch geklärt werden könnten, nerven enorm. Man möchte sie jedes Mal schütteln und fragen, ob sie weiß, was sie da tut. Deshalb ist es ab Staffel drei spätestens frustrierend zu sehen, wie sie sich jedes Mal verrennt.

Abgesehen davon wird es aber von Folge zu Folge besser. Die Chemie der Frauen ist großartig und es werden Dinge thematisiert, die einem auch heute noch die Röte ins Gesicht treiben. Außerdem ist die Serie zu keinem Zeitpunkt homophob, im Gegenteil. Sexualität wird in allen Facetten beleuchtet, ohne jemals abwertend zu werden. Das ist für die 90er Gold wert. Ihr merkt also: Die vier Frauen hängen mir doch noch ziemlich am Herzen. Und obwohl ich weiß, dass Carrie ihren Big am Ende heiraten wird, ist es jedes Mal eine Freude, in ihre Welt zu schauen. Und ich fiebere auch insgeheim nach wie vor einem dritten Kinofilm entgegen, den ich gucken werde, auch wenn vermutlich ähnlich schlecht ist wie der zweite Kinofilm.

Als kleines Goodie - und weil das Thema es einfach enorm anbietet - habe ich für euch einen Psychotest erstellt. Seid ihr Carrie, Miranda, Charlotte oder Samantha? Auflösung folgt unten. :-)

1. Du wirst auf der Straße angesprochen - wie reagierst du? 
a) Du fühlst dich geschmeichelt, verabredest dich und träumst den ganzen restlichen Tag von eurer gemeinsamen Zukunft
b) Du checkst die Person genau ab, aber wenn sie attraktiv genug ist, verabredest du dich - ohne einen Hehl aus deinem sexuellen Interesse zu machen.
c) Du hast einen zynischen Spruch auf den Lippen, weil du gerade keinen Bock auf Männer hast.
d) Du verabredest dich, wenn der Funke überspringt, und bist offen für alles.

2. Was könnte dir schon mal passiert sein? 
a) Du hast deinen Partner bezüglich Zukunftsplänen schon mal so in die Enge getrieben, dass er dich verlassen hat.
b) Du hast dich mal verliebt - wie beängstigend!
c) Du warst ganz schön barsch - was deinen Partner eingeschüchtert hat.
d) Du hast deinem Partner eine heftige Szene gemacht, weshalb dir dein Partner auch öfter mal dramatisch hinterher rennt.

3. Du trägst am liebsten...
a) verspielte Kleider, edlen Schmuck, süße Pumps.
b) sexy Kleider mit viel Dekolleté, verführerische High-Heels und roten Lippenstift.
c) Hosenanzüge oder sportliche Outfits, dazu auch gerne nicht allzu lange Haare.
d) Komplett zusammengewürfelte Kleidung - von Flohmarkt bis Gucci ist alles dabei.

4. Wie stellst du dir deine Zukunft vor? 
a) Verheiratet mit dem Traummann, zwei Kinder, großes Eigentumswohnung.
b) Zügellose Freiheit und Karriere.
c) Karriere, Kind und Mann, aber bitte nicht in einem Kaff.
d) Die eine große Liebe heiraten.

5. Welche Beschreibung trifft dich am besten? 
a) Verspielt, naiv, romantisch, willensstark, zielstrebig.
b) Selbstständig, selbstbewusst, emotional verschlossen, charmant, offen.
c) Zynisch, pragmatisch, schlagfertig, loyal, ängstlich.
d) Launisch, romantisch, wild, abwechslungsreich, ruhelos.

6. Wie wäre dein Traummann? 
a) Charakter wichtiger als Optik, liebevoll, fürsorglich.
b) Jung, attraktiv, leistungsstark.
c) Witzig, herzlich, offen.
d) Unnahbar, beschützend, charmant.

7. Wie verbringst du am liebsten deinen Abend? 
a) Ich koche oder trinke gerne Cocktails mit meinen Freundinnen und gehe früh schlafen, schließlich muss ich morgens arbeiten.
b) Ich gehe in eine Bar, flirte und schleppe mindestens einen Mann ab.
c) Ich schaue mir über Netflix meine Lieblingsserien an, futtere Chips und schlafe auf der Couch ein.
d) Ich besuche hippe Bars, flirte und ziehe weiter in einen neu eröffneten Club.

Jetzt die Buchstaben zählen. Die meisten Buchstaben führen zur Zuordnung.

Am meisten A: Du bist eindeutig Charlotte am ähnlichsten. Du bist verträumt, glaubst an die große Liebe und findest Wörter wie "ficken" vulgär. Stattdessen wünscht du dir deinen Traummann herbei, wobei die Optik dabei eine viel geringere Rolle spielt als der Charakter. Solange er noch nicht da ist, gibst du aber immerhin jedem Mann die Chance, der richtige zu sein.

Am meisten B: Du hast Ähnlichkeiten mit Samantha. Die freiheitsliebende PR-Agentin tut was sie will und hat Spaß dabei. Insbesondere mit Männern. Aber sie ist auch tolerant, offen und weiß, was sie will. Eine starke Frau eben.

Am meisten C: Du zeigst ähnliche Charakterzüge wie Miranda. Sie ist zynisch, laut, frech - aber wenn man sie erst einmal besser kennt ist sie liebenswert und herzlich. Sie wünscht sich am meisten, dass es ihrer Familie gut geht, sie sich aber trotzdem selbst verwirklichen kann.

Am meisten D: Du bist ein bisschen wie Carrie: Manchmal verrennst du dich im Leben und liebst das Drama, aber immer mit dem lobenswerten Ziel, dich nicht verbiegen lassen zu wollen. Insgesamt ist Carrie verträumt, romantisch, glaubt an die große Liebe, aber nicht, ohne den Spaß auf der Suche zu vernachlässigen.

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Feminismus!

Ich bin Feministin. Ich glaube daran, dass Frauen und Männer gleichberechtigt leben sollte. Ich bin überzeugt, dass nur eine gleiche Bezahlung für dieselbe Arbeit fair ist. Ich finde, Frauen und Männer sollten nie aufgrund ihres Geschlechts in Schubladen gesteckt oder sogar benachteiligt werden. Ich glaube, jeder Mensch hat das Recht, sein Leben zu gestalten, wie er möchte und dass Gleichberechtigung einen entscheidenden Beitrag dazu leistet. Und ich glaube, dass Körperlichkeiten auch eng mit Gleichberechtigung zu tun haben. Genau wie mit Toleranz und Respekt.

Ich finde, dieses Thema ist einerseits völlig über seinem Zenit und viel zu oft diskutiert worden, andererseits hat das alles die Gleichberechtigung nach wie vor nicht weiter gebracht. Wenn ich mir anhören muss, dass inzwischen Vergewaltigungen eventuell irgendwie strafbar sind, die Menschen angeblich viel zu politisch korrekt agieren und eine Frauenquote eingeführt wurde, platzt mir die Hutschnur. Denn das ist Pseudofeminismus. Viel Gerede, wenig Handlung. Alles, um das Bild zu wahren, die Situation sei im Griff.

Dabei ist es eigentlich in unserer heutigen Zeit lächerlich, dass Frauen noch immer benachteiligt werden. Viele Entwicklungen auf der Welt sind so fortschrittlich - nur die Rechte der Frauen nicht.

Nun könnte man ja mokieren, dass doch fast alles zwischen den Geschlechtern angepasst wurde. Frauen und Männer haben die gleichen Freiheiten, die gleichen Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten und niemand verlangt mehr, dass wir am Herd stehen und für die Kinder kochen. Ja, aber. Trotz der vielen Freiheiten verdienen wir in vielen Jobs weniger als ein Mann, der dasselbe macht. In manchen Branchen haben wir gar keine Chance, Karriere zu machen, weil man dort nur mit Schlips und Anzug erwünscht ist. Aber das ist nur der große Stil. Der Kleine ist noch viel schlimmer. Ständig wird man mit Klischees konfrontiert, die teils lustig, teils aber einfach nur erschreckend sind. Letztens wurde ich von einem Typen gefragt, ob ich wirklich die Larsson-Reihe gelesen hätte. Die müsse doch von meinem Freund sein. Hat man mir wohl als Frau nicht zugetraut. Und mir wurden auch schon kaputte Gegenstände aus der Hand gerissen, schließlich könne ich so was ja gar nicht reparieren. Weil ich eine Frau bin. 

Aber das ist noch vergleichsweise harmlos, wenn man mal den Sexismus betrachtet. Frauen wird einfach an den Po gegriffen, weil Mann glaubt, er darf das. Frauen werden mit Spitznamen bedacht, durch die Gegend geschickt und aufs derbste schikaniert. Und, schlimmstenfalls, werden Frauen sogar vergewaltigt, weil sie sich so offenherzig gekleidet haben. All das passiert, weil es Frauen sind. Und sich in manchen männlichen Köpfen manifestiert hat, dass sie das Erbrecht hätten, so mit Frauen umzugehen. Deshalb wird mir jedes Mal übel, wenn ich einem solchen Chauvinisten begegne. Und in solchen Momenten verstehe ich auch Frauen, die einen derart großen Hass gegen Männer entwickelt haben, dass sie ihnen am liebsten ebenfalls die Rechte entziehen wollen.

