Mittwoch, 7. Februar 2018

Meine 5 Minuten gehen diese Woche ans... Pendeln!

...oder: Der alltägliche Wahnsinn auf der Straße

Seit 14 Monaten pendle ich. Was erst einmal eine ganz normale Feststellung ist, klingt wie ein Klagelied. Ganz nach dem Motto: "Hey, hab ich schon erzählt, dass ich letztens eine Prüfung versaut habe?" "Nein, aber ich pendle." Und sofort wird derjenige, der das mit dem Pendeln erzählt, mitleidige Blicke bekommen. Denn das Hin- und Herfahren zur Arbeit ist irgendwie ein Fluch, den jeder verstehen kann. Jeder könnte schließlich einmal in diese Situation kommen oder war es sogar schon einmal. Falls ihr nicht wisst, wie sich Pendeln anfühlt: Hier ist mein Bericht.

So in etwa sieht mein täglicher Weg zur Arbeit im Winter aus.
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Montagmorgen, um 8.10 Uhr. Ich verlasse das Haus, meistens zusammen mit meinem Freund - der mir täglich klar macht, was die Ironie des Schicksals ist: Wir gehen 300 Meter zusammen, dann trennen sich unsere Wege. Ich stiefle über eine große Kreuzung zu unserem Parkhaus, er biegt ab. Während ich noch 50 Minuten Fahrt vor mir habe, geht er noch 5 Minuten und sitzt vor seinem Schreibtisch. Nun gut, es sei ihm gegönnt. Ich laufe also rüber zum Auto im Parkhaus, steige ein, lege zuerst die Jacke und die Handtasche ab, fummel mir Kaugummi und Lippenpflege raus (Fahren mit trockenen Lippen nervt mich) und fahre los. Wenn ich aus der Stadt will, kreuzen vier Ampeln meinen Weg. Egal, wie schnell, langsam oder taktisch ich fahre: Zwei sind immer rot, wenn ich dort ankomme. Mindestens. Inzwischen spare ich mir das Lippenritual oft, bis ich an der Ampel bin, da hab ich schließlich Zeit für so etwas. Bis ich also aus der Stadt raus bin, dauert es minimal zehn Minuten. Zehn Minuten, in denen ich jedes Mal pokere und experimentiere, wie ich am besten um die roten Ampeln herum komme. Dazu gehören unorthodoxe Sprints, Spurwechsel, Timing. Ihr glaubt ja gar nicht, wie exzessiv ich feiere, wenn ich es mal schaffe - nur um festzustellen, dass ich keine Ahnung hab und somit keine Regel, wie ich das eigentlich gemacht habe.

Danach fahre ich über eine Bundesstraße, fast zu meiner Arbeit. Den Weg könnt ihr euch so vorstellen: Wald, Wald, Wiese, Hang, Hang, Hang, Dorf, Wiese, Wiese, Wiese, Wald, Wiese, Wald, Wald, Wald, Wald, Wald, Stadt mit gefühlten tausend Ausfahrten, Wald, Feld, weite Blicke ins nichts, Wald, Feld, Wiese, Wald, Abfahrt. Klingt eintönig, ist es auch. Gelegentlich sehe ich eine Kuh (juhu!), aber das kommt dann doch eher selten vor. Obwohl diese Bundesstraße so eintönig ist, hat sie aber auch Vorteile. Sie ist ausgebaut und man darf pi Mal Daumen 100 km/h fahren. Nun habe ich eine Weile abgewogen, ob es nicht besser oder zumindest angenehmer wäre, über Land zu fahren. Bis die B12 einmal gesperrt war und ich über Land fahren musste. Holla, die Waldfee, nie wieder! Ich wurde selten so krass auf den Boden der Tatsachen geholt. Aus ästhetischen Aspekten ist die Landfahrt sicherlich wunderbar, denn man sieht kleine, süße bayerische Dörfer (und ja, hier meint Dorf so richtig klein mit Bauernhöfen und Kühen und Ziegen und so) und viel Natur. ABER: Alle drei Kilometer kommt so ein Dorf. Im besten Fall darf man mit 50 Sachen durchrauschen, im schlechteren mit 30. Also: Von 100 auf 30 auf 100 auf 50. Das geht nicht nur in den Sprit, sondern auch ins Auto und meine Nerven. Mal ganz davon abgesehen ist auch das mit den Tempo 100 unrealistisch, schließlich gibt es im Allgäu Kurven, geschweige denn Hügel - oder Berge? Jedenfalls wäre man lebensmüde, mit 100 eine solche Kurve zu nehmen. Und mit meinem kleinen Knutschkugelauto komme ich Steigungen nicht mal ansatzweise schnell hoch. Da bin ich schon froh, wenn Fußgänger mich nicht überholen. Darüber hinaus gibt es Straßen, die sich gar nicht als solche schimpfen dürften. Sie sind nämlich voller Schlaglöcher oder sogar wie alte Feldwege: Steinig und verdammt schmal (kommt dir da ein Auto entgegen, und sei es ein Smart - bekommst du panische Schweißausbrüche). Und das gilt dort tatsächlich als Straße. Irre. Heißt: Über Land brauchst du unweigerlich deutlich länger, verbrauchst mehr Benzin/Diesel und bist am Ende ein zitterndes Wrack. Ja, Allgäuer kennen diese Straße und fahren ganz normal, also tatsächlich 100 Sachen, während ich mich wieder an Schrittgeschwindigkeit gewöhne.

Ist jedenfalls die Bundesstraße mal gesperrt und man muss über Land tuckern, ist das Pendeln noch anstrengender. Jedes Mal, wenn ich höre, dass sie wieder irgendwas bauen und deshalb irgendwo die Strecke dicht machen müssen, steigen mir die Tränen in die Augen. Scheiß auf die Kühe - egal, wie sehr ich sie mag, dann doch lieber monotone B12.

