Freitag, 10. November 2017

Grow up! 15 Dinge, die ich übers Erwachsen sein gelernt habe...

...oder: Was mir meine Lieblingsmenschen übers Leben beigebracht haben!

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Erwachsen sein ist manchmal schwierig, manchmal heimtückisch, manchmal anspruchsvoll. Aber es ist auf jeden Fall völlig anders als Kind sein. Niemand ist so richtig darauf vorbereitet und obwohl man hinein wächst, reicht das einfach nicht; immer wieder begegnet man Situationen, durch die man völlig unwissend durch muss. Deshalb dachte ich, dass ich euch hier ein paar Ratschläge geben kann, wie man diesen Situationen besser begegnen kann. Und was man wissen sollte über das Erwachsen sein. Doch als ich mal darüber nachgedacht habe, ist mir schlichtweg kaum etwas eingefallen. Ich mir echt den Kopf zerbrochen, seit mehr als zwei Wochen schon. Bis ich den zündenden Gedanken hatte: Ich denk mir die Ratschläge nicht selbst aus, sondern schreibe für euch auf, was mir meine Liebsten über das Leben beigebracht haben. Denn - wenn wir mal ehrlich sind - lernen wir vieles durch unsere Mitmenschen, Freunde und Familie. Weil sie Dinge erleben, bei denen wir bloß zuschauen. Weil sie uns Sachen erklären und beibringen. Weil sie auf eine Art Weise sind, wie wir es nicht sein werden. Deshalb, liebe Lieblingsmenschen, widme ich diesen Beitrag euch und gebe den Lesern Ratschläge, die ich ohne euch nicht geben könnte. 

Keine Sorge, ich habe alle Namen geändert. Trotzdem glaube ich, dass ihr euch in den Beiträgen erkennt, auch wenn es sonst niemand tut. 

1. Lerne, mit Kritik umzugehen
Mein Vater pflegte immer zu sagen: Das Leben ist hart, sei härter. Und ja, verdammt, er hat Recht. Dir wird nichts geschenkt, im Gegenteil: Du musst so einiges einstecken. Vor allem Kritik. Manchmal ist sie berechtigt, manchmal nicht. Aber egal, wie es ist, hier mein erster Tipp (den ich selbst erstmal verstehen musste): Lernt aus Kritik. Und sei es bloß, im richtigen Moment zu nicken. Denn Gegenwind macht stark. Ist die Kritik aber konstruktiv, kann sie euch auf eurem Weg weiterbringen. Vergesst dabei nie: Wenn sich jemand die Zeit nimmt, euch Feedback zu geben und mitzuteilen, woran ihr noch arbeiten könnt, heißt das, dass dieser jemand euch fördert. Und das ist selten - aber deshalb umso lobenswerter. Wisst das zu schätzen.

2. Erweitere deinen Horizont
Vor wenigen Wochen war ich mit meinem Freund in Mainz. Wir saßen abends mit zwei wunderbaren Freundinnen zusammen, einem Pärchen, und sprachen über Gott und die Welt. Und das Küssen und Gefühle. Die beiden hatten darüber eine völlig andere Meinung als ich. Je länger wir darüber sprachen, desto mehr merkte ich, dass andere Menschen ganz andere Perspektiven auf Dinge haben können. Das habe ich mir viel zu selten bewusst gemacht. Dieses ganze Gespräch hat mir geholfen, wieder meine Gedanken zu öffnen und die Perspektive zu wechseln. Etwas, das jeder von uns einfach viel öfter machen sollte.

3. Hör niemals auf, dich auszuprobieren
Eine meiner Freundinnen ist so richtig schön quirlig. Sie hat ständig neue, abgefahrene Ideen und probiert andauernd etwas Neues aus. Frage ich sie, wie es jetzt weiter geht demnächst, sprudelt sie über und entscheidet sich am Ende doch für etwas ganz anderes. Sechs Wochen hat sie mich zum Beispiel in einer unserer Allgäuer Redaktionen besucht, sechs Wochen war sie in Böblingen. Was mich manchmal überfordert, ist aber eigentlich etwas total lobenswertes. Denn noch sind wir jung und noch dürfen wir uns ausprobieren. Warum nicht in verschiedene Dinge reinschnuppern? Festlegen können wir uns doch noch früh genug!

4. Herzensfreundschaft bleibt
Meine längste Freundschaft teile ich mit Kathrin. Ich habe sie kennen gelernt, als ich 15 war, in der Big Band. Sie nahm mich sofort herzlich auf, obwohl sie zweieinhalb Jahre älter war als ich. Fast täglich sahen wir uns nach der Schule, waren ein eingeschworenes Team. Dabei war ich damals ziemlich pubertär... Zwei Jahre später machte sie ihr Abitur und zog nach Trier, uns trennten plötzlich 100 Kilometer.  Für mich war das erst einmal ein Weltuntergang, denn, wie ihr euch vielleicht denken könnt, sind 100 Kilometer für 17-Jährige verdammt weit. Heute, sechs Jahre später, trennen uns sogar 600 Kilometer, denn ich wohne im Allgäu und sie im Ruhrpott. Wir beide sind älter geworden, reifer, haben uns ganz schön verändert. Trotzdem ist diese Freundschaft unzerbrechlich. Wir telefonieren, sehen uns regelmäßig und sie ist noch immer einer der tollsten und wichtigsten Menschen, die ich kenne. Kathrin hat mich gelehrt, dass eine Herzensfreundschaft bestehen bleibt. Scheiß egal, wie weit der andere entfernt ist.

5. Setz Priortäten
Manchmal weiß man gar nicht, wo einem der Kopf steht. Auf der Arbeit ist das alles immerhin noch auf acht Stunden täglich beschränkt - zumindest meistens - aber privat ist das manchmal ähnlich. Freizeitstress, wie meine Mutter zu pflegen sagt. Erwachsene müssen also lernen, Prioritäten zu setzen. Denn das macht das Leben aus. Das heißt nicht, Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen, sondern ganz klar zu sieben. Meine Freundin Jana hat damit besonders zu kämpfen, weil sie viele Hobbys hat, eine Fernbeziehung und dann auch noch dummerweise Freunde wie mich, die weit weg wohnen. Umso schöner ist es, wenn sie sich Zeit für einen nimmt, wenn man doch mal in der Nähe ist. Zum Beispiel letztens, als ich ein Wochenende in Mainz war und sie morgens zum Frühstücken vorbei kam. Trotz Stress.

6. Es findet sich immer ein Weg
Manchmal ergeben sich im Leben Situationen, die alles kompliziert machen. Bei einem Kumpel von mir, Ben, war das so. Er verliebte sich bei einem Sportturnier in ein Mädel, das in seiner Studienstadt lebte. Dummerweise lebte er dort nicht mehr. Eine ganze Weile führten die beiden eine Fernbeziehung, bis sie einen Job in seiner Nähe fand. Heute leben die beiden zusammen und haben sogar zwei Hasen (unheimlich putzig!). Ähnlich war es bei meiner Freundin Bettina. Sie hat drei Fächer studiert, hatte Gelegenheitsjobs und sich durchgewurschtelt. Bis sie heute mit mir ihr Volontariat macht. Und aufblüht. Oder mein Kumpel Leon, der sich durch zwei Jobs angeln musste, bis er mit seiner Freundin nach Wiesbaden ging, wo seine ganze alte Clique inzwischen lebt. Es findet sich also immer ein Weg, wenn auch vielleicht nicht sofort.