Nur geht mir das um längen zu weit. Manche Frauen bezeichnen sich nämlich als Feministinnen, obwohl sie eigentlich nur einen Rollentausch wollen: Frauen haben die Vormachtstellung, Männer hinken hinterher. Für mich sind das auch keine Feministinnen mehr, sondern Chauvinistinnen. Denn wie das Wort Gleichberechtigung schon sagt, geht es um gleiche Rechte. Da wird niemand abgewertet, sondern eher aufgewertet. Eben auf ein Niveau. Ich möchte nun mal auch keine Welt, in der Männer verpönt werden, wenn sie Labello tragen oder Elternzeit einlegen. Jeder sollte einfach das tun dürfen, was er möchte - ohne dabei ins Leben anderer einzugreifen.

Genau deshalb braucht es heute noch immer - oder schon wieder - Feminismus. Und das ist auch der Grund, warum ich Feministin bin. 

PS: Als Goodie am Schluss fürs fleißige Lesen der neue Song von Jennifer Rostock: "Hengstin".
PPS: Geht übrigens auch um Feminismus.

https://www.youtube.com/watch?v=aKf5jqfoxIE

Freitag, 25. November 2016

Seriencheck! Die Gilmore Girls

Es gibt Serien, die sorgen jedes Mal beim Gucken für dieses wohlig-warme Bauchgefühl. Als hätte man mal wieder ein lang ersehntes Familientreffen mit seinen Liebsten. Zugegeben, von diesen Serien gibt es nicht viele und nicht jede Serienart beziehungsweise Seriengenre ist dafür geeignet.

Aber die Gilmore Girls gehören dazu. Nicht nur, weil es sie sich um eine Familie dreht und für Familien geeignet ist, sondern weil sie so liebevoll inszeniert wird, dass man sich sofort heimelig und Zuhause fühlt.

https://www.youtube.com/watch?v=kGGNNSmGDpU
Ich habe die Gilmore Girls erst spät für mich entdeckt, nämlich letztes Frühjahr. Mir gingen die Serien aus, die Gilmore Girls kannte ich noch nicht, also schaute ich rein. Eigentlich war mir die Serie schon früher über den Weg gelaufen, in den 2000ern, als sie noch topaktuell auf VOX im Nachmittagsprogramm lief, aber irgendwie war ich zu dem Zeitpunkt weder serieninteressiert noch hielt ich die Gilmore Girls damals für cool. Sie liefen schließlich zum selben Zeitpunkt wie der Denver-Clan.

Doch als ich mich mal ein wenig reingesehen hatte, wuchs mir die Serie sehr schnell ans Herz. Das Mutter-Tochter-Gespann der Lorelais ist schlagfertig, witzig und alles andere als normal. Die Nebencharaktere sind allesamt liebevoll und detailliert erdacht worden und ergeben weit mehr als ein illustres Hintergrundbild. Die Handlungen plätschern zwar teilweise vor sich ihn - aber hey, wenn man seine Familie besucht, passiert da ja auch nicht jedes Mal was spannendes. Manchmal kommt man einfach nur vorbei, um dort zu sein.

Sieben Staffeln hat die Serie insgesamt geschafft - und dabei leider an Qualität eingebußt. Ging es anfangs noch um viele Lebensaspekte, schoss es sich am Ende stark auf das Thema Liebe ein - und zwar nicht auf die romantische, sondern teils auf die nervenaufreibende Art. Beziehungen wurden wegen eines falschen Wortes beendet, andere kamen ewig nicht zustande. Die zwei Frauen, die damals mit ihrem Lebensstil und ihrer Einstellung feministische Vorreiter waren, wurden plötzlich doch stereotypisiert. Doch zu dem Zeitpunkt hatte man Stars Hollow, den Ort, in dem die Serie spielt, schon so ins Herz geschlossen, dass es keinen Weg zurück gab.

Jetzt und zwar ziemlich genau jetzt, nämlich heute, neun Jahre nach dem Serienende, kommen vier neue, spielfilmlange Folgen auf Netflix raus. A Year in Life heißen die vier Teile, die sich allesamt an den Jahreszeiten orientieren. Lange wurde darauf hingefiebert. Nicht nur von mir, sondern von der halben Welt. Ich habe sogar befürchtet, dass sämtliche Server heute Morgen mit der Veröffentlichung abstürzen, weil jeder die Folgen sehen will. Und ich freue mich nicht nur, weil es neue Folgen sind, sondern weil fast der gesamte Cast von damals wieder dabei ist. Die Geschichte geht weiter. Auch ich werde heute Abend irgendwann vor dem Fernseher versinken und so lange Lorelai und Rory zuschauen, bis mir die Augen zufallen. Denn immerhin sind es sechs Stunden. Sechs wundervolle Stunden mit der wundervollsten Serienfamilie der Fernsehwelt.

Donnerstag, 24. November 2016

Mein Plädoyer... für einen besseren Wohnungsmarkt!

...oder warum Träume und die Realität eben doch etwas ganz anderes sind!

Es gab Zeiten, da hab ich mich immer wieder auf Immobilienseiten wie Immoscout erwischt. Voller Neugier und Träume. Nie auf der Suche, aber immer voller Wünsche und Möglichkeiten. Ich habe mir Wohnungen angesehen, die überhaupt nicht in meiner Preisklasse lagen, mit Dachterrassen, tollem Blick auf die ganze Stadt, bodenlangen Fenstern, Parkett, Fußbodenheizung und immer mit der Vorstellung im Hinterkopf, wie ich diese Wohnungen einrichten würde. Erstaunlicherweise waren zu diesen Zeitpunkten hunderte Wohnungen inseriert, viele, die sogar realistisch in Frage gekommen wären.
Michael Grabscheit  / pixelio.de

Aber auf die Träume und Wünsche folgt irgendwann die harte Realität. Die Umzugsrealität. Der Zeitpunkt, an dem ein Umzug ansteht, anstehen muss und an dem man diese Seiten nicht mehr verträumt, sondern verzweifelt öffnet. Zeiten, in denen man diese Seiten, die Makler, die Vermieter und auch alle anderen Menschen, die irgendwie mit dem Wohnungsmarkt in Berührung stehen, verflucht.

Meine Realität ploppte im September auf. Wir mussten eine Wohnung suchen. Voller Optimismus und Vorfreude öffnete ich die Immobilienseiten, weil ich wusste, dass ich sie mag. Bis ich genauer hinsah. Wir ziehen in keine Großstadt, eher eine normale Stadt. 70.000 Einwohner. Man sollte meinen, dass es dort genügend Wohnungen gibt. Pustekuchen. Insgesamt waren 15 Wohnungen inseriert, davon fünf nicht mal ansatzweise leistbar, drei für beeinträchtigte Menschen, drei, die schon seit einem halben Jahr inseriert waren und zwei, die ich niemals von innen sehen möchte - es blieben also sage und schreibe zwei Wohnungen übrig, die irgendwie in Frage kamen. Zwei. Und ich habe nicht nur auf einer Online-Seite nachgesehen. Also habe ich Anfragen geschickt. Eine wurde mir beantwortet. Ich betone: Eine. Und die sollten wir am nächsten Tag besichtigen kommen. Flexibilität ohne Grenzen. Klar. Auf einmal war mir dieser ganze Wohnungsmarkt nur noch zuwider.

Ich suchte weiter. Mitte Oktober. Nur noch elf Wohnungen inseriert. Drei waren in Ordnung, von einer kam wieder keine Rückmeldung. Eine andere Wohnung sollten wir besichtigen, wann immer wir wollen. Wir planten alles entsprechend, wollten am nächsten Tag in die Stadt fahren, da kam per SMS die Nachricht, dass die Wohnung bereits vergeben sei. Die Verzweiflung keimte auf, schließlich lag der Umzug gar nicht mehr weit in der Zukunft. Ich beschloss, ein Zeitungsinserat aufzugeben, auch in den Kleinanzeigen setzte ich etwas rein. Eine Anfrage kam. Das war's.

Währenddessen waren in meiner Heimatstadt plötzlich 122 Inserate online. Ironisch.

Anfang November ging alles dann ganz schnell. Es gab kurzfristig noch einige Anzeigen, wir hörten auf, unsere Suche auf diese Stadt zu beschränken und schauten uns auch in den umliegenden Dörfern um. Neun Besichtigungen kamen zustande. Und damit ging das Elend weiter. Denn auf die Realität vor Ort ist hart. Denn man muss um Sympathie buhlen, überzeugen, sich verkaufen können. Pro Wohnung gibt es grob zehn Anwärter. Der Makler und der Vermieter suchen aus. Hat nur einer von beiden einen Arbeitsvertrag, wird das schon mal nichts. Da können wir die Wohnung noch so toll finden - wir wurden vertröstet. Das fand ich daran am witzigsten: Am besten soll man am nächsten Tag kommen, auch wenn man eigentlich arbeiten und noch stundenlang fahren muss, also am besten soll man freiberuflich oder arbeitslos sein. Auf der anderen Seite soll man aber bitte so viel verdienen, dass einem das Geld aus den Ohren quillt.