Doch auch dort erlebst du so manches Abenteuer. Zum Beispiel wettertechnisch. Im Allgäu gibt es nämlich den Winter. Kein Winterchen, in dem mal einzweidrei Zentimeter Schnee liegen, sondern Winterwinter. Und obwohl hier alle daran gewöhnt sind und mit Schnee können, bekommen sie es nie hin, die Bundesstraße zum Berufsverkehr (in meinem Fall zwischen acht und neun Uhr) frei zu räumen. Auch wenn es seit Stunden nicht mehr schneit. Du kriechst also mit 50 Stundenkilometern, die sich verdammt schnell und riskant anfühlen, auf die Arbeitest und betest, irgendwann anzukommen und nicht im Graben zu landen. Genauso gut kann es aber passieren, dass ihr alle Klimazonen während der Fahrt erlebt. Als ich das erste Mal auf der B12 unterwegs war, kam es genauso: Zu Beginn schien die Sonne, dann regnete es in Strömen mit Hagelkörnern, dann wieder Sonne, ein Regenbogen (wie schön!), dann fünf Kilometer lang Schnee auf den Feldern, bevor es wieder regnete, aber nur leicht. Ehrlich, es könnte ein Slogan des Allgäus sein: Alles ist möglich.

Und das meint nicht nur das Wetter. Auch die Autofahrer. Egal, wie die Fahrbahn aussieht, sie kann auch völlig verschneit oder spiegelglatt sein: Allgäuer fahren nicht langsamer. Im Gegenteil: Sie lachen mich noch aus, weil ich mich nicht traue, mehr als 60 Stundenkilometer zu fahren. Bei Sonnenschein oder trockener Straße ist das noch schlimmer. Da werde ich überholt, obwohl ich 110 Sachen fahre. Am angsteinflößendsten ist das, wenn die Strecke mal nicht dreispurig ist, sondern nur zwei Spuren hat und womöglich Gegenverkehr kommt. Oft genug habe ich es schon erlebt, dass es knapp war. Zweimal kam mir sogar einer frontal entgegen und konnte im letzten Moment einscheren. Hallo, wach. No coffee needed. Im Worse Case kommt es sogar zu einem Unfall und im Worst Case ist die B12 mal wieder gesperrt. Umleitung? Über Land...

Aber hey, es gibt auch Tage, da passiert nichts davon. Da ist die Straße trocken, die Sonne scheint und die Menschen fahren auch irgendwie normal. An diesen Tagen bringt das Pendeln einen Vorteil: Ich kann die Musik aufdrehen und laut mitsingen. Im Sommer sogar bei offenem Fenster und mit Sonnenbrille. Und genau an diesen Tagen merke ich, dass die weite Strecke eigentlich halb so wild ist.

Montag, 5. Februar 2018

Mein Plädoyer gegen... das Tourist-Sein!

...oder warum es sich manchmal komisch anfühlt, als einer erkannt zu werden. 

Jeder von uns war schon mal Tourist. Klar, wer in Urlaub fährt, hat diese Rolle automatisch inne. Während das früher normal war und sich auch so angefühlt hat, ist es heutzutage unangenehm geworden. Nicht der Urlaub, sondern als Urlauber erkannt zu werden. So richtig aufgefallen ist mir das vor zwei Jahren in Spanien. Ich war mit meinem Freund in einem Freizeitpark und wir saßen in einer kleinen Parkbahn, als drei Reihen vor uns drei Menschen einstiegen. Die Frau hatte Trekkingsandalen und eine Bauchtasche an, der Mann ein weißes T-Shirt, eine Tankstellensonnenbrille, einen Anglerhut und Socken in seinen Sandalen. Ich dachte, ich bin im falschen Film. Gibt es so viel Klischee noch? Und dann mein Gänsehautmoment: Sie redeten deutsch. Verzweifelt schaute ich meinen Freund an. Was ist, wenn sie uns ansprechen? Oh jemine. "Lass uns bitte auf Englisch miteinander reden", flüsterte ich meinem Freund zu. Er lachte kurz, aber wir zogen es durch. Immer, wenn wir sie in der Nähe erkannten, wechselten wir ins tiefste britische Englisch, wie wir es aus der Schule kannten.

Im Nachhinein frage ich mich: Warum? Nett ist anders. Was ist daran so peinlich, von anderen Deutschen im Urlaub erkannt zu werden?

Foto: SplitShire
Letztlich ging es mir darum, dass es diese Klischeetouristen waren - oder zumindest so aussahen. Denn Klischeetouristen sind wenigstens teilweise Schuld am schlechten Touri-Image. Zum einen denkt inzwischen nahezu jeder beim Wort Tourist an die diese Klischees. Zum Beispiel an Partyurlauber, die auf eine Insel reisen, am liebsten alles niederreißen würden, überall hinkotzen und dann sang- und klanglos wieder verschwinden. Oder an Sightseeing-Inhalierer, die jeden Ort in kürzester Zeit gesehen und fotografiert haben müssen. Deren Ruf ist weit verbreitet und mein Eindruck in den vergangenen Jahren war, dass da gerne Menschen über einen Kamm geschert werden. Touristen werden deshalb gerade im Ausland in zwei Kategorien aufgeteilt: Entweder gern gesehen, weil Geld, oder nicht erwünscht.

Das versteh ich sogar. Ich hab ein halbes Jahr in Trier gewohnt, inmitten der Fußgängerzone, nahe des Doms. Und sowohl am Wochenende als auch bei Events war in der Innenstadt die Hölle los. Zugegeben, dort gab es vor allem die Sightseeing-Fans, aber auch die waren so anstrengend, dass wir heilfroh um unsere geheimen Bars und Kneipen waren, in denen wir unsere Ruhe hatten. Aber neben den Überallfotografierern gibt es ja auch Menschen, die ganz unauffällig einfach die Gegend kennenlernen wollen. So geht es mir zum Beispiel. Wenn ich im Urlaub bin, möchte ich keine verzauberte, arrangierte Stadt oder Region vorfinden, dir mir Menschen so präsentieren. Ich möchte sehen, wie es dort wirklich ist. Wie die Leute dort leben, was sie dort machen. Das passt natürlich denjenigen nicht, die mit Touristen Geld verdienen wollen. Und dass die Einheimischen skeptisch sind, verstehe ich auch. Aber ich möchte ja gar keinen nerven, sondern einfach nur dort sein. Ohne Stress, ohne Kamera, ohne harte Partymucke und massig Alkohol. Und ist das der Grund, dass ich nicht als Tourist erkannt werden möchte. Weil ich nur so die Chance hab, den wahren Zauber eines Ortes zu erleben. Zumindest ein bisschen.

Montag, 1. Januar 2018

Mein Plädoyer für... eine entspannte Silvesterfeier!