7. Verschwende keine Zeit an falsche Freunde
Jeder von uns hat sie: Menschen, mit denen man Zeit verbringt, obwohl sie Gift für einen sind. Und man sich nach jedem Treffen fragt, warum man eigentlich seine Zeit verschwendet hat. Aber die Angst, alleine zu sein oder in Streit zu geraten, ist zu groß und so bleibt man in dieser Beziehung oder Freundschaft. Hier ist Yvonne mein Vorbild. Sie hatte eine Mädelsclique, die oberflächlich war und sich gar nicht für sie interessierte. Irgendwann merkte Yvonne das, hatte genug und entschied, lieber sie selbst sein zu wollen. Also sagte sie den Mädels, dass sie sich zurück zieht, auch wenn das erst einmal bedeutet, deutlich weniger Freunde zu haben. Ich bin stolz darauf, dass ich sie jetzt als meine Freundin zählen kann.

8. Do what you love
Manchmal schlägt man im Leben den falschen Weg ein. Wie mein bester Freund Christoph. Er wollte Jurist werden, spürte aber immer deutlicher, dass er das Falsche tut. Vor dem ersten Staatsexamen, in das er viel Zeit investiert hatte, schwenkte er um. Mit vielen Gewissensbissen. Jetzt bewirbt er sich für Soziologie, weil er merkt, dass er dafür einfach brennt. Das hat mir gezeigt, dass manchmal Umwege nötig sind, um glücklich zu sein. Dass es sich aber immer lohnt, dafür einzustehen.

9. Sei du selbst
Frederike war noch nie bequem. Sie ist laut, redet viel, grunzt süß beim Lachen und färbt sich ihre Haare gerne bunt. Frederike fällt auf. Und ist auch so manches Mal schon damit angeeckt. Aber das ist völlig egal, weil sie eben so ist. Genau das ist unheimlich liebenswert und verdient den größten Respekt, weil sie sich nicht verstellt. Ihr ist egal, was andere denken. Dafür - und für ihren tollen Charakter natürlich - mag ich sie unheimlich gerne!

10. Me first!
Okay, das mag jetzt komisch klingen, vielleicht überheblich und egozentrisch. Trotzdem bin ich fest davon überzeugt: Es hilft nichts, im Leben nur auf andere zu schauen. Denn wir verbringen nun mal die meiste Zeit mit uns selbst. Da sollten wir dafür sorgen, dass es uns gut geht und wir mit uns klar kommen. Ein gutes Beispiel ist mein Kumpel Florian. Er ist ein unglaublicher Sonnenschein, auch wenn es ihm momentan schlecht geht. Nach außen lässt er davon nichts dringen. Andere sind ihm wichtiger als er selbst, zumindest oft. Das ist falsch. Denn das eigene Wohlbefinden ist doch am wichtigsten. Erst wenn wir uns wohl fühlen, können wir uns auch ausreichend um andere kümmern. Also: Stellt euch selbst mehr in euren Lebensmittelpunkt und hegt und pflegt euch!

11. Scheiß auf Konventionen
Eines meiner Lieblingspaare sind Nathaniel und Andrea. Sie sind inzwischen seit (grob) neun Jahren zusammen und nicht verheiratet. Warum? Weil sie das so wollen. Sie hat zwar ein Tattoo mit seinem Anfangsbuchstaben auf dem Handgelenk und sie teilen sich seit Jahren eine Wohnung - und Zukunftspläne haben sie natürlich auch. Aber heiraten möchten sie vorerst nicht. Gut so, denn es ist ihr Leben. Die Norm sollte nicht unser Leben bestimmen und wie das geht, zeigen die beiden ganz wunderbar!

12. Liebe kommt unerwartet
Die schönste Liebesgeschichte haben Jonah und Finja. Die beiden kenne ich schon ziemlich lange, beide Partypeople, wie sie im Buche stehen. Dann lernte Jonah Finja beim Feiern kennen, sie verliebten sich, hatten eine Beziehung. Plötzlich war Finja schwanger. Etwas, dass sie - ähnlich wie Heiraten - nicht wollten. Das grätschte beiden völlig in ihren Lebensstil. Doch sie bekamen das Kind. Jonah beteuerte damals noch, irgendwann bekomme er Finja vor den Traualter. Zwei Jahre später, Oktober: Beide sagten Ja. Das schönste waren die Brautworte: "Liebe Gäste, ich bin gerade an einem Punkt, an dem ich nie sein wollte. Und bin irre glücklich." Liebe findet eben immer ihren Weg. Das wäre dann auch mein Appell an Singles: Nicht verzagen, oft kommt die Liebe unerwartet.

13. Immer schön ehrlich sein 
In meiner Familie habe ich gelernt, dass Harmonie wichtiger ist als klare Worte. Hakte es irgendwo, wurde das nicht angesprochen. Alle beteiligten fraßen es in sich hinein. Als Erwachsene habe ich aber das Gegenteil gelernt: Ehrliche (diplomatische!) Worte lösen manchen kleinen Konflikt, bevor er auflodern kann und sorgt für geklärte Verhältnisse. Kostet ja nicht viel, mal sanft auf den Tisch zu hauen. Am besten hat mir das meine Freundin Svenja gezeigt. Sie haut einem manchmal Dinge um den Kopf, dass die Ohren nur so schlackern. Aber das macht sie, weil sie mich mag. Und ich möchte auf nichts davon verzichten (wobei ich dir immer noch übel nehme, dass ich so spießig bin...:-P).

14. Ein bisschen gleich, ein bisschen anders
Schon wieder Liebe. Aber hey, das beschäftigt einen als Erwachsenen doch auch. Hier ist mein Freund mein Mentor. Meine vorherigen Beziehungen waren Chaos, geprägt von aufgewühlt sein und Spannung. Bei meinem Freund ist das anders. Auf den ersten Blick könnten wir nicht unterschiedlicher sein: Er eher still und introvertiert, ich laut und selbstbewusst. Aber auf den zweiten Blick sind wir uns unglaublich ähnlich. Verstehen uns blind und teilen dieselben Werte. Genau das macht Liebe meiner Ansicht nach aus, sie braucht beides: Gegensätze, die einen Reiz ausmachen, und Ähnlichkeiten, die Nähe schaffen.

15. Die Familie ist unglaublich wichtig
Es gibt Tage, da habe ich verflucht, dass ich einen großen Bruder habe. Und es gab Zeiten, in denen ich mit meinen Eltern ganz schön im Clinch lag. Aber wenn es hart auf hart kam - und das habe ich in meinem jungen Leben schon zwei Mal erleben müssen - war meine Familie der wichtigste Halt. Egal, wie oft wir uns kabbeln und in den Haaren liegen, haben sie immer einein Sonderstatus. Ich kann auf sie zählen, genauso wie sie immer auf mich zählen können. Familie ist einfach ein Band, den man pflegen sollte und der nicht reißt.

Jeder von euch, der hier einen Punkt in der Liste hat und an der ein oder anderen Stelle denkt: "Huch, das bin ja ich", kann sicher sein, dass er nicht nur hier, sondern auch in meinem Herzen einen festen Platz hat. Ihr seid die tollsten Menschen!

Sonntag, 22. Oktober 2017

Grow up! Woran merken wir, dass wir erwachsen werden?

...oder auch nicht...

