Montag, 1. Januar 2018

Mein Plädoyer für... eine entspannte Silvesterfeier!

...oder warum das Fest immer für eine Enttäuschung gut ist

Jedes Jahr gibt es diesen einen Moment: Ich sitze mit Freunden zusammen, im Hochsommer, wir unterhalten uns und aus dem Nichts kommt diese Frage, bei der sich mir der Hals zuschnürt. "Was machst du eigentlich an Silvester?" Und damit beginnt dieser elendige Prozess der Planung. Für ein Fest, das jedes Jahr stattfindet. Jedes. Jahr.

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Für Kinder ist Silvester cool. Die Spannung vor dem Countdown, lange wach bleiben dürfen, das Feuerwerk. Definitiv aufregend. Dummerweise bleibt dieses Gefühl erhalten, sodass wir den Jahreswechsel auch noch als Erwachsene spannend finden, obwohl es eigentlich nichts weiter ist als der Wechsel von einem Tag auf den anderen. Damit steigen auch die Erwartungen: Silvester muss spannend sein.
Hinzu kommt, dass wir Menschen irgendwann einmal Zeiteinheiten gebildet haben. Und mit Silvester endet eine solche Einheit - nicht irgendeine, sondern die Größte. Das muss natürlich gefeiert werden. Ordentlich.
Weil sich mit diesem Tag bei Vielen aber auch der Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate einstellt, kommt Nostalgie mit auf.
Insgesamt eine explosive Mischung: Hohe Erwartungen, Feierlaune und Nostalgie. Kein Wunder, dass dieses Fest jedes Jahr irgendwie grauselig endet. Übersetzt heißt das nämlich: Die Erwartungen werden enttäuscht, es fließt Alkohol en masse (was nie gut endet) und die Stimmung kippt sehr wahrscheinlich. Eine Freundin hat das ganze Silvesterdilemma letztens erst auf den Punkt gebracht: "Ich weiß gar nicht, wo ich dieses Jahr feiern soll. Bisher ist es jedes Mal ausgeartet."

Kommen wir mal zu den praktischen Hürden. Davon gibt es nämlich einige. Zuerst einmal sind da die Freunde. Im besten Fall hat man eine Silvesterclique, mit der man jedes Jahr feiert. Das erspart viel Stress. Die meisten von uns haben so etwas aber nicht. Und weil man ja mit möglichst all seinen Lieben feiern möchte, muss man früh anfragen, schließlich haben die Freunde ja auch Freunde. Ein Faktor, der das ganze ziemlich komplex macht und dieses halbe Jahr Vorbereitung benötigt (was aber natürlich auch den Stresslevel früh hoch treibt). Am Ende dieses Prozess habt ihr von euren zehn Lieblingsmenschen acht dabei. Schritt Nummer 2: Die Frage klären, wie gefeiert wird. Da gibt es nämlich auch verschiedene Vorstellungen. Die einen wollen ruhig Zuhause Raclette und einen Spieleabend machen, die anderen in den Club und die dritten irgendwas sau teures, abgefahrenes. Bring sie alle mal unter einen Hut. Im besten Fall sind die Menschen kompromissbereit, sodass das Fazit am Ende lautet: "Okay, dieses Jahr feiern wir bei euch Zuhause, aber nächstes Jahr mieten wir eine Berghütte!" Realistisch ist aber, dass von den acht angekündigten Freunden nur noch fünf bleiben. Und damit habt ihr nach vielen Diskussionen zumindest einen Teil eurer Lieblingsmenschen versammelt. Aber ich betone noch einmal: Nach vielen Diskussionen, ergo viel Stress und umsonst gestorbenen Nerven.

Monate später ist also Silvester und ihr habt alles akribisch vorbereitet. Schon kommt das zweite Desaster auf euch zu gerannt: Die Stimmung. Denn Silvester lädt gnadenlos zu Eskapaden ein. Da wäre nämlich einmal die Nostalgie und das Gefühl, in dieser einen Nacht einen Neustart wagen zu können (Klassiker: "Wenn nicht jetzt, wann dann?"). Und dann ist da noch der Alkohol, der an Silvester in rauen Mengen fließt. Ganz böse Kombi. Ich habe selten den Jahreswechsel ohne Tränen oder Streit erlebt. Denn egal ob unter Freunden oder Pärchen: Je nach Person werden da die ärgsten Vorwürfe des ganzen Jahres noch einmal ausgepackt und dem anderen um die Ohren geworfen. Männer wie Frauen schmachten dem/der Ex hinterher und verfallen neuerlich in Liebeskummer. Schicksalsschläge kommen wieder auf den Tisch und nicht zu vergessen führt sich der ein oder andere vor Augen, was nicht alles schief gelaufen ist. Wie meine Freundin so schön sagte: Es artet gerne mal aus.

Oder - und das ist ebenfalls ziemlich blöd - Silvester ist extrem langweilig. Statt wild durch die Bude zu tanzen, hocken alle auf der Couch und starren die Wand an. Oder die Musik im Club ist grausam, es kommt einfach keine gute Laune auf. Das fiese an Silvester ist nämlich, dass jeder den Druck hat, die Party genial zu gestalten. Weil sich die Menschen, die mit euch feiern, gegen andere Partys entschieden haben. Und das steigert wieder den Stress und die Erwartungen, die dann enttäuscht werden.

Zu guter letzt ist da aber auch das Böllern, das eine Hürde darstellt. Nicht jeder mag es, Feuerwerk in den Himmel zu schießen. Und bei jeder Party gibt es einen, der unvernünftige Dinge mit den Raketen anstellt. Seit ich einmal in Hamburg an der Alster gefeiert habe, überkommt mich jedes Mal bei dem Knallen die Panik, denn dort wurde kreuz und quer geschossen. Melancholie und Freude um Mitternacht? Nein. Nacktes Überleben.

Weil mir diese ganzen Probleme zuwider sind - und ich genügend schlechte Erfahrung mit dem Fest gesammelt habe - verbringe ich Silvester mittlerweile immer anders. Ich hab schon Zuhause bei mir gefeiert, bei Freunden, mit Raclette und ohne, in Hamburg, Mainz und meiner Heimat. Und jetzt, dieses Jahr, war ich auf einer Silvestergala. Schick im Cocktailkleid ins neue Jahr tanzen. Letztlich sind wir im November einfach rein gestolpert in diese Art Fest und haben einfach mal zugesagt. Wie es war? Sicherlich nicht hürdenfrei. Aber es war entspannt.

Samstag, 25. November 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... #metoo!