...oder warum das Fest immer für eine Enttäuschung gut ist

Jedes Jahr gibt es diesen einen Moment: Ich sitze mit Freunden zusammen, im Hochsommer, wir unterhalten uns und aus dem Nichts kommt diese Frage, bei der sich mir der Hals zuschnürt. "Was machst du eigentlich an Silvester?" Und damit beginnt dieser elendige Prozess der Planung. Für ein Fest, das jedes Jahr stattfindet. Jedes. Jahr.

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Für Kinder ist Silvester cool. Die Spannung vor dem Countdown, lange wach bleiben dürfen, das Feuerwerk. Definitiv aufregend. Dummerweise bleibt dieses Gefühl erhalten, sodass wir den Jahreswechsel auch noch als Erwachsene spannend finden, obwohl es eigentlich nichts weiter ist als der Wechsel von einem Tag auf den anderen. Damit steigen auch die Erwartungen: Silvester muss spannend sein.
Hinzu kommt, dass wir Menschen irgendwann einmal Zeiteinheiten gebildet haben. Und mit Silvester endet eine solche Einheit - nicht irgendeine, sondern die Größte. Das muss natürlich gefeiert werden. Ordentlich.
Weil sich mit diesem Tag bei Vielen aber auch der Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate einstellt, kommt Nostalgie mit auf.
Insgesamt eine explosive Mischung: Hohe Erwartungen, Feierlaune und Nostalgie. Kein Wunder, dass dieses Fest jedes Jahr irgendwie grauselig endet. Übersetzt heißt das nämlich: Die Erwartungen werden enttäuscht, es fließt Alkohol en masse (was nie gut endet) und die Stimmung kippt sehr wahrscheinlich. Eine Freundin hat das ganze Silvesterdilemma letztens erst auf den Punkt gebracht: "Ich weiß gar nicht, wo ich dieses Jahr feiern soll. Bisher ist es jedes Mal ausgeartet."

Kommen wir mal zu den praktischen Hürden. Davon gibt es nämlich einige. Zuerst einmal sind da die Freunde. Im besten Fall hat man eine Silvesterclique, mit der man jedes Jahr feiert. Das erspart viel Stress. Die meisten von uns haben so etwas aber nicht. Und weil man ja mit möglichst all seinen Lieben feiern möchte, muss man früh anfragen, schließlich haben die Freunde ja auch Freunde. Ein Faktor, der das ganze ziemlich komplex macht und dieses halbe Jahr Vorbereitung benötigt (was aber natürlich auch den Stresslevel früh hoch treibt). Am Ende dieses Prozess habt ihr von euren zehn Lieblingsmenschen acht dabei. Schritt Nummer 2: Die Frage klären, wie gefeiert wird. Da gibt es nämlich auch verschiedene Vorstellungen. Die einen wollen ruhig Zuhause Raclette und einen Spieleabend machen, die anderen in den Club und die dritten irgendwas sau teures, abgefahrenes. Bring sie alle mal unter einen Hut. Im besten Fall sind die Menschen kompromissbereit, sodass das Fazit am Ende lautet: "Okay, dieses Jahr feiern wir bei euch Zuhause, aber nächstes Jahr mieten wir eine Berghütte!" Realistisch ist aber, dass von den acht angekündigten Freunden nur noch fünf bleiben. Und damit habt ihr nach vielen Diskussionen zumindest einen Teil eurer Lieblingsmenschen versammelt. Aber ich betone noch einmal: Nach vielen Diskussionen, ergo viel Stress und umsonst gestorbenen Nerven.

Monate später ist also Silvester und ihr habt alles akribisch vorbereitet. Schon kommt das zweite Desaster auf euch zu gerannt: Die Stimmung. Denn Silvester lädt gnadenlos zu Eskapaden ein. Da wäre nämlich einmal die Nostalgie und das Gefühl, in dieser einen Nacht einen Neustart wagen zu können (Klassiker: "Wenn nicht jetzt, wann dann?"). Und dann ist da noch der Alkohol, der an Silvester in rauen Mengen fließt. Ganz böse Kombi. Ich habe selten den Jahreswechsel ohne Tränen oder Streit erlebt. Denn egal ob unter Freunden oder Pärchen: Je nach Person werden da die ärgsten Vorwürfe des ganzen Jahres noch einmal ausgepackt und dem anderen um die Ohren geworfen. Männer wie Frauen schmachten dem/der Ex hinterher und verfallen neuerlich in Liebeskummer. Schicksalsschläge kommen wieder auf den Tisch und nicht zu vergessen führt sich der ein oder andere vor Augen, was nicht alles schief gelaufen ist. Wie meine Freundin so schön sagte: Es artet gerne mal aus.

Oder - und das ist ebenfalls ziemlich blöd - Silvester ist extrem langweilig. Statt wild durch die Bude zu tanzen, hocken alle auf der Couch und starren die Wand an. Oder die Musik im Club ist grausam, es kommt einfach keine gute Laune auf. Das fiese an Silvester ist nämlich, dass jeder den Druck hat, die Party genial zu gestalten. Weil sich die Menschen, die mit euch feiern, gegen andere Partys entschieden haben. Und das steigert wieder den Stress und die Erwartungen, die dann enttäuscht werden.

Zu guter letzt ist da aber auch das Böllern, das eine Hürde darstellt. Nicht jeder mag es, Feuerwerk in den Himmel zu schießen. Und bei jeder Party gibt es einen, der unvernünftige Dinge mit den Raketen anstellt. Seit ich einmal in Hamburg an der Alster gefeiert habe, überkommt mich jedes Mal bei dem Knallen die Panik, denn dort wurde kreuz und quer geschossen. Melancholie und Freude um Mitternacht? Nein. Nacktes Überleben.

Weil mir diese ganzen Probleme zuwider sind - und ich genügend schlechte Erfahrung mit dem Fest gesammelt habe - verbringe ich Silvester mittlerweile immer anders. Ich hab schon Zuhause bei mir gefeiert, bei Freunden, mit Raclette und ohne, in Hamburg, Mainz und meiner Heimat. Und jetzt, dieses Jahr, war ich auf einer Silvestergala. Schick im Cocktailkleid ins neue Jahr tanzen. Letztlich sind wir im November einfach rein gestolpert in diese Art Fest und haben einfach mal zugesagt. Wie es war? Sicherlich nicht hürdenfrei. Aber es war entspannt.

Samstag, 25. November 2017

Meine 5 Minuten gehen diese Woche an... #metoo!