Um mich herum hörte ich eine Menge Stimmen, die durcheinander quatschten. Vor mir rauschte im Minutentakt eine Achterbahn in ihren Bahnhof. Ein paar Leute stiegen ein, wir rutschten nach. Letztens waren mein Freund und ich in einem Freizeitpark. In der prallen Mittagssonne standen wir in der Schlange der Black Mamba, einer Hängeachterbahn. Noch zehn Leute vor uns, also ziemlich genau eine Runde. Ich ließ den Blick in meiner Langeweile schweifen und schaute mir an, wer noch so in der Reihe stand.
Unmittelbar vor uns war eine Familie: Mutter, Vater, zwei Jungs, der eine vielleicht 13, der andere 10, vermutlich. Beide Eltern Ende 30. Ich sah ihnen die Rollenverteilung im Freizeitpark deutlich an: Vater und Söhne freuten sich auf Action, die Mutter lief ihnen zuliebe mit. So ähnlich war es früher bei mir auch.
Ich drehte den Kopf und blickte mich um. Etwas weiter hinten wartete ein Pärchen, beide etwa Ende 40, keine Kinder. Sie wirkten frisch verliebt und gut gelaunt. Die typischen Parkdraufgänger, die jedes Fahrgeschäft mit Adrenalin mitnehmen und ordentlich auf die Kacke hauen. Von denen es aber nur wenige gibt, denn viele in dem Alter machen das irgendwie nicht mehr. Sie fühlen sich zu alt.
Und mittendrin mein Freund und ich: Irgendwo zwischen Familie und alternden Draufgängern. Denn, zugegeben, wir waren auch über dem klassischen Altersdurchschnitt. Und während ich da so stand und beobachtete, gingen mir zwei Fragen durch den Kopf: Wann werden wir erwachsen - zu erwachsen für Freizeitparks - und, viel wichtiger, woran merken wir das eigentlich?

Früher war das alles einfacher: Man hat die Schule fertig gemacht, mit 16 spätestens eine Ausbildung angefangen und war somit erwachsen. Ein Bruchteil der Jugendlichen hat Abitur gemacht, noch weniger haben studiert. Laut Statistischem Bundesamt machten 1960 noch 6 von 100 Schülern ihr Abitur, 2003 waren es 24 von 100, die Zahl der Studenten hat sich seitdem mehr als versiebenfacht, wie Die Welt berichtet. Früher waren die Lebensumstände also noch anders. Es wurde früh geheiratet und die ersten Kinder kamen, als die Frauen Anfang 20 waren. Und bei der Berufswahl entschieden die Eltern noch mit. Das bedeutet, junge Leute standen zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr auf eigenen Beinen, hatten sich selbst zu versorgen und viel mehr Verantwortung.

Schauen wir uns mal 16-Jährige heute an. Sie gehen in den meisten Fällen noch zur Schule. Ein wesentlich kleinerer Teil als früher hört nach der zehnten Klasse auf. Abiturienten also, die rund ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, gehen bis zur zwölften oder dreizehnten Stufe in die Schule. Ein Teil davon studiert anschließend. Heißt, sie sind frühestens mit etwa 22 mit ihrer schulischen Ausbildung fertig. Die meisten Studenten sind dann aber Mitte 20, das ist zumindest mein Eindruck. Und mal abgesehen vom Alter können junge Menschen frei entscheiden, welchen Beruf sie ausüben wollen - und sich entsprechende Qualifikationen aneignen. Natürlich gilt das nicht nur für den Beruf, sondern für alles im Leben: Sie können ihren Partner frei wählen, ihren Wohnort (wenn man mal die Mietpreise außen vor lässt) und wie sie leben wollen.

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Und das ist natürlich gut so. Es bringt aber eben mit sich, dass viele ihre Jugend so lange beibehalten wollen wie möglich. Weil sie schön war und ist. Weil Verantwortung zu viel sein kann. Wir haben die Chance, so zu leben wie wir wollen? Dann machen wir das auch. Das könnte zumindest ein Grund sein, warum junge Menschen nicht erwachsen werden - sie müssen nicht.

Ein anderer Punkt ist aber, dass Erwachsen sein eine Entscheidung ist. Oder viel mehr die Entscheidungen im Leben dazu führen, dass wir erwachsen werden. Wir heiraten? Dann haben wir Verantwortung für einen anderen Menschen. Sind also Erwachsen. Wir bekommen ein Kind? Dito. Wir ziehen in eine eigene Wohnung? Verantwortung für zwei Zimmer, Küche, Bad. Erwachsen. Also entscheiden sich viele, keine Entscheidung zu treffen. Sie teilen sich die Wohnung lieber mit anderen in einer WG, leben in lockeren Beziehungen und lassen sich treiben. Kurzum: Sie vermeiden also jede Entscheidung, die einen einschränken könnte - und somit erwachsen werden lässt. Schließlich heißt Erwachsen sein nichts anders als: Festlegen auf eine Option. Und sich damit abfinden.

Ich möchte mich davon gar nicht ausschließen. Ich merke selbst, dass es mir zum Erwachsen sein an einigem fehlt. Aber diese Entwicklung der ewigen Jugend bringt auch einige Probleme mit sich. Das größte ist wohl die biologische Uhr. Klar kann man mit Ende 30 sagen: "Ich fühl mich nicht bereit für ein Kind." Aber früher oder später kommt der Punkt, an dem das mit dem Kinderkriegen nicht mehr klappt. Auch so Sachen wir Altersvorsorge oder Immobilienkauf werden mit jedem Jahr schwerer, weil man mehr oder länger Geld zurück legen muss. Und je später man arbeiten geht, desto länger muss man ranklotzen, bis man in Rente gehen darf. Treiben lassen schön und gut, aber das hat Grenzen.

Deshalb bin ich ja für eine Zwischenlösung, die Mischung aus beidem. Auf der einen Seite die Steuererklärung machen, auf der anderen Seite den Hauskauf aufschieben. Auf der einen Seite die Wohnung sauber halten, auf der anderen Seite am Wochenende wild feiern gehen. Oder auf der einen Seite in den Freizeitpark gehen und sich auf der anderen Seite Gedanken übers Erwachsen werden machen.

In den nächsten Wochen erscheinen unregelmäßig weitere Teile der Serie "Grow up". Dabei geht es um das Erwachsen werden in verschiedenen Facetten. Viel Spaß beim Stöbern!

Montag, 16. Oktober 2017

Hits und Shit des Monats: Oktober

Jede Woche gibt es neue Musik, Freitags erscheinen neue Songs und Alben. Um im Audiodschungel nicht den Überblick zu verlieren, starte ich eine neue Serie: Die Hits und der Shit des Monats. Weil sich meine kleinen Playlits, die "Songs zum...", irgendwann selbst erschöpfen und mir dafür die Ideen ausgehen, bekommt ihr jetzt eine neue Art, Musik zu entdecken: Hier stelle ich euch die Toperscheinungen - sowohl Songs als auch Alben - vor, in die ihr unbedingt reinhören solltet. Aber auch Flops gehören dazu, bei denen ihr besser abschaltet. Viel Spaß beim Reinhören!

Hits

Jennifer Rostock - Worst of Jennifer Rostock (Album)
Nahezu jede größere Band - und auch so mancher Künstler - bringt früher oder später ein Best-of-Album auf den Markt. Darauf gesammelt sind die erfolgreichsten Songs. Für wen das gut ist? Für Fans wohl eher nicht, denn die hören sich die Alben komplett an und finden meistens Songs, die besser als die Chartbreaker sind. Stattdessen geht es bei den Best Ofs oft um Kommerz. Noch mehr Geld aus der eigenen Musik quetschen und eventuell sogar neue Fans hinzu gewinnen. Schließlich kaufen eher Neulinge den Sampler. Darauf hat Jennifer Rostock keinen Bock. Sie machen das genaue Gegenteil: Ihr Album "Worst of Jennifer Rostock" beinhaltet Songs, die die Band im Laufe ihrer Karriere einmal geschrieben, aber nie fertig gestellt hat. Also zog sich die Gruppe zurück, feilte an ihnen, bis sie fertig waren, und Tada: Das Album Worst of Jennifer Rostock erscheint. Dabei ist nicht nur das Konzept genial, sondern auch das Ergebnis. Denn sowohl für Leute, die ihre neuere Musik mögen, als auch die alten Anhänger ist etwas dabei. Schließlich umfasst das Werk die gesamte Karriere und sammelt frischen Elektropop, schnellen Rock und auch softere Songs. Während zum Beispiel "Schockverliebt" an die frühe, wilde Zeit der Band erinnert, ist "Flaschendrehen" poppiger und "Keine Macht den Profis", das sie mit Großstadtgeflüster gemacht haben, moderner und experimentierfreudiger. Wer also eine Zeitreise mit der Band erleben will - und zwar keine ausgelutschte mit schon erschienen Songs - sollte sich definitiv an dieses Album wagen!