Woran haperte es also vor Ort: Die Makler kamen deutlich zu spät, obwohl wir noch andere Termine hatten. Einer hat vergessen, überhaupt mal Bescheid zu geben, dass die Wohnung längst vergeben ist. Und dass wir einen gemeinsamen Termin hatten. Eine Vermieterin war so unerträglich laut und ätzend, dass ich auch freiwillig auf die Wohnung verzichten wollte. In einer Wohnung fand eine Massenbesichtigung statt. Zehn Leute in zehn Minuten. Und die ganze Fahrerei von Wohnung zu Wohnung, von Ort zu Ort machte mich auch wahnsinnig.

Eigentlich dachte ich, mit den Gesetzesänderungen 2015 würde es sich mal zum besseren ändern. Keine Maklerprovision mehr, keine krassen Mietpreiserhöhungen, alles etwas entspannter. Aber Pustekuchen. Stattdessen sind die Chancen, eine Wohnung zu finden, noch weiter gesunken. Viele Wohnungen werden unter der Hand vergeben, damit man sich einen Makler spart. Massenbesichtigugnen oder massig Anwerber sind Regel statt Ausnahme. Wohnungssuche ist also nach wie vor Stress. Wenn nicht sogar noch mehr als früher.

Glücklicherweise sind wir fündig geworden. Auch privat, ohne Makler. Mit einem Riesenglück! Aber der Weg dahin war steinig. Einfach mal so auf den Immobilienseiten verlaufen, um träumen zu können? Nein, danke. Und ich bin heilfroh, dass die nächste Wohnungssuche noch eine ganze Weile in der Zukunft liegt. 

Mittwoch, 23. November 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Stil!

...oder warum sich anziehen manchmal so schwierig ist!

Manchmal laufe ich durch die Stadt und begegne dabei Menschen, die sehen richtig gut aus. Nicht, weil sie makellos schön sind, perfekt geschminkt, schick gekleidet - nein, bei ihnen stimmt einfach alles. Und dabei wirken sie echt. Sie haben ihren Stil gefunden.

Letztens zum Beispiel stieg ein Mädchen zu mir in den Aufzug, das mich von unten bis oben beeindruckte. Sie trug eine weite, zerpflückte Jeans, ein weißes Männershirt, eine khaki Bomberjacke und weiße Sneaker. Eigentlich ein sehr männliches Outfit. Aber durch ihre feminine Figur, ihr zartes Gesicht und ihr Ombre-Haar sah sie grandios aus. Es passte perfekt zu ihr. In solchen Momenten denke ich immer an meinen Kleiderschrank und bin mir sicher, dass ich damit fünf verschiedene Frauen mit fünf verschiedenen Stilen einkleiden könnte - nur mich nicht.

Aber fangen wir mal weiter vorne an. Was ist Stil eigentlich? Da gibt es zwei Definitionen. Zum einen meint Stil, dass man weiß, wie man sich dem Anlass entsprechend kleidet. Man könnte also auch Stilgefühl sagen. Zum anderen meint Stil nämlich, eine Art zu finden, seinen Charakter optisch auszudrücken. Deshalb steht auch nicht jedes Kleidungsstück jedem und deshalb sieht ein Shirt an zwei Menschen teilweise völlig anders aus. Das Problem dabei: Um sich optisch ausdrücken zu können, muss man erstmal wissen, wie es drinnen aussieht. Man sollte sich also kennen und mögen und das geht nicht vom einen auf den anderen Tag. Das braucht Zeit. Deshalb haben auch nur sehr wenige Frauen mit Anfang zwanzig ihren Stil gefunden, dafür aber fast alle Frauen um die siebzig.


Klaus Steves  / pixelio.de








Und was macht Stil aus?
Dass man sich mit seiner Kleidung identifiziert, sich darin wohl fühlt und nicht erst stundenlang im Kleiderschrank wühlen muss, um ein geeignetes Teil zu finden. Man ist, und da kommt die erste Definition doch wieder ins Spiel, zu jedem Anlass richtig gekleidet, nie over- oder underdressed, bekommt auch ein Gefühl für solche Dresscodes und sieht dabei auch jedes Mal nach sich selbst aus. Denn das ist eigentlich das Wichtigste: Stil hat ein Gesicht. Deins. Deshalb wirkt es auch immer skurril, wenn irgendwelche Promis Laufstegmode vorführen. Das ist Copy und Paste, ohne Persönlichkeit. Und genau die ist bei Stil so wichtig!

Woher weiß man denn, dass ich Stil habe? 
Du weißt einfach, dass zu dieser Laune genau dieses Teil das richtige ist. Du hast keine einzelnen Lieblingsklamotten mehr, sondern einen ganzen Schrank voll davon. Du findest im Shop nicht hundert tolle Teile, sondern ausgewählte, wenige. Und du hast Lieblingsshops. Außerdem, ganz wichtig, fühlst du dich in deinen Klamotten immer wohl, nie verkleidet oder falsch.

Die Frage ist jetzt also: Wie bekomme ich Stil? 
Erst einmal: Gib dir Zeit. Zu sich selbst zu finden und sich gut zu kennen, dauert nun mal. Was ich dir sagen kann: Die meiste Identitätsfindung hast du mit der Kindheit und Jugend schon hinter dir! Momentan wird aber auch noch an dir geschliffen, deshalb genieß es und lass es zu, nur so findest du dich und deinen Stil. Probier dich aus. Geh zum Friseur und lass das machen, worauf du Lust hast! Kauf dir abgefahrene Klamotten oder Schuhe, Schmink dich bunt! Klingt nach allem, nur nicht nach Stil? Stimmt! Aber das Experimentieren ist dafür total wichtig, denn nur so findet man heraus, was einem steht, was einem gefällt und was nicht. Wichtig dabei: Den Horizont erweitern. Ich habe früher zum Beispiel wirklich immer nur grob dasselbe gekauft, aber dadurch, dass man auch etwas anprobiert, von dem man sicher ist, es steht einem nicht, tun sich ganz neue Möglichkeiten auf und man wird inspiriert oder findet sogar neue Lieblingskleider. Es gehört auch dazu, dass man bei bestimmten Anlässen völlig daneben greift. Aber aus Fehlern lernt man und Stil ist in diesem Aspekt ein Trial-And-Error-Ding. Alles Weitere ergibt sich.

Und jetzt noch ein paar Tipps
(die ich anwende, obwohl mein Stil erst noch in den Kinderschuhen steckt):

1. Der Grundstock
Es gibt eine kleine Zutatenliste, die sehr hilfreich ist, wenn es um Stilgefühl geht. Denn manche Kleidung braucht man öfter. Dazu gehören: Ein Blazer, schwarze Pumps, Ballerinas, ein Blusenkleid, eine Bluse, eine mittel- bis dunkelblaue Jeans, ein kleines Schwarzes, ein Cocktail- und ein leichtes Sommerkleid. Bis auf Sommer-, Cocktail- und Blusenkleid sollte alles einfarbig sein, die Farbe könnt ihr natürlich eurem Stil entsprechend auswählen. Die meisten Anlässe sind damit abgedeckt und ihr tappt nicht mehr in Fettnäpfchen. Zumindest nicht optisch.

2. Orientiert euch an den anderen - aber bleibt individuell
Bei Hochzeiten tragen alle lange Kleider? Dann macht das auch. Bei dem Meeting sind Kostüme erwünscht? Haltet euch dran. Manchmal hilft es, mit anderen Menschen über die Anlässe und deren Kleidung zu sprechen, denn so kann man gemeinsam nichts falsch machen. Schließlich ist nichts peinlicher als das Faschings-Szenario: Wenn der Gastgeber alle fordert, verkleidet zu kommen, man selbst nichts davon weiß und als einziger normale Klamotten trägt.
Wichtig ist dabei nur, dass ihr trotzdem individuell bleibt, keine gemeinsamen Klamotten mit Freundinnen kauft und uniformiert zur Veranstaltung geht.
P.S.: Früher oder später braucht ihr den Austausch gar nicht mehr und findet ein Gefühl dafür, was angemessen ist.

3. Lieber zu wenig als zu viel
Das gilt für alles: Kleidung, Schmuck, Make-up. Ein Highlight wirkt stilsicher, viele Highlights bewirken das Gegent
eil. Deshalb bei Make-up entweder Augen oder Lippen betonen. Bei Schmuck Kette oder Ohrringe. Ring oder Armband. Bei Klamotten eine Leuchtfarbe und wenn es schon der Minirock sein muss, dann wenigstens obenrum hoch geschlossen. Und mit dem Leomuster würde ich ganz vorsichtig umgehen. Maximal ein Teil und der Rest super schlicht, sogar das Make-up.