...oder warum dieser Hashtag mehr als ein Trend sein muss

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Egal, auf welchem Social Media Kanal ich momentan surfe oder welche Nachrichtenseite ich besuche - der Hashtag #metoo begegnet mir nahezu überall. Und das seit mehreren Wochen. Er drückt die Solidarität unter Frauen aus, die sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt worden sind, oder gibt ihnen eine Stimme. Angefangen hat die Geschichte rund um den Hashtag mit Harvey Weinstein. Der US-amerikanische Filmproduzent soll zahlreiche Frauen sexuell belästigt oder vergewaltigt haben. Als einige den Mut fassten und sich öffentlich mit dem Hashtag #metoo äußerten - auf die Gefahr hin, ihre Schauspielkarriere dadurch zu beenden -, schlossen sich zahlreiche andere  an, um sie zu unterstützen. Es entstand eine Kettenreaktion: Immer mehr Frauen machten ihre Erlebnisse öffentlich und gaben so vielen anderen den Mut, sich nicht weiter zu verstecken. Soweit, so gut, so wichtig. Denn es ist ein riesiger Schritt für Betroffene, das Schweigen zu brechen und die Täter anzuprangern. Das schafft nicht jede - leider.

Somit ist der Hashtag erstmal gut und gibt Frauen eine Stimme. Doch die kleine Rautenbotschaft hat einen bitteren Beigeschmack. Sie zeigt nämlich ein Problem, wenn man genau hinsieht: Den Unterschied, ob eine Tatsache bekannt oder öffentlich ist. Denn dieser #metoo-Boom, die Dauer von Weinsteins Taten und etliche Informationen, die nachträglich ans Licht kamen, machen klar, dass die Vorwürfe schon lange in Hollywood bekannt waren. Es brauchte aber erst eine starke Öffentlichkeit, um Weinstein an den Pranger zu stellen. Wie heuchlerisch das ist, zeigt zum Beispiel der Fall Terry Richardson. Er ist ein bekannter Mode- und Promifotograf, der bereits zahlreiche VIPs abgelichtet hat. Vorwürfe, dass er seine Modelle sexuell belästigt hat, gibt es bereits länger. Doch erst mit dem #metoo-Ansturm kündigte der Medienkonzern Condé Nast die Zusammenarbeit mit ihm. Der Hashtag ist also ein zweischneidiges Schwert: Er gibt Frauen eine Stimme, aber zeigt gleichzeitig die Heuchelei dieses Business auf.

Und wie es so oft ist mit Hollywood: Die Welt zieht hinterher. Schließlich boomt #metoo inzwischen nahezu überall. Und viele Medien berichten darüber. Aus verschiedensten Perspektiven. Genau das braucht #metoo, denn ohne Medien hätte der letzte Schwung gefehlt, um tatsächlich einen öffentlichen Aufschrei herbeizurufen. Doch auch in den Medienberichten liegt ein großes Problem, denn das Nachrichtenschema, ein aktuelles Thema, das die Menschen gerade interessiert, aus ständig anderen Blickwinkeln zu betrachten, überspannt hier den Bogen. Klar, es gibt gute Ansätze: In den Berichten geht es um Kunst und inwiefern #metoo Kunst einschränken darf oder um die Sicht der Männer und ob sie ihr Verhalten einmal hinterfragen sollten. Richtig so! Kein Thema ist schwarz oder weiß!

Aber die Medien greifen auch Themen auf, die Grenzen überschreiten, zum Beispiel, ob Frauen sich überhaupt noch aufhübschen sollten oder sich besser abschminken, um Männern keine Angriffsfläche zu bieten. Dieser Artikel, der in der Zeit erschienen ist, macht mich wütend, denn es ist noch nicht allzu lange her, dass diese Debatte schon einmal geführt wurde. Das Ergebnis: Das Problem sind nicht die Frauen und ihr Make-up, sondern die Männer und ihr Verhalten. Nur weil eine Frau roten Lippenstift trägt, heißt das noch lange nicht, dass Männer das Recht bekommen, ihr an den Hintern zu fassen oder ihr anzügliche Unverschämtheiten ins Ohr zu flüstern. Und auch wenn Autorin Barbara Kuchler explizit betont, dass sie das genauso sieht, fordert sie, dass wir uns abschminken. Sie wirft damit indirekt die Schuldfrage auf. Sie sagt zwar nicht, dass Make-up der Grund für sexuelle Belästigung ist, aber an deren Keim, dem Gedankengut der Männer. Und genau diese Schuldfrage sollte so einfach nicht gestellt werden. Das ist, auch in dieser milden Form, falsch, völlig daneben und rückt die Debatte ins falsche Licht. Es geht um sexuelle Übergriffe. Und daran sind nun mal diejenigen schuld, die sie verübt haben.

Genauso falsch ist es, wilde Beschuldigungen anzustellen. Ja, es ist wichtig, Namen zu nennen, Menschen an den Pranger zu stellen. Wenn sie es verdient haben. Wenn es Beweise gibt und die eindeutig sind. Diese Menschen müssen angezeigt werden und ihre Strafe bekommen. Aber einfach mal Vermutungen aufzustellen, geht zu weit. Und lenkt auch vom eigentlichen Thema ab: Den wahren Tätern. Und den starken Frauen, die sich gegen sie stellen.

Doch das #metoo-Thema, mit all seinen Perspektiven, ist für die Medien erst erschöpft, wenn es etwas neues, spannenderes gibt. Das passiert früher oder später. Und das ist ein drittes, wenn nicht sogar das größte Problem. Denn vielen Menschen passt es in den Kram, dass es demnächst wieder vorbei sein wird mit diesem Hashtag in den Medien. Weil sie sich nicht intensiv damit beschäftigen wollen. Doch genau das wäre wichtig. Dass #metoo in den Köpfen bleibt, Mut gibt und auf Dauer etwas verändert. #metoo darf kein Trend sein, denn dieser Hashtag ist mehr als das. Es muss Frauen geben, die weiter ihre Geschichte erzählen, die anprangern, die laut sind, unbequem und so dafür sorgen, dass Frauen ihre Stimme bei sexueller Gewalt behalten. Dass Männer damit nicht unbemerkt weiter machen können, weil Frauen durch #metoo wissen, dass sie nicht schweigen dürfen. Denn genau das kann dieser eine Hashtag bewirken. Dafür darf er aber nicht in Vergessenheit geraten.