https://www.youtube.com/watch?v=MfVqeUjz1_o


Taylor Swift - ...ready for it (Song)
Ich mag Taylor Swift nicht. Ehrlich, als Mensch ist sie mir furchtbar unsympathisch. Aber (großes aber) sie hat verstanden, wie die Musikbranche läuft. Und sie spielt damit. Innerhalb der vergangenen sieben Jahre hat sie sich vom Countrygirl zum Popstar gemausert. Das fing schon mit "Red" an, zeigte sich ganz deutlich bei "1989" und gipfelt jetzt in "reputation", das Mitte November erscheint und Hip-Hop-Elemente enthält. Und genau das ist super, denn mit Taylor Swift wird es einfach nicht langweilig. Hat 1989 noch bewiesen, dass sie mit verschiedenen Elementen spielt und gleichzeitig zeigt, dass sie musikalisch ernst zu nehmen ist, setzt reputation sogar noch einen drauf: Das Album spielt. Mit Klischees, Erwartungen und Genres. Neuestes Beispiel ist der Song "...ready for it". Sie stampft auf, ist direkt da, kommt auf den Punkt und das auf eine sexy Art und Weise. "Look what you made me do", der Vorgängersong, wiederum ist wütend, drohend, aber immer beherrscht. Kaum ein Musiker schafft es im Moment, dermaßen gut Musik für seine Absichten zu nutzen. Immerhin ein kleines Manko: Rappen kann Taylor nicht. Und menschlich braucht sie einfach auch Nachhilfe. Aber hey, immerhin die Musik stimmt.

https://www.youtube.com/watch?v=T62maKYX9tU

Shit

Fergie - Double Dutchess (Album)
Einst war Fergie cool. Denn Fergie kann alles: Singen, rappen, texten, tanzen, gut aussehen. Als Teil der Black Eyed Peys konnte sie all das mit Bravour zeigen, immer schön akzentuiert in den Songs, nicht zu dominant. Das war reizvoll. Als sie dann 2007 ihr erstes Soloalbum, "The Dutchess" raus brachte, waren die Zweifel erst groß - kann sie das alleine? Ja, sie kann. Das Album war experimentell, laut, besonders. Fergie war in aller Munde. Dann tauchte sie wieder ab, war wieder Teil der Band und auch das war okay. Bis es still wurde um die Gruppe. Fergie machte nur noch Schlagzeilen mit ihrer Trennung von Ehemann Josh Duhamel. Zwar veröffentlichte sie einzelne, wirklich gute Songs ("A little party never killed nobody" oder "LA love", typisch Fergie). Und dann, aus dem nichts folgte das Album "Double Dutchess". Die Erwartungen waren hoch, aber sie werden enttäuscht. Bis auf ohnehin schon veröffentlichte Songs (darunter auch das recht neue "Life goes on") ist nicht viel zu holen. Der Sound wirkt gefühllos, mechanisch, zum Beispiel bei "You already know". Teilweise haben die Lieder auch völlig sinnfreie Botschaften (M.I.L.F. $ - auch wenn es gut gemeint war). Und auch das Konzept fehlt. Das einzige, was ich raus höre, ist die Bemühung um Experimente - und ein zwanghaftes modern-sein-wollen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass dieses Album zu gewollt ist. Was schade ist, denn nach zehn Jahren hätte sie wieder ein musikalisches Beben hinterlassen können. Stattdessen geht das Album völlig unter.

https://www.youtube.com/watch?v=-Ifnaxi2LQg

Samstag, 2. September 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Freundschaften im Berufsleben!

...oder: Wie geht das nochmal?!

Wie haben wir das nur früher gemacht? Das habe ich mich letztens gefragt, als ich mal wieder einen Tag in Kempten hatte, an dem mir die Decke auf den Kopf gefallen ist und ich furchtbar Sehnsucht nach meinen Freunden in Mainz bekam. Wie knüpft man Freundschaften? Und mir ist schlagartig klar geworden, warum das früher so leicht war: Wir Menschen waren leichter. Im Kindergarten lief das in etwa wie folgt ab: "Magst du mit mir spielen?" "Ja, gerne!" Zack, bumm: Freunde. In der Schule war uns der Sitznachbar der Nächste, im doppelten Sinne. Und nach der Schule blieb immer noch Zeit für ein Hobby - über das man wieder neue Menschen kennenlernte. Im Studium wiederum saßen alle im selben Boot: Es gab hunderte Leute, die niemanden kannten. Also suchte jeder verzweifelt nach Anknüpfungspunkten und schwupp, bildete sich eine Clique. Freunde finden war also nie schwer. Und dann kommen wir in den Beruf und schwimmen auf einmal, was Sozialkontakte betrifft. Besonders diejenige, die - wie ich - weggezogen sind.


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Nach neun Monaten Schwimmen habe ich beschlossen, etwas daran zu ändern und ein paar Methoden ausprobiert, um neue Freunde zu finden. Das Ergebnis und die Chancen habe ich euch einmal zusammen gefasst. Die Bewertung findet nach vier Kategorien statt: Kennenlernmöglichkeit, Zeitaufwand, Ernsthaftigkeit der Absicht. Kennenlernmöglichkeit bedeutet, wie gut sich die Methode eignet, überhaupt Leute kennen zu lernen. Zeitaufwand heißt, wie viel Zeit ihr in neue Kontakte investieren müsst beziehungsweise wie lange es dauert, bis sich wirklich eine Freundschaft entwickelt. Ernsthaftigkeit der Absicht spielt darauf an, ob die Menschen Interesse an einer Freundschaft haben. Also los:


Arbeit

Über den Job neue Freunden zu finden, kann entweder wahnsinnig gut klappen oder gar nicht, denn das hängt von den Kollegen ab. Seid ihr als Mittzwanziger die Jüngste im Team und der Rest ist Anfang 50, stehen die Chancen eher schlecht. Denn selbst wenn ihr euch mögt, ist der Freizeithorizont ein ganz anderer. Sind die Kollegen aber in einem ähnlichen Alter, muss nur die Chemie stimmen und es könnte etwas werden. Schließlich habt ihr grob dieselben Interessen - ihr teilt euch ja einen Arbeitsplatz - und ihr verbringt unheimlich viel Zeit miteinander. Andererseits kommt ihr als Neuling in ein Team, das schon länger besteht und es "nicht nötig hat", neue Freunde zu finden. Deshalb müsst ihr mehr investieren. Das Manko ist bei Jobfreunden, dass ihr vermutlich irre viel über euren Job sprechen werdet. Im besten Fall wird das euer Ventil, um einfach einmal Dampf abzulassen, im schlechtesten Fall kommt ihr über dieses Thema nicht hinaus und eure Beziehung dümpelt auf Kollegenniveau herum. Der Vorteil ist aber, dass ihr nicht allzu viel Zeit benötigt, um eine Freundschaft aufzubauen, weil ihr eh täglich abhängt.

Kennenlernmöglichkeit: ☺☺☺
Zeitaufwand: ☺☺☺
Ernsthaftigkeit der Absicht: ☺☺☺

Facebook-Gruppen

Es gibt sie in jeder Stadt: Facebookgruppen wie "Neu in Köln" oder ähnliches. Hier läuft es ähnlich wie an der Uni: Jeder, der Teil davon ist, kam oder kommt neu in die Stadt. Die Möglichkeit, Menschen mit ähnlichen Interessen zu treffen, ist da. Aber: Manche Menschen sind seit Ewigkeiten dort und haben längst ihre Clique gefunden. Oder wenn jemand in die Runde ein gemeinsames Erlebnis vorschlägt, melden sich direkt 50 Leute, womit man leicht verloren geht. Die Option ist also per se nicht schlecht - und der Zeitaufwand ist auch gering, denn ihr müsst nur einen Post absetzen oder kurz antworten und etwas ausmachen, bevor ihr euch trefft - aber die Ernsthaftigkeit ist... naja, fragwürdig.