...oder warum dieser Hashtag mehr als ein Trend sein muss

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Egal, auf welchem Social Media Kanal ich momentan surfe oder welche Nachrichtenseite ich besuche - der Hashtag #metoo begegnet mir nahezu überall. Und das seit mehreren Wochen. Er drückt die Solidarität unter Frauen aus, die sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt worden sind, oder gibt ihnen eine Stimme. Angefangen hat die Geschichte rund um den Hashtag mit Harvey Weinstein. Der US-amerikanische Filmproduzent soll zahlreiche Frauen sexuell belästigt oder vergewaltigt haben. Als einige den Mut fassten und sich öffentlich mit dem Hashtag #metoo äußerten - auf die Gefahr hin, ihre Schauspielkarriere dadurch zu beenden -, schlossen sich zahlreiche andere  an, um sie zu unterstützen. Es entstand eine Kettenreaktion: Immer mehr Frauen machten ihre Erlebnisse öffentlich und gaben so vielen anderen den Mut, sich nicht weiter zu verstecken. Soweit, so gut, so wichtig. Denn es ist ein riesiger Schritt für Betroffene, das Schweigen zu brechen und die Täter anzuprangern. Das schafft nicht jede - leider.

Somit ist der Hashtag erstmal gut und gibt Frauen eine Stimme. Doch die kleine Rautenbotschaft hat einen bitteren Beigeschmack. Sie zeigt nämlich ein Problem, wenn man genau hinsieht: Den Unterschied, ob eine Tatsache bekannt oder öffentlich ist. Denn dieser #metoo-Boom, die Dauer von Weinsteins Taten und etliche Informationen, die nachträglich ans Licht kamen, machen klar, dass die Vorwürfe schon lange in Hollywood bekannt waren. Es brauchte aber erst eine starke Öffentlichkeit, um Weinstein an den Pranger zu stellen. Wie heuchlerisch das ist, zeigt zum Beispiel der Fall Terry Richardson. Er ist ein bekannter Mode- und Promifotograf, der bereits zahlreiche VIPs abgelichtet hat. Vorwürfe, dass er seine Modelle sexuell belästigt hat, gibt es bereits länger. Doch erst mit dem #metoo-Ansturm kündigte der Medienkonzern Condé Nast die Zusammenarbeit mit ihm. Der Hashtag ist also ein zweischneidiges Schwert: Er gibt Frauen eine Stimme, aber zeigt gleichzeitig die Heuchelei dieses Business auf.

Und wie es so oft ist mit Hollywood: Die Welt zieht hinterher. Schließlich boomt #metoo inzwischen nahezu überall. Und viele Medien berichten darüber. Aus verschiedensten Perspektiven. Genau das braucht #metoo, denn ohne Medien hätte der letzte Schwung gefehlt, um tatsächlich einen öffentlichen Aufschrei herbeizurufen. Doch auch in den Medienberichten liegt ein großes Problem, denn das Nachrichtenschema, ein aktuelles Thema, das die Menschen gerade interessiert, aus ständig anderen Blickwinkeln zu betrachten, überspannt hier den Bogen. Klar, es gibt gute Ansätze: In den Berichten geht es um Kunst und inwiefern #metoo Kunst einschränken darf oder um die Sicht der Männer und ob sie ihr Verhalten einmal hinterfragen sollten. Richtig so! Kein Thema ist schwarz oder weiß!

Aber die Medien greifen auch Themen auf, die Grenzen überschreiten, zum Beispiel, ob Frauen sich überhaupt noch aufhübschen sollten oder sich besser abschminken, um Männern keine Angriffsfläche zu bieten. Dieser Artikel, der in der Zeit erschienen ist, macht mich wütend, denn es ist noch nicht allzu lange her, dass diese Debatte schon einmal geführt wurde. Das Ergebnis: Das Problem sind nicht die Frauen und ihr Make-up, sondern die Männer und ihr Verhalten. Nur weil eine Frau roten Lippenstift trägt, heißt das noch lange nicht, dass Männer das Recht bekommen, ihr an den Hintern zu fassen oder ihr anzügliche Unverschämtheiten ins Ohr zu flüstern. Und auch wenn Autorin Barbara Kuchler explizit betont, dass sie das genauso sieht, fordert sie, dass wir uns abschminken. Sie wirft damit indirekt die Schuldfrage auf. Sie sagt zwar nicht, dass Make-up der Grund für sexuelle Belästigung ist, aber an deren Keim, dem Gedankengut der Männer. Und genau diese Schuldfrage sollte so einfach nicht gestellt werden. Das ist, auch in dieser milden Form, falsch, völlig daneben und rückt die Debatte ins falsche Licht. Es geht um sexuelle Übergriffe. Und daran sind nun mal diejenigen schuld, die sie verübt haben.

Genauso falsch ist es, wilde Beschuldigungen anzustellen. Ja, es ist wichtig, Namen zu nennen, Menschen an den Pranger zu stellen. Wenn sie es verdient haben. Wenn es Beweise gibt und die eindeutig sind. Diese Menschen müssen angezeigt werden und ihre Strafe bekommen. Aber einfach mal Vermutungen aufzustellen, geht zu weit. Und lenkt auch vom eigentlichen Thema ab: Den wahren Tätern. Und den starken Frauen, die sich gegen sie stellen.

Doch das #metoo-Thema, mit all seinen Perspektiven, ist für die Medien erst erschöpft, wenn es etwas neues, spannenderes gibt. Das passiert früher oder später. Und das ist ein drittes, wenn nicht sogar das größte Problem. Denn vielen Menschen passt es in den Kram, dass es demnächst wieder vorbei sein wird mit diesem Hashtag in den Medien. Weil sie sich nicht intensiv damit beschäftigen wollen. Doch genau das wäre wichtig. Dass #metoo in den Köpfen bleibt, Mut gibt und auf Dauer etwas verändert. #metoo darf kein Trend sein, denn dieser Hashtag ist mehr als das. Es muss Frauen geben, die weiter ihre Geschichte erzählen, die anprangern, die laut sind, unbequem und so dafür sorgen, dass Frauen ihre Stimme bei sexueller Gewalt behalten. Dass Männer damit nicht unbemerkt weiter machen können, weil Frauen durch #metoo wissen, dass sie nicht schweigen dürfen. Denn genau das kann dieser eine Hashtag bewirken. Dafür darf er aber nicht in Vergessenheit geraten.