Und als Highlight on the Bottom: Das stilvolle Video zu Taylor Swifts "Style": 


https://www.youtube.com/watch?v=-CmadmM5cOk

Mittwoch, 16. November 2016

Gehen statt bleiben: Neuanfänge!

Neuanfang. Ein Wort, bei dem irgendwie sofort das Kopfkino losgeht. Man sieht: Die weite Welt. Mutige Menschen, die abenteuerlustig in die Zukunft schauen. Nervenkitzel. Optimismus. Und man hat Respekt. So geht es mir zumindest. Wenn Menschen aus meinem Umfeld einen Neuanfang wagen, ziehe ich jedes Mal anerkennend meinen Hut. Ich empfinde für so etwas Bewunderung. Allerdings nur, solange ich selbst nicht neu anfangen muss.

Und wo steh ich heute? Vor einem riesigen Umzug in eine komplett neue Gegend, in der ich nur sehr wenige Menschen sehr flüchtig kenne, die mir überhaupt nicht vertraut ist und in der lauter neue Herausforderungen warten. Um es zusammen zu fassen: Jetzt bin ich diejenige aus meinem Freundeskreis, die den krassesten Neuanfang wagt. 

Interessanterweise haben meine beiden liebsten Musiker Clueso und Bosse erst kürzlich jeweils ein Lied über Neuanfänge veröffentlicht. Und zwar mit völlig anderen Sichtweisen. Cluesos Lied heißt, naheliegend, "Neuanfang", Bosses Lied "Wir nehmen uns mit". 

Hört es euch am besten mal an.

Clueso - Neuanfang
https://www.youtube.com/watch?v=dp5p8gMpBTg

Bosse - Wir nehmen uns mit
https://www.youtube.com/watch?v=3gPgt4gUjaY

So, weiter im Text. Beide Songs sind eigentlich ganz positiv. Nur eben auch ganz anders. Clueso freut sich über den Neuanfang und fiebert ihm entgegen. "Herzlich willkommen, Neufang." Kein Wunder, denn für sein neues Album hat er sich von Band und Manager getrennt, um etwas völlig Neues zu starten. Da sollte man Neuanfängen gegenüber aufgeschlossen sein. Wobei er vielleicht ja auch erst nachträglich gemerkt hat, dass so etwas schön sein kann. 

Bosse klingt zwar auch fröhlich, sagt aber das Gegenteil. Neuanfangen heißt Weglaufen. Nur dass das nicht funktioniert, denn wir bleiben immer noch derselbe Mensch mit unseren Päckchen, schleppen unsere Probleme auch woanders mit uns rum und sollten uns lieber mit uns selbst beschäftigen als woanders hinzugehen.

Ich stehe da standpunkttechnisch in der Mitte. Auf der einen Seite finde ich Neuanfänge spannend, mutig, interessant. Nur eben besonders dann, wenn andere es wagen. Eine Freundin machte ein Auslandssemester in Spanien, ein anderer Freund lebte sogar fast ein ganzes Jahr lang in Schottland. Das bewundere ich und ich flog auch gerne hin, um sie zu besuchen. Einen noch ungewöhnlicheren Weg hat eine andere Bekannte gewählt: Sie hat ihren Freund nach einem halben Jahr geheiratet, um mit ihm in die USA gehen zu können und dort für immer zu leben. Auch das bewundere und respektiere ich, aber mir selbst wird bei dem Gedanken, etwas ähnliches zu tun, ganz bange. Das ist nämlich die andere Seite: Aus der Ferne ist das aufregend, aber tauschen wollen würde ich nicht.  

Witzig, denn jetzt mache ich genau das. Ich wandere zwar nicht in die USA aus, aber ich breche auch die Zelte ab und gehe vom schönen Rheinland-Pfalz ins weit entfernte Bayern. Etwas, das für mich lange völlig unvorstellbar war. Ich mag meine Heimat, habe hier lange gelebt und habe unser Bundesland nie verlassen. Die maximale Umzugsstrecke lag bei 100 Kilometern. Und Bayern war mir bisher auch immer eins der unsympathischsten Bundesländer. Viele Dörfer, wenig Großstadt, eine mir fremde Mentalität und Berge. Dabei bin ich ja eher der Meertyp. 

Aber mein Leben ist oft vor sich hingedümpelt, ich habe Entscheidungen bezüglich Job oder Wohnung getroffen, weil sie mir zugeflogen sind oder sie bequem waren. Damit bin ich zwar glücklich gewesen, nur kann das nicht alles sein. Chancen soll man ergreifen und das hab ich getan. In Bezug zu Bosse: Ich laufe nicht weg - ich gehe ganz bewusst und mit gebrochenem Herzen, weil mir meine Heimat fehlen wird und ich sie mit all ihren tollen Menschen geliebt habe. Aber, wie meine Freunde so schön sagen, wenn ich wieder rumjammere: Das sollte kein Grund sein zu bleiben. Und innerhalb des letzten Monats, in dem ich öfters dort unten war, ist mir Bayern richtig ans Herz gewachsen. Liebe Menschen, ein wundervoller Job, eine traumhafte Wohnung und eine Natur, die so saftig und schön ist, dass man seinen Augen nicht traut. Mal sehen, wie ich dort klar kommen werde.

Jetzt sind es noch eineinhalb Monate, die ich bleibe. Dann gehe ich, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Und obwohl Clueso mir ein bisschen zu optimistisch ist, muss ich ihm in dem Fall zustimmen: Herzlich willkommen, Neuanfang!

Montag, 14. November 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Achtsamkeit!

...oder warum ich erst einmal mit Yoga warm werden musste!

Achtsamkeit ist das Ding. Nicht nur für unsere Generation, sondern im Prinzip für alle. Das merkt man schon daran, dass man mit Wellness, Feel-Good-Produkten und Lifestyle umspült wird. Googelt mal Lifestyle-Blogs. Oder Trendsportarten. Oder Ernährung. Das ist keine Tages-, sondern eine Wochenbeschäftigung.

Dass das so ist, wundert mich nicht. Schließlich war der vorherige und sehr langwierige Trend: Perfektionismus, Überstunden schieben, Überfliegen und Aufopfern. Business first also. Da liegt die Schlussfolgerung nahe, dass die Leute irgendwann protestieren. Und zwar mit der Work-Life-Balance. Also wird über eine 35-Stunden-Woche diskutiert, Yoga ist der Shit und gesunde Ernährung wird zum neuen Mantra.

Klingt erstmal nicht unbedingt positiv. Genauso stand ich dem Ganzen auch anfangs gegenüber. Yoga beispielsweise. Vor drei Jahren gab es in meinem alten Turnverein einen Schnupperkurs, der für die Trainer und ihre Kids angeboten wurde. Ich nahm mit meiner Gruppe daran teil - mit gehöriger Skepsis - und musste mir spätestens beim herabschauenden Hund das Lachen verkneifen. Denn mal ehrlich: Gut aussehen ist anders. Im Gegenteil - ich kam mir vor, als würden wir uns alle in der Clownschule befinden. Doch umso überraschter war ich, als es mir nach dem Yoga seelisch wie körperlich besser ging. Ich fühlte mich ausgeglichener, schließlich hatten wir nicht nur Sport, sondern auch Entspannungsübungen gemacht.

Also ging ich regelmäßig zum Yoga. Ich belegte sogar einen Kurs und zahlte Geld dafür. Denn ich spürte richtig, wie mein Körper wieder beweglicher und ich insgesamt ausgeglichener wurde. Auch in stressigen Situationen. Grundsätzlich merke ich, dass Sport und eine gesunde, ausgewogene Ernährung Sinn machen. Der Körper ist nicht darauf ausgelegt, 40 Stunden pro Woche im Büro zu sitzen. Das macht sich bemerkbar. Ich werde dann irgendwann unruhig, bin dauermüde und unmotiviert.

Doch das ist ja nur ein Aspekt von Achtsamkeit. Ein weiterer ist der Umgang mit sich selbst. Die einen würden es Selbstliebe nennen, die anderen Intuition: Das Gefühl, mit sich selbst im Reinen zu sein, sich gut zu kennen und sich zu hegen und zu pflegen. Diese Thema greifen auch einige Zeitschriften auf. Zum Beispiel die Ma Vie, die Happinez oder die Flow. Vor allem die Flow. Mit der konnte ich lange gar nichts anfangen, ich kannte sie nicht einmal, bis zwei Kolleginnen meinten, ich solle mal einen Blick hinein werfen. Lohnt sich. Also lieh ich sie mir aus und las mich rein. Hauptthema: Achtsamkeit. In allen Lebensbereichen. Angefangen bei Beziehungen, Wohlbefinden, Lifestyle bis hin zur die klassischen Work-Life-Balance. Geschmückt mit hübschem Papier, Bastelideen und spannenden Titelthemen. Jetzt muss ich aber sagen, dass die Zeitschrift mir ein wenig zu einseitig ist. Jeden Monat für sieben Euro Tipps zur Achtsamkeit? Bräuchte ich nicht unbedingt. Was ich aber brauche - wie jeder andere auch -, ist eine gute Beziehung zu sich selbst. Und da setzt die Flow sowie Konsorten richtig an.