Montag, 20. November 2017

Hits und Shit des Monats: November

Jede Woche gibt es neue Musik, Freitags erscheinen neue Songs und Alben. Um im Audiodschungel nicht den Überblick zu verlieren, findet ihr hier jeden Monat die Hits und den Shit des Monats. Hier stelle ich euch die Toperscheinungen - sowohl Songs als auch Alben - vor, in die ihr unbedingt reinhören solltet. Aber auch Flops gehören dazu, bei denen ihr besser abschaltet. Viel Spaß beim Reinhören!

Hits

Liza Anne - Paranoia (Song)
Manchmal höre ich einen Song und er geht mir sofort ins Ohr. Er schleicht sich durch meine Gehörwindungen in mein Gehirn und beißt sich fest. Genauso ging es mir bei Paranoia. Von Anfang an galoppiert der Beat, treibt durch das Lied und lässt einen nicht mehr los. Dann die zarte Stimme von Liza Anne, die zerbrechlich und gleichzeitig herrlich stark wirkt. Wie sie jault. Wie frech sie singt. Ich nehm ihr jedes Gefühl ab. Zwischendrin die harten Breaks und dieser wunderschöne emotionale Chorus. Selten hat mich ein Lied so sehr von Anfang an begeistert. Es vereint so viele Aspekte von Musik und ist gleichzeitig so authentisch. Hört unbedingt rein!

https://www.youtube.com/watch?v=NOSFaIK3zSc


Sweetness (Max + Johann Mix) - October Diaries (Song)
Ganz anders als Paranoia kommt Sweetness daher. October Diaries mischen aber auch Musik. Und zwar eine emotionale Ballade mit melancholischer EDM. Raus kommt ein ganz zartes Lied, das nicht weiß, ob es zum Tanzen einlädt oder zum Nachdenken. Es ist unentschlossen, aber genau das schadet elektronischer Musik im Moment nicht. Deshalb: Lob für das Experiment! 

Leider gibt es hier kein Hörbeispiel auf Youtube. Aber sucht mal auf Spotify, da ist der Song definitv!

Shit

Gwen Stefani - You Make It Feel Like Christmas (Album)
Das Non-Plus-Ultra bei Musikern ist das obligatorische Weihnachtsalbum. Welcher Star, der etwas auf sich hält, hat es nicht schon veröffentlicht? Eigentlich ist der Sinn und Zweck dahinter gar nicht schlecht: Musiker bringen klassische Weihnachtslieder in ihrem Stil heraus. Das lohnt sich zum Beispiel bei Bonnie M, die ein wunderbares Reggae-Weihnachtsalbum veröffentlicht haben. Oder Frank Sinatras "Winter Wonderland". Wunderschön. Aber diese Musikertaktik ist inzwischen inflationär geworden. Erst Recht, wenn nahezu nur gecovert wird. Das Paradebeispiel dieses Jahr ist Gwen Stefani. In vielerlei Hinsicht ist sie cool, ungewöhnlich. Die Rotzgöre der Musikszene, die bei ihren Songs aufs Ganze geht, experimentiert. Die schon mit ihrer Band No Doubt ungewöhnliche Wege gegangen ist. Umso überraschender ist jetzt ihr Weihnachtsalbum. Im Countrystil (sorry, das können Miley Cyrus (!) oder Taylor Swift (!!) besser - und wenn ich denen das zugestehe, heißt das was). Hier lohnt sich das Reinhören also definitiv nicht. 

https://www.youtube.com/watch?v=uA4STm4hx7Q


Partykirche - Maeckes feat. Audio88, Yassin (Song)
Wer Gangsta-Rap schon dämlich fand (wie ich zum Beispiel, denn jedes Lied, das Menschen herabsetzt, ist dämlich), wird hier auch nur den Kopf schütteln können. In dem Hip-Hop-Elektro-Song geht es um - wer hätte es gedacht? - eine Partykirche. Wow. Auszug gefällig? "Kein Bock, kein Spaß, Langweile, kein Interesse, doch dann hört man von weitem die Bässe der heiligen Messe". Wow, die Zweite. Erinnert mich irgendwie an Deichkind. Könnte sogar so trashig sein, dass es cool ist. Könnte. Konjunktiv. 

https://www.youtube.com/watch?v=ufkmCdgshdE

Freitag, 10. November 2017

Grow up! 15 Dinge, die ich übers Erwachsen sein gelernt habe...

...oder: Was mir meine Lieblingsmenschen übers Leben beigebracht haben!

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Erwachsen sein ist manchmal schwierig, manchmal heimtückisch, manchmal anspruchsvoll. Aber es ist auf jeden Fall völlig anders als Kind sein. Niemand ist so richtig darauf vorbereitet und obwohl man hinein wächst, reicht das einfach nicht; immer wieder begegnet man Situationen, durch die man völlig unwissend durch muss. Deshalb dachte ich, dass ich euch hier ein paar Ratschläge geben kann, wie man diesen Situationen besser begegnen kann. Und was man wissen sollte über das Erwachsen sein. Doch als ich mal darüber nachgedacht habe, ist mir schlichtweg kaum etwas eingefallen. Ich mir echt den Kopf zerbrochen, seit mehr als zwei Wochen schon. Bis ich den zündenden Gedanken hatte: Ich denk mir die Ratschläge nicht selbst aus, sondern schreibe für euch auf, was mir meine Liebsten über das Leben beigebracht haben. Denn - wenn wir mal ehrlich sind - lernen wir vieles durch unsere Mitmenschen, Freunde und Familie. Weil sie Dinge erleben, bei denen wir bloß zuschauen. Weil sie uns Sachen erklären und beibringen. Weil sie auf eine Art Weise sind, wie wir es nicht sein werden. Deshalb, liebe Lieblingsmenschen, widme ich diesen Beitrag euch und gebe den Lesern Ratschläge, die ich ohne euch nicht geben könnte. 

Keine Sorge, ich habe alle Namen geändert. Trotzdem glaube ich, dass ihr euch in den Beiträgen erkennt, auch wenn es sonst niemand tut. 