Montag, 20. November 2017

Hits und Shit des Monats: November

Jede Woche gibt es neue Musik, Freitags erscheinen neue Songs und Alben. Um im Audiodschungel nicht den Überblick zu verlieren, findet ihr hier jeden Monat die Hits und den Shit des Monats. Hier stelle ich euch die Toperscheinungen - sowohl Songs als auch Alben - vor, in die ihr unbedingt reinhören solltet. Aber auch Flops gehören dazu, bei denen ihr besser abschaltet. Viel Spaß beim Reinhören!

Hits

Liza Anne - Paranoia (Song)
Manchmal höre ich einen Song und er geht mir sofort ins Ohr. Er schleicht sich durch meine Gehörwindungen in mein Gehirn und beißt sich fest. Genauso ging es mir bei Paranoia. Von Anfang an galoppiert der Beat, treibt durch das Lied und lässt einen nicht mehr los. Dann die zarte Stimme von Liza Anne, die zerbrechlich und gleichzeitig herrlich stark wirkt. Wie sie jault. Wie frech sie singt. Ich nehm ihr jedes Gefühl ab. Zwischendrin die harten Breaks und dieser wunderschöne emotionale Chorus. Selten hat mich ein Lied so sehr von Anfang an begeistert. Es vereint so viele Aspekte von Musik und ist gleichzeitig so authentisch. Hört unbedingt rein!

https://www.youtube.com/watch?v=NOSFaIK3zSc


Sweetness (Max + Johann Mix) - October Diaries (Song)
Ganz anders als Paranoia kommt Sweetness daher. October Diaries mischen aber auch Musik. Und zwar eine emotionale Ballade mit melancholischer EDM. Raus kommt ein ganz zartes Lied, das nicht weiß, ob es zum Tanzen einlädt oder zum Nachdenken. Es ist unentschlossen, aber genau das schadet elektronischer Musik im Moment nicht. Deshalb: Lob für das Experiment! 

Leider gibt es hier kein Hörbeispiel auf Youtube. Aber sucht mal auf Spotify, da ist der Song definitv!

Shit

Gwen Stefani - You Make It Feel Like Christmas (Album)
Das Non-Plus-Ultra bei Musikern ist das obligatorische Weihnachtsalbum. Welcher Star, der etwas auf sich hält, hat es nicht schon veröffentlicht? Eigentlich ist der Sinn und Zweck dahinter gar nicht schlecht: Musiker bringen klassische Weihnachtslieder in ihrem Stil heraus. Das lohnt sich zum Beispiel bei Bonnie M, die ein wunderbares Reggae-Weihnachtsalbum veröffentlicht haben. Oder Frank Sinatras "Winter Wonderland". Wunderschön. Aber diese Musikertaktik ist inzwischen inflationär geworden. Erst Recht, wenn nahezu nur gecovert wird. Das Paradebeispiel dieses Jahr ist Gwen Stefani. In vielerlei Hinsicht ist sie cool, ungewöhnlich. Die Rotzgöre der Musikszene, die bei ihren Songs aufs Ganze geht, experimentiert. Die schon mit ihrer Band No Doubt ungewöhnliche Wege gegangen ist. Umso überraschender ist jetzt ihr Weihnachtsalbum. Im Countrystil (sorry, das können Miley Cyrus (!) oder Taylor Swift (!!) besser - und wenn ich denen das zugestehe, heißt das was). Hier lohnt sich das Reinhören also definitiv nicht. 

https://www.youtube.com/watch?v=uA4STm4hx7Q


Partykirche - Maeckes feat. Audio88, Yassin (Song)
Wer Gangsta-Rap schon dämlich fand (wie ich zum Beispiel, denn jedes Lied, das Menschen herabsetzt, ist dämlich), wird hier auch nur den Kopf schütteln können. In dem Hip-Hop-Elektro-Song geht es um - wer hätte es gedacht? - eine Partykirche. Wow. Auszug gefällig? "Kein Bock, kein Spaß, Langweile, kein Interesse, doch dann hört man von weitem die Bässe der heiligen Messe". Wow, die Zweite. Erinnert mich irgendwie an Deichkind. Könnte sogar so trashig sein, dass es cool ist. Könnte. Konjunktiv. 

https://www.youtube.com/watch?v=ufkmCdgshdE

Freitag, 10. November 2017

Grow up! 15 Dinge, die ich übers Erwachsen sein gelernt habe...

...oder: Was mir meine Lieblingsmenschen übers Leben beigebracht haben!

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Erwachsen sein ist manchmal schwierig, manchmal heimtückisch, manchmal anspruchsvoll. Aber es ist auf jeden Fall völlig anders als Kind sein. Niemand ist so richtig darauf vorbereitet und obwohl man hinein wächst, reicht das einfach nicht; immer wieder begegnet man Situationen, durch die man völlig unwissend durch muss. Deshalb dachte ich, dass ich euch hier ein paar Ratschläge geben kann, wie man diesen Situationen besser begegnen kann. Und was man wissen sollte über das Erwachsen sein. Doch als ich mal darüber nachgedacht habe, ist mir schlichtweg kaum etwas eingefallen. Ich mir echt den Kopf zerbrochen, seit mehr als zwei Wochen schon. Bis ich den zündenden Gedanken hatte: Ich denk mir die Ratschläge nicht selbst aus, sondern schreibe für euch auf, was mir meine Liebsten über das Leben beigebracht haben. Denn - wenn wir mal ehrlich sind - lernen wir vieles durch unsere Mitmenschen, Freunde und Familie. Weil sie Dinge erleben, bei denen wir bloß zuschauen. Weil sie uns Sachen erklären und beibringen. Weil sie auf eine Art Weise sind, wie wir es nicht sein werden. Deshalb, liebe Lieblingsmenschen, widme ich diesen Beitrag euch und gebe den Lesern Ratschläge, die ich ohne euch nicht geben könnte. 

Keine Sorge, ich habe alle Namen geändert. Trotzdem glaube ich, dass ihr euch in den Beiträgen erkennt, auch wenn es sonst niemand tut. 

1. Lerne, mit Kritik umzugehen
Mein Vater pflegte immer zu sagen: Das Leben ist hart, sei härter. Und ja, verdammt, er hat Recht. Dir wird nichts geschenkt, im Gegenteil: Du musst so einiges einstecken. Vor allem Kritik. Manchmal ist sie berechtigt, manchmal nicht. Aber egal, wie es ist, hier mein erster Tipp (den ich selbst erstmal verstehen musste): Lernt aus Kritik. Und sei es bloß, im richtigen Moment zu nicken. Denn Gegenwind macht stark. Ist die Kritik aber konstruktiv, kann sie euch auf eurem Weg weiterbringen. Vergesst dabei nie: Wenn sich jemand die Zeit nimmt, euch Feedback zu geben und mitzuteilen, woran ihr noch arbeiten könnt, heißt das, dass dieser jemand euch fördert. Und das ist selten - aber deshalb umso lobenswerter. Wisst das zu schätzen.