Rike  / pixelio.de
Generell ist das die Essenz, die mir Achtsamkeit schmackhaft gemacht hat: Der Gedanke, dass man selbst im Mittelpunkt steht. Nein, das ist nicht egoistisch gemeint und bedeutet auch nicht, dass alle Gedanken nur um sich selbst drehen. Aber das heißt, dass man aufhören soll, sein Leben für andere zu leben. Wichtig ist, das zu tun, was glücklich macht. Kein Rumquälen, kein Zähne zusammen beißen, kein ja, wenn man nein meint. Auch das Aufopfern für die Arbeit hat aufgehört. Im Fokus steht das eigene Wohlbefinden. Das heißt natürlich nicht, dass man andere vernachlässigen soll. Aber das heißt auf jeden Fall, dass man etwas, der einen unglücklich macht, nicht tun sollte, wenn man nicht muss. Dass man statt einem Beruf eine Berufung suchen sollte und genau das tun, was einen erfüllt. Dass man sich für Unangenehmes Belohnen soll. Für Sport zum Beispiel (mit einer heißen, wunderbaren Dusche und tollem Duschgel) oder für das Rocken der Steuererklärung. Beziehungen, die einem nicht gut tun, sollte man loslassen und einfach mehr Menschen treffen, die man liebt. Und natürlich sollte man immer mehr von den Dingen tun, die man liebt. Das Leben ist schließlich oft genug mies, da ist es unerlässlich, ein Auge auf sich selbst zu werfen, denn das stärkt ja auch.

Deshalb finde ich Achtsamkeit zwar immer noch in seiner heutigen Ausprägung übertrieben, aber sinnvoll ist sie auf jeden Fall! Denn sie macht das Leben lebenswerter. 

Freitag, 4. November 2016

Meine Ode an... gute Freunde!

Es gibt sie, die wenigen Menschen, die uns näher stehen als alle anderen. Warum das so ist? Unterschiedlich. Einige von ihnen kennt man schon seit vielen Jahren, sodass eine gewisse Beziehungstiefe nicht zu vermeiden war. Bei anderen hat die Chemie sofort gestimmt. So oder so - diese Herzensmenschen sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Deshalb habe ich hier ein paar Dinge gesammelt, die ich mit meinen Herzensmenschen schon erlebt habe und die für mich eine solche Freundschaft ausmachen. Eine Ode an euch:
PS: Natürlich hab ich nicht mit jedem alles erlebt, das wäre Wahnsinn! Aber einige erkennen sich sicherlich wieder.

Gute Freunde.../Mit guten Freunden...

...kennen auch die Macken, mögen einen aber trotzdem.
...kannst du schweigen. 
...haben einen auch schon weinen gesehen.
...könntest du auch drei Tage am Stück verbringen, 
ohne danach die Freundschaft anzuzweifeln. 
...wissen, wie du deinen Kaffee trinkst - falls du Kaffee magst.
...haben mindestens ein peinliches Foto von euch auf dem Handy,
das sie für den richtigen Moment und als Erinnerung unter Verschluss halten.
...ist der Tonfall manchmal rauer, aber nie böse. 
...haben dir betrunken schon mal ihre Liebe gestanden - natürlich rein freundschaftlich.
 ...beginnen Abende oft mit den Worten "heute aber nicht so lange"und enden weit nach Mitternacht.
...sind schon mit dir Auto gefahren.
...ist sogar einfach quatschen und Kaffee trinken spannend. 
...haben schon mal dein Auto gefahren (auch wenn das oft mit Angst und Widerwillen beider Seiten verbunden war).
...kannst du alles machen, weil alles mit ihnen Spaß macht! 
...mögen deine Couch.
...wird der mieseste Tag manchmal zum besten!
...kennen deine Haustiere, wenn es welche gibt.
...kannst du wild herum philosophieren - oder einfach nur Quatsch reden. 
...kennen mindestens eine peinliche Geschichte von und mit dir, die sie nie erzählen würden. Außer du hast es explizit erlaubt oder verdient.
...kannst du zutiefst streiten, ohne direkt die Beziehung zu gefährden.
...kennen mindestens ein Geheimnis von dir, das sie niemals erzählen würden.
...hängst du auch mal im Pyjama und ungeschminkt ab, 
obwohl du das normalerweise nur  alleine machst.
...wissen über deine Ernährungsmacken Bescheid.
...redest du über alles - von banalen Kleinigkeiten 
bis hin zu den existenziellen Sorgen.
...haben dich schon mal betrunken erlebt.
...wird es gerne mal peinlich, aber das stört dich überhaupt nicht.
...haben sich nicht oder nur wenig über deinen Tanzstil lustig gemacht.
...hast du schon mal wild gefeiert.
...kennen deine/n Freund/in.
...bemühen sich, deine/n Freund/in zu mögen 
oder sind zumindest nett zu ihm/ihr.
...hast du schon mal Tränen gelacht.
...unterstützen dich, wenn sie merken, dass du etwas willst.
...waschen dir auch mal den Kopf, wenn du dich verrennst. 
Aber nur, wenn sie wirklich sicher sind.
...kommen dich auch in Buxtehude besuchen - oder in den USA.
...haben dich schon schlafen gesehen.
Ohne Fotos davon zu machen oder dich anzumalen.
...respektieren deine Grenzen.
...machen dir auch mal ein Kompliment, zwar eher selten, dann aber richtig.
...sagen dir auch unbequeme Wahrheiten.
...kannst du nachts um drei in der größten Krise anrufen und sie würden rangehen.
...sorgen bei dir für ein wohlig warmes Bauchgefühl.
...haben bei dir immer den Anspruch auf ein
Stündchen Zeit, mindestens.
...wissen, wie du wo wohnst.
...haben schon einmal deine Eltern kennen gelernt.

Immer schön zu wissen, dass es euch gibt! :-)
Danke!


Montag, 31. Oktober 2016

Die besten Songs... für Halloween!

Buh! Nicht erschreckt? Naja, war klar. Aber hey, ist ja auch noch hell - gruselig wird es erst heute Nacht! Ich hab euch hier mal die typischen Halloween-Klassiker mitgebracht, die auf jeder guten Gruselparty laufen sollte! Viel Spaß - ähm, Spuk!


Backstreet Boys - Everybody (Backstreet's Back) (90s-Pop)
Wer erinnert sich nicht an dieses herrlich kitschige Grusel-Video in einem Schloss. Herumhüpfende Adoleszierende, Monster - und ein Song, den jeder bis heute mitsingen kann. Genau so was braucht eine Party doch! Und mit dem originalen Werwolf-Heulen kommt der Gruselfaktor auch für die Ohren mit. 
Teenie-Mucke, Klassiker, gute Laune

https://www.youtube.com/watch?v=6M6samPEMpM

Thriller - Michael Jackson (80s-Pop)
Es gibt keine Choreographie, die so viele mittanzen können wie Thriller. Und sei es nur das zombiehafte nach rechts und links hüpfen. Denn obwohl ich von Michael Jackson menschlich nicht allzu viel halte, hat er musikalisch einen echten Ohrwurm geschaffen! Perfekt, um mal wieder den Zombie-Move auszupacken.
Tanzig, gruselig, abspaßen

https://www.youtube.com/watch?v=sOnqjkJTMaA

Ghostbusters - Walk The Moon (Rock)
Für wen die klassische Version von Ray Parker Jr. zu langweilig ist, der höre sich die neue Version, passend zum in diesem Jahr veröffentlichten Film an und schwelge in Erinnerungen. Nicht nur, dass das ein grandiose Film war - sowohl die beiden früheren als auch der Aktuelle - nein, sie sind auch noch lustig-gruselig. Passt ja auch irgendwie zu Halloween!
Klassiker, gute Laune, Mitsing-Garantie

 https://www.youtube.com/watch?v=qMUf1QDQZl0#

Heathens - Twenty One Pilot
Gruselig ging es auch bei der Suicide Squad zu. Schließlich ging es hier auch um die Boshaftigkeit in mehreren Personen und Verrückte. Twenty One Pilots greift diese Stimmung wunderbar in ihrem Song auf und lässt groovig gruseln. 
PS: Man achte auf den Frosch.
Monoton, groovig, ungewöhnlich

https://www.youtube.com/watch?v=UprcpdwuwCg

Yeah Yeah Yeahs - Heads will roll
Wir hatten es ja schon von Verrückten, Knastis, Monstern, Geistern - fehlen noch die Mörder. Die gehören als Protagonisten etlicher Horrorfilme zu Halloween ja auch irgendwie dazu. Das Thema greift indirekt die Band um Karen O auf und zeigt, wie man groovig köpft. Da macht Tanzen fast Spaß...
PS: Wer etwas härter feiern will, sollte sich den A-Track Remix reinziehen. 
Abgefahrener Text, laut, cool

https://www.youtube.com/watch?v=auzfTPp4moA

Meine 5 Minuten gehen diese Woche ans... Studium!