Kennenlernmöglichkeit: ☺☺☺☺☺
Zeitaufwand: ☺☺
Ernsthaftigkeit der Absicht: ☺☺

Stammtische

Über die Facebookgruppen kommt es manchmal zu Stammtischen. Zugezogene, manchmal auch Einheimische kommen, mal nur Männer, mal nur Frauen, mal gemischt. Ihr seht das Event in der Gruppe und müsst nur zusagen. Das Problem dabei: Zu einem solchen Stammtisch kommen viele Menschen. Für mich war das ganz schön überfordernd, vor allem weil du dich mit möglichst vielen unterhalten willst, was nahezu unmöglich ist. Auch das typische Kennenlernen ist anstrengend, erst Recht, wenn es in der Masse stattfindet. Bei mir blieben hier zwei, drei Leute hängen, mit denen ich gelegentlich schreibe, aber richtig etwas entwickelt hat sich dadurch nichts... Immerhin ist es zeittechnisch in Ordnung: Es "frisst" euch nur einen Abend, zumindest fürs erste.

Kennenlernmöglichkeit: ☺☺☺☺☺
Zeitaufwand: ☺☺☺
Ernsthaftigkeit der Absicht: ☺☺☺

Vereine

Die klassische Kennenlernoption. Aber auch hier sind oft schon Grüppchen, die sich gefunden haben. Ihr müsst euch also mehr anstrengen, um rein zu kommen. Die Absicht ist entsprechend auch gering (vor allem auch wegen des gemischten Alters), aber der Vorteil ist: Hier können sich Freundschaften ganz natürlich entwickeln. Ihr quatscht in der Runde nach einem Bier, werdet Teil einer Gruppe und findet ganz automatisch Menschen, die euch mal mehr sympathischer sind, mal weniger. Es ist eben nicht so erzwungen wie diese Stammtische oder die Gruppen. Und nebenbei tut ihr etwas, was euch mal auf andere Gedanken bringt.

Kennenlernmöglichkeit: ☺☺☺☺
Zeitaufwand: ☺☺☺☺
(bis auf das wöchentliche Treffen ergibt sich alles automatisch)
Ernsthaftigkeit der Absicht: ☺☺

Freundschafts-Apps 

Seit einer Weile gibt es auch Apps, die Freundschaften knüpfen unterstützen. Ich hab mir "friendsUp" runter geladen. Je nach Ort bekommt man dort zahlreiche Vorschläge von ebenfalls angemeldeten Menschen. Findet man sie sympathisch, wischt man, ähnlich wie bei Tinder, hoch oder wenn man sie nicht sympathisch findet runter. Der Vorteil (und gleichzeitig der Nachteil): Es dürfen sich nur Frauen anmelden. So will die App gegen Baggerattacken vorgehen. Aber: Männer können die App nicht nutzen. Noch ein Nachteil: Je nach Region gibt es nur wenige Vorschläge. Wer im tiefsten Spreewald wohnt, wird also die App nicht unbedingt nutzen wollen. Doch es gibt einen riesigen Vorteil: Von vorneherein ist die Absicht klar und über Chats kann man vorab checken, ob die Chemie wohl stimmt. Bei vier Mädels habe ich festgestellt, dass wir uns wohl besser nicht treffen sollten, aber eine habe ich bei einer Art "Freundschafts-Blind-Date" getroffen. Und jetzt sehen wir uns öfter, weil wir voll auf einer Wellenlänge sind. Bislang war also die App am erfolgreichsten :-). 

Kennenlernmöglichkeit: ☺☺
Zeitaufwand: ☺☺
Ernsthaftigkeit der Absicht: ☺☺☺☺☺

Sonntag, 20. August 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Brillen!

...oder: Wie es ist, Anfang 20 auf einmal eine zu brauchen.

Es war völlig surreal, wie in einem falschen Film. Nein, besser: Wie auf einem falschen Planeten. Um mich herum nur fremde Wesen, die Brillen tragen und ich, der bislang nie eine brauchte. Ich stand im Eingangsbereich des Optikers, vor mir drei Kunden, und beobachtete das seltsame Treiben. Menschen, die anderen Menschen gegenüber saßen und Formulare ausfüllten. Tausende Brillen, die von den Wänden aus die Kunden anstarrten. Und übertrieben freundliche Mitarbeiter, die den Wartenden nur so in den Hintern krochen. 

Dummerweise erwischte ich eine Beraterin, die alles andere als das war. Uschi - so hieß sie bestimmt - war Mitte 50, trug ein dickes Horngestell und hatte noch nie etwas von Höflichkeit gehört. "Was wollen Sie?", blaffte sie mich an, obwohl ich ganz normal in der Schlange stand. "Ich brauche eine Brille", sagte ich und musste selbst ein bisschen über meine offensichtliche Antwort schmunzeln. Sie nicht. Uschi bat mich, ihr zu folgen und stellte mich vor einem dieser riesigen Brillenwände ab. "Erste Brille?" "Jup." Damit ließ sie mich stehen und mich plagte die Überforderung. 

20 Jahre lang hatte ich reibungslos funktionierende Augen gehabt. Einen scharfen Blick wie ein Adler. Bis ich urplötzlich auf der Arbeit merkte, dass ich nach langen Sessions vor dem PC Schwierigkeiten hatte, in die Ferne zu blicken. Und auch beim Autofahren waren nicht mehr alle Schilder von Weitem lesbar. Also machte ich mich auf, eine Gelegenheitsbrille zu kaufen, die ich nur dann anziehen wollte, wenn es nötig war. Eigentlich fand ich das ganz cool, denn neue Dinge und kleine Veränderungen begeistern mich (ich war als Teenie zum Beispiel auch voller Vorfreude, als ich meine feste Zahnspange bekam - wie dumm). Aber jetzt im Geschäft brach die Realität über mir ein. 

500 Brillen hingen vor mir und ich hatte keine Ahnung. Okay, es sollte schlicht sein. Soweit. Aber was heißt das? Keine rahmenlose Fassung, das wusste ich sicher. Ich wollte modern und stylisch aussehen, wenn ich schon eine Brille benötigte. Also suchte ich mir drei Modelle aus, die irgendwie in dieses Bild passten: Da war einmal eine absolute Traumbrille, petrolfarben, ungewöhnliche Form, 100 Euro... Schön, aber unrealistisch. Dann gab es eine etwas gewöhnlichere, schwarze mit breitem Rand für 70 Euro und eine graue, die irgendwie nach nichts aussah für 20 Euro. Als ich meine persönliche Beraterin ansprach, pflanzte sie mich an einen der Tische mit den drei Stühlen - einer für den Mitarbeiter, zwei für die Kunden - und sagte, sie komme gleich. 

30 Minuten später tat sie das auch. Und fragte mich, wie ich mich entschieden hatte. Eigentlich wollte ich von ihr hören, welche gut sitzt und gut an mir aussieht, aber dazu war Uschi nicht fähig. Also entschied ich mich für die Durchschnittliche: Durchschnittlicher Preis, durchschnittliche Farbe, durchschnittliche Form. Sie stand mir auch, das schon, aber sie saß völlig falsch und abschließend musste ich drei weitere Male zum Optiker - jedes Mal mit einer gewissen Wut im Bauch - weil sie die Brille und die Gläser bearbeiten mussten. 