2. Erweitere deinen Horizont
Vor wenigen Wochen war ich mit meinem Freund in Mainz. Wir saßen abends mit zwei wunderbaren Freundinnen zusammen, einem Pärchen, und sprachen über Gott und die Welt. Und das Küssen und Gefühle. Die beiden hatten darüber eine völlig andere Meinung als ich. Je länger wir darüber sprachen, desto mehr merkte ich, dass andere Menschen ganz andere Perspektiven auf Dinge haben können. Das habe ich mir viel zu selten bewusst gemacht. Dieses ganze Gespräch hat mir geholfen, wieder meine Gedanken zu öffnen und die Perspektive zu wechseln. Etwas, das jeder von uns einfach viel öfter machen sollte.

3. Hör niemals auf, dich auszuprobieren
Eine meiner Freundinnen ist so richtig schön quirlig. Sie hat ständig neue, abgefahrene Ideen und probiert andauernd etwas Neues aus. Frage ich sie, wie es jetzt weiter geht demnächst, sprudelt sie über und entscheidet sich am Ende doch für etwas ganz anderes. Sechs Wochen hat sie mich zum Beispiel in einer unserer Allgäuer Redaktionen besucht, sechs Wochen war sie in Böblingen. Was mich manchmal überfordert, ist aber eigentlich etwas total lobenswertes. Denn noch sind wir jung und noch dürfen wir uns ausprobieren. Warum nicht in verschiedene Dinge reinschnuppern? Festlegen können wir uns doch noch früh genug!

4. Herzensfreundschaft bleibt
Meine längste Freundschaft teile ich mit Kathrin. Ich habe sie kennen gelernt, als ich 15 war, in der Big Band. Sie nahm mich sofort herzlich auf, obwohl sie zweieinhalb Jahre älter war als ich. Fast täglich sahen wir uns nach der Schule, waren ein eingeschworenes Team. Dabei war ich damals ziemlich pubertär... Zwei Jahre später machte sie ihr Abitur und zog nach Trier, uns trennten plötzlich 100 Kilometer.  Für mich war das erst einmal ein Weltuntergang, denn, wie ihr euch vielleicht denken könnt, sind 100 Kilometer für 17-Jährige verdammt weit. Heute, sechs Jahre später, trennen uns sogar 600 Kilometer, denn ich wohne im Allgäu und sie im Ruhrpott. Wir beide sind älter geworden, reifer, haben uns ganz schön verändert. Trotzdem ist diese Freundschaft unzerbrechlich. Wir telefonieren, sehen uns regelmäßig und sie ist noch immer einer der tollsten und wichtigsten Menschen, die ich kenne. Kathrin hat mich gelehrt, dass eine Herzensfreundschaft bestehen bleibt. Scheiß egal, wie weit der andere entfernt ist.

5. Setz Priortäten
Manchmal weiß man gar nicht, wo einem der Kopf steht. Auf der Arbeit ist das alles immerhin noch auf acht Stunden täglich beschränkt - zumindest meistens - aber privat ist das manchmal ähnlich. Freizeitstress, wie meine Mutter zu pflegen sagt. Erwachsene müssen also lernen, Prioritäten zu setzen. Denn das macht das Leben aus. Das heißt nicht, Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen, sondern ganz klar zu sieben. Meine Freundin Jana hat damit besonders zu kämpfen, weil sie viele Hobbys hat, eine Fernbeziehung und dann auch noch dummerweise Freunde wie mich, die weit weg wohnen. Umso schöner ist es, wenn sie sich Zeit für einen nimmt, wenn man doch mal in der Nähe ist. Zum Beispiel letztens, als ich ein Wochenende in Mainz war und sie morgens zum Frühstücken vorbei kam. Trotz Stress.

6. Es findet sich immer ein Weg
Manchmal ergeben sich im Leben Situationen, die alles kompliziert machen. Bei einem Kumpel von mir, Ben, war das so. Er verliebte sich bei einem Sportturnier in ein Mädel, das in seiner Studienstadt lebte. Dummerweise lebte er dort nicht mehr. Eine ganze Weile führten die beiden eine Fernbeziehung, bis sie einen Job in seiner Nähe fand. Heute leben die beiden zusammen und haben sogar zwei Hasen (unheimlich putzig!). Ähnlich war es bei meiner Freundin Bettina. Sie hat drei Fächer studiert, hatte Gelegenheitsjobs und sich durchgewurschtelt. Bis sie heute mit mir ihr Volontariat macht. Und aufblüht. Oder mein Kumpel Leon, der sich durch zwei Jobs angeln musste, bis er mit seiner Freundin nach Wiesbaden ging, wo seine ganze alte Clique inzwischen lebt. Es findet sich also immer ein Weg, wenn auch vielleicht nicht sofort.

7. Verschwende keine Zeit an falsche Freunde
Jeder von uns hat sie: Menschen, mit denen man Zeit verbringt, obwohl sie Gift für einen sind. Und man sich nach jedem Treffen fragt, warum man eigentlich seine Zeit verschwendet hat. Aber die Angst, alleine zu sein oder in Streit zu geraten, ist zu groß und so bleibt man in dieser Beziehung oder Freundschaft. Hier ist Yvonne mein Vorbild. Sie hatte eine Mädelsclique, die oberflächlich war und sich gar nicht für sie interessierte. Irgendwann merkte Yvonne das, hatte genug und entschied, lieber sie selbst sein zu wollen. Also sagte sie den Mädels, dass sie sich zurück zieht, auch wenn das erst einmal bedeutet, deutlich weniger Freunde zu haben. Ich bin stolz darauf, dass ich sie jetzt als meine Freundin zählen kann.

8. Do what you love
Manchmal schlägt man im Leben den falschen Weg ein. Wie mein bester Freund Christoph. Er wollte Jurist werden, spürte aber immer deutlicher, dass er das Falsche tut. Vor dem ersten Staatsexamen, in das er viel Zeit investiert hatte, schwenkte er um. Mit vielen Gewissensbissen. Jetzt bewirbt er sich für Soziologie, weil er merkt, dass er dafür einfach brennt. Das hat mir gezeigt, dass manchmal Umwege nötig sind, um glücklich zu sein. Dass es sich aber immer lohnt, dafür einzustehen.