Es gibt Momente, in denen man ganz erschrocken inne hält und sich fragt - wo läuft die Zeit hin? Jaja, die Leute, die mich gut kennen, rollen jetzt sicher mit den Augen und denken: Kommt jetzt wieder ein "Ich werde alt"? Nein, diesmal nicht, keine Sorge. Aber mal ehrlich, manchmal rast die Zeit nur so an einem vorbei. Dummerweise rasen gerade die guten Zeiten. Um mal wieder aufs Thema zu kommen: Mein Studium - die letzten drei Jahre meines Lebens - sind wirklich nur so vorbei gerauscht. Drei grandiose, unvergessliche Jahre. Und die sind jetzt leider vorbei. Manchmal sitze ich wirklich mit meinen Freunden zusammen und wir wundern uns entsetzt, wie das so schnell gehen konnte.

Dabei bin ich mir sicher, dass wir alle nicht mehr dieselben sind wie vorher und auch alle tatsächlich gereift sind. Wenn ich an mein 19-jähriges Erst-Semester-Ich denke, möchte ich die Möglichkeit bekommen, ihr einen Brief zu schreiben. In dem steht, dass alles besser wird - und dass ich endlich mal cool werden sollte, statt verzweifelt so zu tun. Denn ich weiß noch sehr genau, wie ich an meinem ersten Tag in die Uni gefahren bin. Ich wusste nichts über das Studentenleben, wollte unbedingt Leute kennen lernen und hatte panische Angst, dass das nichts wird - nur wollte ich mir genau das nicht anmerken lassen. Deshalb bin ich extra zu allen Einführungsveranstaltungen gegangen und hab sogar an der Campus Rallye unserer Fachschaft teilgenommen. Was beides nur eine semi-gute Entscheidung war. Die Einführungsveranstaltungen waren nämlich relativ informationsleer und das Mädchen, das ich dort kennen lernte, entpuppte sich als nicht dauerhaft kompatibel. Bei der Campus Rallye hingegen lernte ich wirklich nette, liebe Mädels kennen, allerdings blieben wir mit zehn Leuten im (neu gebauten) Fahrstuhl stecken. Ein Ereignis, das traumatisierte und unweigerlich zusammen schweißt.

Damals war ich auch noch so naiv - und von der Bahn und dem Pendeln abhängig - dass ich mir im ersten Semester alle Seminare rund um die eine Vorlesung legte. Womit ich mittwochs von 12 bis 20 Uhr an der Uni saß. Mal mit 45-Minuten-, mal aber nur mit 15-Minuten-Pausen. Obwohl ich zu der Zeit vier Wochentage frei hatte, hasste ich dieses Semester, denn das dauerhafte Berieseltwerden war enorm anstrengend. In den darauffolgenden Semestern verteilte ich alles ein bisschen besser, aber weil das Schicksal es ab dato nicht mehr allzu gut mit mir meinte was die Stundenplanung betraf, hatte ich bis zum sechsten Semester durchweg freitags morgens um acht Uhr ein Seminar. Und das ist ähnlich bescheuert wie alles auf einen Tag zu planen, weil Donnerstags die Studentenpartys sind. Vor allem die Söf (eine bessere Abkürzung kann es für die Semestereröffnungsfete nicht geben). Gerade hier stürzen Studenten gerne ab. Ich konnte mir im Gegensatz nicht mal zwei Bier gönnen, weil ich am nächsten Morgen um halb sieben aufstehen musste. Daran hab ich mich natürlich nicht immer gehalten - und das ein oder andere Freitagsseminar mehr durchlitten als andere.


I. Rasche  / pixelio.de 
Grundsätzlich werde ich den Studenten-Lifestyle schwer vermissen. Man konnte noch ausschlafen (wobei sich das von 11 Uhr im ersten Semester zu 8 Uhr im sechsten Semester stark verändert hat), in der Woche auf die nicht ganz so vollen Partys mit Gleichgesinnten gehen, man konnten kostenlos Bus und Bahn fahren und manchmal, wenn eine Veranstaltung wirklich unnötig war (ja, so etwas gab es) ausgiebig mit den Mädels übers nächste Wochenende quatschen. Einzig und allein auf die Prüfungsphase hätte ich immer verzichten können, denn das war der pure Stress. Angefangen hat es ohne Prüfungen, denn in meinem Studium sind im ersten Semester keine vorgesehen. Okay, das war natürlich nicht stressig. Aber dann ging es mit zwei Hausarbeiten und einer Klausur weiter - was noch tragbar war. Bis ich im vierten Semester vier Hausarbeiten schreiben durfte und das fordert Organisation, Struktur, Planung mit a whole lot of Disziplin. Ging aber immer gut, keine Ahnung, wie. Ach ja, und die sechswöchigen Pflichtpraktika müssten auch nicht mehr sein. Man verdient dabei ja nichts und die meisten Firmen wollen einen lieber für drei Monate und nicht für so kurze Zeit.

Jetzt gerade sitze ich an der Bachelorarbeit. Beziehungsweise jetzt gerade sitze ich natürlich an meinem Blog und pausiere die Bachelorarbeit. 40 Seiten sind angesetzt, 20 Bücher wurden gelesen und 6 Wochen bleiben übrig. Dann ist mein Studium tatsächlich over and out. Die letzten Seminare liegen schon hinter mir, wobei ich erstaunlich unsentimental aus dem Seminarsaal gegangen bin - vielleicht, weil er einfach nicht besonders ansehnlich, geschweige denn gemütlich war. Aber diese drei wunderbaren Jahre waren natürlich für etwas gut. Wir sind eben alle reifer geworden, leben jetzt selbstständig und nicht mehr im Hotel Mama und ohne diese wunderbaren Menschen, die ich auf dem Weg kennen lernen durfte, wäre mein Leben weit weniger reich. Deshalb, und da bin ich mir sicher, werde ich die Uni und das Studium vermissen, auch wenn ich mir das Weiterstudieren nicht mehr vorstellen kann. War schon 'ne geile Zeit.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Nachbarn!

...oder warum ich Aversionen gegen Jazz und US-Fernsehen entwickelt habe!

Nachbarn könnten eigentlich das non-plus-ultra sein. Sympathisch, aber nicht zu aufdringlich. Hilfreich, aber nie penetrant. So stell ich mir das zumindest vor. In der Praxis sähe das dann so aus: Sie leihen mir Eier oder Mehl, wenn ich sonntags zu wenig Backutensilien Zuhause haben (ja, ich denke dabei unweigerlich an die Känguru-Trilogie). Sie grüßen mich freundlich im Flur und wir unterhalten uns kurz, aber herzlich. Sie passen auf Haustiere auf, wenn es mal nötig wird - und umgekehrt. Wenn ich eine Party feiere, warne ich sie vor und bitte um Verständnis. Und wenn sie besonders nett sind, trifft man sich mal auf ein Gläschen Wein - oder sie feiern direkt mit.

Im Prinzip sind Nachbarn also wie gute Bekannte, die glücklicherweise nebendran wohnen und die nicht zu viel fordern. Diese Vorstellung kommt bei mir nicht von ungefähr. Ich hatte nämlich in der Vergangenheit, was Nachbarn betrifft, immer Glück. Die Nachbarin, die während meiner Kindheit neben uns gewohnt hat, Frau Sofa, war nämlich ein Traum. Ich war ständig dort, habe mit ihr Karten gespielt, Kakao getrunken, Süßigkeiten gegessen und im Sommer manchmal auf der Veranda gesessen und geredet. Frau Sofa war für mich wie eine dritte Oma, so gerne war ich dort. Ich kannte mich in ihrem Haus auch komplett aus, und wenn sie etwas brauchte, aber es wegen ihrer Altersbeschwerden nicht mehr so schnell holen konnte, ging ich für sie. Ich war so oft dort, dass es meiner Mutter richtig peinlich war und sie regelmäßig fragte, ob das wirklich okay sei für Frau Sofa. Die wiederum fand das ganz gut. So war sie weniger alleine und wir verstanden uns ja immer super. Und wenn ihre Enkel mal dort waren, was nicht oft geschah, war ich total eifersüchtig. Schließlich sah ich Frau Sofa deutlich öfter als sie. Frau Sofa war eben meine Drittoma-Nachbarin.

Aber auch die Nachbarn auf der anderen Seite meines Elternhauses waren und sind super! Sie wohnen zwar erst seit fünf, sechs Jahren dort - vorher war an der Stelle ein großes Rapsfeld - aber auch sie haben sich gut eingelebt inzwischen. Es handelt sich um eine Baptistenfamilie, was man im Alltag selten merkt, außer dass sie sonntags oft stundenlang in der Kirche sind und neun Kinder haben. Sie bringen regelmäßig Kuchen vorbei, unterhalten sich ausgiebig mit meinen Eltern und man hilft sich gegenseitig, wo es geht.