1. Lerne, mit Kritik umzugehen
Mein Vater pflegte immer zu sagen: Das Leben ist hart, sei härter. Und ja, verdammt, er hat Recht. Dir wird nichts geschenkt, im Gegenteil: Du musst so einiges einstecken. Vor allem Kritik. Manchmal ist sie berechtigt, manchmal nicht. Aber egal, wie es ist, hier mein erster Tipp (den ich selbst erstmal verstehen musste): Lernt aus Kritik. Und sei es bloß, im richtigen Moment zu nicken. Denn Gegenwind macht stark. Ist die Kritik aber konstruktiv, kann sie euch auf eurem Weg weiterbringen. Vergesst dabei nie: Wenn sich jemand die Zeit nimmt, euch Feedback zu geben und mitzuteilen, woran ihr noch arbeiten könnt, heißt das, dass dieser jemand euch fördert. Und das ist selten - aber deshalb umso lobenswerter. Wisst das zu schätzen.

2. Erweitere deinen Horizont
Vor wenigen Wochen war ich mit meinem Freund in Mainz. Wir saßen abends mit zwei wunderbaren Freundinnen zusammen, einem Pärchen, und sprachen über Gott und die Welt. Und das Küssen und Gefühle. Die beiden hatten darüber eine völlig andere Meinung als ich. Je länger wir darüber sprachen, desto mehr merkte ich, dass andere Menschen ganz andere Perspektiven auf Dinge haben können. Das habe ich mir viel zu selten bewusst gemacht. Dieses ganze Gespräch hat mir geholfen, wieder meine Gedanken zu öffnen und die Perspektive zu wechseln. Etwas, das jeder von uns einfach viel öfter machen sollte.

3. Hör niemals auf, dich auszuprobieren
Eine meiner Freundinnen ist so richtig schön quirlig. Sie hat ständig neue, abgefahrene Ideen und probiert andauernd etwas Neues aus. Frage ich sie, wie es jetzt weiter geht demnächst, sprudelt sie über und entscheidet sich am Ende doch für etwas ganz anderes. Sechs Wochen hat sie mich zum Beispiel in einer unserer Allgäuer Redaktionen besucht, sechs Wochen war sie in Böblingen. Was mich manchmal überfordert, ist aber eigentlich etwas total lobenswertes. Denn noch sind wir jung und noch dürfen wir uns ausprobieren. Warum nicht in verschiedene Dinge reinschnuppern? Festlegen können wir uns doch noch früh genug!

4. Herzensfreundschaft bleibt
Meine längste Freundschaft teile ich mit Kathrin. Ich habe sie kennen gelernt, als ich 15 war, in der Big Band. Sie nahm mich sofort herzlich auf, obwohl sie zweieinhalb Jahre älter war als ich. Fast täglich sahen wir uns nach der Schule, waren ein eingeschworenes Team. Dabei war ich damals ziemlich pubertär... Zwei Jahre später machte sie ihr Abitur und zog nach Trier, uns trennten plötzlich 100 Kilometer.  Für mich war das erst einmal ein Weltuntergang, denn, wie ihr euch vielleicht denken könnt, sind 100 Kilometer für 17-Jährige verdammt weit. Heute, sechs Jahre später, trennen uns sogar 600 Kilometer, denn ich wohne im Allgäu und sie im Ruhrpott. Wir beide sind älter geworden, reifer, haben uns ganz schön verändert. Trotzdem ist diese Freundschaft unzerbrechlich. Wir telefonieren, sehen uns regelmäßig und sie ist noch immer einer der tollsten und wichtigsten Menschen, die ich kenne. Kathrin hat mich gelehrt, dass eine Herzensfreundschaft bestehen bleibt. Scheiß egal, wie weit der andere entfernt ist.

5. Setz Priortäten
Manchmal weiß man gar nicht, wo einem der Kopf steht. Auf der Arbeit ist das alles immerhin noch auf acht Stunden täglich beschränkt - zumindest meistens - aber privat ist das manchmal ähnlich. Freizeitstress, wie meine Mutter zu pflegen sagt. Erwachsene müssen also lernen, Prioritäten zu setzen. Denn das macht das Leben aus. Das heißt nicht, Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen, sondern ganz klar zu sieben. Meine Freundin Jana hat damit besonders zu kämpfen, weil sie viele Hobbys hat, eine Fernbeziehung und dann auch noch dummerweise Freunde wie mich, die weit weg wohnen. Umso schöner ist es, wenn sie sich Zeit für einen nimmt, wenn man doch mal in der Nähe ist. Zum Beispiel letztens, als ich ein Wochenende in Mainz war und sie morgens zum Frühstücken vorbei kam. Trotz Stress.

6. Es findet sich immer ein Weg
Manchmal ergeben sich im Leben Situationen, die alles kompliziert machen. Bei einem Kumpel von mir, Ben, war das so. Er verliebte sich bei einem Sportturnier in ein Mädel, das in seiner Studienstadt lebte. Dummerweise lebte er dort nicht mehr. Eine ganze Weile führten die beiden eine Fernbeziehung, bis sie einen Job in seiner Nähe fand. Heute leben die beiden zusammen und haben sogar zwei Hasen (unheimlich putzig!). Ähnlich war es bei meiner Freundin Bettina. Sie hat drei Fächer studiert, hatte Gelegenheitsjobs und sich durchgewurschtelt. Bis sie heute mit mir ihr Volontariat macht. Und aufblüht. Oder mein Kumpel Leon, der sich durch zwei Jobs angeln musste, bis er mit seiner Freundin nach Wiesbaden ging, wo seine ganze alte Clique inzwischen lebt. Es findet sich also immer ein Weg, wenn auch vielleicht nicht sofort.

7. Verschwende keine Zeit an falsche Freunde
Jeder von uns hat sie: Menschen, mit denen man Zeit verbringt, obwohl sie Gift für einen sind. Und man sich nach jedem Treffen fragt, warum man eigentlich seine Zeit verschwendet hat. Aber die Angst, alleine zu sein oder in Streit zu geraten, ist zu groß und so bleibt man in dieser Beziehung oder Freundschaft. Hier ist Yvonne mein Vorbild. Sie hatte eine Mädelsclique, die oberflächlich war und sich gar nicht für sie interessierte. Irgendwann merkte Yvonne das, hatte genug und entschied, lieber sie selbst sein zu wollen. Also sagte sie den Mädels, dass sie sich zurück zieht, auch wenn das erst einmal bedeutet, deutlich weniger Freunde zu haben. Ich bin stolz darauf, dass ich sie jetzt als meine Freundin zählen kann.