9. Sei du selbst
Frederike war noch nie bequem. Sie ist laut, redet viel, grunzt süß beim Lachen und färbt sich ihre Haare gerne bunt. Frederike fällt auf. Und ist auch so manches Mal schon damit angeeckt. Aber das ist völlig egal, weil sie eben so ist. Genau das ist unheimlich liebenswert und verdient den größten Respekt, weil sie sich nicht verstellt. Ihr ist egal, was andere denken. Dafür - und für ihren tollen Charakter natürlich - mag ich sie unheimlich gerne!

10. Me first!
Okay, das mag jetzt komisch klingen, vielleicht überheblich und egozentrisch. Trotzdem bin ich fest davon überzeugt: Es hilft nichts, im Leben nur auf andere zu schauen. Denn wir verbringen nun mal die meiste Zeit mit uns selbst. Da sollten wir dafür sorgen, dass es uns gut geht und wir mit uns klar kommen. Ein gutes Beispiel ist mein Kumpel Florian. Er ist ein unglaublicher Sonnenschein, auch wenn es ihm momentan schlecht geht. Nach außen lässt er davon nichts dringen. Andere sind ihm wichtiger als er selbst, zumindest oft. Das ist falsch. Denn das eigene Wohlbefinden ist doch am wichtigsten. Erst wenn wir uns wohl fühlen, können wir uns auch ausreichend um andere kümmern. Also: Stellt euch selbst mehr in euren Lebensmittelpunkt und hegt und pflegt euch!

11. Scheiß auf Konventionen
Eines meiner Lieblingspaare sind Nathaniel und Andrea. Sie sind inzwischen seit (grob) neun Jahren zusammen und nicht verheiratet. Warum? Weil sie das so wollen. Sie hat zwar ein Tattoo mit seinem Anfangsbuchstaben auf dem Handgelenk und sie teilen sich seit Jahren eine Wohnung - und Zukunftspläne haben sie natürlich auch. Aber heiraten möchten sie vorerst nicht. Gut so, denn es ist ihr Leben. Die Norm sollte nicht unser Leben bestimmen und wie das geht, zeigen die beiden ganz wunderbar!

12. Liebe kommt unerwartet
Die schönste Liebesgeschichte haben Jonah und Finja. Die beiden kenne ich schon ziemlich lange, beide Partypeople, wie sie im Buche stehen. Dann lernte Jonah Finja beim Feiern kennen, sie verliebten sich, hatten eine Beziehung. Plötzlich war Finja schwanger. Etwas, dass sie - ähnlich wie Heiraten - nicht wollten. Das grätschte beiden völlig in ihren Lebensstil. Doch sie bekamen das Kind. Jonah beteuerte damals noch, irgendwann bekomme er Finja vor den Traualter. Zwei Jahre später, Oktober: Beide sagten Ja. Das schönste waren die Brautworte: "Liebe Gäste, ich bin gerade an einem Punkt, an dem ich nie sein wollte. Und bin irre glücklich." Liebe findet eben immer ihren Weg. Das wäre dann auch mein Appell an Singles: Nicht verzagen, oft kommt die Liebe unerwartet.

13. Immer schön ehrlich sein 
In meiner Familie habe ich gelernt, dass Harmonie wichtiger ist als klare Worte. Hakte es irgendwo, wurde das nicht angesprochen. Alle beteiligten fraßen es in sich hinein. Als Erwachsene habe ich aber das Gegenteil gelernt: Ehrliche (diplomatische!) Worte lösen manchen kleinen Konflikt, bevor er auflodern kann und sorgt für geklärte Verhältnisse. Kostet ja nicht viel, mal sanft auf den Tisch zu hauen. Am besten hat mir das meine Freundin Svenja gezeigt. Sie haut einem manchmal Dinge um den Kopf, dass die Ohren nur so schlackern. Aber das macht sie, weil sie mich mag. Und ich möchte auf nichts davon verzichten (wobei ich dir immer noch übel nehme, dass ich so spießig bin...:-P).

14. Ein bisschen gleich, ein bisschen anders
Schon wieder Liebe. Aber hey, das beschäftigt einen als Erwachsenen doch auch. Hier ist mein Freund mein Mentor. Meine vorherigen Beziehungen waren Chaos, geprägt von aufgewühlt sein und Spannung. Bei meinem Freund ist das anders. Auf den ersten Blick könnten wir nicht unterschiedlicher sein: Er eher still und introvertiert, ich laut und selbstbewusst. Aber auf den zweiten Blick sind wir uns unglaublich ähnlich. Verstehen uns blind und teilen dieselben Werte. Genau das macht Liebe meiner Ansicht nach aus, sie braucht beides: Gegensätze, die einen Reiz ausmachen, und Ähnlichkeiten, die Nähe schaffen.

15. Die Familie ist unglaublich wichtig
Es gibt Tage, da habe ich verflucht, dass ich einen großen Bruder habe. Und es gab Zeiten, in denen ich mit meinen Eltern ganz schön im Clinch lag. Aber wenn es hart auf hart kam - und das habe ich in meinem jungen Leben schon zwei Mal erleben müssen - war meine Familie der wichtigste Halt. Egal, wie oft wir uns kabbeln und in den Haaren liegen, haben sie immer einein Sonderstatus. Ich kann auf sie zählen, genauso wie sie immer auf mich zählen können. Familie ist einfach ein Band, den man pflegen sollte und der nicht reißt.

Jeder von euch, der hier einen Punkt in der Liste hat und an der ein oder anderen Stelle denkt: "Huch, das bin ja ich", kann sicher sein, dass er nicht nur hier, sondern auch in meinem Herzen einen festen Platz hat. Ihr seid die tollsten Menschen!

Sonntag, 22. Oktober 2017

Grow up! Woran merken wir, dass wir erwachsen werden?

...oder auch nicht...