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Aber gut, das ist inzwischen drei Jahre her. Und inzwischen trage ich keine Gelegenheitsbrille, sondern eine feste. Denn wie sich herausgestellt hat, habe ich den Gendefekt meines Vaters geerbt - er hatte bis zu seinem 20. Lebensjahr auch gute Augen und ist dann in kurzer Zeit auf -4 Dioptrien gerutscht. So schlimm ist es bei mir zwar noch nicht, aber ich bin jetzt auf eine Brille angewiesen. Und es ist ein riesen Unterschied, ob ich sie aufziehen kann oder muss. Ich hab allen, die entweder mit Gläsern vor den Augen groß geworden sind oder die keine tragen müssen, mal die Nachteile und seltsamen Situationen aufgeschrieben:

1. Vergesslichkeit
Wer lange keine Brille gebraucht hat, hat sie auch nicht immer auf dem Schirm. Etliche Male habe ich also auf dem Weg zur Arbeit meine Gläser vergessen. Anfangs noch nur ärgerlich, aber nicht weiter schlimm. Deshalb kam es auch jeden zweiten Tag vor. Inzwischen wäre es eine Katastrophe, schließlich würde ich ohne vermutlich kein einziges Straßenschild auf 100 Meter Entfernung erkennen. Aber hey, man gewöhnt sich dran.

2. Hitze/Kälte
Ist es heiß, schwitzt man, ist es kalt, friert man. So weit, so offensichtlich. Mit Brille habt ihr aber mehr Probleme: Eure Brille beschlägt. Im Winter, wenn es richtig kalt ist, habt ihr jedes Mal einen milchigen Film auf den Gläsern, sobald ihr einen Raum betretet. Im Sommer, wenn ihr schwitzt, läuft sie davon an. Echt nervig, glaubt mir (davon können die Brillenträger ein Lied singen). Und mit angelaufener Brille sieht man immer so dämlich aus...

3. Sonne
Früher, wenn es richtig schön sommerlich war, habe ich zu meiner 10-Euro-Sonnenbrille aus einem Schmuckladen gegriffen und sah sehr schnell sehr günstig sehr cool aus. Mit Sehschwäche geht das nicht mehr, da braucht ihr auch in der Sonnenbrille verstärkte Gläser. Und weil Gläser nun mal richtig teuer sind, habe ich nur noch eine davon, die ich hege und pflege. Damit aber noch nicht genug, schließlich müsst ihr auch jedes Mal, wenn ihr geblendet seid, die Brille wechseln. Beim Autofahren ist das gar nicht so leicht.

4. Putzen
Wie schnell eine solche Brille dreckig wird, hätte ich nie erwartet. Mindestens drei Mal muss ich sie am Tag putzen, sonst habe ich Flecken drauf - und selbst die kleinsten davon nerven enorm. Dabei kommt es aber auf die Technik an. Muss es schnell gehen, reicht das übliche Brillenputztuch im Etui. Morgens hingegen gibt es die Grundwäsche. Nass machen und mit dem Handtusch trocken wischen.

5. Liegen 
Eine Sache, die ich völlig unterschätzt habe, ist liegen mit Brille. Klar, auf dem Rücken ist das kein Problem. Aber sobald ihr euch auf die Seite rollt, merkt ihr das Gestell: Es drückt. Heißt: Gemütlich einkuscheln mit Brille geht nicht mehr. Muss ja auch nicht, es sei denn ihr wollt...

6. Fernsehen
Noch etwas, das mir nicht klar war: Auch beim Fernsehen braucht ihr jetzt eine Brille. Sonst könnt ihr die Figuren im TV nur noch erahnen (was auch manchmal geht, zum Beispiel wenn ihr liegen wollt). Aber liegen und ein scharfes Bild geht nicht - und auch das nervt.

Eine Brille zu bekommen, bringt also in erster Linie einige Veränderungen mit sich. Aber, wie schon gesagt, man gewöhnt sich an alles. Und es hat gar nicht lange gedauert, bis die Brille einfach ein Teil von mir war. 

Freitag, 11. August 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... die Nature One, Vol. II

...oder: Mein Party-Tagebuch

Einen Tag lang verzichte ich jedes Jahr auf Schlaf (und der ist mir normalerweise super wichtig!): Nämlich genau dann, wenn wieder die Nature One die Raketenbasis Pydna zum Beben bringt. Weil ich euch letztes Jahr schon vorgeschwärmt habe, was daran so toll ist, bekommt ihr diesmal das Feiertagebuch der elektronischsten 24 Stunden meines Jahres. 

https://www.youtube.com/watch?v=uD_lDaxdUUQ

17:44 Uhr Bin im Zug nach Mainz, um meinen Kumpel Daniel abzuholen (und meine Sachen dort abzustellen). Fange mir erste Blicke von Mitfahrern ein, die nicht einschätzen können, ob ich einfach wunderlich bin oder außerirdisch. Habe viel Zeit in blaue Haare, rot-blaue Augenlider, metallene Lippen und mein kleines, silbernes Gesichtstattoo investiert. Körperlich bin ich entspannt, mental gar nicht, denn ich habe fünf Minuten, um vom Hauptbahnhof in die Straßenbahn zu kommen, bei Daniel eine Viertelstunde, um in die Wohnung zu gehen, Sachen abzustellen und mit Daniel wieder zur Haltestelle zu gelangen. Und dann, wenn es bis dahin gut geht (unwahrscheinlich), bleibt uns genügend Zeit für den Zug...

18:02 Uhr Juhu, bin in der Straßenbahn! Sogar eine früher als erwartet!

18:37 Uhr Nochmal juhu! Der Stress hat sich gelohnt, wir haben ein super Timing! Habe alles umräumen können wie erwartet, jetzt nur noch ein Ticket für den Zug ziehen. Hoffentlich liegt nichts Wichtiges mehr in Daniels Wohnung...

18:48 Uhr F&#k! Natürlich hab ich was vergessen! Meine Bahncard! Ich hätte die 20 Euro sparen können. Ach, Mann, typisch. Immerhin ist sonst alles dabei.

19:05 Uhr Ist das euer Ernst? Der Automat nimmt meinen 50-Euro-Schein nicht. Der Verkaufsschalter hat bereits geschlossen, der Infoschalter verkauft und wechselt nicht. Bin verzweifelt. Versuche es bei Rossmann. Alarm geht am Eingangsbereich los. Die Kassiererin zitiert mich herbei, ich muss all meine Sachen entwerten lassen, damit ich nicht mehr piepse. Hilft aber nicht. Sie schickt mich kopfschüttelnd raus. Kaufe mir frustriert eine Brezel, um mir ein Bahnticket zulegen zu können. 

19:25 Uhr Sitzen im Zug. Daniel hat eine Dose Wodka-Lemon aufgemacht, ich eine Dose Prosecco mit Himbeeren. Klebrig. Ich schwärme ihm vom vergangenen Jahr vor, da fällt mir siedend heiß ein, dass auch mein Personalausweis noch in Daniels Wohnung liegt. Verfalle in Panik. Was, wenn es dort Sicherheitskontrollen gibt? Und sie mich deshalb nicht rein lassen? Und der ganze Abend im Eimer ist? Mir bricht Schweiß aus. Erinnere mich, dass ich den Perso mal abfotografiert habe. Finde die Datei auf dem Handy. Hoffe, das reicht. 

20:10 Uhr Noch eine Zigarette vor dem Partybus, der uns von Koblenz nach Pydna bringt. Wollen gerade einsteigen, als dort Volksmusik erklingt. Erst urtümlich, dann Helene Fischer. Überlegen kollektiv, zu protestieren. Der Busfahrer entscheidet sich dann doch für Techno. Gott sei Dank...

21 Uhr Sind auf dem Gelände. Muss aufs Klo, die Fahrt war lange. Stelle mich in eine 20 Meter breite und 50 Zentimeter lange Schlange vor den Dixis. Chaos. Brauche ewig, um aufs Klo zu gehen, während Daniel mit meiner Regenjacke im Arm wartet. Immerhin ist das Klo recht sauber. 