Mit dieser Vorstellung bin ich also in die Welt gezogen. Naiv, aber optimistisch. Und so wurde ich auch auf den Boden der Tatsachen geholt. Das fing schon am ersten Abend in unserer jetzigen Wohnung an. Wir hatten gestrichen, kein einziges Möbelstück stand in den vier Wänden, außer einer Matratze, auf der wir schlafen wollten. Es war halb zehn, wir waren hundemüde - als auf einmal Jazz ertönte. Eine angenehme Art Jazz, ich mag (beziehungsweise mochte) Jazz nämlich. Nach fünf Minuten irritiertem Sortieren fanden wir den Ursprung: unsere Nachbarn. Die den Jazz so laut aufgedreht hatten, dass wir im anderen Ende unserer Wohnung, weit weg von ihnen, mit Hilfe von Shazam den Künstler hätten herausfinden können. Wir waren völlig entnervt. Um halb elf schliefen wir trotz Lärm endlich ein. Bis ich nachts um halb eins wieder wach wurde, weil die Musik noch immer so laut war.

Warum ich mich nicht beschwert habe? Weil ich nicht spießig rüber kommen wollte und wir uns nicht einmal kannten. Außerdem, dachte ich, gehen sie vielleicht davon aus, dass die Wohnung noch leer steht. Wäre ja möglich. Aber das war erst der Anfang.

Zwei Wochen später haben wir uns dann mal vorgestellt. Die Möbel standen endlich, nur noch wenige Kisten waren nicht ausgepackt, die Einweihungsparty sollte stattfinden. Und um eine gute Nachbarschaft einzuläuten, wollten wir unsere Nachbarn einladen. Wir klingelten und ein etwas verpeiltes, aber sehr freundlich wirkendes Pärchen machte auf. Hipster, definitiv. Es passte alterstechnisch echt gut. In mir keimte automatisch die Hoffnung auf, ein paar neue potentielle Freunde kennen zu lernen. Wir stellten uns vor, sie stellten sich vor und wir luden sie zum kommenden Wochenenende ein. Sie sagten zu. Wer kam an der Einweihungsparty natürlich nicht? Richtig, unsere Nachbarn. Und damit nahm eine ungemütliche Nachbarschaft ihren Lauf und meine Hoffnung verflüchtigte sich ins Nichts.


DieBibliothekarin  / pixelio.de
Regelmäßig, mindestens drei Mal pro Woche, schauen unsere Nachbarn nämlich US-Fernsehen. Es klingt absurd, aber nach allem, was wir in unserer Wohnung verstehen, muss es so etwas sein. Denn sie schauen den Kanal nicht auf Raumlautstärke, sondern so, als würde dort eine Omi Anfang 80 leben, die trotz Hörgerät kaum noch was versteht. Außerdem saugen sie gerne. So etwa täglich. Am liebsten nach neun Uhr abends und dann drei Stunden am Stück. Als hätte die imaginäre Omi auch noch einen Putzfimmel.

Die neuste Angewohnheit der beiden ist, den Müll in den Flur zu stellen. Den stinkenden, siffenden Müll. Da unsere Türen direkt nebeneinander liegen und wir, um zum Treppenhaus zu gelangen, direkt an ihrer Tür vorbei müssen, stinkt es natürlich alles voll und das ganze Treppenhaus müffelt. Da der Müll wohl auch tropft, finden sich über die kompletten Treppenstufen verteilt natürlich auch hässliche Müllflecken. Nur dass unsere Nachbarn sie nicht entfernen. Aber ich wollte mich noch immer nicht beschweren. Warum? Keine Ahnung. Angst vor Konfrontation vielleicht.

Doch die Messischaft unserer Nachbarn sollte einen Höhepunkt finden - und damit meinen guten Willen beenden. Ich kam aus der Stadt, ging die Treppenstufen hoch, schaute nicht auf den Boden und stolperte über ein riesiges, leeres Paket vor der Tür unserer Nachbarn. Müll. Ich hatte leider keine andere Option als Stolpern, denn das Paket belagerte den gesamten Flur. Mein Geduldsfaden platzte mit einem Knall. Ich lief sinnbildlich rot an, merkte die pulsierenden Adern an meinen Schläfen und: klingelte. Ich war so sauer, dass es raus musste und zwar bei den richtigen. Drinnen war definitiv jemand, das konnte ich hören. Sie redeten miteinander und der bescheuerte Fernseher übertrug mal wieder US-Shows. Aber selbst nach drei Mal klingeln machte keiner auf. Also stürmte ich in unsere Wohnung, holte ein Post-It und schrieb sehr deutlich, dass sich das mit dem Müll jetzt ändern muss. Das nervt. Und überhaupt. Es war wirklich ein richtig schöner Wut-It, den ich mit Tesa und ordentlich Wumms an ihre Tür heftete.

Eine Stunde später war der leere Karton verschwunden. Seitdem steht kein Müll mehr im Flur. Die Musik ist zwar immer mal wieder zu hören, aber nicht mehr so penetrant wie vorher. Und alles andere ist auch ein bisschen besser. Im Nachhinein echt ärgerlich, dass ich den Mund nicht aufgemacht habe, das hätte mir vermutlich Nerven gespart.

Jedenfalls ziehen wir bald eh aus, da macht mir sowohl das Ausrasten als auch das Ertragen weniger aus. Wozu jetzt noch nett bleiben? Das einzige, was mich noch sorgt, sind unsere neuen Nachbarn in der neuen Wohnung. Wer das wohl ist? Ich hoffe ja auf ein nettes, älteres, aber nicht steinaltes Ehepaar. Die immer Mehl und Eier Zuhause haben, freundlich grüßen, weil sie noch Manieren beigebracht bekommen haben, keine krassen Partys mehr feiern und grundsätzlich eine entspannte, rücksichtsvolle Art haben. Hach, wenn man so drüber nachdenkt, können Nachbarn ganz schön toll sein...

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Mein Plädoyer für... stilvolles feiern!

Feiern gehen kann so gut tun! Mal wieder auf der Piste sein, die Nacht zum Tag machen, ekstatisch auf laute Musik tanzen und mit seinen Freunden was erleben. Es gibt Phasen, da ist das bei mir regelrecht ein körperliches Bedürfnis, mal wieder zu clubben. Die Sache ist nur, dass es - wie bei vielen Dingen im Leben - durchaus schief gehen kann, wenn man ein paar Dinge nicht beachtet. Ich hab hier mal aus eigener Erfahrung ein paar Tipps gesammelt, damit die nächste Feierei nicht ausartet.

♀ Speziell für Frauen
♂ Speziell für Männer

1. Man nehme die richtigen Leute!
Das klingt erstmal blöd, aber Feiern macht nur mit den richtigen Leuten Spaß. Das heißt nicht, dass ihr nur mit ausgewählten Leuten eures Freundeskreises losziehen dürft. Aber ihr sollt darauf achten, dass alle wirklich Lust auf das Event haben und die Chemie stimmt. Mit Fremden feiern ist immer ein bisschen befremdlich, weil man überhaupt nicht aufeinander abgestimmt ist. Mit Rockern auf eine Technoparty gehen ist mutig, aber geht meistens schief. Ich war beispielsweise mal mit meinem Freund und dessen Kumpels auf einer 90er-Party. Was mit anderen Leuten witzig geworden wäre, fühlte sich eher so an, als würden wir uns gegenseitig den Abend vermiesen - indem ich sie mitgeschleppt hatte, was ihre Laune senkte, und sie wiederum keinen Spaß daran fanden, was mich enttäuschte. Besser auf die Bedürfnisse aller gucken, dann wird das auch was!

2. Man nehme die richtige Musik!
Wie gesagt, Elektrofans werden auf Hiphop-Partys die Flucht ergreifen und umgekehrt. Besprecht vorher, worauf ihr Lust habt oder viel wichtiger: was gar nicht geht, und trefft dann die Entscheidung, wo es hingehen soll. So sind alle zufrieden und keiner meckert rum. 
PS: Auf Hiphop-Partys hab ich die größten Macker mit den schlechtesten Manieren erlebt, während auf Rock- und Elektropartys die Menschen immer sehr umgänglich waren.

3. Informiert euch!
Und zwar über den Dresscode und den Eintritt. Denn nichts ist peinlicher, als vor dem Club zu stehen und wegen falscher Schuhe (ja, das gibt es) nicht rein gelassen zu werden. Schaut deshalb vorher nach, um euch darauf einstellen zu können oder notfalls eine andere Location zu wählen. Außerdem wichtig: Der Eintritt. Der kann je nach Party zwischen kostenlos und 25 Euro schwanken. Informiert euch rechtzeitig, dann passt das Feiern auch zu eurem Budget. 