Um mich herum hörte ich eine Menge Stimmen, die durcheinander quatschten. Vor mir rauschte im Minutentakt eine Achterbahn in ihren Bahnhof. Ein paar Leute stiegen ein, wir rutschten nach. Letztens waren mein Freund und ich in einem Freizeitpark. In der prallen Mittagssonne standen wir in der Schlange der Black Mamba, einer Hängeachterbahn. Noch zehn Leute vor uns, also ziemlich genau eine Runde. Ich ließ den Blick in meiner Langeweile schweifen und schaute mir an, wer noch so in der Reihe stand.
Unmittelbar vor uns war eine Familie: Mutter, Vater, zwei Jungs, der eine vielleicht 13, der andere 10, vermutlich. Beide Eltern Ende 30. Ich sah ihnen die Rollenverteilung im Freizeitpark deutlich an: Vater und Söhne freuten sich auf Action, die Mutter lief ihnen zuliebe mit. So ähnlich war es früher bei mir auch.
Ich drehte den Kopf und blickte mich um. Etwas weiter hinten wartete ein Pärchen, beide etwa Ende 40, keine Kinder. Sie wirkten frisch verliebt und gut gelaunt. Die typischen Parkdraufgänger, die jedes Fahrgeschäft mit Adrenalin mitnehmen und ordentlich auf die Kacke hauen. Von denen es aber nur wenige gibt, denn viele in dem Alter machen das irgendwie nicht mehr. Sie fühlen sich zu alt.
Und mittendrin mein Freund und ich: Irgendwo zwischen Familie und alternden Draufgängern. Denn, zugegeben, wir waren auch über dem klassischen Altersdurchschnitt. Und während ich da so stand und beobachtete, gingen mir zwei Fragen durch den Kopf: Wann werden wir erwachsen - zu erwachsen für Freizeitparks - und, viel wichtiger, woran merken wir das eigentlich?

Früher war das alles einfacher: Man hat die Schule fertig gemacht, mit 16 spätestens eine Ausbildung angefangen und war somit erwachsen. Ein Bruchteil der Jugendlichen hat Abitur gemacht, noch weniger haben studiert. Laut Statistischem Bundesamt machten 1960 noch 6 von 100 Schülern ihr Abitur, 2003 waren es 24 von 100, die Zahl der Studenten hat sich seitdem mehr als versiebenfacht, wie Die Welt berichtet. Früher waren die Lebensumstände also noch anders. Es wurde früh geheiratet und die ersten Kinder kamen, als die Frauen Anfang 20 waren. Und bei der Berufswahl entschieden die Eltern noch mit. Das bedeutet, junge Leute standen zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr auf eigenen Beinen, hatten sich selbst zu versorgen und viel mehr Verantwortung.

Schauen wir uns mal 16-Jährige heute an. Sie gehen in den meisten Fällen noch zur Schule. Ein wesentlich kleinerer Teil als früher hört nach der zehnten Klasse auf. Abiturienten also, die rund ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, gehen bis zur zwölften oder dreizehnten Stufe in die Schule. Ein Teil davon studiert anschließend. Heißt, sie sind frühestens mit etwa 22 mit ihrer schulischen Ausbildung fertig. Die meisten Studenten sind dann aber Mitte 20, das ist zumindest mein Eindruck. Und mal abgesehen vom Alter können junge Menschen frei entscheiden, welchen Beruf sie ausüben wollen - und sich entsprechende Qualifikationen aneignen. Natürlich gilt das nicht nur für den Beruf, sondern für alles im Leben: Sie können ihren Partner frei wählen, ihren Wohnort (wenn man mal die Mietpreise außen vor lässt) und wie sie leben wollen.

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Und das ist natürlich gut so. Es bringt aber eben mit sich, dass viele ihre Jugend so lange beibehalten wollen wie möglich. Weil sie schön war und ist. Weil Verantwortung zu viel sein kann. Wir haben die Chance, so zu leben wie wir wollen? Dann machen wir das auch. Das könnte zumindest ein Grund sein, warum junge Menschen nicht erwachsen werden - sie müssen nicht.

Ein anderer Punkt ist aber, dass Erwachsen sein eine Entscheidung ist. Oder viel mehr die Entscheidungen im Leben dazu führen, dass wir erwachsen werden. Wir heiraten? Dann haben wir Verantwortung für einen anderen Menschen. Sind also Erwachsen. Wir bekommen ein Kind? Dito. Wir ziehen in eine eigene Wohnung? Verantwortung für zwei Zimmer, Küche, Bad. Erwachsen. Also entscheiden sich viele, keine Entscheidung zu treffen. Sie teilen sich die Wohnung lieber mit anderen in einer WG, leben in lockeren Beziehungen und lassen sich treiben. Kurzum: Sie vermeiden also jede Entscheidung, die einen einschränken könnte - und somit erwachsen werden lässt. Schließlich heißt Erwachsen sein nichts anders als: Festlegen auf eine Option. Und sich damit abfinden.

Ich möchte mich davon gar nicht ausschließen. Ich merke selbst, dass es mir zum Erwachsen sein an einigem fehlt. Aber diese Entwicklung der ewigen Jugend bringt auch einige Probleme mit sich. Das größte ist wohl die biologische Uhr. Klar kann man mit Ende 30 sagen: "Ich fühl mich nicht bereit für ein Kind." Aber früher oder später kommt der Punkt, an dem das mit dem Kinderkriegen nicht mehr klappt. Auch so Sachen wir Altersvorsorge oder Immobilienkauf werden mit jedem Jahr schwerer, weil man mehr oder länger Geld zurück legen muss. Und je später man arbeiten geht, desto länger muss man ranklotzen, bis man in Rente gehen darf. Treiben lassen schön und gut, aber das hat Grenzen.

Deshalb bin ich ja für eine Zwischenlösung, die Mischung aus beidem. Auf der einen Seite die Steuererklärung machen, auf der anderen Seite den Hauskauf aufschieben. Auf der einen Seite die Wohnung sauber halten, auf der anderen Seite am Wochenende wild feiern gehen. Oder auf der einen Seite in den Freizeitpark gehen und sich auf der anderen Seite Gedanken übers Erwachsen werden machen.

In den nächsten Wochen erscheinen unregelmäßig weitere Teile der Serie "Grow up". Dabei geht es um das Erwachsen werden in verschiedenen Facetten. Viel Spaß beim Stöbern!

Montag, 16. Oktober 2017

Hits und Shit des Monats: Oktober

Jede Woche gibt es neue Musik, Freitags erscheinen neue Songs und Alben. Um im Audiodschungel nicht den Überblick zu verlieren, starte ich eine neue Serie: Die Hits und der Shit des Monats. Weil sich meine kleinen Playlits, die "Songs zum...", irgendwann selbst erschöpfen und mir dafür die Ideen ausgehen, bekommt ihr jetzt eine neue Art, Musik zu entdecken: Hier stelle ich euch die Toperscheinungen - sowohl Songs als auch Alben - vor, in die ihr unbedingt reinhören solltet. Aber auch Flops gehören dazu, bei denen ihr besser abschaltet. Viel Spaß beim Reinhören!