8. Do what you love
Manchmal schlägt man im Leben den falschen Weg ein. Wie mein bester Freund Christoph. Er wollte Jurist werden, spürte aber immer deutlicher, dass er das Falsche tut. Vor dem ersten Staatsexamen, in das er viel Zeit investiert hatte, schwenkte er um. Mit vielen Gewissensbissen. Jetzt bewirbt er sich für Soziologie, weil er merkt, dass er dafür einfach brennt. Das hat mir gezeigt, dass manchmal Umwege nötig sind, um glücklich zu sein. Dass es sich aber immer lohnt, dafür einzustehen.

9. Sei du selbst
Frederike war noch nie bequem. Sie ist laut, redet viel, grunzt süß beim Lachen und färbt sich ihre Haare gerne bunt. Frederike fällt auf. Und ist auch so manches Mal schon damit angeeckt. Aber das ist völlig egal, weil sie eben so ist. Genau das ist unheimlich liebenswert und verdient den größten Respekt, weil sie sich nicht verstellt. Ihr ist egal, was andere denken. Dafür - und für ihren tollen Charakter natürlich - mag ich sie unheimlich gerne!

10. Me first!
Okay, das mag jetzt komisch klingen, vielleicht überheblich und egozentrisch. Trotzdem bin ich fest davon überzeugt: Es hilft nichts, im Leben nur auf andere zu schauen. Denn wir verbringen nun mal die meiste Zeit mit uns selbst. Da sollten wir dafür sorgen, dass es uns gut geht und wir mit uns klar kommen. Ein gutes Beispiel ist mein Kumpel Florian. Er ist ein unglaublicher Sonnenschein, auch wenn es ihm momentan schlecht geht. Nach außen lässt er davon nichts dringen. Andere sind ihm wichtiger als er selbst, zumindest oft. Das ist falsch. Denn das eigene Wohlbefinden ist doch am wichtigsten. Erst wenn wir uns wohl fühlen, können wir uns auch ausreichend um andere kümmern. Also: Stellt euch selbst mehr in euren Lebensmittelpunkt und hegt und pflegt euch!

11. Scheiß auf Konventionen
Eines meiner Lieblingspaare sind Nathaniel und Andrea. Sie sind inzwischen seit (grob) neun Jahren zusammen und nicht verheiratet. Warum? Weil sie das so wollen. Sie hat zwar ein Tattoo mit seinem Anfangsbuchstaben auf dem Handgelenk und sie teilen sich seit Jahren eine Wohnung - und Zukunftspläne haben sie natürlich auch. Aber heiraten möchten sie vorerst nicht. Gut so, denn es ist ihr Leben. Die Norm sollte nicht unser Leben bestimmen und wie das geht, zeigen die beiden ganz wunderbar!

12. Liebe kommt unerwartet
Die schönste Liebesgeschichte haben Jonah und Finja. Die beiden kenne ich schon ziemlich lange, beide Partypeople, wie sie im Buche stehen. Dann lernte Jonah Finja beim Feiern kennen, sie verliebten sich, hatten eine Beziehung. Plötzlich war Finja schwanger. Etwas, dass sie - ähnlich wie Heiraten - nicht wollten. Das grätschte beiden völlig in ihren Lebensstil. Doch sie bekamen das Kind. Jonah beteuerte damals noch, irgendwann bekomme er Finja vor den Traualter. Zwei Jahre später, Oktober: Beide sagten Ja. Das schönste waren die Brautworte: "Liebe Gäste, ich bin gerade an einem Punkt, an dem ich nie sein wollte. Und bin irre glücklich." Liebe findet eben immer ihren Weg. Das wäre dann auch mein Appell an Singles: Nicht verzagen, oft kommt die Liebe unerwartet.

13. Immer schön ehrlich sein 
In meiner Familie habe ich gelernt, dass Harmonie wichtiger ist als klare Worte. Hakte es irgendwo, wurde das nicht angesprochen. Alle beteiligten fraßen es in sich hinein. Als Erwachsene habe ich aber das Gegenteil gelernt: Ehrliche (diplomatische!) Worte lösen manchen kleinen Konflikt, bevor er auflodern kann und sorgt für geklärte Verhältnisse. Kostet ja nicht viel, mal sanft auf den Tisch zu hauen. Am besten hat mir das meine Freundin Svenja gezeigt. Sie haut einem manchmal Dinge um den Kopf, dass die Ohren nur so schlackern. Aber das macht sie, weil sie mich mag. Und ich möchte auf nichts davon verzichten (wobei ich dir immer noch übel nehme, dass ich so spießig bin...:-P).

14. Ein bisschen gleich, ein bisschen anders
Schon wieder Liebe. Aber hey, das beschäftigt einen als Erwachsenen doch auch. Hier ist mein Freund mein Mentor. Meine vorherigen Beziehungen waren Chaos, geprägt von aufgewühlt sein und Spannung. Bei meinem Freund ist das anders. Auf den ersten Blick könnten wir nicht unterschiedlicher sein: Er eher still und introvertiert, ich laut und selbstbewusst. Aber auf den zweiten Blick sind wir uns unglaublich ähnlich. Verstehen uns blind und teilen dieselben Werte. Genau das macht Liebe meiner Ansicht nach aus, sie braucht beides: Gegensätze, die einen Reiz ausmachen, und Ähnlichkeiten, die Nähe schaffen.

15. Die Familie ist unglaublich wichtig
Es gibt Tage, da habe ich verflucht, dass ich einen großen Bruder habe. Und es gab Zeiten, in denen ich mit meinen Eltern ganz schön im Clinch lag. Aber wenn es hart auf hart kam - und das habe ich in meinem jungen Leben schon zwei Mal erleben müssen - war meine Familie der wichtigste Halt. Egal, wie oft wir uns kabbeln und in den Haaren liegen, haben sie immer einein Sonderstatus. Ich kann auf sie zählen, genauso wie sie immer auf mich zählen können. Familie ist einfach ein Band, den man pflegen sollte und der nicht reißt.

Jeder von euch, der hier einen Punkt in der Liste hat und an der ein oder anderen Stelle denkt: "Huch, das bin ja ich", kann sicher sein, dass er nicht nur hier, sondern auch in meinem Herzen einen festen Platz hat. Ihr seid die tollsten Menschen!

Sonntag, 22. Oktober 2017

Grow up! Woran merken wir, dass wir erwachsen werden?

...oder auch nicht...