21:13 Uhr Komme zurück zu Daniel. Er beschließt, er muss jetzt auch. Also nochmal von vorne: Anstellen in der Dixi-Schlange. Sie ist inzwischen ein Meter lang. Kann sich nur um Stunden handeln...

21:32 Uhr Daniel kommt endlich zurück. Endlich, weil wir bis aufs Festivalgelände noch eine Dreiviertelstunde locker vor uns haben, denn alle Besucher drängen gerade dorthin. Es ist enorm viel los. Reihen uns in die Masse und folgen. 

21:50 Uhr Ups, ging wohl doch schneller. Die Kontrollen haben sie extrem gut hinbekommen. Auch mein braunes Guaranapulver (pflanzliches Koffein, ganz legal!) haben sie gefunden. Die Frau von der Security rief direkt die Drogenkommission. Der Typ roch kurz daran, lachte und winkte mich durch. Ab geht's!

22 Uhr Daniel möchte Bier, ich möchte Wasser. Stellen uns an und bekommen Getränke schnell. Komme auf die irre Idee, Guarana in die Getränke zu machen. Da man ja immer rund einen halben Teelöffel nehmen soll, mach ich ordentlich rein. Die Folge: Daniels Bierschaum sieht aus wie dreckig und mein Wasser verwandelt sich zur Schlammbrühe. Auch geschmacklich. Na toll. Hauptsache wach. 

22:11 Uhr Sind auf dem Open-Air-Floor. Daniel ist sichtlich beeindruckt, ich fühl mich Zuhause. Die Ostblockschlampen legen gerade auf und feiern enorm, dass sie gerade hier sind. Stimmung ist super, fühle mich frei und jung und gut. 

https://www.youtube.com/watch?v=md7Co6Qyym0

22:14 Uhr Durch das Tanzen vermischt sich das Guarana mit dem Wasser. Sieht noch immer eklig aus, aber schmeckt immerhin wie Wasser. 

22:47 Uhr Beschließe, Daniel das Gelände zu zeigen. Machen eine Rundreise vom Classic Floor (auf dem 90er-Techno läuft) über den Century Circus (Zelt, in dem neuer Techno gespielt wird) bis hin zum House of House (da läuft House - überrascht, was?). Beleuchtung ist definitiv dort am besten. Schauen auch kurz in die kleinen Bunker, in denen jeweils Clubs drin und drauf sind, aber um halb zwölf habe ich ein Date mit Moguai am Open-Air-Floor. Vorfreude!

https://www.youtube.com/watch?v=TuzD8TWyfX0

23:35 Uhr Hartes Set von Moguai... Letztes Jahr war er melodischer. Mal schauen, ob er die vier Lieder, die ich inzwischen kenne, spielt. Bin zuversichtlich. 

23:50 Uhr Noch immer ziemlich hart - und unbekannt. Nicht so das Wahre. Will aber nicht mein Gesicht verlieren und feier hypnotisch weiter zur Musik. Ein DJ-Set kann sich ja entwickeln...
Moguai auf dem Open-Air-Floor

0:14 Uhr
Gebe auf. Stil bleibt so. Schade. Setzen uns auf einen der Hügel, um kurz zu entspannen. 

0:17 Uhr Shit, sind die rutschig! Ohne Spikes macht man da den Abflug. Uncool. 

0:45 Uhr Oh Mann, jetzt spielt Moguai eins der Lieder, die ich kenne? Jetzt, nach eineinviertel Stunden? Egal, sitze gut (Po ist im Boden verankert, das geb ich jetzt nicht auf, nicht vor dem Feuerwerk!)
Feuerwerk über die Schulter...

1:10 Uhr Moguai ist fertig, die Nature One Inc. übernimmt und macht die Hauptshow. Einer der Gründe, warum ich dieses Jahr Samstag und nicht Freitag hin wollte. Die ersten zehn Minuten laufen ohne Pyroeinlagen und Feuerwerk ab. Stattdessen zeigen sie an der Lichtpyramide über dem Open-Air-Floor, was sie alles kann. Dann kleine Raketen oberhalb der Bühne. Und dann - och nöhööö! - beginnt das Feuerwerk hinter uns. Ein riesiges, wunderschönes Feuerwerk. Nur da wir am steilen Hang mit Blick auf die falsche Seite sitzen und alle jetzt auf den Bunker stürzen, haben wir keine Chance. Wir drehen uns um, gucken über die Schulter oder beobachten, wie die Leute sich die Lichtershow ansehen. Na toll. 

1:33 Uhr Suchen einen Weg über den Bunker und versinken dabei oben im Gras, nachdem die glücklichen Feuerwerkschauer den Hügel verlassen haben. Gibt hinten keinen Weg runter, also wieder dorthin zurück, wo wir herkamen und mitten durch den Bunker hindurch. Muss aufs Klo und stelle mich mal wieder in eine dieser seltsamen Schlangen. Ein Typ quatscht mich an, Mirko oder so (verstehe den Namen durch die laute Musik schlecht). Fragt, "ob ich auch anstehe". Muss mir eine blöde Antwort verkneifen. Er führt aber ein zivilisiertes Gespräch mit mir, die Anmache ist nicht niveaulos. Er erzählt zum Beispiel, dass er Menschen aus dem Allgäu kennt und aus Hessen kommt. Sympathisch! Als er mich fragt, was ich beruflich mache, geht eine Klokabine auf, in die ich schlüpfe. Bester Moment bis heute! Nicht Mirko, sondern das Klo, denn der Toilettenrand ist total sauber und es gibt Klopapier! Juhu!
Die Lightshow im House of House bei Moonbootica

2:13 Uhr Sind im House of House und tanzen zu Moonbootica. Daniel ist zu heiß, wir gehen an den Rand. Dort dienen wir aber als Wegweise für den Durchgang oder als Kreise, denn ständig laufen Leute um uns herum. Beschließen, dass wir lieber raus gehen, noch eine rauchen. 

2:48 Uhr Verquatschen uns auf einem Hügel. Werde harmlos emotional und fühle mich kindisch. Kann daran liegen, dass Daniel 12 Jahre älter ist als ich und oft weise Ansichten hat. Vielleicht ist es aber auch, weil ich meinen heutigen Tiefpunkt erreiche. Bin richtig müde und mir wird kalt. 

3:12 Uhr Gehen zum Getränkestand. Ich ordere ein Bier für Daniel und ein Wasser für mich. Soll acht Euro zahlen, was zu viel ist. Statt Wasser bringt sie mir aber Storm, das koffeinhaltige Wasser auf der Nature One, das teurer ist als übliches. Ich drücke ihr sieben Euro in die Hand, sie lacht. "Ich dachte, du hast schon bezahlt", sagt sie. Ich ärgere mich kurz über meine Ehrlichkeit, freue mich aber über den Euro weniger, den ich gezahlt habe und das Koffein, das ich so bekomme.

3:27 Uhr Daniel möchte sich Tom Wax auf dem Classic Floor anschauen. Müssen erstmal den Floor suchen, denn es gibt einen weiteren großen auf einem Hügel. Daniel - der eigentlich Rock hört und nur gelegentlich mal zu Elektro feiert - erkennt Tom Wax. Für klassischen Techno ist er wirklich gut. Feiern mit lauter Menschen, die aber in die Zielgruppe hören. Heißt: Ich bin mit Abstand die Jüngste. 

3:52 Uhr Weitere kurze Pause zum Durchschnaufen. Müdigkeit dümpelt in unseren Köpfen vor sich hin. 