Hits

Jennifer Rostock - Worst of Jennifer Rostock (Album)
Nahezu jede größere Band - und auch so mancher Künstler - bringt früher oder später ein Best-of-Album auf den Markt. Darauf gesammelt sind die erfolgreichsten Songs. Für wen das gut ist? Für Fans wohl eher nicht, denn die hören sich die Alben komplett an und finden meistens Songs, die besser als die Chartbreaker sind. Stattdessen geht es bei den Best Ofs oft um Kommerz. Noch mehr Geld aus der eigenen Musik quetschen und eventuell sogar neue Fans hinzu gewinnen. Schließlich kaufen eher Neulinge den Sampler. Darauf hat Jennifer Rostock keinen Bock. Sie machen das genaue Gegenteil: Ihr Album "Worst of Jennifer Rostock" beinhaltet Songs, die die Band im Laufe ihrer Karriere einmal geschrieben, aber nie fertig gestellt hat. Also zog sich die Gruppe zurück, feilte an ihnen, bis sie fertig waren, und Tada: Das Album Worst of Jennifer Rostock erscheint. Dabei ist nicht nur das Konzept genial, sondern auch das Ergebnis. Denn sowohl für Leute, die ihre neuere Musik mögen, als auch die alten Anhänger ist etwas dabei. Schließlich umfasst das Werk die gesamte Karriere und sammelt frischen Elektropop, schnellen Rock und auch softere Songs. Während zum Beispiel "Schockverliebt" an die frühe, wilde Zeit der Band erinnert, ist "Flaschendrehen" poppiger und "Keine Macht den Profis", das sie mit Großstadtgeflüster gemacht haben, moderner und experimentierfreudiger. Wer also eine Zeitreise mit der Band erleben will - und zwar keine ausgelutschte mit schon erschienen Songs - sollte sich definitiv an dieses Album wagen!

https://www.youtube.com/watch?v=MfVqeUjz1_o


Taylor Swift - ...ready for it (Song)
Ich mag Taylor Swift nicht. Ehrlich, als Mensch ist sie mir furchtbar unsympathisch. Aber (großes aber) sie hat verstanden, wie die Musikbranche läuft. Und sie spielt damit. Innerhalb der vergangenen sieben Jahre hat sie sich vom Countrygirl zum Popstar gemausert. Das fing schon mit "Red" an, zeigte sich ganz deutlich bei "1989" und gipfelt jetzt in "reputation", das Mitte November erscheint und Hip-Hop-Elemente enthält. Und genau das ist super, denn mit Taylor Swift wird es einfach nicht langweilig. Hat 1989 noch bewiesen, dass sie mit verschiedenen Elementen spielt und gleichzeitig zeigt, dass sie musikalisch ernst zu nehmen ist, setzt reputation sogar noch einen drauf: Das Album spielt. Mit Klischees, Erwartungen und Genres. Neuestes Beispiel ist der Song "...ready for it". Sie stampft auf, ist direkt da, kommt auf den Punkt und das auf eine sexy Art und Weise. "Look what you made me do", der Vorgängersong, wiederum ist wütend, drohend, aber immer beherrscht. Kaum ein Musiker schafft es im Moment, dermaßen gut Musik für seine Absichten zu nutzen. Immerhin ein kleines Manko: Rappen kann Taylor nicht. Und menschlich braucht sie einfach auch Nachhilfe. Aber hey, immerhin die Musik stimmt.

https://www.youtube.com/watch?v=T62maKYX9tU

Shit

Fergie - Double Dutchess (Album)
Einst war Fergie cool. Denn Fergie kann alles: Singen, rappen, texten, tanzen, gut aussehen. Als Teil der Black Eyed Peys konnte sie all das mit Bravour zeigen, immer schön akzentuiert in den Songs, nicht zu dominant. Das war reizvoll. Als sie dann 2007 ihr erstes Soloalbum, "The Dutchess" raus brachte, waren die Zweifel erst groß - kann sie das alleine? Ja, sie kann. Das Album war experimentell, laut, besonders. Fergie war in aller Munde. Dann tauchte sie wieder ab, war wieder Teil der Band und auch das war okay. Bis es still wurde um die Gruppe. Fergie machte nur noch Schlagzeilen mit ihrer Trennung von Ehemann Josh Duhamel. Zwar veröffentlichte sie einzelne, wirklich gute Songs ("A little party never killed nobody" oder "LA love", typisch Fergie). Und dann, aus dem nichts folgte das Album "Double Dutchess". Die Erwartungen waren hoch, aber sie werden enttäuscht. Bis auf ohnehin schon veröffentlichte Songs (darunter auch das recht neue "Life goes on") ist nicht viel zu holen. Der Sound wirkt gefühllos, mechanisch, zum Beispiel bei "You already know". Teilweise haben die Lieder auch völlig sinnfreie Botschaften (M.I.L.F. $ - auch wenn es gut gemeint war). Und auch das Konzept fehlt. Das einzige, was ich raus höre, ist die Bemühung um Experimente - und ein zwanghaftes modern-sein-wollen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass dieses Album zu gewollt ist. Was schade ist, denn nach zehn Jahren hätte sie wieder ein musikalisches Beben hinterlassen können. Stattdessen geht das Album völlig unter.

https://www.youtube.com/watch?v=-Ifnaxi2LQg

Samstag, 2. September 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... Freundschaften im Berufsleben!

...oder: Wie geht das nochmal?!

Wie haben wir das nur früher gemacht? Das habe ich mich letztens gefragt, als ich mal wieder einen Tag in Kempten hatte, an dem mir die Decke auf den Kopf gefallen ist und ich furchtbar Sehnsucht nach meinen Freunden in Mainz bekam. Wie knüpft man Freundschaften? Und mir ist schlagartig klar geworden, warum das früher so leicht war: Wir Menschen waren leichter. Im Kindergarten lief das in etwa wie folgt ab: "Magst du mit mir spielen?" "Ja, gerne!" Zack, bumm: Freunde. In der Schule war uns der Sitznachbar der Nächste, im doppelten Sinne. Und nach der Schule blieb immer noch Zeit für ein Hobby - über das man wieder neue Menschen kennenlernte. Im Studium wiederum saßen alle im selben Boot: Es gab hunderte Leute, die niemanden kannten. Also suchte jeder verzweifelt nach Anknüpfungspunkten und schwupp, bildete sich eine Clique. Freunde finden war also nie schwer. Und dann kommen wir in den Beruf und schwimmen auf einmal, was Sozialkontakte betrifft. Besonders diejenige, die - wie ich - weggezogen sind.