Um mich herum hörte ich eine Menge Stimmen, die durcheinander quatschten. Vor mir rauschte im Minutentakt eine Achterbahn in ihren Bahnhof. Ein paar Leute stiegen ein, wir rutschten nach. Letztens waren mein Freund und ich in einem Freizeitpark. In der prallen Mittagssonne standen wir in der Schlange der Black Mamba, einer Hängeachterbahn. Noch zehn Leute vor uns, also ziemlich genau eine Runde. Ich ließ den Blick in meiner Langeweile schweifen und schaute mir an, wer noch so in der Reihe stand.
Unmittelbar vor uns war eine Familie: Mutter, Vater, zwei Jungs, der eine vielleicht 13, der andere 10, vermutlich. Beide Eltern Ende 30. Ich sah ihnen die Rollenverteilung im Freizeitpark deutlich an: Vater und Söhne freuten sich auf Action, die Mutter lief ihnen zuliebe mit. So ähnlich war es früher bei mir auch.
Ich drehte den Kopf und blickte mich um. Etwas weiter hinten wartete ein Pärchen, beide etwa Ende 40, keine Kinder. Sie wirkten frisch verliebt und gut gelaunt. Die typischen Parkdraufgänger, die jedes Fahrgeschäft mit Adrenalin mitnehmen und ordentlich auf die Kacke hauen. Von denen es aber nur wenige gibt, denn viele in dem Alter machen das irgendwie nicht mehr. Sie fühlen sich zu alt.
Und mittendrin mein Freund und ich: Irgendwo zwischen Familie und alternden Draufgängern. Denn, zugegeben, wir waren auch über dem klassischen Altersdurchschnitt. Und während ich da so stand und beobachtete, gingen mir zwei Fragen durch den Kopf: Wann werden wir erwachsen - zu erwachsen für Freizeitparks - und, viel wichtiger, woran merken wir das eigentlich?

Früher war das alles einfacher: Man hat die Schule fertig gemacht, mit 16 spätestens eine Ausbildung angefangen und war somit erwachsen. Ein Bruchteil der Jugendlichen hat Abitur gemacht, noch weniger haben studiert. Laut Statistischem Bundesamt machten 1960 noch 6 von 100 Schülern ihr Abitur, 2003 waren es 24 von 100, die Zahl der Studenten hat sich seitdem mehr als versiebenfacht, wie Die Welt berichtet. Früher waren die Lebensumstände also noch anders. Es wurde früh geheiratet und die ersten Kinder kamen, als die Frauen Anfang 20 waren. Und bei der Berufswahl entschieden die Eltern noch mit. Das bedeutet, junge Leute standen zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr auf eigenen Beinen, hatten sich selbst zu versorgen und viel mehr Verantwortung.

Schauen wir uns mal 16-Jährige heute an. Sie gehen in den meisten Fällen noch zur Schule. Ein wesentlich kleinerer Teil als früher hört nach der zehnten Klasse auf. Abiturienten also, die rund ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, gehen bis zur zwölften oder dreizehnten Stufe in die Schule. Ein Teil davon studiert anschließend. Heißt, sie sind frühestens mit etwa 22 mit ihrer schulischen Ausbildung fertig. Die meisten Studenten sind dann aber Mitte 20, das ist zumindest mein Eindruck. Und mal abgesehen vom Alter können junge Menschen frei entscheiden, welchen Beruf sie ausüben wollen - und sich entsprechende Qualifikationen aneignen. Natürlich gilt das nicht nur für den Beruf, sondern für alles im Leben: Sie können ihren Partner frei wählen, ihren Wohnort (wenn man mal die Mietpreise außen vor lässt) und wie sie leben wollen.

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Und das ist natürlich gut so. Es bringt aber eben mit sich, dass viele ihre Jugend so lange beibehalten wollen wie möglich. Weil sie schön war und ist. Weil Verantwortung zu viel sein kann. Wir haben die Chance, so zu leben wie wir wollen? Dann machen wir das auch. Das könnte zumindest ein Grund sein, warum junge Menschen nicht erwachsen werden - sie müssen nicht.

Ein anderer Punkt ist aber, dass Erwachsen sein eine Entscheidung ist. Oder viel mehr die Entscheidungen im Leben dazu führen, dass wir erwachsen werden. Wir heiraten? Dann haben wir Verantwortung für einen anderen Menschen. Sind also Erwachsen. Wir bekommen ein Kind? Dito. Wir ziehen in eine eigene Wohnung? Verantwortung für zwei Zimmer, Küche, Bad. Erwachsen. Also entscheiden sich viele, keine Entscheidung zu treffen. Sie teilen sich die Wohnung lieber mit anderen in einer WG, leben in lockeren Beziehungen und lassen sich treiben. Kurzum: Sie vermeiden also jede Entscheidung, die einen einschränken könnte - und somit erwachsen werden lässt. Schließlich heißt Erwachsen sein nichts anders als: Festlegen auf eine Option. Und sich damit abfinden.

Ich möchte mich davon gar nicht ausschließen. Ich merke selbst, dass es mir zum Erwachsen sein an einigem fehlt. Aber diese Entwicklung der ewigen Jugend bringt auch einige Probleme mit sich. Das größte ist wohl die biologische Uhr. Klar kann man mit Ende 30 sagen: "Ich fühl mich nicht bereit für ein Kind." Aber früher oder später kommt der Punkt, an dem das mit dem Kinderkriegen nicht mehr klappt. Auch so Sachen wir Altersvorsorge oder Immobilienkauf werden mit jedem Jahr schwerer, weil man mehr oder länger Geld zurück legen muss. Und je später man arbeiten geht, desto länger muss man ranklotzen, bis man in Rente gehen darf. Treiben lassen schön und gut, aber das hat Grenzen.

Deshalb bin ich ja für eine Zwischenlösung, die Mischung aus beidem. Auf der einen Seite die Steuererklärung machen, auf der anderen Seite den Hauskauf aufschieben. Auf der einen Seite die Wohnung sauber halten, auf der anderen Seite am Wochenende wild feiern gehen. Oder auf der einen Seite in den Freizeitpark gehen und sich auf der anderen Seite Gedanken übers Erwachsen werden machen.

In den nächsten Wochen erscheinen unregelmäßig weitere Teile der Serie "Grow up". Dabei geht es um das Erwachsen werden in verschiedenen Facetten. Viel Spaß beim Stöbern!