4:13 Uhr Machen einen Abstecher zum Open-Air-Floor. Wollen den Abend dort ausklingen lassen, dort gefällt es uns am besten. Momentan spielt noch Ferry Corsten, dann übernimmt Tujamo. Die Tanzfläche ist deutlich leerer als noch gegen Mitternacht. Merke, wie meine Akkus durch die Musik wieder aufladen, tanze mich in den Flow, als es auf einmal still wird. Nur ein Animateur macht noch Faxen. Ich sage aus Spaß: "Da ist wohl das Pult kaputt". Da sagt der Animateur auf Englisch (warum auch immer, wenn der DJ deutsch ist und das Publikum auch): "Wir haben Probleme mit dem Pult." Fünf Minuten kein Tanzen. Die Menschenmasse stört das nicht. Sie feiern auch so weiter. 

5:10 Uhr Beschließen aufzubrechen, ab zum Bus. Zahlreiche Menschen gehen mit uns. Der Bus fährt pünktlich um halb sechs ab. Wir sind extrem müde. 

5:29 Uhr Diskutieren über die Zukunft von Zeitungen. Merke, dass das mit meinem müden Kopf echt anstrengend ist und ich keine guten Argumente mehr zusammen bekomme. 

6:07 Uhr Sind am Koblenzer Hauptbahnhof. Laufen wie Zombies zum Becker und holen Frühstück. Alles noch warm, mjam. Ich kaufe mir noch ein Ticket - das mit dem Bahncard ist mir mittlerweile zustandsbedingt egal - und laufe mit Daniel zum Gleis, frühstücken. Es ist bitterkalt heute Morgen, maximal 13 Grad. 

6:55 Uhr Abfahrt nach Mainz, im ICE! Es ist so bequem, dass ich hart gegen das Schlafen ankämpfen muss. Als Daniel mir nach fünf Minuten sagt, ich soll doch bitte endlich nachgeben, bin ich sofort weg. 

7:28 Uhr Sind in Mainz. Nehmen uns ein Taxi zu seiner Wohnung, denn auf die Straßenbahn warten halten wir nicht mehr aus. Bin erstaunt, wie fit mich dieser Kurzschlaf gemacht hat. Rede wieder ununterbrochen. 

8:11 Uhr Beschließe, meinen Zustand zu nutzen und wach zu bleiben. Gehe Duschen in Daniels Wohnung und suche mir den nächsten Zug ins Allgäu. Wenn ich jetzt schlafe und auf meinen eigentlich gebuchten Zug warte, ist mein Tag im Eimer. 

9:19 Uhr Fahr Richtung Hauptbahnhof. Hoffe, keine Tasche liegen zu lassen oder wegzudösen, sonst wache ich am anderen Ende von Mainz auf. 

11:32 Uhr Zugfahrt ist bequem, habe geschlafen. Wache auf, weil sich ein Mädchen neben mir setzt. Sieht ähnlich alt aus wie ich. Hat aber eine Freundin dabei, die sich gegenüber setzt. Und schon reden sie, durchweg in einer hohen Stimmlage - über Make-up. Ich kann meinen Schlaf vergessen. Bin frustriert und zähle die Stunden, die ich jetzt wach bin (mit Miniunterbrechungen): 27. 

12:17 Uhr Bin am Ulmer Hauptbahnhof, muss umsteigen. Hab tierisch Hunger, das Frühstück ist zu lange her. Hole mir etwas zu essen und kann den letzten Sprint mit dem Regionalexpress nicht mehr erwarten. 

14:21 Uhr Komme im Allgäu an. Und hab wieder Hektik. Es fährt genau ein Bus in genau fünf Minuten, danach für 90 Minuten nichts mehr. Ich weiß, dass ich die 90 Minuten nicht aushalte, also renne ich. Erwische den Bus und torkle müde die letzten Meter von der Haltestelle nach Hause. 

14:44 Uhr Begrüße meinen Freund - die letzte Handlung, bevor ich nach 30 Stunden ohne Schlaf auf der Couch ins Koma falle. Aber nicht ohne ein Lächeln im Gesicht. 

https://www.youtube.com/watch?v=MbiyT9LXgu0

Mittwoch, 2. August 2017

Die besten... Hymnen!

Es sind Lieder, die es schon seit Generationen gibt. Und die sich in den Köpfen festgesetzt haben, denn sie bewegen Menschen, bringen sie zusammen. Sei es durch Emotionen, ein Zusammengehörigkeitsgefühl oder die Atmosphäre, die sie vermitteln. Wer jetzt Nationalhymnen im Kopf hat, denkt aber nur an einen Bereich. Denn auch in Pop- und Rockmusik gibt es sie. Ich habe euch fünf Hymnen zusammen gestellt, an die ihr vielleicht nicht sofort denkt, die aber dieses einzigartige Gefühl in eure Ohren bringen.

Glorious - Macklemore feat. Sklyar Grey (Pop/Rap)
Lange dachte ich, "Thriftshop" und "Can't hold us" seien ein kurzes Phänomen, das langsam vorbei geht. Denn danach konnte Macklemore nie richtig nachlegen. Jetzt hat er bewiesen, dass er es noch immer kann. Mit Glorious bewegt er die Massen - nicht nur emotional, denn der Song ist zusätzlich tanzbar und fordert zum Mitsingen auf. Ein Song, der definitiv Hymnenpotential hat!
PS: Zuckersüßes Video!
Emotional, feierlich, tanzbar

https://www.youtube.com/watch?v=7OrLroFa0AI


High as a Kite - FAIRCHILD (Indie)
Was früher einmal Coldplay waren - siehe unten - könnte einmal FAIRCHILD sein. Mit emotionalen Songs und treffenden Lyrics berühren sie ihre Zuhörer und reißen sie mit. Keinen Song könnte ich mir momentan besser auf einem Live-Open-Air vorstellen.
Berührend, mitreißend, Open-Air-Feeling

https://www.youtube.com/watch?v=dCPmk3vKWEM


Hit the Ground Running - Alice Merton (Pop)
Mit ihrem "No Roots" hat die Deutsch-Irin einen riesigen Ohrwurm geschaffen. Doch die Frau kann noch mehr: Hymnen zum Beispiel. Mit ihrem Song "Hit The Ground Running" trifft sie ins Herz - und lädt ihre Zuhörer zum Mitsingen ein. Toller Song!
Mitsing-Garantie, rockig, eingängig

https://www.youtube.com/watch?v=nZafNu7ORXI

Speed of Sound - Coldplay (Pop)
Kaum eine Band kann Hymnen so gut wie Coldplay. "Speed Of Sound" ist nur eines von vielen Beispielen. Warum die Gruppe darin so talentiert ist? Weil sie mit ihren Instrumenten regelrecht in ihre Songs hinein ziehen und dabei mit simplen, aber eindrucksvollen Texten die Menschen bewegen.  Und das Verträumte schadet der Band auch nicht. Absolut stadiontauglich.
Trifft ins Herz, laut, mitreißend

https://www.youtube.com/watch?v=0k_1kvDh2UA

Talking to Myself - Linkin Park (Rock/Pop)
Linkin Park hat schon früh Hymnen geschaffen: "Numb" oder "In the End" haben Menschen schon jahrelang in ihren Bann gezogen - die meisten können diese Songs auswendig, auch wenn sie gar kein Nu Metal mehr hören. Nun ist vor zwei Wochen Sänger Chester Bennington gestorben. Einen Abend zuvor haben sie das Video zu ihrem neuen Song "Talking to Myself" veröffentlicht. Im Nachhinein wirkt er wie ein Nachruf. Und genau deshalb findet sich hier genau dieser Song und kein anderer der Band. Denn durch seine Veröffentlichung ist dieses Lied irgendwie eine Hymne auf den Sänger. Schaut euch auch hier das Video an, lohnt sich!
Bewegend, authentisch, trotzig

https://www.youtube.com/watch?v=lvs68OKOquM

Viel Spaß beim Hören!