4. Die Schuhwahl der Damen
So verlockend es auch klingt - eine Nacht in High-Heels ist an sich schon schwer zu verkraften. Wenn man dann auch noch wild tanzen will, brechen einem nach zwei Stunden die Füße weg. Ehrlich, ich hab es ausprobiert. Greift lieber zu schicken Sneakers oder flachen Stiefeletten, das wirkt lässig und trotzdem nicht 0-8-15. Wer wirklich ganz und gar nicht auf Stilettos verzichten möchte, sollte an folgendes denken: Entweder ihr packt euch Wechselballerinas ein, möglichst solche Klappschuhe, die auch gut in kleinere Handtaschen passen (die gibt es sogar mit Glitzer, also auch partytauglich). Dann habt ihr einen Plan B, wenn eure Füße schmerzen und müsst deshalb nicht den Abend abbrechen. Oder ihr zieht High-Heels an, die bequem sind. Heißt: Nicht zu hoch und/oder Blockabsatz. So beugt ihr etwas den Schmerzen vor.
PS: Es sieht meistens ziemlich ungünstig aus, in hohen Schuhen zu tanzen. Als wäre man auf Stelzen unterwegs. Wenn ihr beim Tanzen lässiger wirken wollt, solltet ihr definitiv zu flachen Schuhen greifen. 

5. Der Make-up-Kanister
Es bietet sich beim Feiern immer an, einen Gang zuzulegen was Make-up betrifft. Verständlich, schließlich darf man sich hier mal mehr aufbrezeln als im Alltag, ohne sofort wie ein verrückt gewordener Kanarienvogel aufzufallen. Aber Vorsicht: Auch hier kann weniger mehr sein. Betont nie gleichzeitig Augen und Lippen, sondern setzt Akzente. Rote Lippen? Gern, aber nur mit leichter Wimperntusche. Umgekehrt auf krasse Lippenfarben verzichten, wenn Regenbögen auf dem Lid schimmern. Sonst seht ihr schnell zu abgefahren aus. 

6. Jacke?
Ja und nein. Meistens spielt das keine Rolle, denn es gibt eine Garderobe. Aber geht davon aus, dass ihr ohnehin nicht viel draußen sein werdet und drinnen ist es warm. Also eher eine dünnere Jacke und auf keinen Fall einen Wollpulli oder langärmelig feiern gehen. Lieber ein bisschen zu dünn als zu dick anziehen, denn frieren werdet ihr sehr wahrscheinlich nicht. 

7. Von 0 auf 100?
Vom Bingewatching direkt in den Club? Krasser Stimmungswechsel. Besser und gemütlicher ist, man trifft sich mit den feierwütigen Freunden vorher, trinkt ein bisschen was und kann in Ruhe quatschen, denn das ist im Club nahezu unmöglich, schon alleine wegen der Lautstärke. Außerdem spart ihr so Geld, denn Getränke in der Disko zu kaufen, ist super teuer! Da zahlt man für ein Bier gerne mal um die 4 Euro, für Cocktails 10 Euro. Besser man teilt sich in der Mädelsrunde ein, zwei Flaschen Sekt oder unter den Kerlen zwei Sixpack Bier und verzichtet im Club auf Alkohol. So behaltet ihr einen klareren Kopf und kommt günstiger weg. 

Marco Karch  / pixelio.de
8. Nicht zu früh und nicht zu spät!
Wer denkt: Oh ja, der Club macht um 22 Uhr auf, lasst uns sofort hingehen!, der wird automatisch für einen Stimmungsdämpfer sorgen. Denn wenn ihr dort seid, werdet ihr feststellen: Ihr seid vermutlich die ersten. Oder unter den ersten zehn. Statt wilder Party wird die Tanzfläche gerade erst aus dem alltäglichen Dornröschenschlaf geholt und die Wenigen, die dort sind, stehen und trinken an der Bar. Umgekehrt ist es auch schlecht, nach zwei Uhr nachts aufzubrechen. Zum einen ist das Risiko groß, dass ihr nur noch wenig motiviert seid, den Weg auf euch zu nehmen, weil die Müdigkeit siegt, zum anderen ist es um die Zeit brechend voll und der Alkoholpegel der Gäste kann schnell unangenehm werden. Der perfekte Zeitpunkt, um loszuziehen, ist zwölf Uhr. Denn jetzt beginnt die gute Musik in den Clubs, es wird definitiv getanzt, ist aber noch nicht so voll, dass man das Tanzen auf Zucken runter schrauben muss. 

9. Seid verantwortungsbewusst, aber lasst Freiraum!
Zusammen feiern gehen bringt immer ein bisschen was Soziales mit sich (zusätzlich zum Reden). Man muss ein Auge aufeinander werfen, schauen, dass keiner der Freunde betrunken in einer Ecke liegt, dass keiner von dubiosen Menschen angequatscht oder in eine Schlägerei verwickelt wird. Man hat eben Verantwortung für die Gruppe, schließlich ist man auch zusammen hingegangen. Trotzdem sollte man einander Freiraum lassen. Findet die eine Freundin einen Typen süß und wird angequatscht? Bitte, gerne. Wollen zwei mal auf die andere Tanzfläche gucken? Klar! Trotzdem sollte man immer die anderen im Hinterkopf behalten und nicht irgendwann einfach ganz verschwinden, ohne Bescheid zu sagen. Man sollte eben eine gute Balance wahren zwischen Solo-Ding und Gruppen-Ding. Schließlich ist nichts schlimmer, als nachts ständig nach den Freunden im Club suchen zu müssen. 

10. Besser ein ordentlicher Korb als viele würdelose!
Liebe Singlemänner, ich verstehe, dass ihr auf Partys die Chance seht, Frauen kennen zu lernen. Es sei mal dahingestellt, ob für einmalig oder für längerfristig. Aber es ist einfach demütigend, wenn man merkt, das ihr schon jede andere im Club angesprochen habt und wir Nummer 35 auf eurer Liste sind. Haltet euch lieber an eine, die euch wirklich gefällt und kassiert einen stilvollen Korb, wenn ihr überhaupt einen kassiert. Aber bitte macht keinen Flirt-Marathon draus, sonst werdet ihr ganz schnell abblitzen.

11. Schämt euch nicht für euren Tanzstil!
Die coolsten Männer sind die, die nicht verschämt aus der Wäsche gucken, sondern sich einfach bewegen. Jeder haut mal daneben, aber jeder kann auch automatisch ein bisschen was. Und die wenigsten sind wirklich Körperklause. Also legt einfach los, von Kumpel über Freundin bis Frauenwelt wird jeder beeindruckt sein!

12. Nach zwei Uhr nachts passiert nichts Gutes mehr!
Der Spruch, den ich bei How-I-Met-Your-Mother aufgeschnappt habe, klang in meinen Ohren erstmal unrealistisch und fragwürdig. Aber letzten Endes ist er total wahr! Mit steigendem Alkoholkonsum und dem (das klingt jetzt esoterisch, ist aber so) Einlassen auf die Musik kommen gerne mal Gefühle hoch. Und die können ausarten. Drei Anekdoten gefällig? Eine Bekannte hat im Club einen Typen kennen gelernt, der ihr gut gefiel, aber vor lauter Nervosität war sie nicht sehr redselig. Als sie vom Klo kam, war er weg. Sie ging ihn suchen, fand ihn nicht und beauftragte einen Türsteher, den Club zu durchforsten! Er war aber nicht mehr da. Eine andere Geschichte: Fünf Uhr Morgens, ich mit drei Freunden im Club. Wir wollen gerade Heim, als ich sehe, dass das Mädel vor ihrem Freund steht und weint. Es artet in eine riesige Diskussion über Treue aus, die er aufgrund von überhöhtem Alkoholkonsum unnötigerweise angezettelt hatte. Die Diskussion ging fast vier Stunden lang. Letzte Geschichte: Ich war mit meinem Freund und zwei seiner Kumpels weg. Es war viel Alkohol geflossen, insbesondere bei den beiden Kumpels. Drei Uhr nachts, mein Freund geht mit einem der beiden aufs Klo, als der anderen mir gesteht, mich die ganze Zeit schon total gut zu finden und mich zu umarmen. Ob wir jetzt durchbrennen wollen, schnell, bevor die anderen beiden zurück kommen? Nein, danke. Somit war der Abend beendet. Und ganz ehrlich: Solche Stories braucht man nicht. Also lieber die Emotionen etwas zurückfahren, sich nicht auf irgendwas einlassen, was böse enden könnte und einfach mit Freunden tanzen. 

13. Sonnenaufgang versus Energieverlust!
Auf der einen Seite soll man gehen, wenn es am Schönsten ist. Auf der anderen Seite will man ja auch irgendwie die berühmt berüchtigten lila Wolken sehen. Was denn nun? Schaut am besten auf euren Energiehaushalt. Wenn ihr um drei schon merkt, dass sich alles in euch sträubt und ihr nur noch ins Bett wollt, dann wird das mit dem Sonnenaufgang nichts mehr. Wenn eure Laune aber gut ist, müsst ihr euch diese Frage eh nicht stellen und feiert durch, bis ihr eben nicht mehr wollt. Mein Tipp: Nehmt die Sonnenaufgänge im Sommer mit, die sind früher und fühlen sich wegen der Restwärme in der Luft auch viel schöner an. 
PS: Man kann bei den meisten Bäckereien ab sechs Uhr Brötchen kaufen. Kommt bei der WG oder dem Freund oder sich selbst super an, wenn man frische gebackene Brötchen auf den Tisch stellt!


Wenn das mal keine gute nächste Party wird! Viel Spaß beim Feiern!