rawpixel.com
Nach neun Monaten Schwimmen habe ich beschlossen, etwas daran zu ändern und ein paar Methoden ausprobiert, um neue Freunde zu finden. Das Ergebnis und die Chancen habe ich euch einmal zusammen gefasst. Die Bewertung findet nach vier Kategorien statt: Kennenlernmöglichkeit, Zeitaufwand, Ernsthaftigkeit der Absicht. Kennenlernmöglichkeit bedeutet, wie gut sich die Methode eignet, überhaupt Leute kennen zu lernen. Zeitaufwand heißt, wie viel Zeit ihr in neue Kontakte investieren müsst beziehungsweise wie lange es dauert, bis sich wirklich eine Freundschaft entwickelt. Ernsthaftigkeit der Absicht spielt darauf an, ob die Menschen Interesse an einer Freundschaft haben. Also los:


Arbeit

Über den Job neue Freunden zu finden, kann entweder wahnsinnig gut klappen oder gar nicht, denn das hängt von den Kollegen ab. Seid ihr als Mittzwanziger die Jüngste im Team und der Rest ist Anfang 50, stehen die Chancen eher schlecht. Denn selbst wenn ihr euch mögt, ist der Freizeithorizont ein ganz anderer. Sind die Kollegen aber in einem ähnlichen Alter, muss nur die Chemie stimmen und es könnte etwas werden. Schließlich habt ihr grob dieselben Interessen - ihr teilt euch ja einen Arbeitsplatz - und ihr verbringt unheimlich viel Zeit miteinander. Andererseits kommt ihr als Neuling in ein Team, das schon länger besteht und es "nicht nötig hat", neue Freunde zu finden. Deshalb müsst ihr mehr investieren. Das Manko ist bei Jobfreunden, dass ihr vermutlich irre viel über euren Job sprechen werdet. Im besten Fall wird das euer Ventil, um einfach einmal Dampf abzulassen, im schlechtesten Fall kommt ihr über dieses Thema nicht hinaus und eure Beziehung dümpelt auf Kollegenniveau herum. Der Vorteil ist aber, dass ihr nicht allzu viel Zeit benötigt, um eine Freundschaft aufzubauen, weil ihr eh täglich abhängt.

Kennenlernmöglichkeit: ☺☺☺
Zeitaufwand: ☺☺☺
Ernsthaftigkeit der Absicht: ☺☺☺

Facebook-Gruppen

Es gibt sie in jeder Stadt: Facebookgruppen wie "Neu in Köln" oder ähnliches. Hier läuft es ähnlich wie an der Uni: Jeder, der Teil davon ist, kam oder kommt neu in die Stadt. Die Möglichkeit, Menschen mit ähnlichen Interessen zu treffen, ist da. Aber: Manche Menschen sind seit Ewigkeiten dort und haben längst ihre Clique gefunden. Oder wenn jemand in die Runde ein gemeinsames Erlebnis vorschlägt, melden sich direkt 50 Leute, womit man leicht verloren geht. Die Option ist also per se nicht schlecht - und der Zeitaufwand ist auch gering, denn ihr müsst nur einen Post absetzen oder kurz antworten und etwas ausmachen, bevor ihr euch trefft - aber die Ernsthaftigkeit ist... naja, fragwürdig.

Kennenlernmöglichkeit: ☺☺☺☺☺
Zeitaufwand: ☺☺
Ernsthaftigkeit der Absicht: ☺☺

Stammtische

Über die Facebookgruppen kommt es manchmal zu Stammtischen. Zugezogene, manchmal auch Einheimische kommen, mal nur Männer, mal nur Frauen, mal gemischt. Ihr seht das Event in der Gruppe und müsst nur zusagen. Das Problem dabei: Zu einem solchen Stammtisch kommen viele Menschen. Für mich war das ganz schön überfordernd, vor allem weil du dich mit möglichst vielen unterhalten willst, was nahezu unmöglich ist. Auch das typische Kennenlernen ist anstrengend, erst Recht, wenn es in der Masse stattfindet. Bei mir blieben hier zwei, drei Leute hängen, mit denen ich gelegentlich schreibe, aber richtig etwas entwickelt hat sich dadurch nichts... Immerhin ist es zeittechnisch in Ordnung: Es "frisst" euch nur einen Abend, zumindest fürs erste.

Kennenlernmöglichkeit: ☺☺☺☺☺
Zeitaufwand: ☺☺☺
Ernsthaftigkeit der Absicht: ☺☺☺

Vereine

Die klassische Kennenlernoption. Aber auch hier sind oft schon Grüppchen, die sich gefunden haben. Ihr müsst euch also mehr anstrengen, um rein zu kommen. Die Absicht ist entsprechend auch gering (vor allem auch wegen des gemischten Alters), aber der Vorteil ist: Hier können sich Freundschaften ganz natürlich entwickeln. Ihr quatscht in der Runde nach einem Bier, werdet Teil einer Gruppe und findet ganz automatisch Menschen, die euch mal mehr sympathischer sind, mal weniger. Es ist eben nicht so erzwungen wie diese Stammtische oder die Gruppen. Und nebenbei tut ihr etwas, was euch mal auf andere Gedanken bringt.

Kennenlernmöglichkeit: ☺☺☺☺
Zeitaufwand: ☺☺☺☺
(bis auf das wöchentliche Treffen ergibt sich alles automatisch)
Ernsthaftigkeit der Absicht: ☺☺

Freundschafts-Apps 

Seit einer Weile gibt es auch Apps, die Freundschaften knüpfen unterstützen. Ich hab mir "friendsUp" runter geladen. Je nach Ort bekommt man dort zahlreiche Vorschläge von ebenfalls angemeldeten Menschen. Findet man sie sympathisch, wischt man, ähnlich wie bei Tinder, hoch oder wenn man sie nicht sympathisch findet runter. Der Vorteil (und gleichzeitig der Nachteil): Es dürfen sich nur Frauen anmelden. So will die App gegen Baggerattacken vorgehen. Aber: Männer können die App nicht nutzen. Noch ein Nachteil: Je nach Region gibt es nur wenige Vorschläge. Wer im tiefsten Spreewald wohnt, wird also die App nicht unbedingt nutzen wollen. Doch es gibt einen riesigen Vorteil: Von vorneherein ist die Absicht klar und über Chats kann man vorab checken, ob die Chemie wohl stimmt. Bei vier Mädels habe ich festgestellt, dass wir uns wohl besser nicht treffen sollten, aber eine habe ich bei einer Art "Freundschafts-Blind-Date" getroffen. Und jetzt sehen wir uns öfter, weil wir voll auf einer Wellenlänge sind. Bislang war also die App am erfolgreichsten :-). 

Kennenlernmöglichkeit: ☺☺
Zeitaufwand: ☺☺
Ernsthaftigkeit der Absicht: ☺☺☺☺☺